Wissensgesellschaft 2
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung. 4
1 Definition Wissen 5
2 Die Geschichte der Wissensgesellschaft. 7
2.1 Die Wissensgesellschaft von der Antike bis zur Industrialisierung. 7
2.2 Definitionen der Wissensgesellschaft bis 1980. 9
2.3 Aktuelle Definitionen von Wissensgesellschaft. 10
3 Die Dimensionen der Wissensgesellschaft. 13
3.1 Medien und Technik in der Wissensgesellschaft. 13
3.2 Die Wirtschaft der Wissensgesellschaft. 15
3.3 Arbeiten in der Wissensgesellschaft. 16
3.4 Organisationen in der Wissensgesellschaft. 18
3.5 Bildung in der Wissensgesellschaft. 19
4 Fazit: Tendenzen der Wissensgesellschaft. 22
5 Literaturverzeichnis 24
Wissensgesellschaft
0 Einleitung
Wissensgesellschaft - nur ein Trendwort oder gesellschaftliche Realität? Wird Wissen wirklich wichtiger als andere Leistungskriterien und Produktionsfaktoren, z.B. Kapital, Körperkraft, Sozialkompetenz? Der Begriff Wissensgesellschaft verursacht Fragezeichen auf allen Seiten; die wissenschaftliche Community ist darüber zerstrittener denn je. Unbestritten ist aber die Tatsache, dass • der Zugang zu Wissen heutzutage wesentlich leichter und universaler ist als in vergangenen Epochen, • Wissen komplizierter und komplexer wird und • das Wissensvolumen in einem immer höheren Tempo wächst. Welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf die Gesellschaft und ihre Teilbereiche - Wirtschaft, Bildung etc. - haben und ob es aufgrund dessen angebracht ist, von Wissensgesellschaft zu sprechen, wird dieser Text erörtern. Er bezieht sich dabei vornehmlich auf die Industrieländer (die sog. 1. Welt), da sich hier die genannten Tendenzen am stärksten auf das gesellschaftliche Leben auswirken. Die Wertschöpfungskette in Ländern der Dritten Welt ist noch zu sehr von frühkapitalistischen und industriellen Arbeitsweisen bestimmt. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass diese Länder durch eine Inkorporation von Merkmalen einer Wissensgesellschaft nicht auch profitieren könnten.
Beginnend mit einer Definition von Wissen an sich zeigt die vorliegende Arbeit verschiedene Definitionen des Begriffs Wissensgesellschaft auf, bevor auf die Auswirkungen der Bedeutungszunahme des Faktors Wissens auf die verschie- denen menschlichen Lebens- und Funktionsbereiche eingegangen wird.
Wissensgesellschaft
1 Definition Wissen
Dem Begriff des Wissens kann sich aus drei Richtungen genähert werden (Leidhold 2001:431f.):
1. Wissen im Gegensatz zu Glauben und Meinung: Glauben bezeichnet grundloses Fürwahrhalten eines Sachverhaltes, eine Meinung das Fürwahrhalten aus wahrscheinlichen Gründen. Wissen hingegen entsteht aufgrund „guter Gründe“, also fundierter Urteile, die auf Erfahrung, logischen Beweisen oder Autorität beruhen. Jede Wissensdisziplin hat ihre eigenen Regeln, nach denen Gründe als gut gelten.
2. Wissen im Gegensatz zu Materie und Energie: In der herkömmlichen Wirt-schaftstheorie taucht Wissen nur ceteris paribus auf. Als entscheidende Pro-duktionsfaktoren gelten Boden, Arbeit und Kapital, Wissen hingegen ist Aufgabe des Staates. In der modernen Wirtschaftstheorie gilt Wissen hingegen als DER Produktionsfaktor, und die Entstehung, Verbreitung, Nutzung und Kontrolle sind strategisches Thema Nummer eins der Unternehmen. 3. Wissen im Gegensatz zu Information, Daten und Zeichen: Information bedeutet ursprünglich „Formgebung“, also strukturiertes Daten-Rohmaterial. Erst wenn Informationen verstanden werden, spricht man von Wissen. Information ist daher datenträgergebunden, Wissen ist personengebunden. Die gegenwärtige Informationsexplosion führt also nicht automatisch zu einer Wissensexplosion, solange Informationen nicht von Personen aufgenommen, verstanden, verknüpft und angewendet werden.
Wissensgesellschaft
Trotz der Bindung an Personen ist Wissen nicht subjektiv, denn es wird sozial konstruiert und muss sich intersubjektiven Prüfungen unterziehen. (Seifert 1996:203f.) Wissen im Sinne von als wahr geltenden kognitiven Schemata, Erwartungen, Annahmen regelt den Umweltbezug von Personen und wird anhand von Erfahrungen ständig getestet und ggf. korrigiert. Wissen kann auf-grund seiner Bewährung in der Praxis beurteilt werden. Es schafft eine gemeinsame Hintergrundfolie und kann daher mit Handlungsvermögen bzw. der Fähigkeit zum sozialen Handeln gleichgesetzt werden. (Heidenreich 2000) Dass Wissen nicht nur nicht subjektiv, sondern auch nicht objektiv ist, halten Anhänger des Konstruktivismus dagegen, nach deren Ansicht Wissen nicht Wirklichkeit ist, sondern diese nur konstruiert.
Wissensgesellschaft
2 Die Geschichte der Wissensgesellschaft
Wenn Wissen also mit sozialem Handlungsvermögen gleichgesetzt werden kann, war dann nicht jede Gesellschaft auch eine Wissensgesellschaft? Der Neandertaler war von seinem Wissen genauso abhängig wie der römische Prokonsul, der mittelalterliche Handwerksmeister oder der Mechatroniker im Jahre 2003. Wissen wurde in vielen Epochen eine große ethische, philosophische Bedeutung zugeschrieben und mit Macht gleichgesetzt, aber das Verhältnis zwischen Wissen und den übrigen Macht- und Wohlstandsfaktoren schwankte.
2.1 Die Wissensgesellschaft von der Antike bis zur Industrialisierung
Wissen als wesentliches Merkmal menschlicher Lebensformen und gesellschaftliche Größe war schon in den frühen Hochkulturen der Anlass für die Entwicklung von Wissensträgern, z.B. • Symbole • kommunikative Artefakte • Zahlen • Sprache • Schrift
Die Verbreitung, Speicherung und Wiedergabe von Wissen bzw. die Ausgestaltung der Wissensträger war stets an Technik gebunden. Dies lässt sich an der Speicherung veranschaulichen: Von Einzelstücken auf Metall- oder Steinplatten und Pergament steigerte man sich in den mittelalterlichen Schreibstuben zu zwei- bis dreifachen Faksimiles, bis man mit Gutenbergs Buchdruck mit beweglichen Lettern eine wesentlich höhere Stückzahl erreichte. Heute, wenn selbst Nationalbibliotheken an den Rand ihrer Lagerkapazitäten stoßen, steht mit der Digitalisierung eine exponentiell höhere Speicherkapazität zur Verfügung. In der griechischen Antike besaß Wissen eine grundlegende Bedeutung: Platon sprach in seiner politeia davon, dass Philosophie, die damals intellektuelle und ethische Bildung, Anwendungs- und Orientierungswissen beinhaltete, die Voraussetzung für gesellschaftliches Wohlergehen und Gerechtigkeit ist. Im Mittelalter waren Erwerb und Entwicklung von Wissen einer kleinen privilegierten Schicht
Arbeit zitieren:
Maria Schnurr, 2004, Wissensgesellschaft - Trendwort oder Realität?, München, GRIN Verlag GmbH
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