Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
2. Zur Geschichte des Judo
2.1. Ursprung und Entwicklung des Judosports
2.2. Prinzipien und geistige Grundlagen
3. Judo für Menschen mit einer Beeinträchtigung oder Behinderung
3.1. Judo als Behindertensport
3.2. Das Judoangebot im Heilpädagogischen Centrum Augustinum (HPCA) in München
4. Möglichkeiten der Förderung mit Judo
4.1. Grafische Übersicht
4.2. Im Bereich der Körperwahrnehmung
4.3. Im Bereich Bewegung
4.4. Im Sozialen Bereich
4.5. Im Bereich des Selbstwertgefühls
5. Beispiel einer Judostunde
6. Schlussgedanken
Anhang: Quellenangaben, Bildnachweis
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1. Einleitung
Kampfsportarten erwecken bei vielen Menschen Unbehagen und Unsicherheiten. Sie werden oft in Verbindung mit Gewalt, Brutalität, Überlegenheit und Ausübung von Macht gesehen. Als Ziel wird meistens die Zerstörung eines Menschen vermutet; sei es zur persönlichen Verteidigung oder aufgrund eines körperlichen Angriffes.
Da auch Judo zu den Kampfsportarten zählt, werden nicht selten solche Sichtweisen mit dem Judosport verknüpft. So ist es unvorstellbar, dass anstatt Zerstörung die Erhaltung eines ge-sunden Körpers, statt individuellen Machtkämpfen die soziale Eingliederung, statt körperlicher Bedrohung die Wahrnehmung des eigenen Körpers im Vordergrund stehen. Noch weniger vorstellbar war lange Zeit der Gedanke, Judo als pädagogische Fördermöglichkeit für Menschen mit erschwerten Bedingungen, sei es aufgrund problematischen Verhaltens, einer körperlichen, einer geistigen oder einer Sinnesbehinderung, zu betrachten. Im Zuge meiner Tätigkeit im Heilpädagogischen Centrum Augustinum (kurz: HPCA) konnte ich einen kleinen Einblick in die verschiedenen Möglichkeiten der Förderung durch Judo gewinnen, auf die ich in dieser Arbeit ein wenig näher eingehen möchte.
2. Zur Geschichte des Judo
2.1. Ursprung und Entwicklung des Judosports
Das Wort Judo setzt sich zusammen aus den japanischen Begriffen „dju“ (= edel, vornehm, sanft) und „do“ (= Weg, Grundsatz, Prinzip). Der Begriff Judo ist also zu übersetzen mit „sanfter Weg“.
Judo entwickelte sich aus dem Jiu-Jitsu (sanfte Kunst). Jiu-Jitsu ist keinesfalls japanischen Ursprungs, sondern kommt - wie fast alles Japanische - aus China. Die ethisch- moralische Grundlage für das Jiu-Jitsu liegt im stark vom Zen-Buddhismus beeinflussten Ehrenkodex der japanischen Samurai. Mit dem Niedergang der Samurai in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlor aber auch die Kunst vom waffenlosen Kamp fsystem Jiu-Jitsu mehr und mehr an Bedeutung.
Dem deutschen Gelehrten Erich Bälz, der von 1872 - 1884 an der Kaiserlichen Universität in Tokio lehrte, verdankt Japan die Rückbesinnung auf seine traditionsreiche Zweikampfdisziplin. Um seinen von der Wissenschaft stark beanspruchten Studenten einen körperlichen Ausgleich zu verschaffen, besann er sich auf das alte System des Jiu-Jitsu.
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Unter seinen Studenten befand sich ein junger Mann namens Jigoro Kano, der die Anregungen seines Lehrers mit großem Interesse entgegennahm und sich mit unermüdlichem Eifer und Hingabe dem Studium und der Weiterentwicklung des Jiu-Jitsu wid mete. Er erkannte bald die positiven Einflüsse dieser Kunst auf die Entwicklung der körperlichen und geistigen Kräfte des Menschen. Seine Hauptkritik an diesem traditionellen System der Selbstverteid igung aber richtete sich dagegen, dass das Ziel des Kampfes immer noch die
Kampfunfähigkeit, ja der Tod des Gegners war. Er entwickelte daher ein System, aus dem er allmählich alle gefährlichen Tritte, Stöße und Griffe eliminierte. Dafür verbesserte er die für einen sportlichen Zweikampf notwendigen Angriffs- und Verteidigungstechniken, indem er neue Techniken kreierte. 1
1882 eröffnete Kano mit erst 23 Jahren seine eigene Schule und lehrte in ihr Judo den „sanften Weg“. Seine Schule nannte er Kodokan (Schule zum Studium des Weges). Er deutete damit an, dass über die Technik hinaus das Studium eines Weges (Weg des Lebens) mit ethischen Forderungen unterrichtet wird. 2
Schon 1890 wurde Judo vom damaligen japanischen Minister für Erziehung in das Schulprogramm aufgenommen. Kano selbst wurde Seminarleiter eines Lehrseminars für Judo. Nachdem Judo 1911 Pflichtfach an allen japanischen Mittelschulen geworden war, war seine Breitenentwicklung nicht mehr aufzuhalten. Als Jigoro Kano 1938 starb, gab es bereits 100 000 „Schwarzgurtträger“ in Japan. Nach dem 2. Weltkrieg und dem Verbot des Judosports durch die Amerik aner wurde Judo seit 1950 wieder an den japanischen Schulen unterrichtet. 3 1901 wird in Londoner Variete Judo erstmals durch japanische Sportler in Europa bekannt gemacht. 4
2.2 Prinzipien und geistige Grundlagen
Zwei Grundsätze verhindern, dass Judo zu einem simplen Kräftevergleich ausartet: Zum Einen das technische Judoprinzip „Siegen durch Nachgeben“, bei dem man nicht versucht, sich einer Kraft zu widersetzen, sondern diese Kraft durch Ausweichen bzw. Weiterziehen in die Ric htung, in die sie geht, auszunützen, und seinen Gegner damit zu überraschen.
1 vgl. W. Janko 1986, S. 2 ff.
2 vgl. A. Khosrow 1985, S. 11 ff.
3 vgl. W. Janko 1986, S. 2 ff und A. Koshrow 1985, S. 11 ff.
4 vgl. http://www.tsvaltenfurt-judo.de/Judogeschichtliches.htm
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Arbeit zitieren:
Tim Tengler, 2003, Fördermöglichkeiten für Menschen mit einer geistigen Behinderung im Rahmen der Judokurse des HPCA München, München, GRIN Verlag GmbH
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