Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung 3
2) Sozialmedizinische Grundlagen S. 3-4
3) Sozioökonomische Betrachtung 4
4) Krebs als verhaltensbedingte Krankheit S. 4-5
5) Psychosomatische Betrachtung
5. 1 Zum Stand der Forschung 5
5. 2 Die Verlust - Depressions - Hypothese von Le Shan S. 5-6
5. 3 Das Modell von Bahnson S. 6-7
5. 4 Das metatheoretische Modell zur Entstehung von Depressionen von Cobb S. 7-8
5. 5 Das soziologische Erklärungsmodell der Depression nach Brown und Harris S. 8-9
5. 6 Die Modifikation des Modells von Brown und Harris durch Geyer S. 10-11
5. 7 Die Ergebnisse der Geyer - Studie 12
6) Schlußbemerkung 13
Literaturverzeichnis 14
2
1) Einleitung
„Ich bin jung und reich und gebildet; und ich bin unglücklich, neurotisch und allein. Ich stamme aus einer der allerbesten Familien des rechten Zürichseeufers. Ich bin bürgerlich erzogen worden und mein ganzes Leben lang brav gewesen. Meine Familie ist ziemlich degeneriert, und ich bin vermutlich auch ziemlich erblich belastet und milieugeschädigt. Natürlich habe ich auch Krebs, wie es aus dem vorher Gesagten eigentlich selbstverständlich hervorgeht.“ 1 So beginnt die Autobiographie eines Krebskranken. Sicherlich muß bei dieser „Laientheorie“ berücksichtigt werden, daß Kranke häufig nach dem „Sinn“ der Krankheit suchen und auch Umbewertungen von Gedächtnisinhalten vornehmen. 2 Und sicherlich wird heute auch kein Wissenschaftler behaupten, daß ein bestimmter seelischer Faktor Krebs direkt verursacht. Daß jedoch psychologische Aspekte beim Prozeß der Krebsentstehung eine wichtige Rolle spielen können, ist heute unter den meisten Krebsforschern unbestritten, zumal die Medizin nach wie vor weit davon entfernt ist, Krebs vollständig zu „verstehen“.
2) Sozialmedizinische Grundlagen 3
1993 waren Krebserkrankungen Ursache für 23,8 % aller Sterbefälle in Deutschland.
Bei den Frauen starben 22 % an Krebs ( vor allem an Brust- und Darmkrebs ), bei den Männern 25,9 % ( vor allem an Krebs der Atemwege ).
1 Zorn, 25.
2 Vgl. Geyer, 24.
3 Vgl. Waller, 154f.
3
Die Sterblichkeit an Krebs nahm zwischen 1962 und 1992 um 23,6 % zu, was nur partiell durch die höhere Lebenserwartung bedingt ist.
3) Sozioökonomische Betrachtung
Eine erhöhte Krebssterblichkeit wurde bei Männern aus unteren Schichten und in Regionen mit einem hohen Industrialisierungsgrad festgestellt. 4 In den USA ist die Krebsmortalitätsrate von Nichtakademikern weit höher als die von Akademikern, nur Brust- und Prostatakrebs treten häufiger bei Hochschulabsolventen auf. 5 In ethnologischer Hinsicht ist bemerkenswert, daß „z. B. Japanerinnen, leben sie in ihrem Ursprungsland, eine durchschnittlich niedrigere Inzidenzrate [ bei Brustkrebs ] haben als diejenigen, die in einem westlichen Land leben, wo sich das Niveau dem des Emigrationslandes anpaßt“ 6 .
4. Krebs als verhaltensbedingte Krankheit
Krebserkrankungen der oberen Atemwege werden zu 90 % auf das Rauchen zurückgeführt. 7
Beim Brustkrebs werden Faktoren wie Kinderlosigkeit bzw. späte Schwangerschaft genannt. 8
Was die Genese des Zervikalkrebses angeht, sind Wissenschaftler zu dem Ergebnis gekommen, daß die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung um so größer ist, je früher eine Frau ihren ersten Geschlechtsverkehr hatte und je größer die Anzahl ihrer Sexualpartner war. 9
4 Vgl. ebd., 156.
5 Vgl. Schirrmacher, 14.
6 Becker, 47.
7 Vgl. Waller, 156.
8 Vgl. ebd.
9 Vgl. Lambley, 175.
4
5 . Psychosomatische Betrachtung
5. 1 Zum Stand der Forschung
Vor allem von psychoanalytischer Seite und in Laientheorien wird die These vertreten, daß psychosoziale Faktoren als direkte kausale Faktoren bei der Krebsentstehung wirken. 10 Neuere Untersuchungen wie die von Geyer lassen jedoch keinen Rückschluß auf eine Kausalbeziehung zu, kommen aber zu dem Ergebnis, daß „Lebensereignisse sowohl als Tumorpromotoren wirken, d. h. als Faktoren, die den Übergang in eine aktive Wachstumsphase begünstigen, wie auch als Faktoren, die über hormonelle Regulation die Abwehrmöglichkeit gegen sich entwickelnde Malignome vermindern.“ 11
Im folgenden soll die psychosomatische Modellbildung nachgezeichnet werden.
5.2 Die Verlust - Depressions - Hypothese von Le Shan Le Shan und seine Mitarbeiter fanden Ende der Fünfziger Jahre heraus, daß die meisten Krebspatienten mit emotionslosen und gleichgültigen Eltern aufwuchsen und viele Patienten kurz vor der Erkrankung eine wichtige Bezugsperson verloren. 12 Die Hypothese von Le Shan umfaßt die aufeinander folgenden Phasen der Isolation, der Beziehung und des Beziehungsverlustes: „ [ Diesen Menschen ] ... erscheinen intensive zwischenmenschliche Beziehungen schwierig und gefahrvoll. Falls eine tiefe und bedeutungsvolle Beziehung aufgebaut wurde, ... entwickelte sie sich für die jeweils Betroffenen zum Lebenszentrum. ... In anderen Lebensbereichen erfüllten sie ihre Aufgaben angemessen, aber ohne innere Beteiligung. [Wenn diese Bezie-
10 Vgl. Geyer, 12.
11 Ebd., 115f.
12 Vgl. Lambley, 48.
5
Arbeit zitieren:
Markus Laag, 1998, Belastende Lebensereignisse, depressive Reaktionen und die Entstehung von Krebs, München, GRIN Verlag GmbH
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