Inhalt
0. Einleitung 3
1. Verschiedene Probleme der Grammatikschreibung 4
1.1 Die Verwendung des Terminus Grammatik 4
1.2 Eine Typologie von Grammatiken 5
1.3 Die Aufbereitung von Daten in Grammatiken 10
2. Zum Umgang mit Grammatiken 16
2.1 Die Bewertung von Grammatiken 16
2.2 Zur Vergleichbarkeit von Grammatiken 17
2.3 Wofür Grammatiken verwendet werden und was zu beachten ist 19
2.4 Die Verwendung von (zweisprachigen) Wörterbüchern 21
4. Schluss 23
Literatur 24
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0. Einleitung In der vorliegenden Arbeit soll im Rahmen der verschiedenen
Datengewinnungsmethoden in der Linguistik der Umgang mit Grammatiken als Datenbasis für die wissenschaftliche Arbeit diskutiert werden. Neben den verschiedenen Methoden der Datengewinnung durch z.B. Introspektion, Fragebögen, psychologische Experimente, kognitive Spiele, Korpora oder Elizitierung (Listen, verschiedene Stimuli wie Bilder oder Spiele), werden immer wieder auch Grammatiken herangezogen, um neue wissenschaftliche Kenntnisse zu erlangen oder bestehende Theorien zu bestätigen oder zu falsifizieren.
Allerdings ist die ausschließliche Verwendung von Material aus Grammatiken keineswegs unproblematisch, da es sich bei den dort vorliegenden Daten um bereits bearbeitetes Material handelt, das dem "Endverbraucher" keinen Einblick mehr in die zugrundeliegenden Daten gewährt. Außerdem lassen sich meist die angewendeten Methoden oder die Theorien, in deren Rahmen die Daten analysiert wurden, nicht mehr genau identifizieren, da sie selten explizit genannt werden. Die Anwendung einer bestimmten Theorie ist jedoch bei der Erstellung einer Grammtik immer notwendig, wie auch die folgende Definition von Grammatik zeigt (SENFT 1986:3):
"Writing a grammar asks for describing the structure of a language without
contradiction in a simple though adequate way on the basis of a certain theory that
defines grammar itself and the grammatical categories used as the tools of this
description."
Es müssen also bei der Verwendung von Daten aus Grammtiken immer die Fragen berücksichtigt werden, (a) wie die Daten erhoben worden sind und (b) auf der Grundlage welcher Theorie bzw. welchen Modells und wie das Material dargestellt wird und mit welcher Zielsetzung. Für (a) ergeben sich natürlich dieselben Probleme, die jeweils den einzelnen Datengewinnungsmethoden innewohnen 1 . In Bezug auf Frage (b) wird in Abschnitt (1.2) dieser Arbeit eine Typologie von Grammatiken nach CHERUBIM (1980) vorgestellt werden und in Abschnitt (1.3) die Aufbereitung und Darstellung von Daten in Grammatiken diskutiert werden.
Des Weiteren spielt der Autor der Grammatik selbst eine Rolle bei der Darstellung des Materials. So kann z.B. seine Muttersprache bzw. die Sprache, in der er seine Schulbildung erhalten hat, Einfluss auf die Analyse haben. Außerdem sind seine Überlegungen zur Auswahl des präsentierten Materials dem Nutzer nicht mehr
1 Auf diese Problematik wird hier nicht weiter eingegangen, da dies Thema von verschiedenen anderen Arbeiten im Rahmen des Hauptseminars zum Thema Datengewinnung ist.
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transparent, dieser muss jedoch immer davon ausgehen, das es sich um eine subjektive Analyse handelt.
Im Verlauf dieser Arbeit werden also verschiedene Grammatiktypen vorgestellt und in Abschitt (2.3) ihre Verwendungsmöglichkeiten für die wissenschaftliche Arbeit diskutiert, wobei zuvor in Abschnitt (2.2) beleuchtet werden soll, inwieweit verschiedene Grammatiken vergleichbar sind. Außerdem soll in Abschnitt (2.4) wegen der ähnlichen Problematik kurz die Verwendung von Daten aus Wörterbüchern behandelt werden
1. Verschiedene Probleme der Grammatikschreibung
1.1 Die Verwendung des Terminus Grammatik
Der Terminus Grammatik kann und wird in unterschiedlicher Weise verwendet, daher soll an dieser Stelle eine Festsetzung der Gebrauchsweise dieser Bezeichnung erfolgen. Die substantivische Form Grammatik geht auf ein elliptisch verwendetes Adjektivattribut zurück: griech. grammatiké (sc. téchne) bzw. lat. grammatica (sc. ars). Unter Grammatik wurde in der antiken grammatikologischen Diskussion ein praktisches, auf technische Beherrschung und Anwendung zielendes Wissen verstanden. (CHERUBIM 1980:580) Ferner wurde diese Bezeichnung für ein bestimmtes Wissensgebiet auch für die in Lehrbüchern kodifizierte Darstellung dieses Wissens verwendet. Heutzutage versteht man unter Grammatiken "...spezifische Mittel zur Gewinnung (und Kodifikation) von Erkenntnissen über Sprache, nämlich Theorien oder Teiltheorien über die als grammatisch spezifizierten Teilbereiche [der Sprache]." (ebd.; vgl. BIERWISCH 1966:30f.)
Eine weitere Verwendung bezeichnet mit der Grammatik einer Sprache bestimmte Eigenschaften dieser Sprache selbst, so dass Grammatik in Analogie zu Lexik verwendet wird. Die Auffassung, Grammatik bezeichne sowohl den mentalen Regelmechanismus, der die Produktion und Interpretation von Sprache steuere, als auch den formalen Apparat, der diesen Mechanismus abbilde, ist eine besondere Variante dazu. (vgl. CHOMSKY 1969:40).
Hier wird Grammatik natürlich im Sinne eines Regelwerks verwendet, das dem Benutzer in Buchform oder neuerdings auch in elektronischer Form vorliegt und ihm in unterschiedlicher Weise dargestellte Informationen über eine bestimmte Sprache liefert. Im folgenden Abschnitt soll auf die unterschiedlichen Möglichkeiten der Kodifizierung und die daraus resultierenden verschiedenen Typen von Grammatiken eingegangen werden.
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1.2 Eine Typologie von Grammatiken
Die Beschreibung und Kodifizierung von Sprachen wird traditionellerweise in zwei Arbeitsschritten durchgeführt, dabei existiert für den einen Schritt der Terminus der Lexikographie, während für den anderen Schritt mittlerweile in Analogie dazu der Begriff Grammatikographie verwendet wird. CHERUBIM (1980) vesteht unter Grammatikographie (CHERUBIM 1980:580):
"...die Klasse aller Erscheinungsformen kodifizierender grammatischer Deskriptionen von Sprachen zu wissenschaftlichen und/oder pädagogischen Zwecken. [...] ferner auch die Beschreibung und Erklärung der Grundsätze und Methoden der jeweiligen kodifizierenden grammatischen Deskriptionen [...] Insofern ist Grammatikographie auch - implizit oder explizit - auch Methodologie von grammatischen Deskriptionen."
Diese Definition setzt eine allgemeine Theorie der grammatischen Beschreibung voraus, diese wird analog zur Lexikologie, Grammatikologie genannt. Sie soll mindestens eine allgemeine Methodologie grammatischer Beschreibungen und eine Teiltheorie über Sprache enthalten, die es erlaubt, den Objektbereich 2 grammatischer Beschreibungen exakt anzugeben.
Wie im Weiteren gezeigt wird, existiert eine solche allgemeine Theorie jedoch nicht, da die unterschiedlichen Ziele von Grammatiken zu entweder "wissenschatlichen oder pädagogischen Zwecken" auch unterschiedliche Herangehensweisen und Darstellungen mit sich bringen. Die Existenz einer Disziplin der (allgemeinen) Grammatikographie ist also als Postulat zu verstehen, welche dann die Grundsätze und Methoden der grammatischen Beschreibung verallgemeinern soll.
CHERUBIM (1980) selbst stellt eine Typologie von Grammatiken auf, die mit Hilfe verschiedener Kriterien, Grammatiken auf der einzelsprachlich-deskriptiven und der sprachtheoretischen Ebene differenziert. Eine weitere Differenzierung leitet er aus den unterschiedlichen Zielsetzungen von Grammatiken ab.
Die unterschiedlichen typenkonstituierenden Merkmale auf der einzelsprachlichdeskriptiven Ebene ergeben sich aus den jeweils gewählten Ausschnitten des Objektbereichs, wobei "die spezifische (Vor-)Auswahl zugleich auch die Methode und Darstellung der grammatischen Deskription mitbestimmt." (CHERUBIM 1980:583) Die Objekte der Beschreibung können nach räumlichen oder zeitlichen
2 CHERUBIM (1980:582) versteht unter Objektbereich entweder die Beschreibung aller sprachlichen Zeichen, Strukturen und Regeln oder einer Teilmenge derselben, wobei ersteres der traditionellen Grammatikschreibung entspricht und letzeres etwa umfangsgleich ist, mit dem was gewöhnlich als Morphologie oder Syntax bezeichnet wird.
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Gesichtspunkten (synchron vs. diachron) ausgewählt werden. Außerdem spielen verschiedene soziolinguistische Faktoren eine Rolle, sowie die unterschiedlichen Verwendungsbereiche von Sprachen (Fachsprachen, funktionale Stile). Die Größe und Struktur der jeweiligen Sprechergemeinschaft (z.B. Idiolekte vs. homogene, bzw. heterogene Gruppensprachen) spielt ebenfalls eine Rolle, genauso wie die Art und Weise, in der das der Beschreibung zugrundeliegende Material vorliegt (geschriebene vs. gesprochene Sprache; Literatur- vs. Umgangssprache). Für einige dieser Kriterien existieren konkrete Beispiele, wie z.B. Dialektgrammatiken, synchrone (z.B. Duden-Grammatik) oder diachrone Grammatiken. Für andere der genannten Kriterien gibt es nur vereinzelte Beispiele, so etwa laut CHERUBIM (ebd.) eine Grammatik einer Unterschichtsprache oder eine "Grammatik der Sprache der Lehrer". Grammatische Untersuchungen von Ideolekten finden sich meist nur in literaturwissenschaftlichen Ansätzen oder dann, wenn die zugrundeliegenden Daten durch Introspektion des Autors gewonnen wurden, was dem Benutzer jedoch meist nicht angezeigt wird.
Auf der allgemein-sprachtheoretischen Ebene bestimmen vor allem die jeweilige Theorie und die angewandte Methode den Typ der grammatischen Beschreibung. So beschreiben z.B. deskriptive Grammatiken die einzelsprachlichen Phänomenen, während heuristische Grammatiken hauptsächlich die Analysetätigkeit des Linguisten wiedergeben. Auf methodologischer Ebene stellen metatheoretische Grammatiken die Grundbegriffe einzelsprachlicher Beschreibungen bereit. Weiter differenziert CHERUBIM (1980:583) in offene und geschlossenen Grammatiken, wobei erstgenannte Sprachen als kohärente oder homogene Systeme beschreiben, ohne allzuviel zu abstrahieren, während letzere eher den "heterogenen, diffusen oder instabilen Charakter natürlicher Sprachen" (meist reduzierend) herausarbeiten. Dies würde in etwa der Opposition zwischen traditioneller Grammatikschreibung und z.B. generativer Transformationsgrammatik entsprechen. Außerdem führt CHERUBIM (1980:584) strukturalistische Grammatiken als Beispiel für klassifizierende Grammatiken an, die versuchen, auf Grundlage einzelner sprachlicher Phänomene zu abstrakten Kategorien zu gelangen, während formale Grammatiken von spezifischen Axiomen, wie z.B. dem Satzbegriff, ausgehen und alle weiteren Kategorien mit Hilfe einer finiten Menge kohärenter und widerspruchsfrei formulierter Regeln formal ableiten.
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Quote paper:
Claudia Leto, 2003, Zum Umgang mit Daten aus Grammatiken (und Wörterbüchern), Munich, GRIN Publishing GmbH
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