Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Orientalismus und wissenschaftliche Rechtfertigungen von Kolonialismus und
Rassismus 4
2.1 Orientalismus 4
2.2 Wissenschaft und Technik als Rechtfertigung und Mittel der „Civilizing
Mission“ 5
2.3 Zeitgenössische Kritik am Orientalismus 6
2.4 Kulturvergleichende Psychologie 7
3 Die Entwicklung der Psychologie in Indien: Eine zweite Kolonisierung und
mögliche Alternativen 9
3.1 Indigene, indische Psychologie 10
4 Diskussion 10
A Der Autor 12
B Wichtige Daten zur Kolonialgeschichte Indiens 12
References 18
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1 Einleitung
Anhand des Textes von Sunil Bhatia (2002), „Orientalism in Euro-American and Indian psychology: Historical representations of ‘natives’ in colonial and postcolonial contexts“ sollen in dieser Arbeit der Einfluss des Orientalismus auf die Entwicklung der Psychologie in der sogenannten 3. Welt und mögliche Alternativen zu einem eurozentristischen Psychologiekonzept untersucht werden.
Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile: Im ersten, allgemeinen soll kurz der Begriff des Orientalismus nach Said (1979) eingeführt werden, um daraufhin den historischen Zusammenhang von Wissenschaft und Kolonialismus/Rassismus näher zu erläutern. Anschließend erfolgt die Darstellung und Bewertung von Entwicklungen in der Psychologie, die versuchten, o. g. Zusammenhang zu kritisieren, vor allem die kulturvergleichende Psychologie.
Im zweiten Teil geht es spezifischer um die Psychologie in Indien: Zum einen wird die Entwicklung (oder treffender: der Import) der mainstream-Psychologie im kolonialen und postkolonialen Indien thematisiert, zum anderen werden die Möglichkeiten und Grenzen von alternativen, indigenen Konzepten angesprochen. In Kapitel 4 werden die zusammenfassenden Thesen Bhatias vorgestellt.
2 Orientalismus und wissenschaftliche Rechtfertigungen von
Kolonialismus und Rassismus
2.1 Orientalismus
Ausgangspunkt für die Darstellung der Rolle der Psychologie im Kontext von Imperialismus und Kolonialismus ist der von Edward Said (1979) eingeführte Begriff des Orientalismus. Orientalismus ist die Ideologie von der angeblichen Unterlegenheit des Ostens und der daraus abgeleiteten Rechtfertigung von Kolonialismus und Unterdrückung. Said präzisiert dies in Form von vier Dogmen:
1. Es gibt einen absoluten, essentiellen und systematischen Unterschied zwischen dem rationalen, hochentwickelten Westen und dem primitiven und unzivilisierten Osten.
2. Entstanden sind derartige Repräsentationen des „Anderen“ durch selektive Rezeption von früher, klassischer Texte aus dem Orient.
3. Dem Orient wird die Fähigkeit, sich selbst zu definieren abgesprochen und damit legitimieren sich westliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, „die Anderen“ als eine homogene Gruppe zu definieren.
4. Der Orient muss gefürchtet und deswegen - durch Wissenschaft oder koloniale Repression - unter Kontrolle gehalten werden.
Entscheidend ist hierbei, dass der Orientalismus keineswegs eine Sache der Vergangenheit ist, die mit dem Ende des Kolonialismus verschwunden wäre, sondern dass diese Ideologie in und durch Institutionen, Praktiken oder dem Denken bis in die Gegenwart
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wirkmächtig bleibt. Auf diesen von Said (1993) als „kultureller Imperialismus“ bezeichneten Vorgang soll in Abschnitt 3 noch einmal näher eingegangen werden. Im folgenden Abschnitt geht es um die historische Rolle der Wissenschaft im Allgemeinen und der (Proto-)Psychologie im Besonderen bei der Begründung, Rechtfertigung und Durchsetzung des Kolonialismus.
2.2 Wissenschaft und Technik als Rechtfertigung und Mittel der „Civilizing Mission“
Konzepte wie Rationialität, Modernität und Wissenschaftlickeit hatten im Kolonialismus Bhatia zufolge eines doppelte Funktion: Zum einen wurden sie als exklusives Merkmal der westlichen „Zivilisation“ und damit als Grund für Überlegenheit des Westens und die Rechtfertigung der Unterwerfung der anderen betrachtet. Zum anderen lieferten die Wissenschaften auch die praktischen Mittel zur Klassifizierung und Bewertung der „Anderen“, womit sich der Kreis schließt, da diese Erkenntnisse wieder als Beweis für die Unterlegenheit der „Anderen“ gesehen wurde. Neben der Anthropologie und Biologie war es gerade die Psychologie und ihre Vorläuferinnen, die in diesem Rahmen die angeblich wissenschaftlich-objektive Grundlage für Rassismus und Imperialismus lieferte, was im Folgenden näher ausgeführt werden soll.
Ausgangspunkt des wissenschaftlichen Rassismus ist die durch das Aufkommen der Darwinschen Evolutionstheorie ermöglichte Verschiebung von der Begründung der Minderwertigkeit der „Anderenänhand von Vergleichen kultureller, religiöser oder technischer Errungenschaften hin zur Annahme von der biologischen Minderwertigkeit anderer Bevölkerungsgruppen. Die Idee, dass unterschiedliche Rassen auf verschiedenen Stufen der Entwicklung stehen könnten, führte zu einer Vielzahl mehr oder weniger wissenschaftlicher Vergleiche - einerseits auf der mehr physiologischen Ebene (z. B. Kraniometrie, Phrenologie), aber auch explizit psychologische Untersuchungen über bestimmte Fähigkeiten der „Primitiven“ (klassische Beispiele für Expeditionen mit dieser Zielsetzung sind z. B. die Cambridge-Expedition 1898/99 (Herle & Rouse, 1998) oder die deutsche Thurnwald-Expedition 1902-06 (Thurnwald, 1910; Probst, 1992)). Bhatia geht davon aus, dass die Entstehung des wissenschaftlichen Rassismus im Kontext der soziokulturellen und ökonomischen Entwicklungen betrachtet werden muss, er nennt hier das Entstehen einer stark nach Klassen differenzierten Gesellschaft, das Zurückgehen egalitaristischer Ansätze in Europa, der Machtverlust der Religion zugunsten der Wissenschaft und die abolitionistische Bewegung in den USA (S. 381).
Als Beispiele für bekannte Pioniere der Psychologie und deren Verstrickung in den wissenschaftlichen Rassismus geht Bhatia näher auf die Theorien von Galton, Spencer und Hall ein, die ich hier nur kurz erläutere.
Galton Francis Galton (übrigens ein Cousin Darwins) war einer der ersten Psychologen, die das Erbe des englischen Assoziationismus, “Jeder kann alles werden“, radikal über Bord warfen und stattdessen, wie der Name seines bekanntesten Buches, “Heredetitary Genius“, schon andeutet, von der Erblichkeit geistiger Fähigkeiten ausging. Darauf basierend entwickelte er eine Rangfolge der Fähigkeiten der Rassen, um wie Bhatia schreibt,
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die Möglichkeit zur „Zivilisierung“ durch die europäischen Kolonialmächte bestimmen zu können.
Spencer Spencers Hauptthese war die von der Energieerhaltung: Er ging (analog zur Thermodynamik) davon aus, dass jeder Mensch nur eine bestimmte Menge Energie zur Verfügung habe und verschiedene geistige und körperliche Fähigkeiten jeweils bestimmte Mengen dieser Energie beanspruchen würden. Unter der Annahme, dass nicht-westliche Bevölkerungsgruppen insgesamt weniger Energie zur Verfügung hätten folgerte er, dass verschiedene Rassen auf unterschiedlichen Stufen der Entwicklung stünden und die nichtwestlichen mit Kindern vergleichbar wären. Dieser Vergleich mit Kindern war zu Spencers Zeit weit verbreitet, er basierte auch auf der Rekapitulationshypothese, die davon ausgeht, dass in der Ontogenese des Menschen die Phylogenese nachvollzogen werde und sich daraus folgern lasse, dass die Nicht-Weißen im Vergleich zur euro-amerikanischen Bevölkerung wie Kinder oder bestenfalls Jugendliche seien.
Hall Auch Hall nahm die Sichtweise von den „Primitiven“ als Heranwachsenden auf und folgerte, dass aus der Geschichte klar hervorgehe, dass sich jede große Rasse sich auf der Basis einer niedrigeren entwickelt habe und aus der westlichen Überlegenheit „our title clear to dominion“ klar ableiten lasse.
2.3 Zeitgenössische Kritik am Orientalismus
Die Kritik an wissenschaftlichem Rassismus und Orientalismus setzte vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, der beginnenden Dekolonisierung und der Bürgerrechtsbewegung in den USA ein (vgl. Abschnitt 2.4), es gab aber auch durchaus bereits früher geäußerte Einwände gegen o. g. Theorien. Bhatia geht exemplarisch auf Lévy Bruhl, die Position der Psychoanalyse und auf die Bewegung der Bengal Renaissance ein.
Lévy Bruhl Lévy Bruhl, ein französischer Anthropologe, stellte in seinem 1921 erschienenen Buch „Das primitive Denken“ die Rekapitulationsthese infrage und widersprach der Ansicht, dass die sog. Primitiven in Bezug auf ihre kognitiven Fähigkeiten Europäerinnen und Europäern von Geburt an unterlegen seien. Er geht davon aus, dass die von ihm untersuchten Gruppen keine unterlegenen geistigen Fähigkeiten , sondern ein grundlegend anderes Denksystem besäßen, das er als mystisches, prälogisches Denken im Gegensatz zum logischen Denken der Europäerinnen und Europäer bezeichnet. Auch wenn er explizit betont, dass er keine Bewertung der beiden Denkformen vornehme, zeigt sich beispielsweise im Begriff prälogisch trotzdem implizit Annahmen über unterschiedliche Entwicklungsstufen: Wer prälogisch denkt, hat die Stufe des logischen Denkens (noch) nicht erreicht.
Ein anderer von einem Zeitgenossen Lévy Bruhls geäußerter Kritikpunkt (Bartlett, 1923, zitiert nach Bhatia, 2002) ist, dass Bruhl die Unterschiede zwischen primitivem und zivilisiertem Denken stark übertrieben habe, indem er nicht die Fähigkeiten zweier jeweils „durchschnittlicher“ Angehöriger miteinander verglichen habe, sondern durchschnittliche Indigene mit westlichen Experten. Bartlett fasst dies treffend zusammen als: „[it] is not
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Arbeit zitieren:
Harald Kliems, 2004, Orientalismuskritik in der Psychologie, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Rassismus als pädagogisches Problem
Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik
Zwischenprüfungsarbeit, 29 Seiten
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Referat (Ausarbeitung), 17 Seiten
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Echter Titel: Aspekte imperialistischer Autolegitimation am Fallbeispiel Indien.
Sehr geehrter Herr Kliems,
das überaus spannende Thema, welches Sie mit dem Titel Orientalismuskritik in der Psychologie anschneiden, hat mich zum sofortigen Kauf Ihres Artikels von Hausarbeiten.de gebracht. Leider führen Ihre Ausführungen, meiner Ansicht nach, zu keiner angemessenen Bearbeitung des Themas, zumal Sie sich angesichts Ihres schwachen Hauptteil genötigt sehen, im Anhang noch die Kolonialgeschichte Indiens in einer Weise (siehe: eigene Auswahl und Darstellung nach Microsoft) zu bearbeiten, die dem Namen Ihrer Uni nicht gerecht wird.
Inhaltlich hätte ich mir gewünscht, Sie würden etwas über Saids Alteritäts-Diskurs und dessen Notwendigkeit zur Konstitution und weiteren Bekräftigung kultureller Identität schreiben (erst in einem nächsten Schritt wird die Frage des Kultur-Imperialismus von Said eingeführt, aber die Bücher haben Sie anscheinend nicht gelesen). Des Weiteren, und hier fängt Ihr Thema erst an, wäre zu bearbeiten, wie in der Psychologie diese Frage in Bezug auf ein einzelnes Subjekt gesehen wird. Letztlich wäre dann zu beschreiben, in welchen Punkten sich die Identitätsfindung einer Gruppe und eines Individuums unterscheidet, um wirklich auf der Basis psychologischer Erkenntnis Saids Orientalismustheorie anzuzweifeln, an der es tatsächlich vieles zu bemängeln gibt. Wenigstens hier muss ich Ihnen zustimmen.
Sie haben sich bemüht und dass ist immerhin schon etwas, aber bitte übernehmen Sie sich beim nächsten Mal nicht in der Wortwahl in ihrem Titel.
Viel Erfolg in Ihrem weiteren Studium wünscht Ihnen,
Mat
am Wednesday, June 16, 2004-