1. Einleitung 4
2. Globale Transformation der Wirtschaft und strukturelle Transformation der
Arbeitswelt. 6
2.1 Das fordistische Normalarbeitsverhältnis. 7
2.2 Strukturwandel der fordistischen Industriegesellschaft. 9
2.3 Wandel der Weltwirtschaft 11
2.4 Technischer Wandel. 13
2.5 Beschäftigungswirkungen der Globalisierung 16
3. Arbeitsmarkt in Deutschland: Situation und Reformansätze 19
3.1 Aktuelle Reformentwürfe: Das Hartz-Konzept. 21
3.1.1 Job-Center 21
3.1.2 Zeit- und Leiharbeit: Personal Service Agenturen. 22
3.1.3 Arbeitslosengeld II 23
3.1.4 Mini-Jobs und Ich-AGs. 24
3.1.5 Die Neue Zumutbarkeit. 25
3.2 Alternativen der Beschäftigungspolitik. 26
4. Fazit 27
Literatur 29
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1. Einleitung
„Wir sind mit Risikosituationen konfrontiert, die man in früheren Zeiten nicht kannte [...]. Viele dieser Risiken und Unsicherheiten betreffen uns unabhängig davon, wie privilegiert oder unterprivilegiert wir sind. Sie hängen unmittelbar mit der Globalisierung zusammen [...].“ (Anthony Giddens 2001, 13)
Globalisierung ist das Schlagwort, das ein ganzes Bündel an globalen Trends und Prozessen beschreibt, die für die Gegenwart und in viel stärkerem Maß für die Zukunft prägend sind. Der schillernde Begriff, „aus dem Nichts aufgetaucht, [...] inzwischen allgegenwärtig“ (Giddens 2001, 18), umfasst eine Vielzahl von Phänomenen. Er meint den anwachsenden Welthandel in Folge der Öffnung der nationalen Märkte, vorangetrieben von einer Politik der wirtschaftlichen Liberalisierung durch Regierungen, die Welthandelorganisation und die Weltbank. Ein weiteres Phänomen der globalen Transformationen sind die weltweiten Verflechtungen der transnationalen Konzerne. Der Aufbau von profitablen globalen Produktionsketten wird ermöglicht durch sinkende Transportkosten und das immense Lohngefälle zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Die genannten Prozesse basieren nicht zuletzt auf der Entwicklung der neuen Informationstechnologien, auf Satellitenkommunikation und Datennetzen, die eine instantane Kommunikation zwischen beliebigen Punkten im global village Marshall McLuhans mit minimalen Kosten ermöglichen.
Entgegen der häufig geäußerten Sichtweise, dass es sich angesichts dieser Umwälzungen nicht nur um einen letztendlich segensreichen, sondern geradezu schicksalhaften Prozess handelt, ist jedoch einzuwenden, dass die Entwicklungen der Globalisierung keine Naturgewalten sind. „Vielmehr werden sie von technologischen Neuerungen und der kulturellen Durchdringung geformt und von den Entscheidungen der Regierung beeinflusst, die sich um eine Liberalisierung und Deregulierung ihrer nationalen Ökonomien bemühen.“ (Giddens 2001, 25) Die politische Dimension wird nicht zuletzt durch den weltweiten Widerstand deutlich, der den global players aus Politik und Ökonomie entgegenschlägt, ausgehend von nationalen Regierungen, aber auch von Landlosen, Gewerkschaften,
Bürgerbewegungen, Umweltschutzorganisationen und anderen NGOs. Die weltweit vernetzten Kritiker sind als ein Teil der Globalisierung selbst zu betrachten.
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Dieser kurze Aufriss skizziert den Rahmen, auf den die Fragestellung der vorliegenden Arbeit aufbaut.
Ausgehend von der aktuellen Entwicklung von Quantität und Qualität der (Erwerbs-) Arbeit, soll nach Ursachen der anhaltende Massenarbeitslosigkeit in Deutschland gefragt werden. Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der globalen Transformation der Wirtschaft und dem nationalen Arbeitsmarkt? Welche Konzepte werden gegenwärtig zur Lösung der Beschäftigungskrise verfolgt und wie sind diese Konzepte vor dem Hintergrund der Globalisierung zu bewerten? Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit werden auf der Folie der fordistischen Normalität der westlichen Industrienationen aus dem „Goldenen Zeitalter“ des Kapitalismus (Eric Hobsbawm) die globalen Transformationsprozesse des Handels, der Arbeits- und Finanzwelt sowie der Politik im Überblick dargestellt. Diese Prozesse können im Rahmen dieser Arbeit in ihrer Komplexität nur skizziert werden. Dennoch wird der Versuch unternommen, die Perspektive von den nationalen Gegebenheiten des Arbeitsmarktes auf die globalen Transformationen zu erweitern. Hier sind in Teilen die Ursachen des Problems wie auch mögliche Ansätze für Lösungsstrategien zu suchen. Die rein nationale Betrachtung des Arbeitsmarktes liefe nicht nur im Sinn des Seminarthemas in die falsche Richtung. Angesichts wachsender weltwirtschaftlicher Verflechtungen und einer zunehmenden Internationalisierung der Politik soll eine globale Perspektive im Hinblick auf nationale Arbeitsmarktprobleme eröffnet werden.
Dennoch soll nicht nach den Entwicklungen eines möglichen „globalen Arbeitsmarktes“ gefragt werden. Im zweiten Teil der Arbeit verengt sich der Blick auf den deutschen Arbeitsmarkt. Vor dem Hintergrund der globalen wirtschaftlichen Entwicklung werden die aktuellen Reformansätze, insbesondere das „Hartz-Konzept“, hinsichtlich ihrer Chancen und Risiken kritisch untersucht. Da sich die Zukunft nicht empirisch messen lässt, kann in diesem Anschnitt der Arbeit kaum auf analytische Daten zurückgegriffen werden. Vielmehr sollen die Reformansätze deskriptiv reflektiert und unter normativen Gesichtspunkten bewertet werden.
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2. Globale Transformation der Wirtschaft und strukturelle Transformation der
Arbeitswelt
Erwerbsarbeit, das „zielgerichtete Handeln des Menschen zum Zweck der Existenzsicherung wie der Befriedigung von Einzelbedürfnissen“ 1 , ist die Quelle gesellschaftlichen Reichtums und zentral für das Leben der Menschen, für Wirtschaft und Gesellschaft. Sofern man von den Beschreibungen paradiesischer Ursprungsmythen absieht, müssen Menschen seit jeher Zeiten für ihren Lebenserhalt Arbeit verrichten. Die Arbeit ist eine historische Konstante, wenn sie auch in verschiedenen Zeiten und Kulturen unterschiedliche Tätigkeiten und wechselnde gesellschaftliche Wertschätzungen umfasst.
Ihre zentrale Bedeutung erlangte die Erwerbsarbeit jedoch erst in den modernen Industriegesellschaften, die folgerichtig als „Arbeitsgesellschaften“ bezeichnet werden. Hierin spiegelt sich nicht nur die pure Notwendigkeit des „Broterwerbes“ wieder, sondern auch die besondere Bedeutung der Arbeit bzw. des Berufes für die Schaffung sozialer Identitäten. „Als Norm und als Realität ist Erwerbsarbeit zentral für die Kultur und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.“ (Kocka/ Offe 2000, 10) Der „Skandal der hohen Massenarbeitslosigkeit“ (Altvater/ Mahnkopf 1997, 150) ist Ausdruck eines beständigen Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Die Ursachen der Krise sind ebenso umstritten wie die politischen Konzepte zur Lösung der Probleme. Modellhaft kann man zusammenfassen: Auf der angebotsorientierten Seite werden in Deutschland mangelnde Flexibilität und Mobilität der Arbeitnehmer, zu hohe Lohnnebenkosten und der gesetzliche Kündigungsschutz als Hauptprobleme betrachtet. Die könnten am effektivsten mit einer weitgehenden Deregulierung des Arbeitsmarktes und einem einhergehendem Abbau sozialstaatlicher Leistungen nach Vorbild etwa der USA und Großbritanniens erreicht werden.
Auf der nachfrageorientierten Seite wird dagegen die quantitative Bedeutung der im Globalisierungsprozess ins Ausland verlagerten Produktionsstätten, vor allem aber des Verlustes von Arbeitsplätzen durch technologische und organisatorische Rationalisierungsprozesse betont. Wege aus der Krise werden nach der keynesianischen Wirtschaftstheorie vor allem in höheren (staatlichen) Investitionen
1 Definition aus dtv-Lexikon 1997, Bd. 1, S. 248
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gesehen, die zu mehr Arbeitsplätzen und einer erhöhten Nachfrage und damit wiederum zu wirtschaftlichem Wachstum führen sollen.
Die Faktoren, die den Strukturwandel der Arbeit beeinflussen sind vielfältig und unterliegen komplexen Wechselverhältnissen. Die Frage nach den Auswirkungen und dem Zusammenwirken von technologischem Wandel, den weltweiten Verflechtungen der Wirtschaft und die Entwicklung der Finanzmärkte sowie der nationalen Geld -, Fiskal- und Arbeitsmarktpolitik w ird in der Literatur äußerst kontrovers beantwortet.
Im folgenden soll zunächst die historische Normalität der Arbeit in Form des fordistischen Normalarbeitsverhältnisses gezeigt werden sowie die Entwicklung mehr oder minder verbindlicher Normen gezeigt w erden. Auf dieser Grundlage sollen allgemeine Erscheinungen von ‚atypischer’ Beschäftigung aufgezeigt werden und nach Faktoren des Strukturwandels der Arbeit gefragt werden.
2.1 Das fordistische Normalarbeitsverhältnis
Um den Wandel der Arbeit zu erfassen soll zunächst die historische Normalität beschrieben werden. Im 20. Jahrhundert hat sich ein Arbeitsmodell entwickelt, dass als fordistisches Normalarbeitsverhältnis prägend geworden ist. Zwei Momente industriellen der Produktion haben dieser Phase ihren Namen gegeben: Der Begriff „Fordismus“ geht zurück auf Henry Ford (1863-1947), den Pionier der Fließbandproduktion und steht für Massenproduktion und Massenkonsum. Der amerikanische Ingenieur E.W. Taylor (1856-1915) steht für die Entwicklung des „wissenschaftlichen Managements“, „Taylorismus“ bezeichnet die Erhöhung der Arbeitsproduktivität durch rationelle Nutzung der Arbeitskraft.
Produktivitätssteigerungen führten zu wachsendem Wohlstand und Massenabsatz, „eine Folge der bereits in den vergangenen Jahren erfolgten
Produktivitätssteigerungen, die ein Ausmaß erreichten, das nunmehr auch vom Standpunkt der Kapitalverwertung gewisse Reallohnerhöhungen zuließ oder gar nahe legte.“ (Conert 2002, 254)
Flankiert durch eine dynamische Sozialpolitik, die nicht zuletzt durch die Konkurrenz mit dem sozialistischen Block als „unbestrittenes Kernmerkmal ‚freiheitlicher Demokratie“ (ebd.) aufgefasst wurde, entstand das „fordistische System“. Die Arbeitsbeziehungen im fordistischen Kapitalismus sind durch den Staat, die Gewerkschaften und die Unternehmer tripartistisch reguliert. Ausgehandelt werden nahezu alle Aspekte der Lohnarbeit: die Höhe der Löhne und Gehälter,
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Arbeitszeiten, Maßnahmen und Bestimmungen zur Arbeitssicherheit, soziale Sicherung bei Unfall und Krankheit sowie beim Verlust des Arbeitsplatzes, Regelungen der Ausbildung und Qualifikation sowie der Pensionen und Renten und der Vertragssicherheit (vgl. Altvater/ Mahnkopf 2002, 42). Aus diesem Regelungssystem entstand gesellschaftliche Normalität, „die marktvermittelte, berufliche Erwerbsarbeit ist in der westlich geprägten Moderne zur normativ ausgezeichneten Normallage erklärt worden.“ (Kocka/ Offe 2000, 11) Das fordistische Normalarbeitsverhältnis ist gekennzeichnet durch tariflich normierte, regelmäßige Familieneinkommen, dauerhafte Arbeitsverträge, Vollzeitarbeit und daran gekoppelte Ansprüche auf soziale Leistungen. „Es ist ein
Beschäftigungsverhältnis, das Sicherheit im Austausch gegen Abhängigkeit und Unterordnung ermöglicht, denn es ist gekoppelt an die Zugehörigkeit zu einem Betrieb oder wenigstens an den längerfristigen Verbleib in einer Branche.“ (Altvater/ Mahnkopf 2002, 42)
Der normative Schutz der Normalarbeitsverhältnisse diente dazu, die Existenzsicherung auf eine dauerhafte und planbare Grundlage zu stellen und die Beschäftigten vor den Risiken des Erwerbsverlustes abzusichern. Diese tariflich sowie arbeits- und sozialrechtlich abgesicherte Normalität ist nicht zuletzt durch lange politische Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, bzw. deren Organisationen und dem Staat seit dem Aufkommen der „sozialen Frage“ im 19. Jahrhundert ausgefochten und ausgehandelt worden.
Mit der Sicherheit eines tarifvertraglich normierten und existenzsichernden Entgeltes mit Sozialversicherungspflicht ist als Zwang „die persönliche Abhängigkeit und Weisungsgebundenheit des Arbeitnehmers vom Arbeitgeber“ (Pfarr 2000, 279) verbunden, weshalb alternative neue Beschäftigungsformen auch als eine Befreiung begriffen werden. Kritik an der Normalität d ieser Arbeitsverhältnisse wird unter anderem an der Tatsache geübt, dass die „Familieneinkommen“ einseitig an die in Vollzeit beschäftigten Männer als „Familienernährer“ gerichtet waren, während die für Frauen oftmals interessantere Teilzeitarbeit sowie andere Bereiche gesellschaftlicher Arbeit, die in den Haushalten zur „Reproduktion der Arbeitskraft“ geleistet wurden, kaum als Arbeit anerkannt wurden. „Das Normalarbeitsverhältnis war von Anbeginn an ein ausschließlich auf männliche Arbeitnehmer ausgerichtetes Konstrukt.“ (ebd.)
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2.2 Strukturwandel der fordistischen Industriegesellschaft
So vielschichtig und umstritten die Faktoren der Entwicklung des fordistischen Systems sind, so komplex sind auch die Ursachen der „Erosion des fordistischen Modells“ (Conert 2002, 261).
Das fordistische System mit seiner hohen Regelungsdichte entwickelte sich in den Grenzen der Nationalstaaten. Im Zuge der Globalisierung werden zahlreiche Normen auf internationale Ebene verlagert. „Die Integration nationaler Ökonomien in den Weltmarkt ist gleichbedeutend mit einer Überformung von Regelwerken, die sich in langen Fristen im nationalstaatlichen Raum herausgebildet haben.“ (Altvater/ Mahnkopf 2002, 52) Die nationalstaatlichen Regulationsmöglichkeiten werden im Zuge der Globalisierung sukzessive abgebaut. Dieser Abbau vollzieht sich zum Teil vom Inneren des Staates her durch die systematische Reduzierung von Staatsaufgaben durch die Regierenden. Besonders radikal wurde die Transformation zum neoliberalen „schlanken Staat“ von den konservativen Regierungen Reagan und Thatcher in den USA und Großbritannien vorangetrieben. Mit diesem Umbau einher geht das Ende des keynesianischen Staatsmodells, das durch eine antizyklische Fiskalpolitik, aktive Wirtschafts- und Sozialpolitik und die „Gewährleistung der materiellen, sozialen, soziokulturellen, demografischen Standards der Reproduktion der Gesellschaft“ (Conert 2002, 265) gekennzeichnet ist; und insgesamt eine „Ächtung der für den fordistischen Staat kennzeichnend genannten Ziele und Methoden nationaler Wirtschaftsregulierung.“ (ebd., 266) Neben dem Paradigmenwechsel von einer nachfrage- zu einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik ist es der Abbau von Sozialstaatlichkeit, der im Zusammenhang dieser Arbeit besondere Aufmerksamkeit verdient.
Auf der anderen Seite ist der Wandel durch die Überformung der nationalen Staaten und Volkswirtschaften durch internationale Organisationen und Bündnisse zu nennen. Bei der Herausbildung großer Wirtschaftsbündnisse wie der EU oder der NAFTA treten die nationalen Regierungen Kompetenzen zugunsten der überstaatlichen Organisationen und ihrer Regelwerke ab. Vor allem in Schuldnerländern sind es zudem der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank, die durch die an eine Kreditvergabe geknüpfte n Auflagen zur „Strukturanpassung“ zur Mitregierung werden. In allen genannten Fällen entwickelten die Akteure bisher eine einseitige Dynamik hin zur wirtschaftlichen Liberalisierung: Freihandel, die Öffnung der Märkte für Waren und Dienstleistungen durch Abbau von
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Arbeit zitieren:
Jan Tilman Günther, 2004, Arbeitsmarkt Deutschland: Globale Einflüsse und nationale Reformkonzepte, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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