Steven Spielbergs „Schindlers Liste“
und die Darstellung des Holocaust in
Hollywood
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1.1 Zur Themenstellung 3
2. „Schindlers Liste“: Die Vorgeschichte 2.1 Der Meister des Unterhaltungskinos: Regisseur Steven Spielberg 5 2.2 Die Entstehung - (K)ein Film für Hollywood? 6 2.3 Kurz: Der Historische Hintergrund 7 2.4 Oskar Schindle r - Retter der Juden 8
3. „Schindlers Liste“: Der Film 3.1 Kurze Inhaltsangabe des Films 10 3.2 Die Protagonisten des Films 10 3.2.1 Oskar Schindler (Liam Neeson) 3.2.1.1 Der Lebemann und Frauenheld 11 3.2.1.2 Seine Wandlung 12 3.2.2 Itzhak Stern 14 3.2.3 Amon Göth 15
4. „Schindlers Liste“: Die Analyse 4.1 Kniffe eines Meister-Regisseurs 16 4.2 Stufen der Eskalation und Spannungsbogen 17 4.3 Grenzen des Darstellbaren 20
5. „Schindlers Liste:“ Das Fazit 5.1 Und wieder: (K)ein Film für Hollywood? 21
Literaturnachweise 23
Krieg, Diktatur, Massenvernichtung; nichts scheint in diesen Tagen aktueller. Die Bilder des Irak-Krieges sind auf allen Kanälen zu sehen. Kriegsgefangene, neue Truppenvormärsche, Bombenangriffe und sogar tote Menschen. „Die Dauer-Berichterstattung, die wir in behaglichen Sesseln verfolgen, schläfert im Blick auf die Grausamkeit gefährlich ein“ 1 , kritisiert Kardinal Karl Lehmann. Die Sender und ihre Nachrichten-Sendungen betreten einen schmalen Grat zwischen Information und Befriedigung der Sensationslust. Die Tatsachen dürfen nicht verfälscht werden, der Krieg darf nicht verharmlost werden. Die Gefahr, dass die Bilder einen Gewöhnungseffekt hervorrufen, besteht dennoch. Krieg, Diktatur, Massenvernichtung; vor über 60 Jahren war dies in Deutschland nicht anders. Hitlers Plan von der Reinigung der arischen Menschenrasse und der damit einhergehende Zweite Weltkrieg waren grausam und nehmen einen großen, schlimmen Teil in unserer Geschichte ein. Die Älteren unter uns, die den Weltkrieg am eigenen Leib erfahren mussten, können Jüngeren davon erzählen. Geschichtsbücher erklären die Situation um 1943, die Jahre davor und danach. Manches Original-Filmmaterial erleichtert die Vorstellung der damaligen Zeit. Es fehlt allerdings das Gefühl für den Krieg, die Tötungen, die Grausamkeit. Die Taten von damals vor Augen zu führen und einen Blick für die schlimmen Vorgänge zu schärfen, besteht tatsächlich nur im Film. Doch auch hier muss ein schmaler Grat zwischen Information und Desinformation, zwischen übertriebener Ästhetik und übertriebener Grausamkeit gegangen werden.
1 Bischof Karl Kardinal Lehmann: Predigt im Friedensgottesdienst im Mainzer Dom,
www.kath.org/bistum/mainz/bischof/lehmann/friedensgottesdienst_240303.htm, 24.03.2003.
Diesem Problem sah sich auch der amerikanische Regisseur Steven Spielberg ausgesetzt, als er sich im Jahre 1992 wagte, das brisante Thema der Judenvernichtung im Film Schindlers Liste umzusetzen. Mit Hilfe dieser Arbeit soll es dem Leser ermöglicht werden, sich sein eigenes Bild darüber zu machen, ob es Spielberg gelungen ist, diesen oben schon erwähnten schmalen Grat zu gehen und nicht in Hollywood-Ästhetik abzudriften.
Sein Kinodebüt hatte er mit dem Film Duell 1971, doch bekannt wurde er im Jahre 1974 mit dem Kassenschlager Der weiße Hai. Mit dem auf die Urängste der Menschheit abzielenden Film, schaffte Regisseur Steven Spielberg den Durchbruch im internationalen Filmgeschäft. Weiterhin hatte er große Erfolge mit den Science-Fiction-Filmen Unheimliche Begegnung der Dritten Art (1978), E.T. - Der Außerirdische (1982) und Zurück in die Zukunft (1982). Auch die Indiana-Jones-Trilogie (1981, 1984, 1989) offenbarte sein Talent. Versuche, sich mit den Filmen 1941 - Wo bitte, geht’s nach Hollywood? (1979), Die Farbe Lila (1985) und Das Reich der Sonne (1987) ernsteren Themen anzunehmen, brachte ihm wenig Erfolg. Mit den Filmen Hook (1992) und seinem bis dahin größten Hit Jurassic Park (1993) zeigte er wiederum seine „instinktive Begabung, Kinderträume, Emotionen und Urängste in kommerziell äußerst erfolgreiche Filmgeschichten umzusetzen“ 2 . Das bis zu dieser Arbeit letzte Werk Spielbergs, war Minority Report im Jahre 2002 mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Der Weg an die Spitze Hollywoods, war für den „Guru des populären Unterhaltungskinos“ 3 allerdings alles andere als leicht. Der am 18.12.1946 in Cincinnati/Ohio 4 geborene Spielberg, wurde nach seinem Highschool- Abschluss von keiner Filmhochschule aufgenommen. Er klapperte verschiedene Filmproduzenten ab, doch keiner wollte ihn haben. Seinen selbstgedrehten Film
2 Helmut Korte: Einführung in die systematische Filmanalyse, Ein Arbeitsbuch, Berlin, 1999, S.
149.
3 Ders., S. 149.
4 Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, ...und Special
Effects Designer des 20. Jahrhunderts, Bd. 7, Berlin, 2001, S. 416.
Amblin zeigte er auch Sidney Sheinberg. „Und Sheinberg war beeindruckt“ 5 . Bereits 1982 kaufte er für Spielberg die Rechte an dem Roman Schindlers List. Doch Spielberg „fühlte sich noch nicht bereit, einen Stoff für den Holocaust zu verarbeiten“ 6 .
Der Roman Schindlers List ist eine Arbeit des australischen Schriftstellers Thomas Keneally. Er erzählt die im Wesentlichen wahre Geschichte von Oskar Schindler, einem wohlhabenden Mitglied der nationalsozialistischen Partei, der hunderte Juden vor der Gaskammer gerettet hat. Erst zehn Jahre nach Sheinbergs Angebot, Keneallys Roman zu verfilmen, fühlte sich Spielberg nach eigenen Angaben bereit dazu, das „größte, wichtigste Thema“ 7 anzugehen. Die Produktionsfirma Universal gab dem Projekt nur ein relativ niedriges Budget von 23 Millionen Dollar 8 . Die Erwartungen an den Film waren ebenso niedrig. Wenigstens die Produktionskosten sollten abgedeckt werden. Außer Keneallys Roman benutzte Spielberg als Quelle den Dokumentarfilm Shoah von Claude Lanzmann. Auch wenn ihn der Film sehr beeindruckt hatte, so wollte er selbst kein „reines Doku-Drama“ 9 auf die Leinwand bringen. Er entschied, den Film an den Originalschauplätzen in Polen zu drehen. In Krakau konnte er neben Schindlers Wohnhaus auch seine Fabrik als Drehorte verwenden. Die Erlaubnis im Konzentrationslager Auschwitz zu drehen verwehrte ihm allerdings der Jüdische Weltkongress. Dieses und das Lager Plaszow, das seit 1945 stark
5 Andrew Yule: Steven Spielberg. Die Eroberung Hollywoods, München, 1997, S. 34.
6 Roberto Francisco Daniel: Erinnerung als ethisches Projekt, Aufarbeitung der Vergangenheit im
Filmwerk von Steven Spielberg, dis., München, 2001, S. 227.
7 Christoph Weiß: Der gute Deutsche, Dokumente zur Diskussion um Steven Spielbergs
Schindlers Liste in Deutschland, St. Ingbert, 1995, S. 13.
8 Roberto Francisco Daniel: Erinnerung als ethisches Projekt, Aufarbeitung der Vergangenheit im
Filmwerk von Steven Spielberg, dis., München, 2001, S. 228.
9 Markus Stahlecker: Steven Spielbergs Schindlers Liste. Eine Filmanalyse, Aachen, 1999, S. 18.
Arbeit zitieren:
Markus Gentner, 2003, Steven Spielbergs "Schindlers Liste" und die Darstellung des Holocaust in Hollywood, München, GRIN Verlag GmbH
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