Inhalt
1. Einleitung 3
2. Zur Person. 6
3. Max Webers Stadtbegriff: Definitionsversuche 7
4. Max Webers Stadtkonzeption: Methoden und wichtige Faktoren. 8
5. Die Kulturbedeutung der okzidentalen Stadt im Mittelalter nach Max Weber. 11
6. Schluss. 13
7. Quellenverzeichnis 15
8. Literaturvereichnis 15
2
1. Einleitung
Bei der Beschäftigung mit Max Weber stellt sich fast unweigerlich die folgende Frage: Warum sich im 21. Jahrhundert mit einer Persönlichkeit befassen, die bereits seit über 80 Jahren nicht mehr lebt? Diese Frage ist nur auf den ersten Blick banal: Tatsächlich ist die historische Forschung als Wissenschaft wie jede andere dem Lauf der Zeit insofern unterworfen, als dass fortwährend neue Erkenntnisse gewonnen werden, die den Blickwinkel auf die Vergangenheit verändern. Mehr als andere Forscher sind Historiker zudem alles andere als isoliert von ihrem Umfeld, von der Gesellschaft, in der sie leben. Veränderungen in der Gesellschaft bewirken auch ein verändertes Geschichtsbild, und die Erforschung des Mittelalters ist eines der besten Beispiele dafür. 1 Abgesehen von der Tatsache, dass das „Mittelalter“ als solches sich kaum einheitlich abgrenzen lässt 2 , hat sich das Bild, das die Menschen von dieser Epoche hatten, in den darauffolgenden Jahrhunderten immer wieder verändert. Neue wissenschaftliche Methoden führten die historische Forschung in der jüngsten Vergangenheit zu Erkenntnissen, die einem Historiker am Anfang des 20. Jahrhunderts noch verschlossen bleiben mussten 3 . Insofern mag ihre Arbeit aus heutiger Sicht irrelevant oder gar fehlgeleitet erscheinen. Andererseits ist die Tatsache unumgänglich, dass solche Erkenntnisse ohne die von eben jenen Historikern geschaffene Grundlage auch uns heute verschlossen wären. Eine völlige Abgrenzung von den damaligen Ansätzen würde dazu führen, dass wir auf diese Grundlage verzichten müssten. Gerade in der Geschichtsforschung, die ja die Vergangenheit möglichst genau rekonstruieren und ihre Bedeutung für die Gegenwart interpretieren soll, muss eine solche Haltung hinderlich sein.
Hier liegt die Spannung, die sich aus der Beschäftigung mit Historiken der Vergangenheit ergibt: Ihre Arbeit muss als wichtige Grundlage für unseren heutigen Wissensstand gewürdigt und gleichzeitig mit kritischem Abstand betrachtet werden.
1 So interpretierten Historiker der DDR Vorgänge wie Reformation und Bauernkrieg als die „Formierung
einer sog. Frühbürgerlichen Revolution“, Heinz-D. Heimann: Einführung in die Geschichte des
Mittelalters. Stuttgart 1997, 33.
2 Siehe hierzu Heimann S. 24 f sowie Hartmut Boockmann, Einführung in die Geschichte des
Mittelalters. München 7 2001, 12-18.
3 Siehe z.B. Boockmann, 24-27.
3
Das gilt umso mehr für Max Weber, denn er war ein bemerkenswerter Vertreter dieser Gruppe. Er war seiner Zeit bereits voraus, als er seine Arbeiten verfasste, mit seinem Werk schuf er eine neue Grundlage für die historische Forschung seiner Gegenwart und darüber hinaus. Selbstverständlich war auch er, wie alle Historiker, von den gedanklichen Strömungen seiner zeitlichen und gesellschaftlichen Umgebung geprägt. Dessen war er sich selbst durchaus bewusst: „Jeder von uns... in der Wissenschaft weiß, daß das, was er gearbeitet hat, in 10, 20, 50 Jahren veraltet ist“ 4 , bekannte er in „Wissenschaft als Beruf“ 5 . Das war für ihn jedoch kein trauriges Schicksal, vielmehr notwendig und nützlich für die Forschung, sogar der Zweck der wissenschaftlichen Arbeit. 6 Im Sinne der oben beschriebene Spannung, die sein Werk heute hervorruft, muss jedoch gesagt werden, dass Max Webers Theorien auch heute noch nicht gänzlich „veraltet“ sind. Einen anschaulichen Beweis dafür liefert schon die Tatsache, dass Weber heute als der „geistige Vater der deutschen Soziologie“ 7 gilt. Der Historiker Christian Meier stellt in seiner Einleitung zu „Die okzidentale Stadt nach Max Weber“ die Frage, „wieweit und worin man in den letzten 90 Jahren über ihn hinausgelangt ist“, wobei er sich besonders auf Webers „Konzeption im Ganzen oder wesentliche ihrer Teile“ bezieht. Darüber hinaus betont er die universale Betrachtungsweise, die charakteristisch für Webers Forschungen ist - und kommt zum Schluss, dass Weber zumindest in diesem Aspekt durchaus noch sehr aktuell ist. 8
Für die Erforschung des Mittelalters im Rahmen der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte besonders relevant ist die Stadtkonzeption Max Webers. Diese Arbeit soll einen Überblick über seine Theorien geben und beleuchten, inwieweit er die mittelalterlichen Städte als Wegbereiter der modernen Wirtschaft und Gesellschaft sah - ein kontrovers diskutiertes und zugleich sehr spannendes Thema; da es uns hilft, zu verstehen, wo die Ursprünge unserer heutigen Gesellschaft liegen. Webers universale Ansätze können dabei sowohl helfen als auch herausfordern: Zwar bekommt man auf diese Weise ein allgemeines und umfassendes Bild davon, wie die Gesellschaft sich nach Weber
4 Zit. nach Christian Meier (Hg.), Die okzidentale Stadt nach Max Weber. Historische Zeitschrift, Beiheft
17, München 1994, 7.
5 Wilfried Nippel (Hg.), Max Weber Gesamtausgabe. Abt. 1, Band 17, Tübingen 1999.
6 Meier, 7.
7 Helmut Rössler u. Karl Bosl (Hg.), Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte. Band 3,
München 2 1995.
8 Meier, 7.
4
entwickelte. Um diese Entwicklung aber vorstellbar bzw. „greifbar“ zu machen, muss man aus seinen eher abstrakt formulierten Thesen Bezüge zu konkreten Sachverhalten herstellen.
Da der zeitliche Rahmen aus den oben genannten Gründen wichtig ist, um Max Webers Theorien richtig einordnen zu können, gibt diese Arbeit zunächst einen Überblick über sein Leben und sein Werk. Eine einheitliche Definition der „mittelalterlichen Stadt“ als solcher besteht nicht - weder in den Köpfen der Menschen noch in der Forschung -, weshalb im dritten Kapitel zunächst zum besseren Verständnis von Webers Theorien seine Definition erörtert werden muss, gefolgt von der Darstellung seiner Konzeption, seiner Methoden und Vorgehensweisen im vierten Kapitel. Aufgabe des fünften Kapitels ist schließlich, seine Thesen zu konkretisieren sowie die Grundlage zu beschreiben, die Weber in der okzidentalen Stadt des Mittelalters für die weitere wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung sah, und damit den Bezug zur Moderne herzustellen.
Über Webers eigene Werke hinaus dient dieser Arbeit vor allem die relevante Literatur der jüngsten Geschichtsforschung als Grundlage: Die Aufsatzsammlung „Max Weber und die Stadt im Kulturvergleich“ von Hinnerk Bruhns und Wilfried Nippel 9 , einem bedeutenden deutschen Vertreter der Weber-Forschung, entstand nach einer Tagung in Berlin im Jahre 1997 und zeigt, dass Webers Theorien durchaus noch Diskussionsgrundlagen für die heutige Forschung sind. Ebenso die bereits angesprochene Aufsatzsammlung von Christian Meier 10 , sie ging aus dem Bochumer Historikertag von 1990 hervor. Beide Werke geben durch die Vielzahl der verschiedenen Beiträge neue, interessante Ansätze zu Webers Theorien und ihre Bedeutung für die moderne Forschung. Außerdem w erden Webers komplexe Thesen anschaulich wiedergegeben - ohne sie zu vereinfachen - und sind dadurch etwas leichter zu verstehen. Das Buch „Max Webers Stadtkonzeption“ des Koreaners Song-U Chon 11 , ursprünglich eine Dissertation, macht sich diese Mühe hingegen nicht so sehr,
9 Hinnerk Bruhns u. Wilfried Nippel (Hg.): Max Weber und die Stadt im Kulturvergleich. Kritische
Studien zur Geschichtswissenschaft 140, Göttingen 2000.
10 Meier, okzidentale Stadt.
11 Song-U Chon: Max Webers Stadtkonzeption. Eine Studie zur Entwicklung des okzidentalen
Bürgertums. Göttingen 1985.
5
Arbeit zitieren:
Antje Lehmann, 2003, Die okzidentale Stadt des Mittelalters bei Max Weber, München, GRIN Verlag GmbH
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