INHALT
EINLEITUNG 3
1. FRAU UND BERUF 4
1.1. „GLEICHER LOHN FÜR GLEICHE LEISTUNG“ 4
1.2. BERUF HAUSFRAU 8
1.3. VERGLEICH 12
2. EHE, HAUSHALT UND FAMILIE 13
2.1. SPAGAT ZWISCHEN BERUF UND FAMILIE 13
2.2. DIE „KLUGE“ FRAU 16
2.3. VERGLEICH 18
3. SCHÖNHEIT UND MODE 20
3.1. MODE „VON WERKTÄTIGEN FÜR WERKTÄTIGE“ 20
3.2. „WIR WOLLTEN WIEDER SCHÖN SEIN“ 21
3.3. VERGLEICH 23
4. ZUSAMMENFASSUNG 24
LITERATUR 25
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 26
2
Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Leben der Frauen in der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland während der 50er Jahre. In beiden Teilen Deutschland wurde gerade zu dieser Zeit, mehr oder weniger von offizieller Seite, aber vor allem in der Öffentlichkeit, darüber diskutiert, welche Rolle die Frau in der jeweiligen Gesellschaft anzunehmen hatte. In beiden Teilen herrschte eine patriarchalische Grundstruktur, die besonders daran interessiert war diese Rollenzuweisung vorzunehmen, da besonders die Frauen direkt nach dem Zweiten Weltkrieg ihre traditionellen Rollen als Hausfrau und Mutter verließen, um ihren Familien das Überleben zu sichern. Die Konturen der alten Rollenbilder verblassten und die herrschende Ordnung geriet ins Wanken 1 . Deutschland in den ersten Nachkriegsjahren war ein Frauenland. Die „Trümmerfrauen“ schafften einen neuen Anfang und die Erwerbsarbeit in den ersten Jahren war no twendig, da Familienunterhaltszahlungen für Kriegswitwen und Soldatenfrauen ersatzlos gestrichen wurden 2 . Dies war die Ausgangssituation, als die fünfziger Jahre begannen und für die meisten Frauen in beiden Teilen Deutschland mit dem Zurückkommen der Männer ein neues Leben begann.
Das Leben der Frauen in diesem Jahrzehnt möchte ich unter verschiedenen Aspekten beleuchten. Hauptsächlich geht es um den zentralen Aspekt der Gleichberechtigung, der sich gewissermaßen durch den gesamten Text zieht. Denn in fast allen Lebenslagen hatten Frauen darum zu kämpfen: im Beruf, in der Partnerschaft, im Haushalt und in der Familie und letztendlich wenn es um die Schönhe itspflege und die Mode geht. Vor allem die Einflüsse der USA und der Sowjetunion möchte ich hinterfragen und die Frauenbilder der Massenmedien, insbesondere der Frauen- und Modezeitschriften die in den fünfziger Jahren gegründet wurden, untersuchen. Insgesamt aber liegt es mir an einer Gegenüberstellung der beiden Systeme in Bezug auf Frauen und ihren Problemen. In jedem Kapitel werde ich daher erst das jeweilige Thema hinsichtlich der DDR, dann hinsichtlich der Bundesrepublik Deutschland untersuchen um die Ergebnisse danach zu vergle ichen.
1 Budde, Gunille-Friederike: „Tüchtige Traktoristinnen“ und „schicke Stenotypistinnen“. In: Amerikanisierung und Sowjetisierung in Deutschland 1945-1970. Hrsg.: Jarausch, Konrad & Siegrist, Hannes. Frankfurt/New York, 1997. S. 244.
2 Budde (1997), S. 247.
3
1. Frau und Beruf
1.1. „Gleicher Lohn für gleiche Leistung“
Es hatte fast den Anschein, als ob die DDR mit der traditionellen Rollenverteilung brechen wollte. Die Realität sah allerdings ganz anders aus.
Um den Wiederaufbau zu garantieren, musste sich die SED auf die Werbung von Frauen für eine Erwerbsarbeit konzentrieren, denn der Anteil der Frauen unter den Berufstätigen fing an, trotz heimkehrender Männer, zu steigen 3 . Voraussetzung für eine allgemeine Erwerbsarbeit der Frauen wurde die rechtlich verankerte Gleichberechtigung der Frau. Dabei ließ sich die ökonomische Notwendigkeit gut mit der ideologischen vereinen, denn „angeblich konnte nur die Erwerbstätigkeit die Frauen vom „Joch“ und von der „Sklaverei“ (Lenin) der Hausarbeit befreien und ihnen die Möglichkeit eröffnen, ihre Fähigkeiten und Talente voll zu entfalten“ 4 . Im Sozialismus sollte diese Ausbeutung beseitigt werden. Dabei deckten sich die Zielvorstellungen der Partei mit den verfassungsrechtlichen Gegebenheiten.
In der Verfassung der DDR von 1949 hieß es demgemäß im Artikel 7, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind, und dass alle Gesetze und Bestimmungen, die der Gleichberecht igung der Frau entgegenstehen, aufgehoben sind.
Das Gleichstellungsgebot war staatliches Instrument, um Frauen für die Arbeit zu gewin-
3 Obertreis,Gesine: Familienpolitik in der DDR 1945-1980. Opladen, 1986. S. 50.
4 Nickel, Hildegard Maria: Leitbilder und Alltagsrealität. In: Ungleiche Schwestern? Hrsg.: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland - Reiche, Jürgen. Bonn, 1997, S. 26.
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vermittelt werden sollten. Die Förderung der Frau stand im Mittelpunkt dieses Abschnitts. Um dies zu realisieren, sollte die Arbeit dem Wissen der Frau entsprechen, gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt werden und Maßnahmen zur Qualifizierung bereitgestellt werden. Auf diese Weise sollten die Frauen eine innere Bereitschaft zur Erwerbsarbeit entwickeln, damit sie diese später als Beruf anne hmen. 5
Des Weiteren wurde die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die Einhaltung des Verbotes, dass Frauen schwere und gesundheitsschädliche Arbeiten verrichten und die Berücksicht igung der Mutterschaft mit Kleinkindern bei Überstunden und Nachtarbeit propagiert, damit die Gleichberechtigung nicht zur Gleichmacherei wird. 6
Letztendlich sollten mehr Krippenplätze und Kindertagesstätten geschaffen werden, damit der Eintritt ins Berufsleben erleichtert wird. 7
Da Verfassung und Gesetze die Frauen in der DDR nicht direkt ansprachen, mussten Anfang der 50er Wege gefunden werden, sie für die Erwerbsarbeit zu begeistern. Vor allem durch die Medien wurden die Frauen ideologisch beeinflusst. In Zeitschriften, wie der „Frau von heute“ oder der „Sowjetfrau“ wurden Frauen vorgestellt, die mit Begeisterung ihren Beruf ausüben. Schwerpunkt war dabei die Frau in Männerberufen. Die Arbeiterinnen schauten auf den Fotos meist durchgängig fröhlich in die Kamera und sprachen in den Begleitinterviews in der Regel voll Stolz von ihrer Arbeit und dass sie den Männern gleichrangig oder sogar überlegen seien. 8 Meist waren es Traktoristinnen, Bäuerinnen, Schaffnerinnen, Schrankenwärterinnen, Technologinnen, Agrarbiologinnen u.ä. 9 Die werktätige Frau sollte zum alltäglichen Erscheinungsbild werden und die Gleichberechtigung wurde mit der Berufstätigkeit gleichgestellt, denn Berufsarbeit sei nicht nur Gelderwerb, sondern die Mitarbeit der Frau auf allen Ebenen des sozialen Lebens und die Grundlage der Selbstständigk eit, so die Zeitschriften. Zusätzlich würde die werktätige Frau den Wohlstand der Gesellschaft steigern. 10
Unter der Leitung des Demokratischen Frauenbunds Deutschland (DFD) wurde mit orga-nisatorischen Mitteln versucht, die Frauen für die Erwerbsarbeit zu begeistern. Der DFD
5 Obertreis (1986), S. 57-59.
6 Obertreis (1986), S. 59.
7 Obertreis (1986), S. 59.
8 Budde (1997), S. 253.
9 Obertreis (1986), S. 64.
10 Obertreis (1986), S. 66-67.
5
leistete „systematische Aufklärungsarbeit über die Notwendigkeit der Mitarbeit der Frau im Produktionsprozess zur Erfüllung der Volkswirtschaft“ 11 Durch Hausfrauennachmittage, Hausversammlungen, Elternabende und individuellen Ansprachen versuchten sie die Frauen doppelt unter Druck zu setzen: Zum einen redeten sie ihnen ein, dass die Gleichberechtigung nur durch die Berufstätigkeit möglich sei und zum anderen ist die Mitarbeit der Frau die Voraussetzung für den Kampf für den Frieden. 12
Der erfolgreichste Weg die Frauen von der Erwerbsarbeit zu überzeugen, war der ökologische Zwang und richtete sich vor allem an ledige, geschiedene und verwitwete Frauen. Durch Bestimmungen zur Sozialversicherung, zur Sozialfürsorge und durch die Familienrechtsprechung wurden sie praktisch zur Arbeit gezwungen.
Die Änderungen der Sozialversicherung betrafen vor allem verwitwete Frauen. Die Zahl der älteren Menschen und somit der Rentner nahm zu und um dies auszugleichen, mussten viele Arbeitskräfte in den Arbeitsprozess eingegliedert werden, unter anderem auch die vielen Kriegswitwen.
Nach der Verordnung von 1952 wurde verboten, Personen, die nicht invalide sind, Sozia l-fürsorge zu zahlen. Betroffen waren davon alleinerziehende Frauen, die vorher davon lebten und nun einer Erwerbstätigkeit nachgehen mussten.
Geschiedene Frauen bekamen nach der neuen Familienrechtssprechung nur noch in Ausna hmefällen das Recht auf Unterhalt durch den Mann. 13
Der effektivste Weg, die Frau in die Erwerbstätigkeit zu locken, war nur der ökonomische Ansatz, der die alleinstehenden Frauen erreichte. Bei ihnen wandelte sich das Recht auf Arbeit nun in eine Pflicht zur Arbeit um. Verheiratete Frauen konnten sich zunächst der Kampagne entziehen, daher wahrten Mitte der fünfziger Jahre 4/5 der DDR-Familien das traditionelle Familienbild, in der die Frau sich nur um Haushalt und Kinder kümmert und der Mann der alleinige Verdiener ist. 14
Die Wirklichkeit der werktätigen Frauen war nicht so rosig, wie sie in Zeitschriften und vom DFD beschrieben wurden. Oft war es ein zäher Kampf der Frauen, vor allem in Män-
11 Obertreis(1986), S. 67.
12 Obertreis (1986), S. 68-69.
13 Obertreis (1986), S. 70-73.
14 Obertreis (1986), S. 74.
6
nerberufen und gegen die Vorurteile der Männer gegenüber Frauenarbeit, denn die DDR blieb, trotz Gleichberechtigungsgesetz und MKSchG, eine patriarchalische Gesellschaft. Frauen hatten kaum eine Chance sich in ihrem Beruf zu qualifizieren. Sie blieben meist in der untersten Lohngruppe.
Die Regierung bildete daraufhin Frauenausschüsse, die sich dem Kampf um die Anerkennung der Frau und ihrer Bedürfnisse annehmen sollten. Hauptsächlich setzten sie sich gegen Lohnunregelmäßigkeiten, für mehr und bessere Sozialeinrichtungen und für die Qualifizierung der Frauen ein. Besonders die Vorurteile seitens der Männer machte es den Ausschüssen schwer sich durchzusetzen und ihre Vorstellungen zu realisieren. Ihre Idee der Frauenförderungspläne wurde oft aus Desinteresse nicht durchgeführt oder erst gar nicht verwirklicht. 15 Die Schwierigkeiten wurden erst langfristig überwunden.
Nach einer Stagnation Mitte der 50er Jahre, gab es 1958 noch einmal eine Frauenoffensive hinsichtlich der Gewinnung der „Nur-Hausfrauen“ in Vorbereitung auf den Siebenjahres-Plan.
Die Anfang der 50er Jahre vorbereitete gesellschaftliche Abwertung von „Nur-Hausfrauen“ wurde nun fortgeführt und verstärkt. Sie bildete die Grundlage für eine Vie lzahl von Beric hten in Zeitschriften.
Der DFD versuchte nun mit so genannten „Hausfrauenbrigaden“ den Schritt ins Berufsleben für die Frauen zu erleichtern. In diesen Brigaden konnten „Nur-Hausfrauen“ meist stunden- oder tageweise in Betrieben arbeiten um allmählich eine dauerhafte Vollerwerbstätigkeit zu übernehmen. 16
Auch diesmal setzte sich der Werbe-Apparat des DFD in Bewegung und versuchte über persönliche Gespräche und Massenveranstaltungen die Frauen zu überzeugen. Da es aber für die Hausfrauen immer noch ein Problem darstellte, ihre Kinder während der Arbeit unterzubringen, wurde provisorisch die „Omabewegung“, in der sich ältere Frauen um die Kinder kümmerten, ins Leben gerufen und Schulaufgabenzimmer in den Betrieben eingerichtet. Längerfristig sollten planmäßig weitere Krippen und Kindertagesstätten gebaut werden. Auch die Einrichtung von Dienstleistungsbetrieben, wie Wäschereien, Nähereien, Schuhreparaturen und Selbstbedienungsläden sollte vorangetrieben werden. 17
15 Obertreis (1986), S. 81ff.
16 Nickel (1997), S. 27.
17 Obertreis (1986), S.154.
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Arbeit zitieren:
Anke Lüdtke, 2003, Frauen und Frauenbilder der 50er Jahre in der Bundesrepublick Deutschland und der DDR, München, GRIN Verlag GmbH
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