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Gliederung
1. Einleitung
2. Exogene Faktoren der Verbandssystemkrise
2.1. Die Fragmentierung der Gewerkschaften und Verbände
2.2. Die Auflösung institutioneller Arrangements
2.3. Die Denationalisierung
3. Endogene Faktoren der Verbandssystemkrise
3.1. Positive/ negative Globalisten
3.2. Industrieverbände
3.3. Arbeitgeberverbände
3.4. Gewerkschaften
4. Resümee
5. Abkürzungsverzeichnis
6. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Es ist offensichtlich, dass sich Gewerkschaften und Verbände in der Bundesrepublik Deutschland aktuell in großen Schwierigkeiten befinden. Die Krise dieser intermediären Instanzen wird in den Medien nahezu täglich ausgerufen. Als Gründe lassen sich gravierende Strukturprobleme identifizieren. Betrachtet man die Entwicklung der Mitgliederzahlen in der Vergangenheit, wird deutlich, dass es keineswegs übertrieben ist, von einer Strukturkrise zu sprechen. Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerverbände sind davon gleichermaßen betroffen. Beide Seiten haben bei ihren Mitgliedern zunehmend an Akzeptanz und damit auch an Einfluss verloren. Wenn man Einschätzungen von Verbands- und Gewerkschaftsfunktionären hört, wird meist ein sehr negatives Bild der derzeitigen Lage gezeichnet. Bei der Analyse der Probleme werden häufig monokausale Erklärungsversuche zu Rate gezogen. Erklärungen verstecken sich oftmals hinter dem schwer fassbaren Stichwort Globalisierung.
In der vorliegenden Arbeit sollen die Auswirkungen der Globalisierungsprozesse auf Gewerkschaften und Verbände differenziert betrachtet werden. Das heißt, es wird einerseits der Frage nachgegangen, inwieweit sich die Globalisierung für die beschriebene Strukturkrise verantwortlich zeigt, auf der anderen Seite wird auch analysiert werden, welche intern generierten Problemfaktoren zur heutigen Situation beigetragen haben. Sind also eher die externen Umwälzungsprozesse für die Krise verantwortlich oder sind die Probleme durch Fehler in der Binnenstruktur der Organisationen entstanden? Wie bedingen sie einander?
Im ersten Teil der Arbeit findet die Auseinandersetzung mit den exogenen Faktoren statt, während im zweiten auf die endogenen Faktoren eingegangen wird. Da man bereits vorwegnehmen kann, dass beide Dimensionen für die negative Entwicklung des Verbandswesens mit verantwortlich gemacht werden können, also eine alleinige Verantwortung der Globalisierungsprozesse eindeutig negiert werden kann, wird in diesem Zusammenhang auch die Frage Eingang finden, welche positiven Effekte und Chancen sich im Zuge der Globalisierung für die einzelnen Organisationen ergeben können.
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2. Exogene Faktoren der Verbandssystemkrise
2.1. Die Fragmentierung der Gewerkschaften und Verbände
In den westlichen Industrienationen ist gegenwärtig ein Zerfallsprozess der Gewerkschaften und Verbände zu beobachten. Das Hauptproblem sind die stetig sinkenden Mitgliederzahlen. Am Beispiel Deutschlands ist diese Entwicklung zu belegen. Seit der Wiedervereinigung sind die Mitgliederzahlen in Gewerkschaften und Verbänden der Bundesrepublik insgesamt um ca. 10 % zurückgegangen 1 , mit der Folge, dass heute weniger als ein Drittel der abhängig Beschäftigten noch gewerkschaftlich organisiert sind. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hatte in der Zeit von 1994- 1997 eine Million Austritte zu verzeichnen. 2 Die Mitgliederzahl der im DGB zusammengefassten Einzelgewerkschaften ist von 11,8 Millionen im Jahr 1991 auf 7,7 Millionen bis Ende 2002 gesunken. 3 Innerhalb des DGB verhältnismäßig stark betroffen war die IG- Metall, welche im Zeitraum von 1990- 2000 ca. eine Million Austritte zu beklagen hatte, bei gegenwärtig noch ungefähr drei Millionen Mitgliedern insgesamt. 4 Das Beispiel der IG- Metall, der also in zehn Jahren ein Viertel ihrer Mitglieder abhanden kam, macht die katastrophale Situation deutlich, in der sich die Interessenorganisationen befinden. Von dieser negativen Entwicklung waren alle acht Einzelgewerkschaften des DGB betroffen. Ein Vergleich der Mitgliedschaften von Ende des Jahres 2001 mit denen Ende 2002 belegt dies eindrucksvoll. (Ver.di -2,4%, IG-Metall -2,4%, IG-BCE -3,3%, IG Bauen-Agrar-Umwelt -3,9%, Transnet -2,8%, GEW -1,2%, NGG -2,2%, GdP -0,2%) 5 Im Verlauf dieses Prozesses hat sich auch die Struktur der Gewerkschaftsmitglieder verändert. Hier ist ein eindeutiger Trend zur Überalterung auszumachen, da sich der Anteil der jungen Mitglieder beinahe halbiert hat. 6 Der Rückgang der Mitgliedschaften ist auf die Umwälzung der traditionellen Beschäftigungsmuster zurückzuführen. Der Anteil der Beschäftigten in der produzierenden Industrie ist
Instanzen, 1999, S. 9
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gesunken, während es heute weit mehr angestellte Beschäftigungsverhältnisse gibt als noch vor einigen Jahren. Außerdem hat der, durch die Globalisierung verursachte Wettbewerb mit Niedriglohnländern zum Verschwinden von gering bezahlten und arbeitsintensiven Jobs geführt. Bedenkt man, dass früher die
Gewerkschaftsmitglieder mehrheitlich aus eben diesen niedrig bezahlten, arbeitsintensiven Industriebranchen kamen, ist hier also ein kausaler Zusammenhang gegeben. Die Abnahme bestimmter Kategorien von Arbeitsplätzen bedingt demzufolge den Mitgliederschwund. Hinzu kommt auch das Entstehen neuer Kategorien von Beschäftigten, die schwer einheitlich zu organisieren sind, da eine Interessenbündelung sich hier nahezu unmöglich gestaltet.
2.2. Die Auflösung institutioneller Arrangements
Ein weiteres Problem des Verbandswesens ist die Erosion institutioneller Arrangements. Gemeint ist die Kooperation zwischen staatlichen Akteuren, Verbandsakteuren und Unternehmern. Der institutionalisierte Dialog zwischen diesen Partnern findet zunehmend seltener statt. Grund dafür ist das Aufkommen transnationaler Konzerne, der sogenannten global players. Die Interessenvermittlung findet aufgrund dieser Entwicklung nicht mehr zwischen Unternehmen und Nationalstaat statt, vielmehr versuchen heute Nationalstaaten zusammen mit Gewerkschaften und auch Arbeitgeber- und Industrieverbänden Koalitionen zu bilden, um die global players ins Land zu holen. Diese Zweckkoalitionen verfolgen das Ziel über Investitionen der TNKs im eigenen Land Ressourcen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze entstehen zu lassen, die dann wiederum Wohlstandseffekte für den eigenen Standort generieren sollen. 7 Die Macht der global players besteht darin, dass sie territorial ungebunden agieren und sich dadurch weitestgehend steuerlichen, sowie sozialpolitischen Regulierungsmaßnahmen entziehen können. 8 Sie sind unabhängig von nationalen Arbeitsmärkten und errichten Produktionsstätten an Orten, an denen der Faktor ´Arbeit´ billig ist. Sie treffen ihre Standortwahl allein nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Das bedeutet, ihr Augenmerk liegt auf niedrigen Steuersätzen, billigen Produktionsfaktoren und günstigen
Arbeit zitieren:
Benjamin Siegert, 2003, Gewerkschaften und Verbände in der Globalisierung, München, GRIN Verlag GmbH
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