Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung 1
2. Leben und Werk Karl Mays 2
3. Historische Einordnung 4
4. Die Darstellung des Orients in „Durchs wilde Kurdistan“ 5
4.1 Vorbemerkungen 5
4.2 Zusammenfassung von „Durchs wilde Kurdistan“ 5
4.3 Kara Ben Nemsis Auftreten im Orient 6
4.4 Kara Ben Nemsi, der Missionar 7
4.5 Die Verwendung von Stereotypen 9
5. Fazit 11
Literaturverzeichnis
1
1. Einleitung
Karl May gilt als einer der meistgelesene deutsche Unterhaltungsschriftsteller. Seine Reiseerzählungen von Kara Ben Nemsi, dem deutschen Abenteurer, und seinem Gefährten, dem gläubigen Moslem Hadschi Halef Omar, im Orient sowie seine Wild-West-Romane mit Winnetou und Old Shatterhand sind Klassiker geworden. Die Auflage seiner Bücher im deutschen Sprachraum wird mit rund 75 Millionen Exemplaren angegeben. Seine Werke sind in 29 Sprachen für weltweit fast 200 Millionen Leser übersetzt worden 1 . Daneben wurden viele seiner Romane erfolgreich verfilmt. Sie werden heute noch in regelmäßigen Abständen ausgestrahlt.
Vor dem Hintergrund der historischen Situation des imperialistischen Machstrebens der westlichen Kulturen lassen sich in Mays Roman ‚Durchs wilde Kurdistan’ Rückschlüsse auf das damals vorherrschende Orientbild ziehen. Durch die im 19. Jahrhundert vorherrschende Faszination des Orients reiht sich May mit seinem ‚Orientzyklus’ in diese Mode ein. Dass er neben der reinen Darstellung keine, auch heute noch bestehenden, Stereotype auslässt, kann ihm sicher angekreidet werden. Trotzdem üben die Erzählungen von Karl May nach wie vor eine gewisse Anziehungskraft auf die weltweite Leserschaft aus. Sei es beim jugendlichen Leser, für den der Abenteuerroman im Vordergrund steht, oder als Objekt wissenschaftlicher Untersuchungen. Damit kann die abenteuerliche Reise von Kara Ben Nemsi durch Arabien und den Balkan stellvertretend für die kulturelle Auseinandersetzung von Orient und Okzident gesehen werden.
In meiner Hausarbeit möchte ich versuchen, die landläufig gängige Meinung des Orients zu skizzieren, und zwar so, wie sie vornehmlich durch den Ich-Erzähler Kara Ben Nemsi geschildert wird. Gleichzeitig kann dabei die Meinung seines Schöpfers Karl May, der sich über die Maßen mit dieser Figur identifizierte, nicht außer Acht gelassen werden. Außerdem soll die Darstellung des religiösen Aspektes hinsichtlich der westlichen Vorurteile überprüft werden. Immerhin ist ein gewisser Missionierungseifer Mays nicht zu verleugnen. Ausgehend von dieser Grundlage kann schließlich das allgemeine Orient-Bild, das häufig durch Vorurteile hervorgerufen und untermauert wird, in einen Gesamtzusammenhang gebracht werden.
Gerade hinsichtlich der Orientalismusforschung in Bezug auf Kara Ben Nemsis Reiseschilderungen existiert reichlich Forschungsliteratur. Vor allem die Karl-May-Gesellschaft hat eine Vielzahl an Publikationen herausgebracht, die sich mit unterschiedlichen Fragen bezüglich Karl Mays Werken beschäftigen. So erläutert Rainer Jeglin den Rettungsstil und das Heilgeschehen in ‚Durch wilde Kurdistan’, während sich Walter Schönthal mit Karl
1 Gert Ueding (Hg.): Karl-May-Handbuch. Würzburg 2001, S. 519.
2
Mays Stellung zum Islam und Christentum beschäftigt. Außerordentlich hilfreich ist die Veröffentlichung von Nina Berman, die mehr als 80 Seiten Mays ‚Orientzyklus’ widmet. Daneben habe ich für meine Recherche auf unterschiedliche Werke zurückgreifen können, die sich mit Karl Mays Leben und Werk, und damit auch unweigerlich der Orientalismusfrage, befassen. Hier liefert Gert Ueding reichlich Information in seinem außerordentlich umfangreichen Karl-May-Handbuch. Ebenfalls hilfreich ist das Figurenlexikon, das von Bernhard Kosciuszko herausgegeben wurde. Neben inhaltlichen Zusammenfassungen finden sich Kurzcharakteristiken über alle Personen in den Mayschen Werken, sowie Essays über die Protagonisten. Heinz-Lothar Worm geht in seiner Veröffentlichung psychologisch an den Autor heran, und findet so Entsprechungen in den Werken beziehungsweise Figuren, die Rückschlüsse auf May zulassen sollen. Sowohl Walther Ilmer und Christoph F. Lorenz als auch Dieter Sudhoff und Hartmut Vollmer haben jeweils diverse Aufsätze verschiedener Autoren herausgegeben, die sich exemplarisch mit Karl Mays Orient befassen. Zwar lag mir von den letzten beiden nur die Ausgabe zu „Im Reiche des Silbernen Löwen“ vor, aber die darin veröffentlichte Analyse der Reise-Erzählungen von Adolf Droop war dennoch informativ.
2. Leben und Werk Karl Mays
Karl May wird am 25. Februar 1842 als fünftes von insgesamt 14 Kindern in Ernstthal im Erzgebirge geboren. Er wächst in den ärmlichen Verhältnisse einer Weberfamilie auf; von den 14 Kindern überleben nur Karl und zwei Schwestern die frühe Kindheit. Er versucht sich in unterschiedlichen Ausbildungen, die er alle nicht zu Ende bringt. Seine Vorhaben Medizin zu studieren oder Lehrer zu werden, sind zum Scheitern verurteilt. Auch zum Militärdienst wird er nicht zugelassen. Während der ganzen Zeit liest May au-ßerordentlich viele Bücher, vor allem Unterhaltungsromane, aber auch Fachpublikationen aus den Bereichen Medizin, Militärtechnik und Geographie. „Da die väterliche Großmutter von May als hochbegabte Erzählerin geschildert wird, die durch ihre Märchen entscheidenden Einfluß auf seine spätere schriftstellerische Laufbahn gewonnen habe, ist es gut möglich, dass die erzählerischen, religiösen und didaktischen Neigungen Mays ihm aus diesem Zweig der Familie überkommen sind.“ 2 Um der ihm verwehrten Anerkennung als gebildeter Mann zu begegnen, gibt er sich häufig als falsche Personen aus. Auffallend ist, dass es sich meist um solche Berufe handelt, an denen er im richtigen Leben scheitert. Unter anderem stellt er sich als Arzt und Seminarleiter vor, was ihm Haftstrafen wegen Amts-
2 Gert Ueding (Hg.): a.a.O., S. 69.
3
anmaßung und Hochstapelei einbringt. Karl May hat die Neigung, sich, aber auch seine Romanfiguren, als mehr darzustellen, als er eigentlich ist: „Akte der Amtsanmaßung sind auch die Auftritte Kara Ben Nemsis als Arzt […] einem alten Wunschtraum seines Autors entsprechend, der in seiner Jugend unter anderem als „Dr. med. Heilig“ Straftaten begangen hatte.“ 3
May beginnt nach der Haft für den Verleger Münchmeyer Kolportageromane zu schreiben. Innerhalb von sechs Jahren schreibt er 12390 Seiten, fast die Hälfte seines gesamten Lebenswerkes. 4 Er veröffentlicht außerdem bei der katholischen Familienzeitschrift „Deutscher Hausschatz“ Reiseerzählungen mit sehr christlichem Charakter, die bei seiner Leserschaft sehr beliebt sind. 1892 bringt der Verleger Fehsenfeld Mays Reiseromane in Buch-form heraus, die vorher nur in Zeitschriften gedruckt wurden. Die Darstellung seiner Romane legt den Schluss nahe, May müsse das Erzählte selbst erlebt haben. Er identifiziert sich so sehr mit den Romanfiguren Kara Ben Nemsi und Old Shatterhand, dass er später die Reiseromane sogar in Reiseerzählungen umbenennt, und so den authentischen Charakter verstärkt. Letzten Endes glaubt sogar sein Verleger an die vermeintlichen Weltreisen Mays und die Echtheit des Erzählten.
Karl May kauft sich eine Villa in Radebeul, die er „Villa Shatterhand“ nennt, lässt sich Requisiten nachbauen und ins Haus stellen und posiert auf Fotos als Old Shatterhand bzw. Kara Ben Nemsi.
1899 reist Karl May tatsächlich in den Orient. Dort erleidet er mehrere Nervenzusammenbrüche und psychische Krisen, weil er entdeckt, dass seine Fantasie nicht mit der Realität übereinstimmt. „Die Zusammenbrüche Mays und der allmähliche Veränderungsprozeß erklären sich zunächst aus dem Konflikt, der durch die Konfrontation mit den „orientalischen Realitäten“ entstand. Die Begegnung mit afrikanischen und asiatischen Lebenswelten stellte Mays Darstellung dieser Kulturen in seinen bis dahin geschriebenen Texten in Frage.“ 5
Unterdessen melden sich in Deutschland viele Kritiker Mays und werfen ihm sein angeblich bigottes Christentum vor. Seine wieder entdeckten, trivialen Jugendromane und seine Vorstrafen werden publik. Mays Ansehen wird dadurch in der Öffentlichkeit stark beschädigt. Mit einer gewissen Überheblichkeit, die sein Romanheld Kara Ben Nemsi gelegentlich auch an den Tag legt, muss Karl May eingestehen, „daß er seine Erzählungen nicht selbst erlebt habe, daß der geographische Rahmen anderen Werken entnommen worden
3 Bernhard Kosciuszko (Hg.): Das große Karl May Figurenlexikon. Berlin 2000, S. 220.
4 Gert Ueding: a.a.O., S. 91.
5 Nina Berman: Orientalismus, Kolonialismus, Moderne. Zum Bild des Orients in der deutschsprachigen Kultur um 1900. Stuttgart 1996, S. 42f.
Arbeit zitieren:
M.A. Florian Schneider, 2003, Karl Mays Orientdarstellung am Beispiel der Reiseerzählung "Durchs wilde Kurdistan". Unterhaltungsroman, Reiseerzählung oder Missionarsschrift?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Karl May. Die Darstellung des Orients in dem Roman 'Durchs wilde K...
Hausarbeit, 17 Seiten
Karl Mays Antwort auf die Orientfrage und sein Verhältnis zum Imperial...
Seminararbeit, 20 Seiten
Die Debatte um den Laizismus - Frankreich und Deutschland im Vergleich
Theologie - Systematische Theologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Erlebnispädagogische Maßnahmen in der Erwachsenenbildung am Beispiel d...
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Masterarbeit, 45 Seiten
Das Interieur in Karl Mays Amerika-Romanen
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Seminararbeit, 27 Seiten
Karl May als Jugendbuchautor und Miterzieher
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Die Rolle der Religion in der BRD und Frankreich
Ein Vergleich der Stellung in ...
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Hausarbeit, 27 Seiten
Jugend und Netz - Möglichkeiten und Risiken des Mediums Internet
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Alte Konflikte, Neue Formen - Milieubegriffe und ihre Aussagekraft für...
Hausarbeit, 20 Seiten
Gibt es eine kosovarische Identität?
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
„Emanzipiert“ oder „unterdrückt“?
Analysen der Diskussion um den...
Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik
Hausarbeit (Hauptseminar), 35 Seiten
Todesdarstellungen des englischen Nationalhelden Admiral Lord Nelson i...
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
'Brain Drain' 'Brain Gain' - Kann Deutschlands Wirtsc...
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Seminararbeit, 21 Seiten
“Divided Memory”: Die NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik Deutschla...
Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
Hausarbeit (Hauptseminar), 36 Seiten
Florian Schneider's Text Karl Mays Orientdarstellung am Beispiel der Reiseerzählung "Durchs wilde Kurdistan". Unterhaltungsroman, Reiseerzählung oder Missionarsschrift? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Florian Schneider hat den Text Karl Mays Orientdarstellung am Beispiel der Reiseerzählung "Durchs wilde Kurdistan". Unterhaltungsroman, Reiseerzählung oder Missionarsschrift? veröffentlicht
Florian Schneider hat einen neuen Text hochgeladen
Karl Mays "Im Reiche des silbernen Löwen"
Karl-May-Studien 02
Dieter Sudhoff, Hartmut Vollmer
Traumwelten II - Bilder zum Werk Karl Mays
Illustratoren und ihre Arbeite...
Wolfgang Hermesmeier, Stefan Schmatz, Bernhard Schmid, Lothar Schmid
Spaghetti Westerns: Cowboys and Europeans from Karl May to Sergio Leon...
Christopher Frayling
0 Kommentare