Inhaltsverzeichnis
I) Einleitung 2
II) Analyse der Wohnzimmersequenz 2
1. Starrheit der ersten Einstellung: Die „Ruhe vor dem Sturm“ 2
2. Figurenkonstellationen und Handlungsspielräume der
Protagonisten 3
3. Spannungserzeugung während des Vogelangriffs 3
a) Extreme Kamerapositionen: Klaustrophobische Situation
Melanies 3
b) Entgrenzung des Raums: Ziellose Fluchtsituation Caseys
und der Mutter 4
c) Dynamik durch schnelle Schnitte und Lichtführung: Mitch
im Kampf mit den Vögeln 4
4. Zusammenfassung 5
5. Zum Menschen- und Weltbild bei Hitchcock 5
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„Die Vögel“ von Alfred Hitchcock
Vorbemerkung
Meine Analyse wurde an einem Videorecorder mit Minutenzählwerk durchgeführt. Daher muß ich im Rahmen dieser Arbeit leider auf die exakten Zählerangaben verzichten. Stattdessen wird zur Beschreibung der betreffenden Einstellung jeweils die Einstellungsnummer im Anlageprotokoll genannt. Ausserdem behandelt diese Arbeit aufgrund des begrenzten Umfangs nicht alle Analyseaspekte, sondern konzentriert sich schwerpunktmäßig auf die signifikanten Auffälligkeiten der jeweiligen Einstellungen.
I) Einleitung
Alfred Hitchcock gilt als Meister der Spannungserzeugung. In unserem Referat erforschten wir anhand der „Wohnzimmersequenz“ dieses Phänomen im Film „Die Vögel“: Mitch und Melanie machen in einer Zoohandlung Bekanntschaft voneinander. Um Mitch näher kennenzulernen folgt sie ihm einige Zeit später an einen kleinen Küstenort, wohin Mitch sich zu seiner Mutter und seiner kleinen Schwester Casey zurückgezogen hat. Melanie möchte ihn mit einem kleinen Geschenk, zwei seltenen Papageien überraschen, die sie in der Zoohandlung bestellt hat und führt diese in einem Käfig mit sich. Während ihres Verweilens in dem Küstenort kommt sie sowohl Mitch als auch seiner Familiensituation, seinem gestörten Mutterverhältnis näher und gerät zwischen die Fronten. Während ihres Besuchs greifen immer öfter harmlose Möven die Küstenstadtbewohner an, die Angriffe werden immer blutiger, die Stadt verwandelt sich in ein Kathastropheninferno. Den tatsächlichen Grund für die mysteriösen Angriffe kennt niemand...
Die Wohnzimmersequenz erschien uns aus zwei Gründen interessant. Zum einen ist sie ein Beispiel für einen dieser unheimlichen Vogelangriffe. Ihre Analyse gibt Aufschluß über die Methoden, mit denen Hitchcock das spezifische Grauen erzeugt, wofür „die Vögel“ bekannt geworden sind. Zum anderen sagt sie uns aber auch etwas über die verschiedenen Konfliktverhaltensweisen der Protagonisten und charakterisiert sie damit in ihrem Wesen sowie in ihrem Verhältnis zueinander. Dies zu verdeutlichen ist das Ziel dieser Arbeit.
II) Analyse der Wohnzimmersequenz
1. Starrheit der ersten Einstellung: Die „Ruhe vor dem Sturm“
Die Handlung wird etabliert, indem Mitch das Wohnzimmer betritt und sich links neben seine Mutter auf die linke von zwei Couchen setzt (1). Auf der anderen sitzt Melanie mit Casey. Die Starrheit der Szenerie entsteht durch ebendiese festgelegten Sitzpositionen, die sich wiederherstellt, nachdem die Mutter geringfügig Bewegung in die Szene bringt und die Kaffeetassen vom Tisch räumt, aus der Szene verschwindet und wiederkehrt und denselben Platz wiedereinnimmt. Die Kamera bleibt bis auf leichte, von dieser Bewegung motivierte Schwenks starr und zementiert diese Sitzkonstellation geradezu fest. Dadurch entsteht beim Zuschauer der Eindruck einer „Ruhe vor dem Sturm“. Er weiß, dass die Vögel wieder angreifen. Unterstützt wird dieser Eindruck durch Casey, die auf der Ebene des Tons dieses Thema anspricht: „Mitch, weshalb tun sie das, die Vögel...?“.
Die Protagonisten hingegen befinden sich zwischen Hoffnung und Ungewissheit („Suspense-Effekt“).
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2. Figurenkonstellationen und Handlungsspielräume der Protagonisten
Auffälligerweise sitzt Mitch neben seiner Mutter in der ersten Einstellung (1) in gehörigem Abstand. Eine unsichtbare Mauer scheint die beiden voneinander zu trennen, während Melanie mit Casey in direktem Körperkontakt auf der anderen Couch sitzt und den Eindruck einer treusorgenden Mutter erweckt.
Einstellung (2) und (3) verstärken den Eindruck, da Mitch/Mutter (2) und Melanie/Casey (3) als Paare in Halbnah bzw. Naheinstellung in Parallelmontage zu sehen sind. Einstellung (2) zeigt Mitch imVordergrund, die Mutter im Hintergrund an die Wand gelehnt, beide blicken im Profil nach rechts in dieselbe Blickrichtung. Obwohl sie räumlich so nah beisammen sitzen, scheinen sie eigentümlich voneinander abgetrennt, fast isoliert. (3) stellt dem Melanie und Casey gegenüber. Melanies rechter Arm liegt auf der Schulter des Mädchens, ihr Blick ist ihr zugewandt. Als Caseys Befindlichkeit sich verschlechtert ist sie es, die sie (vermutlich auf die Toilette) begleitet (3,5,7,8). Dazwischengeschnitten wird in Einstellung (4) und (6) immer das gleiche Bild der Mutter, die mit undifferenziert leidendem Blick in einer Ecke erstarrt, dem Leiden ihrer Tochter nichts entgegensetzen kann. Sie ist mit einer seltsam undurchsichtigen, fast bedrohlichen Aura umgeben, die der Schatten, den sie an die Wand wirft und die steile Obersichtperspektive erzeugt.
Die Einstellungen 2-7 verraten bereits etwas über die Handlungsspielräume, das heißt die Rollen und Handlungsmöglichkeiten, die die jeweiligen Personen in der Gefahrensituation übernehmen werden. Als in (8) dann das Vogelgezwitscher beginnt hat jede Person ihren „Platz“ im Handlungsverlauf inne: Mitchs Körperhaltung ist offen und handlungsbereit, sein Blick wird von den einsetzenden Vogelgeräuschen am wenigsten irritiert, die Mutter blickt nach rechts, klammert sich in ihrer Ecke an einen Balken neben ihr und blickt hilfesuchend zu Mitch, das erste Mal, dass sie mit ihm in motivierten Blickkontakt tritt ist also die drohende Gefahr. Melanie widmet sich erst dem Kind, blickt dann in eine andere Richtung als die Mutter, ein Zeichen dafür, dass die Richtung, aus der die Vögel kommen, ungewiss bleibt, die Gefahr von überall droht, was auch der Ton unterstützt, der nicht zu orten ist. Casey sucht interessanterweise Schutz bei ihrer Mutter und läuft zu ihr, sie ist die schwächste in der Handlungshierarchie. War Melanie zuvor noch handelnd, so wird durch diesen Ortswechsel Caseys die Mutter nun in die „aktive“ Rolle der Beschützerin gedrängt, während Melanies Verhalten zunehmend passiv wird. Leider jedoch wird gerade in dieser Sequenz deutlich, wie die „traditionelle“ Geschlechterrollenverteilung Hitchcocks Protagonisten prägt: Der „starke“ Mann übernimmt die Initiative (9,13,18,24-33 und 35), hat die Einfälle zur Rettung (9,31,33) und kämpft gegen die Vögel (24-33), während Melanie von der Situation zunehmens in ihrem grünen Kostümchen „in die Ecke gedrängt wird“ und dabei sogar noch die Eleganz besitzt, in höchster Gefahr ihre Beine dekorativ übereinanderzuschlagen (14).Ebenso passiv die Mutter, die aus ihrer anfänglichen Starrheit an die Tochter gekrallt von einer Ecke in die andere flieht.
3. Spannungserzeugung während des Vogelangriffs
Das unterschiedliche Kathastrophenverhalten der Personen während des Vogelangriffs teilt die Handlung in mehrere Stränge, die einander in Parallelmontage entgegengesetzt sind und für die unterschiedliche Filmtechniken benutzt werden, um die Spannung zu erzeugen:
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Quote paper:
Petra Leitmeir, 2000, Alfred Hitchcock: „Die Vögel“: Analyse der Spannungserzeugung anhand einer Sequenz, Munich, GRIN Publishing GmbH
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