INHALT
1. EINLEITUNG. 2
2. DER VIKTORIANISCHE COLLECTOR 4
2.1 BEFÜRWORTUNG DES KOLONIALISMUS: BLINDER GLAUBE AN
FORTSCHRITT UND AN DIE EIGENE HÖHERWERTIGKEIT 4
2.2. RELIGIÖSER GLAUBE UND FORTSCHRITT 7
2.3. EINSTELLUNG GEGENÜBER FRAUEN 7
3. DIE ALLMÄHLICHE ABKEHR VOM VIKTORIANISMUS 9
3.1. ÄNDERUNG DER PERSPEKTIVE UND
VERLUST DER ÜBERHEBLICHKEIT 9
3.2. ZWEIFEL AM KOLONIALISMUS 11
3.3. FREIMACHUNG VOM MATERIALISMUS UND HINWEGSETZUNG
ÜBER GESELLSCHAFTLICHE NORMEN 11
4. DER GEWANDELTE COLLECTOR 13
5. SCHLUSS. 14
6. BIBLIOGRAPHIE. 15
1
1. Einleitung
Der Schriftsteller James Gordon Farrell erhielt 1973 für sein Werk The Siege of Krishnapur die renommierteste literarische Auszeichnung, die alljährlich in Groß-Britannien verliehen wird: den Booker Prize. 1 Mit The Siege of Krishnapur, seinem fünften Roman erreichte der damals 38-jährige Liverpooler, der heute als einer der bedeutendsten englischen Literaten der Nachkriegszeit gilt 2 , zum ersten Mal in seiner schriftstellerischen Karriere ein größeres Publikum 3 .
The Siege of Krishnapur bildet zusammen mit den Werken Troubles (1970) und The Singapore Grip (1978) die sogenannte empiretrilogy. Diese drei Romane gleichen sich alle im Hinblick auf ihre Thematik 4 : eine britische, eitle Gemeinschaft wird zunächst belagert, harrt aus und wird schlussendlich aufgrund der äußeren Bedrohung durch eine Gemeinschaft mit anderen politischen, ideologischen oder religiösen Ansichten und Überzeugungen zerstört. 5
Im Werk The Siege of Krishnapur wird eine Gemeinschaft von britischen Kolonialherren vorgestellt, die vorgibt Indien die Zivilisation bringen zu wollen, aber so egozentrisch ist, dass die allmähliche Verschlechterung des anglo- indischen Verhältnisses, aus der letztendlich die Belagerung resultiert, überhaupt nicht zur Kenntnis genommen wird. Selbst während der Belagerung versucht die britische Gemeinschaft weiterhin ihre Konventionen und Vorstellungen von einem kultivierten Leben aufrecht
1 Binns, Ronald: Contemporary Writers: J. G. Farrell. London/New York: Methuen
1986, 9.
2 Cichón, Anna: The Realm of Personality and History: A Study of J. G. Farrell’s
Fiction. Wydawnictwo Uniwersytetu Wroclawskigo: Wroclaw 1995, 7.
3 Binns, Ronald: Contemporary Writers: J. G. Farrell. London/New York: Methuen
1986, 9.
4 Crane, Ralph J., Livett, Jennifer: Troubled Pleasures: The Fiction of J. G. Farrell.
Hartnolls Ltd: Bodmin, Cornwall 1997, 13.
5 Cichón, Anna: The Realm of Personality and History: A Study of J. G. Farrell’s
Fiction. Wydawnictwo Uniwersytetu Wroclawskigo: Wroclaw 1995, 14.
2
zu erhalten, denn nur so können sie den Unterschied zu den ihrer Ansicht nach primitiven Indern und ihren Glauben an die eigene naturgegebene Überlegenheit aufrechterhalten. Obwohl sich der physische als auch der psychische Zustand der Charaktere unter anderem aufgrund des Mangels an Nahrungsmitteln immer weiter verschlechtert, halten sie an ihren Idealen fest, so dass ihr Verhalten in immer schärferen Kontrast zu ihrer tatsächlichen, misslichen Lage steht 6 . Die Charaktere können schließlich unter dem von außen kommenden Druck die Fassade der Kultiviertheit nicht mehr aufrechterhalten und keiner von ihnen kehrt nach der Befreiung unverändert in das normale Leben zurück. 7
Der Roman The Siege of Krishnapur dreht sich also nicht, wie man vom Titel her vermuten könnte, so sehr um die blutige Belagerung von 1857 als historisches Ereignis an sich, sondern fokussiert vielmehr die Ansichten und Glaubenseinstellungen der belagerten englischen Kolonialherren. 8
Die im Werk Farrells dargestellten Charaktere sind Produkte einer von sich selbst überzeugten, überheblichen viktorianischen Gesellschaft und verkörpern gängige Ideale und Ansichten ihrer Zeit. 9 Nichtsdestotrotz gelingt es dem Autor hier keine stereotypen Charaktere zu entwerfen, sondern jede Figur in einem individuellen Licht erscheinen zu lassen, indem er jeden der bedeutenderen englische n Charaktere ausführlich beleuchtet. Das Verhalten, die Ansichten und Wertvorstellungen jedes Mitglieds der britischen Gesellschaft für sich werden im Roman der tatsächlichen Realität gegenübergestellt und so mittels Ironie und Satire ihrer Absurdität und Weltfremdheit preisgegeben. 10
6 Schefold, Fabian: Koloniale Mythenbildung und ihre literarische Dekonsturktion.
Britische Kolonialliteratur von Kipling zu Farrell. Göttingen: Cuvillier 1999, 84.
7 Prusse, Michael C.: Tomorrow is another day, The Fiction of James Gordon
Farrell.Tübingen/Basel: Francke 1997, 134.
8 Whipple, Mary: The Siege of Krisnapur by J.G: Farrell.
http://www.desijournal.com/book.asp?ArticeId=56,1. (03.04.2003)
9 Strobl, Gerwin: The Challenge of cross-cultural interpretation in the anglo-indian
novel. The Raj Revisited. Lewiston/Salzburg: The Edwin Mellen Press 1995, 198.
10 Whipple, Mary: The Siege of Krisnapur by J.G: Farrell.
http://www.desijournal.com/book.asp?ArticeId=56,1. (03.04.2003)
3
Auf den Primärtext wird im folgenden mittels Seitenangaben in Klammern direkt nach dem Zitat verwiesen. Die Sekundärliteratur wird mittels Fußnoten angegeben.
1. Der viktorianische Collector
2.1. Befürwortung des Kolonialismus:
Blinder Glaube an Fortschritt und an die eigene Höherwertigkeit
Bereits der Titel Collector, wie die Figur Mr Hopkins überwiegend im Roman genannt wird, macht den Leser auf eine besondere Eigenschaft des Charakters aufmerksam. Einerseits weißt die Bezeichnung natürlich auf den Rang eines Verwalters hin, anderseits aber lenkt sie die Aufmerksamkeit des Lesers auf die Sammelleidenschaft der Figur 13 , denn wie dieser gleich zu Beginn des Romans erfährt ist der Collector dafür verantwortlich, d ass sich in der Residenz allerlei künstlerischer und wissenschaftlicher Schnick-Schnack befindet. Diese Sammelleidenschaft hat natürlich tiefgehendere Gründe, denn bei den Gegenständen handelt es sich vornehmlich um Dinge, die auf der Great Exhibition von 1851 in London ausgestellt waren. Die Ausstellung, bei der es vor allen Dingen darum ging, den florierenden viktorianischen Handel zur Schau zu tragen 14 , wird oft als Meilenstein und Höhepunkt des britischen Empires gesehen. Für den Charakter Mr Hopkins verkörpern, genau wie für die Mehrheit der britischen Bevölkerung während des viktorianischen Zeitalters, diese, teilweise bizarr oder komisch anmutenden Kunstgegenstände und Erfindungen wie z.B. eine Eisenbahn, die sich ihre Schienen selbst verlegt, die fortschrittliche und rationale Zivilisation 15 ,
13 Prusse, Michael C.: Tomorrow is another day, The Fiction of James Gordon
Farrell.Tübingen/Basel: Francke 1997, 138.
14 Binns, Ronald: Contemporary Writers: J. G. Farrell. London/New York: Methuen
1986, 66.
15 Binns, Ronald: Contemporary Writers: J. G. Farrell. London/New York: Methuen
1986, 66.
4
Arbeit zitieren:
Kathrin Herz, 2003, Zu: J.G. Farrell - 'The Siege of Krishnapur' - Analyse des Charakters Collector in Bezug auf viktorianische Ideale und deren Dekonstruktion, München, GRIN Verlag GmbH
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