Eine polytechnische Grundausbildung -Allgemeinbildende Schulen in der DDR Anja-Kristina Rein
Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung 1
2 Eine Polytechnische Grundausbildung- Allgemeinbildende Schulen in der DDR 4
2.1. DDR und BRD - Zwei unterschiedliche Bildungssysteme in Deutschland ? 4
2.2. Die allgemeinbildende polytechnische Oberschule, Chronologische Entwicklung und
struktureller Aufbau. 5
2.3. Die polytechnische Grundausbildung als Grundpfeiler sozialistischer Werte-
Erziehung 8
3 Ausblick. 11
1 Einleitung
Die B edeutung der Bildungspolitik ist eine der wichtigsten Visitenkarten eines Landes.
Dar über hinaus lassen die Erziehungsziele und die Wege, diese Ziele zu erreichen, ein tieferes
Verständnis für die innere Situation eines Staates zu als die bloße Beschreibung der Staats/
Regierungsform oder die Nennung der neuesten Wirtschaftsdaten. So beeinflussen die
gew ählten Konzepte der Bildungspolitik die ideologischen Weltanschauungen, politischen
Meinungen oder moralischen Überzeugungen ganzer Generationen von neuen Staatsbürgern.
Allgemeinbildende Schulen als obligatorische Institutionen in Staaten mit Schulpflicht haben
den größten Anteil an der Ausbildung dieser Überzeugungen und sind somit sehr
interessanteste Anschauungsmodelle für eine erfolgreiche oder nicht erfolgreiche
Erziehungspolitik.
Deutschland war knapp 50 Jahre lang ein geteilter Staat. Auch bildungspolitisch wurden auf
beiden Seiten der Mauer unterschiedliche Wege beschritten. Als zukünftiger Lehrer in der
wiedervereinigten Bundesrepublik Deutschland (BRD) scheint es mir deshalb unabdingbar,
sich mit den Unterschieden der verschiedenen Bildungs- und Schulpolitik zu beschäftigen.
Allein schon deshalb, um ein besseres Verständnis für die eigenen Schüler, welche ja Kinder
jener Schüler von damals sind, zu bekommen. Da mir als gebürtiger Westdeutscher die
westdeutschen Konzepte hinlänglich vertraut scheinen, soll sich in dieser Arbeit der
Schwerpunkt der Fragestellungen und Quellenbetrachtungen auf die ostdeutsche
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Eine polytechnische Grundausbildung -Allgemeinbildende Schulen in der DDR Anja-Kristina Rein
Bildungswirklichkeit beziehen, womit die The menstellungen auch für eine Hausarbeit in einer quellenkundlichen Übung zum Thema: Grundzüge der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) legitimiert ist.
In dieser Arbeit soll die Entwicklung der Allgemeinbildenden Schulen in der DDR im Vergleich zu denen der BRD nachgezeichnet werden. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem größten Unterschied zum Westdeutschen Schulmodell, nämlich dem hohen Stellenwert des berufsvorbereitenden, polytechnischen Unterrichts in den allgemeinbildenden Oberschulen der DDR. Dieser soll hier im ideologischen und praktischen Kontext der DDR-Bildungspolitik näher beleuchtet und bewertet werden.
In einer quellenkundlichen Arbeit mit relativ beschränkten Anspruch wie dieser kann leider nicht jede These auf ihre hundertprozentige Stic hhaltigkeit überprüft werden. Dazu fehlt allein schon der Zugang zu den Quellen. Deshalb stützen sich die Aussagen dieser Arbeit hauptsächlich auf Gesetzestexte, Lehrpläne und andere rechtlich relativ unanfechtbare Quellen, da die Gefahr von Propaganda oder Verzerrung der Wirklichkeit hier relativ gering erscheint..
Für die Betrachtung der intentionellen Unterschiede der beiden deutschen Bildungssysteme waren besonders das „ Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland“ vom 23. Mai 1949 mit den Änderungen vom 12. Mai 1969, die „ Verfassungen der Deutschen Demokratischen Republik“ vom 7. Oktober 1949 und 6. April 1968 sowie das „Familiengesetzbuch der DDR“ in der Fassung vom 20.Dezember 1965 hilfreich. Als grundlegende Gesetzestexte beschreiben sie den Anspruch der jeweiligen Staatsform an die Erziehungs/Bildungspolitik in eindrucksvoller Form und sind dadurch, dass politische Handlungen in einer Demokratie verfassungstreu sein sollten, Quellen von deren praktischer Umsetzung ,zumindest bedingt ausgegangen werden kann.
Eine interessante Interpretationen der bildungspolitischen Ziele der BRD zeigt der „Struktur- planfür das Deutsche Bildungswesen“, der 1970 vom Deutschen Bildungsrat verfasst wurde, um die Notwendigkeit der schulischen Chancengleichheit noch einmal vor Augen zu führen. Auf DDR-Seite zeigen die „ Aufgabenstellungen des Ministeriums für Volksbildung und des Zentralrates der FDJ“, welche 1969 in der Deutschen Lehrerzeitung erschienen, die Vorstellungen der DDR-Führung zur weiteren Entwicklung der staatsbürgerlichen Erziehung in der DDR auf.
Die Beschreibung von strukturellem Aufbau und Entwicklung der allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule POS und der erweiterten Oberschule (EOS) in der DDR stützt
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sich in der Mehrzahl auf Gesetzestexte, welche die Entwicklung der Schulsysteme in BRD und DDR erkennen lassen.
So beschreiben das „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule“, welches 1946 von der Sowjetischen Besatzungsmacht erlassen wurde und den Aufbau des neuen Schulsystems im Ostsektor regelt und die „Entschließungen der Erziehungsminister zur Frage der Schulreform“ 1948 in der BRD sehr gut die verschiedenen Wege der Bildungspolitik. Den konkreten Aufbau der Schultypen der DDR läßt sich aus den „Thesen des Zentralkomitees über die Sozialistische Entwicklung des Schulwesens“ (1959), den „Instruktionen für die Vorbereitung und Durchführung der Umgestaltung der EOS“ (1966), und der „Studie der Akademie der pädagogischen Wissenschaften der DDR“ (1987), erkennen, welche Neuerungen und Veränderungen im DDR- Schulsystem dokumentieren. Bindend niedergelegt sind die vorher genannten Quellen im 1969 erlassenen „Gesetz über das einheitliche sozialistische. Bildungssystem“, und der „5. Durchführungsbestimmung zum Gesetz über das einheitliche Sozialistische Bildungssystem, die das Sonderschulwesen regelt.
Mit dem „Rahmenplan zur Umgestaltung und Vereinheitlichung des allgemeinbildenden öffentlichen Schulwesens“, 1959 vom Deutschen Ausschusses für das Erziehungs- und Bildungswesen erstellt, wurden die grundlegenden Bestimmungen für das westdeutsche Schulsystem gelegt.
Einen Eindruck der bildungspolitischen Auseinandersetzungen der 70-er Jahre in West-deutschland geben 1978 die „Thesen und Gegenthesen des Bonner Forums und der deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften“ aus der Zeitschrift für Pädagogik wieder.
Die Ansprüche und Ziele des Polytechnischen Unterrichts an den POS (EOS) sowie die Konkrete Umsetzung wurden hauptsächlich anhand der Lehrpläne: „Lehrplan für POS von 1595/ Klasse 7 bis 10“, „Lehrplan für die POS von 1968/ Klasse 7- 10“, und dem Artikel: „Die berufliche Grundausbildung in Klasse 9 und 10“ in der Deutschen Lehrerzeitung betrachtet. Der 1966 erfolgte „ Beschluß des Ministerrates der DDR zur weiteren Entwicklung der berufsvorbe reitenden Bildung in den Klassen 9 und 10“sowie die „Prognose des Bildungswesens“, 1973 von der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften erarbeitet, zeigen Probleme im Bildungssystem der DDR auf. Zum Schluss lässt sich mit dem „Schlussbericht der Enquete-Komission des Deutschen Bundestages“ 1990., eine vorsichtige Wertung de DDR- Bildungspolitik wagen.
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Arbeit zitieren:
Anja Rein, 2002, Eine polytechnische Grundausbildung -Allgemeinbildende Schulen in der DDR, München, GRIN Verlag GmbH
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