INHALTSVERZEICHNIS
A) Kulturen 1
a1) Kulturquiz 1
a2) Definition im engeren Sinn 1
B) Multi Inter Transkulturalismus 3
)C Das Fremde Verstehensarten 5
Arbeitsblatt 1 7
Arbeitsblatt 2 10
Literatur 12
A) Kulturen:
a 1) „Kulturquiz“:
Anhand zweier Begriffspaare (Tafel) sollen die Tn im Plenum beurteilen, ob und warum das Bezeichnete eine Ausprägung von Kultur ist bzw. nicht ist:
Regenwald (Natur) – Bannwald (Kultur), Nahrungssuche (angeboren) – Restaurant (kulturell geformt, erlernt)
Anhand folgender Begriffspaare sollen sich die Tn Differenzierungsmöglichkeiten des Kulturbegriffs erarbeiten. Dazu sollen sie sich in Gruppen zu ca. 6 Personen aufteilen, wobei jede Gruppe 16 Karten mit den jeweiligen Begriffen und einen Bogen Packpapier bekommt. Anschließend besteht die Aufgabe darin, frei assoziierend die Begriffe in Paare zu ordnen. Danach sollen die Gruppen erklären, warum sie die jeweilige Paarbildung vorgenommen haben. Erläuterungen anhand übergeordneter Kategorien gibt zuletzt die Gl. Mona Lisa (Kunst, Kultur) – „Smiley“ (Kultur) [materielle Kulturausprägungen], Musikantenstadl (Volkskultur) – Salzburger Festspiele (Hochkultur) [immaterielle Kulturausprägungen], Montgomery Burns (Unternehmerkultur) – Homer Simpson (Arbeiterkultur) [Klasse], Wiener Philharmoniker (Männerkultur) – Frauencafé im ArbeiterInnenbegegnungszentrum (Frauenkultur, Arbeiterinnen) [Geschlecht], Raver (Jugendkultur) – Seniorenbund (Seniorenkultur) [Alter], Jungschar (Jugend, katholisch) – „Bibelforscher“ (Zeugen Jehovas) [Religion], Bierzelt (Landkultur) – Theater (Stadtkultur) [Region], „österreichische“ Kultur – „ausländische“ Kultur [ethnische Zugehörigkeit]
a 2) Definition im engeren Sinn:
Als Überleitung zur eigentlichen Definition soll von der Gl der Begriff „Alltagskultur“ thematisiert werden, der mit der „Cultural-Studies-Definition“ (siehe Arbeitsblatt 1) gemeint ist. Eine Kurzdefinition von Kultur könnte in diesem Sinne wie folgt lauten: „Kultur umfaßt die Leitvorstellungen, Lebensformen und durch Aktivität geformten Lebensbedingungen einer Gruppe“ (Albrecht 1997, S. 119f).
1
Diese Definition besteht aus den 3 zentralen Bereichen in denen sich Kultur zeigt, nämlich im Denken, Verhalten und schöpferischen Produkten von Denken und Verhalten. Methodisch ist es aufgrund der Abstraktheit des Begriffs hilfreich, eine umfangreichere Definition von Kultur in Sinneinheiten zerlegt für Jugendliche zu übersetzen und zu referieren, um sie anschließend beispielhaft anhand deren Lebenswelt (Schulklasse, Jugendkulturen, etc.) erarbeiten zu lassen:
Denkformen (zB. Werte, Bedeutungen, Überzeugungen, Symbole,...)
+ geformte Lebensbedingungen (zB. Institutionen, gesell. Beziehungen, Gesetze, Sitten,...)
= Lebensstil einer Gruppe
„Kultur ist die Art der Formung der Beziehungen einer Gruppe aber auch die Art, wie diese Formen wahrgenommen, verstanden und interpretiert werden.“
Die genannten Beispiele sind teils bewußt (zB. Sitten), teils unbewußt (zB. Routineverhalten) wirksam. Das Unbewußte kann jedoch im interkulturellen Kontakt (Æ Interkulturalität) als einem Akt der Selbsterkenntnis erschlossen werden.
Die Kenntnis von bewußten und unbewußten Elementen eines geteilten Lebensstils bedeutet eine Orientierungshilfe für richtiges Verstehen und angemessenes Verhalten in einer Gruppe. Die Kulturdefinition verweist darauf, daß Kultur in einem Wechselspiel zwischen objektiven Gegebenheiten und subjektiver Wahrnehmung stattfindet, d.h. Kultur entwickelt sich auch im Kopf. Dort werden die Handlungsmuster festgelegt, die nach außen vollzogen werden und so Kultur vermitteln und zwar reproduzierend u./o. verändernd.
Veränderungen machen Kulturen dynamisch und sind das Ergebnis von endogenen oder exogenen Einflüssen, letztere sind zB. Migration, Tourismus, Technologietransfer (ähnliche Berufspraxen), Kulturindustrie (idente Medienprodukte), globale Umweltbedrohungen.
Nach der Erklärung dieser Definition von Kultur sollen die Tn wieder Einheiten zu ca. 6 Personen bilden und auf einem Bogen Papier jeweils die Kultur einer soziale Gruppe anhand der Elemente der obigen Definition erarbeiten. Günstig wären dabei soziale Gruppen, die einerseits über eine erkennbare kollektive Identität verfügen (falls die Tn selbst eine solche
aufweisen können sie auch diese beschreiben) und andererseits nicht zu sehr der Gefahr einer negativen Stereotypenbildung unterliegen (zB. „Frauen“, „Ausländer“, u.ä.). Danach erfolgt eine Vorstellung der Ergebnisse der Gruppen im Plenum, wobei es primär darum geht, ob die Definition verstanden wurde.
B) Multi-, Inter-, Transkulturalismus:
Als Überleitung für den 2. Hauptteil des Workshops bietet sich für die Gl die Thematisierung des Umstandes an, daß Kulturen nicht für sich allein und separat bestehen, sondern in der Realität ständig mit anderen Kulturen zu tun haben.
Um den Tn die folgenden Konzepte verständlich zu machen ist es vorerst hilfreich, die Bedeutung von „multi“, „inter“ und „trans“ zu erklären. Neben einer Übersetzung („viel-“, „zwischen“ und „über-“) kann die Unterscheidung grafisch (Tafel) vermittelt werden:
Anschließend sollen die Konzepte sowohl als Gesellschaftsform (politische Relevanz), als auch als Muster für interpersonelle Kommunikation (persönliche Relevanz der Tn) erklärt werden. Hierzu eignen sich grafische Modelle, die die Gl auf der Tafel Schritt für Schritt erklärend aufzeichnen soll. Die Grafiken finden sich auf dem Arbeitsblatt 2 im Anhang. Um festzustellen ob die Definitionen der Konzepte verstanden wurden, soll die Zuordnung von Beispielen im Plenum mittels Handzeichen erfolgen („was meint ihr, gehört X zu Multi-, Inter- oder Transkulturalismus?“).
Als Beispiele kann die Gl auf die zu Beginn des Workshops aufgeworfenen Ausprägungen von Kultur zurückgreifen: a) M.: Katholizismus / Protestantismus; I.: ökumenischer Gottesdienst; T.: Protestanten führen den Ablaßhandel ein. b) M.: Volkskultur / Sbger. Festspiele; I.: Fest zur Festspieleröffnung; T.: der Tod aus Jedermann tritt im Musikantenstadl auf. c) M.: Raver / Senior; I.: Besuch des Enkels bei der Oma im Altersheim; T.: Im Altersheim TV wird die Love-Parade angesehen.
3
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Erich Gamsjäger, 2001, Kultur-Workshop - Die kulturellen Unterschiede, Munich, GRIN Publishing GmbH
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