Fachbereich : Politik- und Verwaltungswissenschaften
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Was eigentlich ist Gentrification? 4
2.1 Das 4-Phasenmodell (nach Jürgen Friedrichs) 6
2.2 Zusammenfassung des Prozesses 10
2.3 Die positiven und negativen Folgen 11
3. Gentrification unter stadtentwicklungsplanerischen Gesichtspunkten 12
3.1 Identifikation von Gentrificationgebieten 13
3.2 Handlungsmöglichkeiten 15
4. Zusammenfassung 17
5. Literaturliste 19
6. Anhang A 20
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1. Einleitung
Das Thema Gentrification beschäftigt die Sozialwissenschaftler und Städteplaner schon seit über 40 Jahren und hat mit der Umwandlung als auch Aufwertung von Stadtteilen durch Zuzug einkommensstarker Bevölkerungsschichten zu tun (gentry: engl. für niedriger Adel). Dieses geschieht nach einem charakteristischen Muster, an welchem bestimmte Personengruppen als Akteure mitwirken.
Das Phänomen ‚Gentrification’ konnte in letzter Zeit in immer mehr Städten beobachtet werden und findet zudem vermehrt Anwendung als Erklärungsansatz für vollzogene oder stattfindende Stadtteilentwicklung.
Trotz der vermehrten Forschung in Hinblick auf Gentrification, findet man in der Fachliteratur nur spärlich Studien über Steuerungs- und Handlungsmöglichkeiten. Das mag vielleicht damit zusammenhängen, dass die meisten Stadtentwickler und Sozialwissenschaftler in Gentrification nur ein urbanes Phänomen sehen, welches anhand der Folgen negativ oder positiv bewertet wird.
Ziel dieser Arbeit soll es nicht sein, Gentrification als ein gutes oder schlechtes Phänomen einzuordnen, sonder Steuerungs- und Handlungsmöglichkeiten für Städte und Gemeinden herauszuarbeiten, die die Vorteile eines Gentrificationprozesses nutzen und die gleichfalls entstehenden Nachteile minimieren wollen.
Hierzu soll i m Vorfeld das Phänomen ‚Gentrification’ und das typische Ablaufmuster - der Invasions- und Sukzessionszyklus - mit den dazugehörigen Akteuren beschreiben werden. Daraufhin wird zwischen Vor- und Nachteilen des Gentrificationprozesses unterschieden, welches eine Aufteilung bestimmter Gentrificationphasen in gute und weniger gute Phasen zur Folge hat.
Aufbauend auf diese theoretische Basis und das Festlegen von den zu vermeidenden und den gewollten Ergebnissen einer Gentrification, wird auf die Motive der einzelnen Akteure und die weiteren auslösenden Faktoren von Gentrification eingegangen.
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Hierbei wird deutlich werden, dass die Herstellung einer finanziellen Chancengleichheit zwischen den Akteuren und die Reduzierung der Immobiliennachfrage auf ein bestimmtes Gebiet die zentralen Handlungs- und Steuerungsmöglichkeiten sind.
2. Was eigentlich ist Gentrification?
Der Begriff „Gentrification“ wurde von Ruth Glass 1 1964 geprägt. Übersetzt bedeutet er soviel wie: „Das Zurückziehen des Landadels in die Stadt.“ 2 Damit sollte das Phänomen beschrieben werden, dass immer mehr finanzkräftigen Bevölkerungsschichten in von Arbeiter bewohnte Stadtgebiete einzogen und die alteinsessigen Bevölkerungsschichten verdrängten oder völlig austauschten. Nach einer Definition von Friedrichs 3 ist Gentrification „der Austausch einer statusniedrigen Bevölkerung durch eine statushöhere Bevölkerung in einem Wohngebiet.“ Eine komplexere Definition bietet Hamnett:
“Gentrification commonly involves the invasion of middle-class or higher-income groups of previously working-class neighbourhoods or multi-occupied ‘twilight areas’ and the replacement or displacement of many of the original occupants. It involves the physical renovation or rehabilitation of what was frequently a highly deteriorated housing stock and its upgrading to meet the requirements of its new owners. In the process, housing in the areas affected, both renovated and unrenovated, undergoes a significant price appreciation. Such a process of neighbourhood transition involves a degree of tenure transformation from renting to owning.” 4
Für Hamnett ist Gentrification demnach ebenso ein Bevölkerungsaustauchprozess, der zudem durch gleichzeitig auftretende physikalische, ökonomische, kulturelle und soziale Phänomene gekennzeichnet ist.
1 vgl. Glass, R. (1964)
2 Blasius, J./ Dangschat, J.S. (1990): S.11
3 Friedrichs, J./ Kecskes, R. (1996): S. 14
4 Hamnett, C. (1984): S. 284
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Beobachtet wurden diese Phänomene zuerst in Wohngebiete von nordamerikanischen und kanadischen Städten 5 . In Deutschland wurde Gentrification Anfang der 1980er Jahre erstmals in Hamburg nachgewiesen. 6
Heutzutage beobachtet man, dass Phänomen „Gentrification“ weltweit. Wobei die Fachliteratur bis auf einige Ausnahmen, wie Kairo oder Tokyo nur auf amerikanische, kanadische, europäische, oder australische Städte verweist. Ob es damit zusammenhängt, dass es in Gebieten wie Afrika, Asien oder Südamerika keine Gentrification gibt oder es noch nicht untersucht wurde, ist unklar.
Klar ist aber, dass sich in jedem Land und jeder Stadt aufgrund unterschiedlicher historischer Entwicklungen und Randbedingungen 7 , andere Ausprägungen beobachten lassen. 8 So gibt es zum Beispiel Unterschiede in der Schnelligkeit und Intensität von Gentrification. So unterschiedlich die Ausprägungen auch sein mögen, gegeben sind aber gemeinsame Merkmale für alle Wohngebiete, die Gentrification aufweisen. Dieses sind für die Wohngebiete folgende Merkmale:
• nahe dem Stadtzentrum gelegen,
• um 1900 errichtete attraktive Wohngebäude
(im englischsprachigen Raum hauptsächlich: viktorianische Häuser, in Deutschland hautsächlich: Gründerzeitwohnungen),
• renovierungs- und sanierungsbedürfiger Zustand der Gebäude, deshalb
• relativ niedrige Bodenpreise und relativ niedrige Mieten,
• einkommensschwache Bewohner.
Sind diese Merkmale vorhanden ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Gentrification Prozess bereits im Gange ist oder einsetzen wird.
Da man in Studien festgestellt hat, dass der Prozess nach einem identischen Schema abläuft, kann man anhand von Merkmalen der momentanen Bewohner (Alter, durchschnittliche Einkommensstruktur, Bildungsniveau, Familienstatus) und den Merkmalen des Wohngebietes
5 vgl. Smith/ Williams (1986)
6 vgl Droth, W. (1983) &
Droth, W./Dangschat, J. (1985):, S. 147-180 &
Häußermann, H./Siebel, W. (1987)
7 Hier sind Gesetzgebung, Wohngewohnheiten und Bevölkerungsstrukturen gemeint.
8 vgl. Blasius, J./ Dangschat, J.S. (1990): S.13-22
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(Zustand der Gebäude, Mieten, Bodenpreise, Anteil an Eigentumswohnung im Vergleich zu Mietwohnungen) feststellen, wie weit ein Prozess schon fortgeschritten ist. 9 Aber dazu mehr unter Abschnitt 3.2.
Dieses identische Schema wird als ein Phasenmodell dargestellt in dem gewisse Soziale Gruppen als ‚Akteure’ beschrieben werden, die Entwicklungen im Gentrificationprozess einleiten und mitgestalten.
In den einzelnen Phasen geben die ansässigen Sozialen Gruppen, die Mieten und Bodenpreise, und das Image des Wohnviertels, Auskunft über das Fortschreiten eines Gentrificationprozesses.
Jürgen Friedrichs hat auf Basis dieser Indikatoren ein 4-Phasenmodell entwickelt, auf welches ich nun näher eingehen werde. 10
2.1 Das 4-Phasenmodell (nach Friedrichs)
Wie der Name schon sagt, beschreibt das Modell von Friedrichs den Prozess der Gentrification in vier Phasen. 11 Wobei die vierte Phase an sich nur eine Verstärkung der Dritten darstellt.
Bei dem Phasenmodell handelt es sich um den so genannten doppelten Invasions-Sukzessions-Zyklus 12 , der jedoch nur eine idealtypische Darstellung ist, die aus dem Prozessverlauf nordamerikanischer Städte abgeleitet wurde.
Im Folgenden sollen die vier Phasen unterschieden werden, indem Kernbereichen wie soziale Gruppen, Image, Mieten und Bodenpreise und Verdrängung beschrieben werden. >Phase 1
Soziale Gruppen: In das Gebiet ziehen Haushalte ein, die einen höheren sozialen Status als die Mehrzahl der im Gebiet Wohnenden haben, zumindest der Bildung nach. E s sind Haushalte, die
9 vgl. Friedrichs, J./ Kecskes, R. (1996): S. 21
10 es gibt ebenso von anderen Autoren Phasenmodelle mit drei oder fünf Stufen. Diese unterscheiden sich aber
nur in weiteren Unterteilungen. Das eigentliche Prinzip ist das Gleiche.
11 vgl. Friedrichs (2000): 59ff.
12 siehe Angang A
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Arbeit zitieren:
Dipl.Verw.Wiss. Tim Ellmers, 2003, Mögliche Steuerungsansätze von Gentrification für politisches und administratives Handeln, München, GRIN Verlag GmbH
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