Seite I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. I
Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis. IV
Abk ürzungsverzeichnis V
Symbolverzeichnis VII
1 Einleitung 1
1.1 Eigenhandel in Banken 1
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit. 3
2 Grundlagen des Fixed-Income-Eigenhandels 5
2.1 Definition und Abgrenzung des Eigenhandelsgeschäfts 5
2.2 Motive und Ziele aus geschäftspolitischer Sicht 7
2.2.1 Eigenhandel als Exekutive des Bilanzstruktur-Managements. 7
2.2.2 Eigengeschäfte als eigenständige Erfolgsquelle. 8
2.2.2.1 Arbitrage durch Ausnutzen von Marktunvollkommenheiten. 8
2.2.2.2 Trading durch spekulatives Eingehen offener Positionen. 9
2.2.3 Kundeninduzierter Eigenhandel 11
3 Analyse von Risiken im Fixed-Income-Eigenhandel 12
3.1.1 Marktrisiken von Zinspositionen. 12
3.1.1.1 Zinsänderungsrisiken. 15
3.1.1.2 Volatilitätsrisiken 16
3.1.2 Liquiditätsrisiken. 16
3.1.3 Adressenausfallrisiken. 17
3.1.4 Operationelle Risiken 17
4 Erfolgsermittlung im Fixed-Income-Eigenhandel 19
4.1 Bewertungsprobleme der externen Rechnungslegung. 19
4.2 Kalkulation von Teilerfolgen. 20
4.2.1 Kalkulation von Zinserfolgen. 21
4.2.1.1 Zinsstrukturbeitrag 21
4.2.1.2 Zinskonditionsbeitrag. 23
4.2.2 Kalkulation von Handelserfolgen. 24
4.2.2.1 Handelsstrukturbeitrag 24
4.2.2.2 Handelskonditionsbeitrag 25
Seite II
Inhaltsverzeichnis
4.2.3 Beurteilung der Marktzinsmethode 25
4.3 Profitabilitätsmessung mit eindimensionalen Renditemaßen. 26
4.4 Profitabilitätsmessung mit zweidimensionalen Performancemaßen 27
4.4.1 Traditionelle Performancemaße auf Basis des CAPM 28
4.4.1.1 Sharpe-Ratio. 28
4.4.1.2 Differential Return 29
4.4.1.3 Treynor-Ratio 30
4.4.1.4 Jensen-Alpha 31
4.4.2 Beurteilung der traditionellen Performancemaße. 31
4.4.3 Performancemaße auf Basis des Value-at-Risk 32
4.4.3.1 RoRAC 33
4.4.3.2 RARoC 34
4.4.3.3 RARoRAC. 34
4.4.3.4 Economic Value Added. 35
4.4.4 Beurteilung der VaR-basierten Performancemaße 35
4.5 Bestimmung einer Benchmark 38
5 Ansätze zur Steuerung des Fixed-Income-Eigenhandels 40
5.1 Steuerung über das traditionelle Budgetmanagement 40
5.1.1 Steuerung über Kosten- und Ergebnisbudgets 41
5.1.2 Steuerung über Volumenlimite. 42
5.1.3 Steuerung über Kennzahlen- bzw. Sensitivitätslimite. 42
5.2 Beurteilung des traditionellen Budgetmanagements 43
5.3 Steuerung über Value-at-Risk-Limite. 44
5.3.1 Passive Risikobegrenzung durch Value-at-Risk-Limite. 44
5.3.2 Aktive Risikosteuerung über Value-at-Risk-Limite. 47
5.4 Beurteilung von Value-at-Risk-Limiten 48
5.5 Steuerung über anreizkompatibles Verhalten. 49
6 Schlussbetrachtung und weitere Herausforderungen für den Eigenhandel. 51
Anhang 53
Literaturverzeichnis 69
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Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Entwicklung des Zins- und Provisionsüberschusses
Abbildung 2: Darstellung eines Risikomanagementprozesses
Abbildung 3: Aufbau der Arbeit
Abbildung 4: Bankleistungen nach marktmäßigen Gesichtspunkten
Abbildung 5: Systematisierung von Termingeschäften im Zinsbereich.
Abbildung 6: Systematisierung von Fixed-Income-Handelsaktivitäten
Abbildung 7: Schätzung der Zinsstruktur am deutschen Rentenmarkt.
Abbildung 8: Riding-the-Yield-Curve.
Abbildung 9: Risiken im Fixed-Income-Eigenhandel
Abbildung 10: Marktrisiken im Fixed-Income-Eigenhandel.
Abbildung 11: Darstellung des VaR
Abbildung 12: Zinsstrukturbeitrag in Abhängigkeit vom Opportunitätsgeschäft
Abbildung 13: Darstellung der Sharpe-Ratio und des Differential Returns
Abbildung 14: Darstellung der Treynor-Ratio und des Jensen-Alphas
Abbildung 15: Performancemaße auf Basis des VaR.
Abbildung 16: Hierarchisches VaR-Limitsystem.
Abbildung 17: Skalierung des jährlichen VaR-Limits.
Abbildung 18: Entwicklung des Nettoergebnisses aus Finanzgeschäften
Abbildung 19: Grundidee der Fristentransformation.
Abbildung 20: Cash-Flow-Struktur und Duration
Abbildung 21: Schätzfehler der Modified Duration
Abbildung 22: Identifizierung der Hauptrisiken aus Zinsänderungen.
Abbildung 23: Berechnung des Handelsstrukturbeitrags bei Anleihen
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Tabellenverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Forward-Zahlungsstrom 55
Tabelle 2: Zahlungsstrom für das erste Szenario (3 ) 56
Tabelle 3: Zahlungsstrom für das zweite Szenario (3,5176 ) 56
Tabelle 4: Zahlungsstrom für das dritte Szenario (4 ) 56
Tabelle 5: Zins- und Tilgungsplan für Bundesanleihe. 66
Tabelle 6: Gegenüberstellung von Bewertung mit Spot Rates und Rendite 67
Seite V Abkürzungsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
bspw. beispielsweise
CAPM Capital Asset Pricing Model
D Duration
DR Differential Return, Differenzrendite
EVA Economic Value Added
HGB Handelsgesetzbuch
IAS International Accounting Standards
i. d. R. in der Regel
i. e. S. im engeren Sinne
i. S. im Sinne
i. w. S. im weiteren Sinne
JA Jensen-Alpha
KA Kuponanleihe
KRD Key Rate Duration
KRMD Key Rate Modified Duration
KWG Kreditwesengesetz
MaH Mindestanforderungen an das Betreiben von
Handelsgeschäften
MD Modified Duration
OTC Over the counter, außerbörslich
o. S. ohne Seitenangabe
o. V. ohne Verfasserangabe
PM Performancemaß
Seite VI Abkürzungsverzeichnis
PVBP Price Value of a Basis Point
RAPM Risk Adjusted Performance Measurement
RARoC Risk Adjusted Return on Capital
RARoRAC Risk Adjusted Return on Risk Adjusted Capital
RLZ Restlaufzeit
RM Risikomaß
RoC Return on Capital
RoE Return on Equity
RoI Return on Investment
RoRAC Return on Risk Adjusted Capital
SQRT Square Root of Time, Quadratwurzel der Haltedauer
SR Sharpe-Ratio, Reward-to-Variability-Ratio
TR Treynor-Ratio, Reward-to-Volatility-Ratio
VaR Value-at-Risk
Seite VII Symbolverzeichnis
Symbolverzeichnis
α Risikoaversion der Bank
β Betafaktor, Sensitivität der Investitionsrendite gegenüber Renditeänderungen des Marktes
B Belohnung des Händlers
EK Eigenkapital
f Prämiensatz
F Fixum, Grundgehalt
G Gewinn
H Haltedauer einer Position
i,j Laufvariable
K investiertes Kapital
M Marktportfolio bzw. -index
P 0 Barwert
P i Portfolio, Investitionsalternative
r interne Rendite einer Anleihe, Rendite einer Investitionsalternative
r f Zinssatz einer bonitätsrisikofreien Anlage
RK Risikokapital, ökonomisches Kapital
RKK Risikokapitalkosten
r M Rendite des Marktportfolios
r RK Risikokapitalkostensatz, Hurdle Rate
R T Rendite eines in T fälligen Zerobonds, Spot Rate
R T,t Rendite eines Zerobonds mit T Jahren Restlauf- zeit in t beginnend, Forward Rate
Seite VIII Symbolverzeichnis
σ Standardabweichung
σ 2 Varianz
σ i,j Kovarianz
t Zeitindex bzw. -punkt
T Restlaufzeit einer Anleihe
VG Vergleichsgeschäft
VL VaR-Limit
Z Zahlung, Cash Flow
∆ absolute Veränderung
Seite 1 Einleitung
1 Einleitung
1.1 Eigenhandel in Banken
Als Konsequenz eines Strukturwandels trägt das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft nicht mehr so stark wie früher zum Ergebnis von deutschen Kreditinstituten bei. Der über alle Bankengruppen aggregierte Zinsüberschuss ist seit Mitte der achtziger Jahre von über 2 Prozent auf ein Rekordtief von gegenwärtig fast 1,1 Prozent gefallen (s. Abbildung 1). Die Renditeeinbußen konnten auch durch Provisionsmehreinnahmen aufgrund eines verschärften Wettbewerbs nicht ausgeglichen werden. In zunehmendem Maße haben Banken deshalb versucht, zusätzliche Ertragsquellen wie den Eigenhandel zu erschließen. 1
Entwicklung des Zins- und Provisionsüberschusses 2 Abbildung 1:
Der Eigenhandel hat zwar zum Wachstum von Banken beigetragen und damit generell an Bedeutung gewonnen, aber nicht in hohem Maße (s. Anhang I). Deutlich gewachsen sind vielmehr die Anforderungen an das Zinsmanagement, u. a. wegen der Deregulierung der Märkte, der zunehmenden Volatilitäten an
1 Vgl. Wessel (1997), S. 480-482, Bacher (1999), S. 342, und o. V. (2002), S. 144.
2 Eigene Darstellung. Datenquelle: Deutsche Bundesbank (1997-2003), o. S.
Seite 2 Einleitung
den Geld- und Kapitalmärkten, des wachsenden Geschäfts mit Derivaten und Finanzinnovationen sowie der Globalisierung der Finanzmärkte. 3
Über Wesen und Zweck des Eigenhandels wird zum Teil heftig debattiert. Mit dem Verständnis solider Banktätigkeit ist es schwer vereinbar, dass Banken im eigenen Namen und auf eigene Rechnung auf den Märkten aktiv sind. Das Vorurteil wird durch teilweise erhebliche Verluste einiger Banken aufgrund von unerwarteten Marktentwicklungen, unzureichenden internen Kontrollen und Betrugsfällen verstärkt. 4
Die Prognose von Marktentwicklungen ist mit einem hohen Maß an Unsicherheit verbunden. Deshalb treten im Trading naturgemäß Verluste aus Fehlentscheidungen auf, wobei diese über einen längeren Zeitraum durch ertragbringende Abschlüsse ausgeglichen werden sollten. Mit Verzögerung wurde diesem bewussten Eingehen von Risiken, insbesondere mit Derivaten, und der gestiegenen Komplexität auch seitens der Aufsicht mit den Richtlinien des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht und den Mindestanforderungen an das Betreiben von Handelsgeschäften (MaH) Rechnung getragen.
Darstellung eines Risikomanagementprozesses 5 Abbildung 2:
3 Vgl. Preyer/Reinhardt (1995), S. 195, und Wessel (1997), S. 477-479.
4 Vgl. Artopoeus (1996), S. 149.
5 In Anlehnung an Preyer/Reinhardt (1995), S. 195.
Seite 3 Einleitung
Deren Intention ist es, die Limitierung und die Überwachung der sich aus Handelsgeschäften ergebenden Risiken im Rahmen eines dynamischen Risikocontrolling- und Risikomanagementsystems (s. Abbildung 2) einzufordern. Ein bestimmtes System wird dabei nicht vorgegeben. Ausgehend von der Erhaltung und erfolgreichen Weiterentwicklung der Bank ist das Controlling des Eigen-handels primär auf die Erreichung des Wertziels ausgerichtet. Eine neue Zielgröße muss daher die Optimierung der sich aus Marktschwankungen ergebenden Chancen und Risiken des Handelsportfolios sein, woraus sich die Aufgabe der risikoorientierten Ertragsbewertung ableitet. 6
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit
Diese Arbeit beschränkt sich inhaltlich auf das Controlling des Eigenhandels im Fixed-Income-Bereich. Das Ziel besteht darin, aufbauend auf den Erkenntnissen der Risikoanalyse und der Performanceermittlung die Möglichkeiten der Steuerung zu ermitteln. In Anlehnung an den Ablauf des Risikomanagementprozesses setzt der Hauptteil vier Schwerpunkte. Abbildung 3 veranschaulicht die gedankliche Struktur und den Aufbau der Arbeit.
Zu Beginn des Hauptteils werden in Kapitel 2 Eigenhandelsgeschäfte im Fixed-Income-Bereich definiert und inhaltlich abgegrenzt. Dabei gilt es auch zu beantworten, welche Ziele mit Eigenhandelsaktivitäten erfüllt werden sollten.
Im weiteren Verlauf werden in Kapitel 3 die mit Fixed-Income-Eigenhandelsgeschäften verbundenen Risiken, insbesondere aus Zinsänderungen, analysiert. Kapitel 4 setzt sich mit den Prinzipien auseinander, nach denen Erfolgsbeiträge des Eigenhandels zu messen sind, damit von der Ergebnisinformation auch positive Steuerungswirkungen ausgehen können. Dabei gehen auch die Erkenntnisse aus der Risikoanalyse in die Performancemessung ein.
Darauf aufbauend widmet sich Kapitel 5 den Ansätzen zur Steuerung des Fi-xed-Income-Eigenhandels. Dabei wird insbesondere untersucht, ob das traditionelle Budgetmanagement sowie Risikolimitsysteme auf der Basis des Value- 6 Vgl. Jakob (1998), S. 154, und Mohrenwieser (2001), S. 120-121.
Seite 4 Einleitung
at-Risk (VaR) geeignet sind, eine erfolgsorientierte Steuerung zu gewährleisten. Außerdem werden erfolgsorientierte Entlohnungssysteme auf ihre Steuerungswirkung hin überprüft.
Eine Schlussbetrachtung in Kapitel 6 gibt eine Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse und einen Ausblick auf weitere Entwicklungen.
Aufbau der Arbeit 7 Abbildung 3:
7 Eigene Darstellung.
Seite 5 Grundlagen des Fixed-Income-Eigenhandels
2 Grundlagen des Fixed-Income-Eigenhandels
Der Eigenhandel mit Fixed-Income-Titeln zeichnet sich generell durch die Erzielung kurzfristiger Handelsgewinne in Form des bewussten Kaufs und Verkaufs risikobehafteter Positionen in volatilen Märkten auf Risiko der Bank aus.
2.1 Definition und Abgrenzung des Eigenhandelsgeschäfts
Unter marktmäßigen Gesichtspunkten sind Eigenhandelsaktivitäten als sekundäre Bankleistungen von den absatzfähigen primären Bankleistungen zur Befriedigung von Kundenbedürfnissen abzugrenzen (s. Abbildung 4).
Bankleistungen nach marktmäßigen Gesichtspunkten 8 Abbildung 4:
Im Gegensatz zu Kommissionsgeschäften werden Eigengeschäfte 9 im eigenen Namen und für eigene Rechnung sowie i. d. R. aufgrund eigener Initiative des Kreditinstituts ausgeführt und sind keine Bankgeschäfte i. S. von § 1 I KWG. Der Eigenhandel ist vielmehr eine Finanzdienstleistung, auch dann, wenn das
8 In Anlehnung an Witt (1994), S. 16.
9 Eigengeschäfte im Handel werden auch als Eigenhandel, Nostrohandel oder als Proprietary
Trading bezeichnet.
Seite 6 Grundlagen des Fixed-Income-Eigenhandels
Kreditinstitut beim Handel im Auftrag eines Kunden als (Ver-)Käufer und nicht als Kommissionär auftritt. 10
Der Gegenstand des Fixed-Income-Eigenhandels ist die Anschaffung und die Veräußerung von festverzinslichen Wertpapieren 11 und den davon abgeleiteten derivativen Finanzinstrumenten. Der Zins von festverzinslichen Forderungstiteln wird bei der Emission festgelegt. Die kontinuierliche Anpassung an die aktuelle Kapitalmarktrendite erfolgt während der Laufzeit durch Kursänderungen, weshalb offene Festzinspositionen insbesondere dem Zinsänderungsrisiko unterliegen. Bei den darauf aufbauenden Derivaten kann es sich um als Options- oder Festgeschäfte bzw. als Swaps ausgestaltete Termingeschäfte handeln (s. Abbildung 5). 12
Systematisierung von Termingeschäften im Zinsbereich 13 Abbildung 5:
Der Zeithorizont ist dabei überwiegend kurzfristig und die Umschlagshäufigkeit dementsprechend hoch. Das entscheidende Kriterium für die Zuordnung zum Handelsbuch ist jedoch der auf die Erzielung eines Handelserfolgs ausge-
10 Vgl.Dewner et al. (2002), S. 139 und 391-392.
11 Festverzinsliche Papiere werden auch als Schuldverschreibungen, Bonds, Anleihen,
Obligationen und Rentenpapiere bezeichnet.
12 Vgl. Otto/Peters/Stein (1988), S. 663, und Dewner et al. (2002), S. 324 und 391-392.
13 In Anlehnung an Padberg/Steiner (1994), S. 763.
Seite 7 Grundlagen des Fixed-Income-Eigenhandels
richtete Geschäftszweck und nicht die Haltedauer. 14 Je nach Handelsobjekt ist auch das Halten über mehrere Tage oder Wochen möglich, bevor in der Praxis nach 90 bzw. 180 Tagen eine Umbuchung ins Anlagebuch oder das Schließen der Position erfolgt. 15
2.2 Motive und Ziele aus geschäftspolitischer Sicht
Eigenhandelsgeschäfte werden insbesondere durch Ertragsüberlegungen initiiert. Dabei stehen drei geschäftspolitische Motive im Vordergrund. 16 Zum einen dienen sie der Absicherung oder Steuerung bankbetrieblicher Risiken im Rahmen des Bilanzstrukturmanagements, zum anderen sollen mit selbstständig initiierten Geschäften durch Arbitrage und Trading Gewinne erwirtschaftet werden. Den dritten wesentlichen Teil stellt der kundeninduzierte, außerbörsliche Handel dar (s. Abbildung 6).
Systematisierung von Fixed-Income-Handelsaktivitäten 17 Abbildung 6:
2.2.1 Eigenhandel als Exekutive des Bilanzstruktur-Managements
Aufgrund der hohen Fungibilität bieten sich Wertpapiergeschäfte neben Devisen- und Geldmarktgeschäften als Dispositionsmasse zum Ausgleich uner-
14 Vgl.Karg (1997), S. 393, und Lösch (2002), S. 680.
15 Vgl. Reisinger (2003), o. S.
16 Weitere Motive sind u. a. die Lieferung von Marktinformationen, die Unterstützung der
Wertpapierberatung, die Unterbringung und Kurspflege bei Emissionen, die Einflussnahme
auf das Marktgeschehen und die bessere Kapazitätsauslastung.
17 In Anlehnung an Hölscher/Schierenbeck (1998), S. 544.
Seite 8 Grundlagen des Fixed-Income-Eigenhandels
wünschter Bilanzstrukturen an, die sich z. B. im Bereich der Fristenstruktur ergeben und damit Zinsänderungsrisiken hervorrufen können. Die Aufgabe einer gesamtbankbezogenen Struktursteuerung kann allerdings nur durch die Zentraldisposition mit dem nötigen Überblick über alle Geschäfte wahrgenommen werden. Der Eigenhandel übernimmt in diesem Fall nur die Exekutivfunktion für das Aktiv-Passiv-Management. 18
Dies muss sich auch in der Leistungsbeurteilung widerspiegeln, da ein Händler um so weniger für Ergebnisse und Risiken verantwortlich gemacht werden kann, je mehr er als ausführendes Organ an Aufträge anderer Entscheidungsträger gebunden ist.
2.2.2 Eigengeschäfte als eigenständige Erfolgsquelle
Die im Fokus dieser Arbeit stehenden originären Eigenhandelsaktivitäten zur Erzielung kurzfristiger Handelsgewinne durch das Ausnutzen von Kursunterschieden mit Differenz- und Ausgleichsarbitrage sowie durch Spekulation sind zu trennen von bilanzstrukturpolitisch induzierten Geschäften. Der Eigenhandel wird hier nicht nur exekutiv tätig, Entscheidungsfindung und -ausführung fallen vielmehr unmittelbar zusammen. Das Agieren an den Kapitalmärkten ohne direkten Bezug zu einem Kundengeschäft stellt jedoch nur einen kleinen Teil der gesamten Handelsaktivitäten dar. 19
2.2.2.1 Arbitrage durch Ausnutzen von Marktunvollkommenheiten
Bei der Arbitrage, dem simultanen und risikolosen Ausnutzen kurzfristiger Bewertungsunterschiede, ist zwischen Differenz- und Ausgleichsarbitrage zu unterscheiden. Bei Ersterer wird ein bestimmter Finanztitel mittels zwei entgegengesetzten Kontrakten durchgehandelt und damit bestehende Preisdifferenzen unter Berücksichtigung der Transaktionskosten genutzt. Bei der Ausgleichsarbitrage 20 hingegen werden verschiedene Finanzinstrumente auf ver-
18 Vgl.Echterbeck (1991), S. 25-26, und Witt (1994), S. 11-12.
19 Vgl. Lemmer (1999), S. 621.
20 Häufig auch als Cross Market Arbitrage bezeichnet.
Seite 9 Grundlagen des Fixed-Income-Eigenhandels
schiedenen Märkten (z. B. Kassa- und Futuresmarkt) bewertet und das Geschäft am Markt mit den günstigsten Bedingungen abgeschlossen. 21
Im Regelfall ist Arbitrage nur auf der Basis eines guten Informationssystems und entsprechender Kontakte möglich. Aufgrund der modernen Informations-und Kommunikationssysteme stehen relevante Informationen aber praktisch allen Marktteilnehmern gleichzeitig zur Verfügung und Arbitrage ist nur noch begrenzt lohnend, da die Margen zu gering sind.
2.2.2.2 Trading durch spekulatives Eingehen offener Positionen
Von Arbitragegeschäften wegen des bewussten Eingehens von Risiken zu unterscheiden sind Transaktionen, die das spekulative Eingehen temporär offener Handelspositionen begründen. Sie zielen darauf ab, Wertsteigerungen aufgrund der richtigen Prognose von Zins- sowie nachfragebedingter Kursentwicklungen zu realisieren. 22
Bei der Fristentransformation wird primär an Zinsbindungsinkongruenzen passivischer und aktivischer Positionen gedacht. Banken können jedoch auch im Eigenhandel mit offenen Zinspositionen, sei es durch einfache oder kombinierte Long-/Short-Positionen, Fristentransformationsgeschäfte direkt am Geld-und Kapitalmarkt durchführen. Dabei spekulieren sie auf eine Veränderung der Zinsstrukturkurve, die von der antizipierten Entwicklung und damit von den Forward Rates abweicht (s. Anhang II). 23
Zinsstrukturkurven bilden Spot Rates in Abhängigkeit der Restlaufzeit am Kapitalmarkt ab. Bei der gegenwärtig normalen Zinsstruktur wachsen dabei mit steigender Restlaufzeit die Zinssätze (s. Abbildung 7). Wichtige Determinanten für die Risikoprämien sind u. a. das Zinsniveau, die Zinsvolatilität und monetäre Unsicherheitsfaktoren. 24
21 Vgl. Echterbeck (1991), S. 38, und Dewner et al. (2002), S. 94 und 347.
22 Vgl. Wiedemann (2003), o. S, und Lösch (2002), S. 692.
23 Vgl. Konjetzky/Kratz (1998), S. 223, und Holst (2000), S. 291.
24 Zu Erklärungsansätzen der Zinsstruktur s. Konjetzky/Kratz (1998), S. 219-223, und Wil-
kens (2000), S. 71-73.
Seite 10 Grundlagen des Fixed-Income-Eigenhandels
Schätzung der Zinsstruktur am deutschen Rentenmarkt 25 Abbildung 7:
Bei der Bestimmung der geeigneten Laufzeitstruktur müssen Effekte, die in der Charakteristik festverzinslicher Wertpapiere begründet sind, beachtet werden. Zum einen nehmen Kursänderungen infolge von Marktzinsänderungen und damit auch die Risikoprämien bei normaler Zinsstruktur mit steigender Restlaufzeit zu. Zum anderen streben Bonds in Abhängigkeit der Marktrendite und des Kupons gegen Fälligkeit dem Par-Wert entgegen (Pull-to-Par-Verhalten). Ein weiterer systematischer Effekt ist das Rutschen auf der Zinsstrukturkurve (Riding-the-Yield-Curve) bei normaler Zinsstruktur: Durch die Laufzeitverkürzung kann mit dem Papier nur noch eine geringere Rendite und somit ein Kursgewinn erzielt werden (s. Abbildung 8). 26 Für die Höhe des Kursgewinns ist bei kurzem Zeithorizont wie im Eigenhandel demzufolge die Steigung der Zinsstrukturkurve relevant.
25 Stand: 01.09.2003. Eigene Darstellung. Datenquelle: Deutsche Bundesbank (2003), o. S.
26 Vgl. Kielkopf (1995), S. 38, Konjetzky/Kratz (1998), S. 224-225, und Currie (2002), S. 54.
Arbeit zitieren:
Joachim Mathe, 2003, Controlling des Eigenhandels im Fixed-Income-Bereich einer Bank, München, GRIN Verlag GmbH
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