Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
4
2. Das Stück „Love Songs“
5
2.1. Besonderheiten der Fernsehfassung
5
2.2. Struktur und Aufbau
2.3. Kostüme und Raum
7
3. Bewegungsanalyse Nr.1 : If You Gotta Make a Fool
3.1. Liedtext
7
3.2. Raumskizze
3.3. Tabellarisches Bewegungsprotokoll
3.4. Erste Beobachtungen
11
3.5. Analyse der Konstitution von Körperzeichen
12
3.5.1. Basisanalyse der Körperzeichen
3.5.2. Räumliche Qualität der Körperzeichen
3.5.3. Dynamische Qualität der Körperzeichen
3.6. Die Konkatenation und Signifikation von Körperzeichen
13
3.6.1. Basisprinzip der syntagmatischen Organisation
3.6.2. Relationen: Raum – Basismerkmale – dynamische Qualitäten –
filmische Mittel
14
4. Bewegungsanalyse Nr.2 : Make it Easy on Yourself
15
4.1. Liedtext und Inhalt
15
4.2. Raumskizze
16
4.3. Tabellarisches Bewegungsprotokoll
16
4.4. Erste Beobachtungen
19
4.5. Analyse der Konstitution der Körperzeichen
19
4.5.1. Basisanalyse der Körperzeichen
4.5.2. Analyse der räumlichen Qualität der Körperzeichen
4.5.3. Analyse der dynamischen Qualität der Körperzeichen
4.6. Konkatenation und Signifikation der Körperzeichen
21
4.6.1. Basisprinzip der syntagmatischen Organisation
4.6.2. Relationen: Basismerkmale – Raum – Dynamik – filmische Mittel
4.6.3. Wiederholungen und Spiegelungen
23
6. Fazit
23
7. Literatur- und Filmverzeichnis
25
3
1. Einleitung
Der amerikanische Tänzer und Choreograph William Forsythe (*1949) ist einer der bekanntesten zeitgenössischen Choreographen. Einst als enfant terrible des Balletts bezeichnet, genießt er heute Ruhm und Anerkennung in Europa und der ganzen Welt. (Vgl. Gaby von Rauner, S.7).
Forsythe ist bekannt für seine neue Art des Tanztheaters und ganz eigene Tanzphilo- sophie:
Er sieht den Tanz und somit auch ein Tanzstück nie als ein vollendetes und somit statisches Werk an, sondern als einen stetigen Prozess. Zudem sind viele seiner Werke selbst auf der Bühne noch stark von Improvisation geprägt. Das Stück „Arti- fact“ zum Beispiel entstand in den 80er Jahren und ist seitdem ständig weiterentwi- ckelt und verändert worden. (Vgl. S.19). Aufgrund dieser Tanzphilosophie vermei- det Forsythe es, seine Werke auf Video aufzeichnen zu lassen, da diese Aufzeic h- nung die Aufführung sozusagen einfrieren und nur eine der möglichen Fassungen wiedergeben würde. Hieraus ergibt sich für eine Bewegungsanalyse des „Forsythe- schen Stils“ das Problem, dass nur wenige Aufzeichnungen von Forsythe-Stücken existieren. Für eine genaue Analyse sind Videoaufzeichnungen jedoch nicht nur hilfreich, sondern nahezu unverzichtbar.
1979 entstand am Stuttgarter Ballett jedoch das Stück „Love Songs“, für das Willi- am Forsythe später eine spezielle Fassung für das Fernsehen ausarbeitete. Er ließ das Stück also nicht einfach bei einer Aufführung abfilmen, sondern studierte mit den Tänzern eine ganz neue Version ein, in der mit filmischen Mitteln bewusst ge- arbeitet und gespielt wird. 1 Aufgrund dessen und auch aufgrund der Tatsache, dass „Love Songs“ eine eher frühe Choreographie ist, kann man es nicht unbedingt als ein typisches Forsythe-Werk bezeichnen. Dass das klassische Ballett und dessen Bewegungssprache der Ausgangspunkt und das Reflexionsgebiet für Forsythe dar- stellen, ist an diesem Stück noch sehr deutlich zu erkennen In dieser Arbeit sollen zwei Lieder bzw. Tänze aus diesem Stück – jeweils ein Solo von einer Tänzerin – analysiert und miteinander verglichen werden. Der Schwer- punkt der Analyse liegt auf der spezifischen Raumausnutzung und den dynamischen Qualitäten der Bewegungsaktionen im Zusammenspiel mit den anderen Merkmalen,
1
Information aus dem Interview in der Sendung
Joffrey – Visitenkarte einer Kompagnie
(s. Filmver- zeichnis)
4
durch die die Emotionen der Liedtexte visualisiert werden. Dabei werde ich unter anderem auf die Besonderheiten der Fernsehfassungen eingehen, also darauf, in- wieweit verschiedene Kameraeinstellungen und -positionen sowie andere filmische Mittel eine Rolle spielen.
Ich werde das Vokabular und die Analysemethode benutzen, die Peter M. Boenisch in seinem Buch körPERformance 1.0 : Theorie und Analyse von Körper- und Bewe- gungsdarstellungen im zeitgenössischen Theater in dem Kapitel 03. RESET_: Ein Modell zur Analyse von Körperzeichen. (S.88-152) vorstellt. Boenisch wiederum stützt sich hauptsächlich auf Rudolf von Labans Vokabular, Notations- und Analy- semethoden, u.a. aber auch auf Janet Adshead und Claudia Jeschke.
2. Das Stück „Love Songs“
2.1. Besonderheiten der Fernsehfassung
Wie schon erwähnt handelt es sich bei dem Stück um eine spezielle Fernsehfassung des Bühnenwerkes „Love Songs“. Die„Love Songs“ sind aneinander gereihte Cho- reographien zu Liedern über Liebe und Liebeskummer, gesungen von Aretha Frank- lin und Dionne Warwick. Nach eigenen Aussagen Forsythes wurde bei der Bild- schirmfassung der Schwerpunkt im Vergleich zur Bühnenfassung auf die besondere Nähe des Fernsehzuschauers zu den Tänzern gelegt. Da der Zuschauer aufgrund der besonderen filmischen Mittel, wie z.B. Nahaufnahme oder Zeitlupe, neben den tän- zerischen Bewegungen auch den mimischen Ausdruck gut wahrnehmen kann, wur- de diese Art des Gefühlsausdrucks ebenfalls benutzt und die Tänzer stärker scha u- spielerisch gefordert als in der Bühnenfassung.
„Die Fernsehfassung von Love Songs unterscheidet sich stark von der Bühnenversi- on. Auf der Bühne ist das Stück abstrakter. Im Film, in der Fernsehfassung wollte ich etwas realisieren, was ich in den Proben erlebt hatte, etwas das das Theaterpub- likum nicht mitbekommt, nämlich das hautnahe dabei Sein und Zuschauen, während die Beziehungskisten ablaufen. Diese Nähe ist aufregend, das Zuschauen bekommt etwas Voyeuristisches.“ 2
2
Aus einem teilweise synchronisierten Fernsehinterview in der Sendung
Joffrey –Visitenkarte einer New Yorker Kompagnie.
(s. Filmverzeichnis)
5
2.1. Struktur und Aufbau
Das Stück spielt in einer Nachtbar, in der sich Männer und Frauen amüsieren. Es ist zusammengesetzt aus sieben Liedern, gesungen von Aretha Franklin und Dionne Warwick über die Liebe. Die Songs und die dazugehörigen Choreographien reihen sich nahtlos durch filmische Montage aneinander. Die einzelnen Szenen wären un- tereinander austauschbar, da kein logisch-kausaler oder chronologischer Zusam- menhang zwischen ihnen besteht. Somit kennzeichnen sich die „Love Songs“ nicht durch eine klassische Handlung, sondern setzen sich aus einzelnen Episoden zu- sammen, die jedoch ebenfalls nicht als narrative Elemente, sondern eher als eine Darstellung von Gefühlszuständen bezeichnet werden können.
Das erste Lied „If you gotta make a fool of somebody“ wird solo von einer Tänzerin getanzt. In dem Lied geht es um eine von ihrem Partner verletzte, vielleicht betroge- ne Frau. Das zweite Lied „Make it easy on yourself“ handelt von der Schwierigkeit eine Beziehung zu beenden und wird ebenfalls von einer Tänzerin auf der Bühne dargestellt. Im dritten Lied „Out of my head“ tritt zum ersten Mal ein Paar auf, das offenbar nicht mit und nicht ohne einander leben kann. Im vierten Lied „I’ve got love“ tritt eine Tänzerin als „die von Liebe erfüllte Protagonistin“ auf, umringt von anderen Tänzern, die synchron eine Art Modetanz tanzen und eher zur Kulisse bei- tragen, da sie der Tänzerin zumeist den Rücken zudrehen und wenig mit ihr inter- agieren. „Always something there to remind me“, getanzt von einem Mann, ist das fünfte und „You’re all I need to get by“, getanzt von einem Paar, das sechste Lied. Das letzte Lied „Baby I love you“ wird von allen acht Tänzerinnen und acht Tä n- zern getanzt.
Über den Inhalt und die Struktur des Stücks sagt William Forsythe: „Den Texten populärer Musik liegen nicht selten - wenn auch unbeachtet - potente Alltagsdramen zugrunde. Dieses Ballett reiht Situationen aneinander, die sich aus der latenten Iro- nie dieser an der Oberfläche naiven und sentimentalen Lieder ergeben haben.“ 3
3
Aus:
www.frankfurt-ballett.de /frame.html
unter
William Forsythe / Time Line
6
2.3. Kostüme und Raum
Der Raum ist relativ schlicht gestaltet. Die Wände und der Fußboden sind schwarz. Hinten in der Wand gibt es eine zweiteilige Schwingtür, mit einem Fenster in Kopf- höhe auf jeder Seite, durch die grelles Licht strahlt. Ganz zu Anfang sieht man, dass sich hinter dieser Schwingtür eine Küche befindet. Ansonsten wird hinter dieser Tür jedoch nicht getanzt oder gefilmt.
Die Tische und Stühle der Bar sind je nach Lied unterschiedlich angeordnet. Zu den hier analysierten Liedern habe ich jeweils eine Skizze angefertigt. Von der Decke hängen Lampen, die sehr punktuelles Licht werfen. Im Strahl dieser Lampen wie auch im Lichtstrahl, der aus den Fenstern in der Schwingtür geworfen wird und im Scheinwerferlicht (Spot), der auf die Tänzer gerichtet ist und ihre Be- wegungen durch den Raum verfolgt, wird die vernebelte Luft reflektiert. Dadurch wird die typische Atmosphäre einer verrauchten Kneipe erzeugt. An den Tischen sitzen Gäste, die trinken und rauchen. Folglich stehen auch Gläser, Aschenbecher u.ä. auf den runden Tischen.
Die Tänzerinnen tragen unterschiedliche Abendkleider in schwarz, knielang und schulterfrei oder mit Trägern, schwarze Strumpfhosen und Ballettschuhe. Die la n- gen Haare tragen fast alle offen, und ihre Gesichter sind stark geschminkt. Beim letzten Lied tragen die Frauen alle Ausgehschuhe mit hohen Absätzen. Während der anderen Lieder tragen die Frauen, die nicht in der „Hauptrolle“ des Liedes tanzen auch Absatzschuhe. Die Männer sind in dunkle Hosen, helle Hemden und dunkle Krawatten gekleidet, dazu Tanzschuhe mit fester Sohle.
3. Bewegungsanalyse Nr.1 : If You Gotta Make a Fool of Som ebody
3.1. Liedtext
If You Gotta Make a Fool of Somebody
If you got to make a fool of somebody If you have to make a fool of someone tell me why did you need to hurt me When I’m the one that worries About you Daytime Nitetime Anytime at all I'll rush to your side Anytime that you call
7
Quote paper:
Claudia Schnurbus, 2003, Die Choreographie "Love Songs" von William Forsythe - Eine vergleichende Bewegungsanalyse, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Jean-Paul Sartre: "Der Andere" und weitere Elemente des Exis...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 39 Pages
Der Controller als Dienstleister
Business economics - Accounting and Taxes
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
Anforderungen, Probleme und Möglichkeiten schulischer Leistungsmessung...
Sport - Sport Pedagogy, Didactics
Termpaper, 13 Pages
Möglichkeiten, Grenzen und Probleme einer gerechten Leistungsbewertung...
Pedagogy - Miscellaneous Topics
Termpaper, 20 Pages
Die Spuren einer Herr-Diener-Komik in den Dramentexten Samuel Becketts...
English Language and Literature Studies - Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 23 Pages
History Europe - Other Countries - Middle Ages, Early Modern Age
Scholary Paper (Seminar), 14 Pages
Leistungsbewertung im Sportunterricht
Sport - Sport Pedagogy, Didactics
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 28 Pages
"Schneewittchen" und "Dornröschen" im Vergleich: d...
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 17 Pages
Frühe Radiotheorien der Weimarer Zeit: Bertolt Brechts Radiotheorie un...
Communications - Media History
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 33 Pages
Bewerten und Zensieren im Sportunterricht
Sport - Sport Pedagogy, Didactics
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 22 Pages
Die Lerneffekte der "Sendung mit der Maus" aus der Sicht der...
Termpaper, 28 Pages
Zur Problematik des Bewertens und Zensierens im Unterrichtsfach Sport
Sport - Sport Pedagogy, Didactics
Termpaper, 21 Pages
Exemplarische Untersuchungen z...
German Studies - Semiotics, Pragmatics, Semantics
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 46 Pages
History Europe - Other Countries - Middle Ages, Early Modern Age
Scholary Paper (Seminar), 21 Pages
Claudia Schnurbus has published the text Die Choreographie "Love Songs" von William Forsythe - Eine vergleichende Bewegungsanalyse
Claudia Schnurbus has uploaded a new text
Hal Leonard Publishing Corporation
0 comments