2 Kurzfassung
Kurzfassung
Die Küche in ihrer heutigen Form hat eine lange Entwicklung hinter sich. Dieser Weg über die letzten 50 bis 70 Jahre wird in der vorgelegten Arbeit unter den Aspekten der Konstruktion, der Nutzung, der Langlebigkeit und der Verwertung aufgezeigt.
Dabei erfolgt eine besondere Betrachtung der relevanten Veränderungen, die ökonomische und ökologische Auswirkungen auf den Produktlebenszyklus haben.
Die jeweiligen Vor- und Nachteile dieser Veränderungen werden anhand von einigen Beispielen dargestellt.
Diese Arbeit soll Ratgeber sein, für die Planung und Herstellung von Küchen und einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungswege geben.
Schlagwörter: Arbeitsabläufe, Energieverbrauch, Ergonomie, Langlebigkeit, Lebenszyklus, Verwertung
Inhaltsverzeichnis 3
Inhaltsverzeichnis
2 Nutzung 33
2.1 Arbeitsaufwand 34
Kurzfassung 2
2.2 Ergonomie 42
Inhaltsverzeichnis 3
2.2.1 Arbeitshöhe 43
2.2.2 Gestaltung und Anordnung der
Abbildungsverzeichnis 4
Gegenstände 45
2.2.3 Belastung und Unfallintensität 47
Abkürzungsverzeichnis 5
2.3 Energie- und Wasserverbrauch 49
Vorwort 6
2.3.1 Energielabel 51
2.3.2 Kochen und Backen 52
2.3.3 Kühlen und Gefrieren 56
Einführung 7
2.3.4 Geschirrspülen 58
2.4 Hygiene 61
1 Konstruktion 11
1.1 Material 11
3 Langlebigkeit 63
1.1.1 Massivholz 11
3.1 Stabilität 63
1.1.2 Holzwerkstoffe 12
3.2 Design und Funktion 65
1.1.3 Beschichtungsstoffe 14
3.3 Wertewandel 67
1.1.4 Metall 14
1.1.5 Glas 15
3.4 Wohnungswechsel 70
1.1.6 Stein 15
1.1.7 Mineralischer Verbundwerkstoff 16
1.1.8 Leichtbauplatten 16
4 Verwertung 73
1.1.9 Holz-PP Compound 16
4.1 Verwertungs- und
Dimensionierung 17 1 2 Entsorgungswege für Altmöbel 73
1.2.1 Korpuskonstruktion 17 4 1 1 Wiederverwendung 75
1.2.2 Korpusabmessungen 18 4 1 2 Stoffliche Verwertung 76
1.2.3 Fronten 19 4 1 3 Energetische Verwertung 78
1.2.4 Arbeitsplatten 20 4 1 4 Biologische Verwertung 79
1.3 Beschläge 20 4 2 Prognose für die Zukunft 80
1.3.1 Türbeschläge 20
1.3.2 Schubkastenführungen 23
1.3.3 Sonderbeschläge 24 Abschlussbetrachtung 82
1.4 Verbindungen 25
1.4.1 Unlösbare Verbindungen 25
1.4.2 Lösbare Verbindungen 27 Quellenverzeichnis 84
1.5 Transportierbarkeit 29
Erklärung 85
1.6 Montierbarkeit 30
Stichwortverzeichnis 86
1.7 Anforderungen an die
Produktentwicklung 31
4 Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb 1: Frankfurter Küche 9 Abb 33: Illustration zur Arbeitshöhe 43
Abb 2: Sellküche 1951 9 Abb 34: Arbeitshöhe der verschiedenen
Zonen 44
Abb 3: Einbauküche in den 60er Jahren 9
Abb 35: Haarer Schütte 45
Abb 4: Küche in den 70er Jahren 9
Abb 36: Überschaubarkeit 46
Abb 5: Küche Mahl-Zeit um 1970 9
Abb 37: Zusammenhang zwischen Seh
Abb 6: Küche in den 90er Jahren 9
bereich und Armvorstoßraum 46
Abb 7: Rahmenbauweise um 1950 17
Abb 38: Überschaubarkeit bei Auszügen 46
Abb 8: Massivholzkonstruktion 17
Abb 39: Unterschrank kombiniert mit
Abb 9: Hohlkammerkonstruktion 18
Fachboden und Auszug 46
Abb 10: Rahmen mit Glasfüllung 19
Abb 40: Verbreitung ausgewählter
Abb 11: Front in 16mm 19
Küchengeräte 50
Abb 12: Stangenscharnier 20
Abb 41: Energieverbrauch im Haushalt 50
Abb 13: Möbelband Kröpfung D 21
Abb 42: Energielabel für Kühlgeräte 51
Abb 14: Topfband 21
Abb 43: Heizenergie in Wohnungen 52
Abb 15: CLIP Scharnier 22
Abb 44: Vergleich elektrischer Heiz
Abb 16: Anschlagdämpfer BLUMOTION 22 systeme 55
Abb 17: Besteckkasten aus Polystyrol 23 Abb 45: „Kühlschrank“ mit Eiskühlung 56
Abb 18: Schubkastenführung um 1970 24 Abb 46: Unterbaukühlschrank 56
Abb 19: Rollenführung 24 Abb 47: Geräuschentwicklung der
Geschirrspülmaschinen 59
Abb 20: Stauraum verschiedener Eck
lösungen im Vergleich 24 Abb 48: Handspülen Maschinenspülen 60
Abb 21: Materialeinsatz und Konstruktions- Abb 49: Bestandsalter v. Einbauküchen 63
aufwand 25
Abb 50: Bauteile die der Prüfung
Abb 22: PUR Verklebung nach Hennecke 27 unterliegen 64
Abb 23: lösbare sichtbare Abb 51: Die wichtigsten Kriterien für den
Verbindungselemente 28 Küchenkauf 69
Abb 24: INVIS Verbinder 29 Abb 52: Küchenwerkbank 70
Abb 25: Fadenstudie 33 Abb 53: System 20 71
Abb 26: Schrittersparnis in der Frankfurter Abb 54: Kreislaufwirtschafts- und
Küche 35 Abfallgesetz 73
Abb 27: Arbeitsdreieck in L-Küche 36 Abb 55: Verwertungs- und Entsorgungs
schema für Altmöbel 74
Abb 28: Küchengundrisse um 2000 38
Abb 56: Anteil der Küche am
Abb 29: Benutzungshäufigkeit der
Gesamtmöbelaufkommen 76
Küchenbereiche 38
Abb 57: Verteilung der Gebrauchtholz
Abb 30: moll design 39
mengen in Sachsen 81
Abb 31: Stauraumzonen 41
Abb 32: Anpassung der Arbeitshöhe 43
Abkürzungsverzeichnis 5
Abkürzungsverzeichnis
AMK Arbeitsgemeinschaft Moderne Küche
ATH Aluminium-Tri-Hydrat
BBE Bundesinitiative Bio Energie
BGW Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft
BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
DIN Deutsches Institut für Normung
EEG Erneuerbare Energien Gesetz
GFK Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung
HDH Hauptverband der Deutschen Holz und Kunststoffe
HPL High Pressure Laminates
IPP Integrierte Produktpolitik
ISO International Standard Organization
Jato Jahrestonne
LGA Landesgewerbeanstalt
MDF Mitteldichte Faserplatte
NABU Naturschutzbund Deutschland
PA Polyamid
PF Phenol - Formaldehydleim
PP Polypropylen
PUR Polyurethan
REFA Reichsausschuss für Arbeitszeitermittlung
TASi Technische Anleitung Siedlungsabfall
UF Harnstoff - Formaldehydleim
VDI Verein Deutscher Ingenieure
VerpackV Verpackungsverordnung
VHI Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie E.V.
VOC Volatile Organic Compounds (flüchtige organische Substanzen)
6 Vorwort
Vorwort
Als Diplomand der Fachhochschule Rosen-Vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit heim hatte ich die Gelegenheit, mich an zahlder Entwicklung der Küche unter Konstruktireichen Arbeitstreffen dieser Gruppe zu ons-, Nutzungs- und Verwertungsaspekten beteiligen. und ist im Rahmen des Projekts „Integrierte Produktpolitik (IPP) am Beispiel Küche“ ent-Durch das vielschichtige Teilnehmerfeld und standen.
den offenen Umgang mit der Thematik, wurden vielseitige Aspekte diskutiert, die mir Im Februar 2001 veröffentlichte die Europäiaufschlussreiche Informationen und interessche Kommission ein Grünbuch zur integriersante Anknüpfungspunkte für meine Arbeit ten Produktpolitik, in dem eine Strategie zur boten. Neuorientierung und Stärkung produktorientierter Umweltpolitik vorgeschlagen wird. Es freut mich sehr mit meiner Diplomarbeit Das bayerische Umweltministerium hat seieinen Beitrag zu diesem Projekt leisten zu nerseits IPP zu einem Schwerpunkt des Umkönnen und hoffe, dass daraus nützliche Erweltpakts „Nachhaltiges Wirtschaften im 21. kenntnisse gezogen werden.
Jahrhundert“ erklärt.
Für die hilfsbereite Unterstützung möchte ich Als umwelt- und wirtschaftspolitisches Konmich bedanken bei meinen Professoren Herrn zept verfolgt IPP das Ziel, durch innovative, Ober, Herrn Dusil und Herrn Michanickl, den marktfähige Lösungen die negativen Um-Mitarbeitern der Firma Blum Frau Wildauer welteinwirkungen von Produkten auf ihrem und Herrn Lubetz, den Teilnehmern am IPPgesamten Lebensweg zu verringern.
Projekt, sowie bei allen anderen, die mir bei Unter der Leitung der Gesellschaft für Ardieser Arbeit mit Rat und Tat zur Seite stanbeitssicherheits-, Qualitäts- und Umweltmaden.
nagement (Arqum GmbH, München) beschäftigen sich Vertreter der Küchen- und Zuliefe-Rosenheim, im Februar 2004 rerindustrie, des Umweltministeriums, der Fachhochschule Rosenheim und weiterer In-Dominik Schwab teressensvertreter an der Realisierung eines branchenbezogenen Produktpanels am Beispiel Küche.
Einführung 7
Teile der Industrie suchen mit dem Ende der
Rüstung nach neuen zivilen Produkten. Das
ist der Nährboden, um die in den 30er Jahren
Einführung
in den USA bereits erprobten neuen Küchen-
formen für Deutschland zu übernehmen. Die Küche von heute hat eine bemerkenswer-
te Entwicklung hinter sich.
Die erste systematische Einbauküche wird
1945 von Werner Sell als Prototyp mit noch Der Entwicklungsweg vom offenen Feuer,
recht bescheidenen Materialien in einem von das für mehr als zwei Millionen Jahre das
ihm entwickelten Fertighaus eingebaut. Ge-Zentrum des Hauses war, hin zum Mikrowel-
neral Clay setzt sich für die Verwendung dielengaren belegt die Kraft des technischen
ses Küchentyps in den neuen Wohnbauten Fortschritts und die Bedeutung der Küche für
der Militärregierung ein.
die Menschen.
Damit sind die Voraussetzungen für eine se-Die Küche der Moderne hat ihre ursprüngli-
rienmäßige Fertigung geschaffen und die Bachen Ansätze in den 20er Jahren des vorigen
sis vorhanden, die Einbauküche nach den Er-Jahrhunderts, wo die „Frankfurter Küche“
kenntnissen der Arbeitsabläufe im Detail zu Weichen für die Zukunft stellt.
vollenden. Die Amerikaner bringen ihre Er-Die junge Architektin Margarete Schüttefahrungen mit den eigenen Kücheneinrich-Lihotzky hat das Elend und die hygienischen tungen ein und verlangen die Ausführung in Katastrophen im Wien der Nachkriegszeit Stahlblech.
erlitten, als ihr der Frankfurter Baurat Ernst Das, was den Werkbundarchitekten noch zur May 1926 die Aufgabe überträgt, eine stan-Perfektion ihrer funktionsgerechten Küche dardisierte Küche für ein Siedlungsobjekt zu fehlt - eine Spüle mit Abstellfläche sowie eine entwickeln.
unempfindliche, durchgehende Arbeitsplatte
- kann jetzt verwirklicht werden. Aber für den Sie beschäftigt sich mit der Rationalisierung
Verkauf an zivile Wohnbaugesellschaften der Hauswirtschaft und ihr Entwurf einer kli-
oder private Haushalte gibt es zunächst wenisch reinen Küche basiert darauf, dass die
nige Chancen. Größenreduktion durch technisch- konstruk-
tive Erfindungen kompensiert wird.
Die erste größere Präsentation für die Bevöl-Als Arbeitsküche wird der Raum auf einen kerung findet auf der Bauausstellung Arbeitsbereich innerhalb der Wohnung redu„Constructa" 1951 statt. Die Firmen Sell und ziert, der nur nach ergonomischen und öko-Dr. Becher zeigen komplett ausgestattete nomischen Gesichtspunkten geplant ist, in Einbauküchen.
dem der Mensch zu einer berechenbaren
Das Interesse für die neue Küchenform ist „Einheit" wird.
überraschend groß, bleibt jedoch auf Grund Das Ende des Zweite Weltkrieges mit seinen des höheren Preises anfangs begüterten katastrophalen Folgen bringt auch eine wirt-Kreisen vorbehalten.
schaftliche und technische Erneuerung, die Zusätzlich kommen weitere Schwierigkeiten zu veränderten Lebensformen führt. Der hinzu: Die Einsicht in die Zweckmäßigkeit Wohnungs- und Raummangel führt zum Bau des ungewohnten Aufwandes an Gedankenzahlloser Kleinstwohnungen mit sehr gerinarbeit und materiellem Einsatz für diesen Teil gem Qualitätsstandard. Die wachsende Zahl des Wohnbereichs ist bei vielen Architekten der berufstätigen Frauen verändert das tradi-und Möbelhändlern noch nicht vorhanden. tionelle Familienleben und macht u. a. eine
längere Bevorratung der Lebensmittel
notwendig.
8 Einführung
Außerdem kennt man anfangs noch keine Ende der 70er Jahre vollzieht sich ein Wandel
Rastermaße, so dass jeder Hersteller nach eider bis heute anhält: die Küche öffnet sich
genen Vorstellungen Abmessungen festlegt. wieder zum Wohnen hin und entdeckt ihre
sinnlichen Qualitäten neu. Man spricht vom Mit Gründung der Arbeitsgemeinschaft „Die so genannten Cocooning -Trend.
Moderne Küche (AMK)“ 1956 schließen sich
10 Hersteller zusammen, die bereit sind, ge-Die Trennung vom „richtigen", repräsentati-
meinsam für das neue Produkt zu werben, ven Wohnbereich bleibt aber weiter erhalten
einheitliche Abmessungen zu erarbeiten und und wird höchstens im Wohnbereich der Rei-
dabei die Gerätehersteller mit einzubeziehen. henhäuser durch das Loch der Durchreiche
Aus diesem Zusammenschluss werden eingebrochen.
heitliche Abmessungen, Regeln und Normen Diese Tendenz entwickelt sich bis in die 90er
entwickelt, die jetzt auch den Geräteherstel-Jahre hin zu einer „offeneren" Küche mit Bar
lern ermöglichen, ihre Elektrogeräte so zu oder Küchenblock, oder zum vollwertigen
bauen, dass sie in alle Küchenprogramme Essplatz in der Küche .
passen.
Trendforscher haben diese Entwicklung beo-
Geprägt von Idee der Kleinküchen aus den bachtet und einen neuen Begriff geschaffen.
zwanziger Jahren und auf Grund fehlenden Homing ist die Weiterentwicklung des Co-
Wohnraums, beabsichtigt der Deutsche Norcooning. Das Heim ist das Zentrum der Welt,
menausschuss eine Empfehlung für eine dient als Schutzhafen und als Mittelpunkt al-
Kleinstküche von nur 6,5 Quadratmetern in ler Energieanstrengungen des Lebens.
einer DIN Norm festzulegen. Doch die AMK Auch in der Küche macht sich dieser Wandel schafft es, dies zu verhindern und Voraussetbemerkbar und wird von Küchenherstellern zung am Bau zu schaffen, die den neuen aufgenommen. Sie machen sich Gedanken technologischen Entwicklungen besser entüber funktionale Küchen, die nicht nur nach sprechen.
ergonomischen Gesichtspunkten und Ar-
In den 70er Jahren präsentiert der Designer beitsabläufen gestaltet werden, sondern
Luigi Colani zusammen mit Poggenpohl den auch das Bedürfnis nach Gemütlichkeit und
Zukunftsentwurf einer Küche. Er heißt "Expe-Wertigkeit befriedigen.
riment 70" und ist als Teil eines Hauses ge-Mit diesem Anspruch entwickeln sich Küdacht, bei dem Küche, Bad, Arbeitsbereich chen, in denen Eigenschaften und Verhalusw. als kugelförmige Elemente an einen tensweisen wie Kommunikation, Genuss und zentralen Raum angedockt werden sollen. Natürlichkeit höher bewertet werden.
Diese futuristische Architektur entspricht ei-
Die wachsende Zahl der Menschen, die heute nem gestalterischen Neuansatz, in dem sich
ihre Küche als das Zentrum und Herz der die Aufbruchstimmung der 70er Jahre nie-
Wohnung sehen, deutet auf diesen Wertederschlägt und der alle Lebensbereiche um-
wandel hin und scheint die endgültige Abfassen soll.
kehr von den Absichten der damaligen Planer Diese vom übrigen Wohnen strikt isolierte
zu sein.
Küche wird nie in Serie gebaut, repräsentiert
aber das Denkkonzept einer ausgeprägten Da die „alten" Ziele vor allem einen politisch-
Technikgläubigkeit und stellt elegante Denkökonomischen Kontext hatten, der damals
anstöße dar, die sich aus der tradierten Erunwissenschaftlich bewiesen wurde, sind
wartungswelt herausbewegen.
wir gegenwärtig aufgefordert, neue und klare
Doch die Küche als „Labor" oder „Maschinen-Richtungen aus dem heutigen Wissen um
stand" entspricht schon Mitte der 70er Jahre diese Zusammenhänge vorzugeben.
nicht mehr dem Zeitgeist.
Einführung 9
Abb. 1: Frankfurter Küche Abb. 4: Küche in den 70er Jahren
Abb. 2: Sellküche 1951
Abb. 5: Küche Mahl-Zeit um 1970 (Coop-
Himmelblau)
Abb. 3: Einbauküche in den 60er Jahren Abb. 6: Küche in den 90er Jahren
11 1 Konstruktion
1.1.1 Massivholz
Da die Küche überwiegend aus Kastenmö-
1 Konstruktion
beln besteht findet man zunächst die klassischen Konstruktionsmaterialien des konventionellen Möbelbaus.
Unter dem Thema Konstruktion sind Punkte Lange Zeit herrschen Einzelmöbelstücke aus aufgeführt, die unmittelbar mit der Herstel-Massivholz vor. Während des Krieges werden lung von Küchenmöbeln zusammenhängen. in kleinen Fertigungsstätten Fronten aus Fichtenrahmen mit Sperrholz oder „Press-Die wichtigsten Einflüsse, die sich einer Weipappe“ belegt hergestellt, die Oberfläche in terentwicklung unterzogen haben, werden Holzmaserung gerollt oder einfarbig in Pasdabei ausführlicher aufgezeigt. telltönen lackiert.
Aufgrund des Öl-Embargos in den 70er Jahren gibt es Tagespreise bei den Schichtstof-
Material fen, wodurch mit verstärkter Zunahme die Dimensionierung
Holzfrontenfertigung beginnt. Auch die Kranz
- und Lichtleistenfertigung aus Holz wird bis
Verbindungen zur Perfektion ausgebaut.
Beschläge
Dabei kommen alle europäischen und exoti-Transportierbarkeit schen Holzarten zum Einsatz, was in der Beschaffung ein schwieriges Thema ist. Unter-
Montierbarkeit schiedliche Bezugsquellen führen zu Abweichungen in Farbe und Struktur, worauf eine Welle von Reklamationen folgt.
Anfang der 80er Jahre ist dieser Trend prak-
1.1Material
tisch nicht mehr existent. Massivholzteile Das Material stellt für die Konstruktion eine bleiben zwar immer Bestandteil der Küchen-Schlüsselfunktion dar. Es sind die Materialeiprogramme, deren Bedeutung ist aber - im genschaften, die maßgeblichen Einfluss auf Gegensatz zur Massivholzfront - weniger die Konstruktion nehmen, weil sie über Funk-geworden.
tionsfähigkeit, Stabilität und auch Aussehen Heute gibt es wieder einige Hersteller, die des Möbels entscheiden. sich der industriellen Produktion von Massiv-Im Umgang mit den verschiedenen Materiaholzküchen verschrieben haben. Sie sind aber lien sollte dabei auf den optimierten Einsatz nicht als richtungweisend zu betrachten, da geachtet werden, und für die Zukunft eine massive Holzkonstruktionen immer besonde-Reduzierung der Materialienvielfalt in der re Anforderungen an die Konstruktion und Küche angestrebt werden. Gestaltung stellen. Sie sind sehr individuell Wie sich die Materialien und deren Einsatz und in der Verarbeitung kompliziert und über den Verlauf der Geschichte entwickelt aufwändig.
haben ist dabei von entscheidender Bedeu-
Von der holzverarbeitenden Industrie werden
tung.
zwar auch standardisierte Massivholzplatten
- in Form von durchgehenden oder keilverzinkten Leimholzplatten - angeboten die den Arbeitsaufwand reduzieren, der Umgang mit Massivholzkonstruktionen sollte aber dennoch eher eine Stärke des Handwerks sein.
12 1 Konstruktion
1.1.2 Holzwerkstoffe Neben konstruktiven Gesichtspunkten zum Einsatz von Massivholz gibt es noch ökologi-Um die Problematik von Massivholzkonstruk-
sche und gesundheitliche Faktoren, die gerationen zu beseitigen, werden Holzwerkstoffe 3
de in jüngster Zeit eine immer größere Rolle entwickelt, die in großen Formaten die Ei-
spielen und daher zu berücksichtigen sind. genschaften haben, die im Möbelbau ge-Zum einen ist das Nachhaltigkeitsprinzip 1
wünscht sind.
von großer Bedeutung, zum anderen werden
Mehrschichtplatten wie Sperrhölzer und furdem Werkstoff Holz auch positive Einflüsse
nierte Sperrholz-, Spanholz-, Tischler-, und auf das menschliche Wohlbefinden attestiert.
MDF-Platten ermöglichen flächenaktive Holzwerkstoffe, die zwar Holzcharakter ha-
In den letzten Jahren sind im Anschluss an ben - jedoch nicht identisch mit Massivholz
eine Versuchsreihe systematische Untersusind - aber leichter verarbeitet werden kön-
chungen an unterschiedlichen Hölzern und nen. Anders als im Massivbau, können mit
Holzwerkstoffen durchgeführt worden. Am Schichtplatten sehr vielfältige, auch geboge-
„International Institute of Biophysics“ in ne Formen gebaut werden.
Neuss wurden die Wachstumsimpulse in quantitativer und qualitativer Hinsicht mit
Die Möglichkeiten der Holzwerkstoffe sind Hilfe der Biophotonen-Methode 2 gemessen.
längst nicht ausgeschöpft. Wissenschaftlichen Institute und Hochschulen haben weite-Das Ergebnis dieser Untersuchung sagt aus,
re, vielfältige Anwendungsmöglichkeiten dass Massivholz nach DIN 68871 sich eindeu-
projektiert. Die rasante Entwicklung der tig positiv auf das Wohlbefinden des Men-
Werkstoffe in den letzten Jahren zeigt auf, schen und das menschliche Immunsystem
dass diese Werkstoffe sehr entwicklungsfäauswirkt. Unbehandeltes Massivholz erreicht
hig sind.
die besten Werte. Je offenporiger die Oberfläche um so stärker, je versiegelter (grundiert, lackiert, oder auch geölt) umso geringer ist die Wirkung, bis hin zur Bedeutungslosig-
Sperrholz
keit wie z.B. bei Spanplatten, Tischlerplatten Am geläufigsten sind die Stab- und Stäb-
und Sperrholz.
chensperrholzplatten, die als Alternative zu Massivholz schon lange im Möbelbau zu finden sind.
Der Begriff „absperren" bezieht sich auf das Unterbinden von Bewegungen im Holzmaterial durch Schwindung und Quellung. Die 1 Nachhaltigkeit, die zentrale Forderung der UN Umweltkonferenz von 1992 in Rio de Janeiro,
verschiedenen Schichten kompensieren die
ist ein Begriff aus der deutschen Forstwirt-
auftretendenKräfte im Material. Die Gesamt- schaft.Es wird nicht mehr Holz eingeschlagen als nachwächst.
heit des Werkstoffes verzieht sich nicht. 2 Biophotonen:
Jede lebende Substanz, jede organische Zelle von Pflanzen, Menschen, Tieren strahlt ein äu-
ßerst schwaches, aber geordnetes, laserartiges Licht ab. Ein Licht, das sich hervorragend zur Signalübertragung eignet und vermutlich sämtliche Energiefelder des Organismus steuert. Die Existenz der Biophotonen-Strahlung ist mittlerweile international anerkannt und wird unter anderem vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung nachdrücklich unterstützt.
13 1 Konstruktion
In der heutigen Zeit werden diese Tischler-Soft- und Postformingverfahren steht eine
platten jedoch durch Ein- und Dreischichtunendliche Gestaltungsmöglichkeit in Form,
platten verdrängt, weil die Produktion teuer Farbe und Funktion offen.
und lohnintensiv ist, und die Holzausbeute Bedingt durch den Aufbau der Platten, ist es bei der Herstellung gering ausfällt.
notwendig die Kanten zu verschließen, um
Eine ebenso bedeutende Rolle spielt das das Eindringen von Feuchtigkeit zu verhin-
Furniersperrholz, welches besonders in den dern. Dazu kommen entweder klassische
Küchenbuffets der 50er Jahre zum Einsatz Massivholzanleimer zum Einsatz, oder Kunst-
kommt. Furnierplatten bestehen aus mehrstoffkanten. Ein neuer Trend sind Alumini-
schichtig, kreuzweise verklebten Furnieren, umkanten, die mit erhöhtem Aufwand verar-
die flächenstabile Platten bilden. beitet werden und unter ökologischen Aspek-
Aus diesen Sperrholzplatten lassen sich auch ten als fragwürdig betrachtet werden sollten.
Formteile fertigen, was bis dato nur schwer
zu realisieren war und einen großen Vorteil
dieses Werkstoffs darstellt.
MDF
Mit dem Aufkommen der Spanplatten ver-
schwinden die Sperrhölzer für lange Zeit und Mit der Weiterentwicklung der Spanplatten-
tauchen erst in der heutigen Zeit in Form der technologie kommen Faserplatten in den
Multiplexplatten wieder auf. Der schichtwei-Möbelbau. Die erste MDF - Anlage in
se Aufbau, der sich in der Kante zeigt, wird Deutschland entsteht 1973 und macht somit
als Stilelement verwendet und erfreut sich den Weg für diesen neuen Werkstoff frei. Die
großer Beliebtheit bei Arbeitsplatten und fast homogene Struktur des Plattenprofils
Fronten. Einen überzeugenden Vorteil gevereinfacht die Bearbeitung. Profilierte Kan-
genüber anderen Holzwerkstoffen (Spanplatten und Fräsungen in der Fläche sind mach-
ten), der den Einsatz von Multiplexplatten bar, ohne größere Schwierigkeiten für die
empfiehlt ist, jedoch nicht zu sehen.
Oberflächenbehandlung zu bereiten.
Vorwiegend bei deckend lackierten Fronten
und Hochglanzoberflächen wird MDF ver-
wendet, aber auch als Trägermaterial für Fo-
Spanplatte lienbeschichtung, da die Platten eine sehr
dichte und glatte Oberschicht haben.
Die Spanplatte, das Hauptprodukt der Holz-Neben den überwiegend positiven Materialwerkstoffindustrie, stellt die stoffliche Basis eigenschaften von MDF muss aber auch erfür die Industrialisierung der Möbelherstelwähnt werden, dass in der Herstellung dieser lung dar: Die neuen Anwendungsmöglichkei-Faserplatten ein sehr hoher Energiebedarf ten und die wesentlichen Kosteneinsparun-vorliegt und eine stoffliche Verwertung gen in der Möbelproduktion ermöglichen die schwierig ist.
rasante Entwicklung der Möbelindustrie in
der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die anfänglichen Formaldehyd- und VOC-
Emissionen können durch verschiedene Maß-
nahmen deutlich reduziert werden und
machen somit die Spanplatte auch in der Kü-
che zu dem Standartkonstruktionsmaterial.
Durch die Möglichkeit der Beschichtung mit
Furnier, Dekorfilmen und -Folien, sowie
Schichtstoffen und der Kantenbearbeitung im
14 1 Konstruktion
1.1.3 Beschichtungsstoffe Die Entwicklung geht weiter bis zu den - besonders im Niedrigpreissegment verbreiteten 1930 meldet H. Römmler in Schlesien das Pa-
- formgepressten Möbelfronten, wo die Folie tent für HPL 4 -Schichtstoff an. Nach dem Krieg
mittels Vakuum in Profile und um die Kanten erfolgt der Produktionsaufbau in Groß-
gezogen wird.
Umstadt und die Gründung der Firma Resopal 5 .
In der Nachkriegszeit ist Resopal der moder-
1.1.4Metall
ne Werkstoff schlechthin: praktisch, robust und pflegeleicht. Er ist im Wohnbereich un-
In der Beschlagstechnik ist Metall schon lanbedenklich, weil die Harze keine Ausgangs-
ge das gängige Konstruktionsmaterial. bestandteile wie etwa Formaldehyd mehr
Scharniere und Bänder werden aus Stahl, Eabgeben. Diese sind nach dem Pressvorgang
delstahl, Messing und später auch aus Zinkunter Hitze und hohem Druck ausgehärtet.
druckguss hergestellt. Um das hohe Quali-Ende der 50er Jahre werden zum erstmals in
tätsniveau der derzeitigen Metallteile zu erder Küchenmöbelfabrik Bähr und Priester in
reichen gibt es einen Oberflächenschutz, der Herford Küchenfronten mit Resopal belegt.
durch galvanische Schutzschichten oder Kunststoffbeschichtungen erreicht wird.
In jüngerer Zeit gilt Resopal zwar eher als Synonym für graue Wohnlichkeit in
Seit 1950 baut ein Schweizer Hersteller (Herangestaubtem Dekor, hat sich aber diesem
mann Forster AG) Küchen aus Stahl. Kern-Image zum Trotz bis heute in der Innen- und
stück dieser Küchen ist eine im Küchenbau Außengestaltung von Gebäuden als
einzigartige Metall-Sandwich-Bauweise, welvielseitiger Werkstoff behauptet.
che sehr leichte und stabile Schrankteile er-Seit neuestem überrascht der Werkstoff mit
laubt.
modernen Dekorkollektionen, deren Beson-
Eine Einlage aus Pappwaben zwischen den derheit ein digitales Druckverfahren ist, mit
beiden Blechen sorgt dafür, dass sie nicht dem jedes gewünschte Motiv digital aufbe-
metallisch scheppern. Die drei Schichten reitet und in Resopalplatten verpresst wer-
werden mit Naturharzkleber warm verpresst den kann.
und sind korrosionsfrei dank Verzinkung und umweltfreundlicher Pulverlackbeschichtung.
Aus der Küche ist dieser Werkstoff fast nicht wegzudenken, da ihm - vor allem auf der Ar-
Solche Metallküchen sind hoch belastbar, beitsplatte verarbeitet - kein vergleichbares
pflegeleicht, verzugsfrei und nahezu emissi-Material gegenübersteht.
onsfrei.
Neben der Recyclingfähigkeit gilt die Lang-
Ein weiterer Beschichtungsstoff, der neue lebigkeit dieser Konstruktionen unter Ökolo-
Perspektiven in der Gestaltung von Möbelgen als Pluspunkt und kann daher durchaus
fronten bringt sind Folien und Filme. 1968 empfohlen werden.
werden erste Fronten mit direkt beschichteten Melamin-Dekorfilmen angeboten.
Noch bis vor wenigen Jahren sind Küchen aus Edelstahl der Gastronomie vorbehalten. Heute bieten alle namhaften Hersteller Modelle aus Edelstahl auch für den privaten Bereich an.
Außer im Korpusbau, kommt Stahl zudem ü-
4 High Pressure Laminates:
Dekorative Schichtstoffplatten aus Kunstharz- berwiegendim Spülenbereich zum Einsatz.
filmen 5 Der Markenname wird meist stellvertretend für HPL verwendet
15 1 Konstruktion
1.1.5 Glas Backofen. Mit doppeltem Nutzen: Die Wärme dringt kaum nach außen und die Herdaußen-Glas ist schon lange in der Küche zu finden.
scheibe bleibt relativ kühl, sogar bei Innen-Anfangs hauptsächlich als Glasfüllung in
temperaturen bis 500°C.
Rahmentüren, wird es mit der Weiterent-Die modernen Kochgeräte besitzen darüber
wicklung in der Glasherstellung auch als hinaus meist auch eine gläserne Schalter-
Fachboden verwendet. Mit den heutigen blende und ein Touch-Control-Panel aus Glas.
Möglichkeiten der Glasbearbeitung sind Selbst das Backblech besteht heute bei den
Ganzglastüren und sogar Arbeitsplatten (aus neuen Herden aus Borosilikatglas. Dazu
crushed Glas) machbar. Ähnlich wie Metall, kommen noch hitzebeständiges Servierge-
ist es unempfindlich gegen alltägliche Beanschirr sowie Topf oder Pfannendeckel aus
spruchung, pflegeleicht und somit auch sehr Glas, so dass man auch bei geschlossenem
langlebig. Als Konstruktionsmaterial für den Kochgefäß sehen kann, wie es drinnen be-
Korpus kommt es jedoch nicht in Frage.
schaffen ist.
1892 beginnt eine andere beispiellose Erfolgsgeschichte des industriellen Spezialglases, als Otto Schott das berühmte „Jenaer
1.1.6 Stein Normalglas“ entwickelt. Heute ist es als Ceran in Kochfeldern bekannt.
Margarete Schütte-Lihotzky entwickelt schon Dieses aus natürlich vorkommenden Rohstof-
in der Frankfurter Küche einen zurückgesetzfen hergestellte Produkt übertrifft in seinen
ten, abgerundeten Betonsockel, auf dem alle Eigenschaften sogar die Natur, weil Glaske-
Küchenmöbel stehen.
ramik selbst bei Temperaturwechseln von
Davor gibt es sogar Pläne, ganze Küchenblö800°C noch formstabil bleibt.
cke in Beton zu gießen, in die Herd, Wasser-Wenn man bedenkt, dass es sich hier immer
behälter, Spüle und Waschkessel eingelassen noch um ein Glasprodukt handelt, und es et-
sind. Diese Ideen entstehen vor dem Hinterwa mit einer normalen Fensterscheibe ver-
grund, eine möglichst einfache Reinigung der gleicht, dann wird der Weg deutlich, den hier
Küche zu ermöglichen. Eine Weiterentwickdie Entwicklung genommen hat.
lung dieses Ansatzes gibt es jedoch nicht. Die Eigenschaften der Glaskeramik, die sie so
Stein wird lange Zeit nur für Spülbecken be-
ideal für den Anwendungsbereich Kochen
nutzt, bevor er dann auch für komplette
machen, sind erstaunlich: Ceran ist weitge-
Arbeitplatten eingesetzt wird.
hend unempfindlich gegen alle Formen von
Heute sind Marmor- und Granitplatten die
Schlag-, Stoß-, Biege- und Zugbelastung,
geläufigsten Arten die man verwendet. Der
auch Wärmespannungsbrüche treten nicht
Vorteil von Steinplatten liegt in der Kratzfes-
auf.
tigkeit (allerdings nicht bei Marmor) und der
Dafür beträgt die Wärmeleitfähigkeit vom
Unempfindlichkeit gegen Hitze.
Heizkörper zum Topf fast 100 %. Ceran-Aufgrund des hohen Gewichts stellen sie je-Kochflächen sind zudem absolut glatt und doch gesteigerte Anforderungen an die Stabi-porenfrei. Sie lassen sich also sehr leicht reilität der Unterkonstruktion. nigen.
Noch ein weiteres Spezialglas von Schott findet sich am modernen Küchenherd: die „Thermax -Scheibe“ in der Backofentür. Diese ein- oder zweiseitig mit Metalloxid beschichteten Scheiben reflektieren die Hitze im Back-
16 1 Konstruktion
1.1.7 Mineralischer 1.1.9 Holz-PP-Compound
Verbundwerkstoff
Ein sehr neuer Werkstoff sind extrudierte Faserstoffplatten.
Erst seit ca. 30 Jahren gibt es diesen Werk-Sie bestehen aus mind. 80 % Holzfasern und
stoff, der aus Acrylpolymer-Harz, dem entsprechend 20 % PP (Polypropylen), die als
Mineralstoff ATH (Aluminium-Tri-Hydrat) und fertiges Compound in Form von Granulat zum
Pigmenten besteht. Er wird überwiegend im Einsatz kommen.
Plattenformat angeboten und kann wie Mittels Extrudern können damit selbst
Holzwerkstoffe bearbeitet werden. Das Mateschwierige Profilgeometrien ohne jegliche
rial erlaubt alle Konstruktionen die auch mit mechanische Nacharbeit hergestellt werden.
herkömmlichen Plattenmaterialien machbar sind. Zusätzlich läst er sich nach thermischer
Auch plattenförmige Werkstücke sind mach-Vorbehandlung biegen und formen.
bar, die mit einer Breite bis 1000 mm und einer Dicke von 12 mm eine Alternative zu her-
Überwiegend wird Corian 6 bei Arbeitsplatten kömmlichen Spanplatten sind und Chancen
verwendet, in die die Spülbecken nahtlos bei der Großserienproduktion in der Möbelin-
eingelassen sind, wobei es aber auch im Mödustrie und in der Substitution anderer
belbau zum Einsatz kommt.
Werkstoffe bieten.
Das Material gilt als sehr langlebig und ist
Durch das Hohlkammerprofil wird eine leichvoll recyclingfähig.
te und materialsparende Konstruktion erlaubt, die die bisherigen Vorstellungen von Möbelkonstruktion revolutionieren könnte.
1.1.8 Leichtbauplatten
Erste Schubkastenzargen und gewölbte Küchenfronten werden bereits aus dem neuen
Der Aufbau dieser Platten ist ähnlich wie bei
Werkstoff gefertigt, der sich in der Bearbei-
der Metallkonstruktion.
tung wie Holz verhält, hohe Stabilität und
Ein Sandwichaufbau aus drei Lagen bildet
Biegefestigkeit bietet, und im Vergleich zu
die Platte. Die Mittellage kann aus phenol-
Holz eine erheblich geringere Wasserauf-
harzgebundenen Glasfasergarn bestehen,
nahme aufweist.
oder aus einem wabenförmigen Aluminium-Die Faserstoffextrusion stellt im Moment kern. Als Beschichtungsmaterialien kommen noch eine Nische dar, muss aber als ein Ver-Gewebe, Furniere, Melaminprodukte und fahren mit Zukunft betrachtet werden. HPL in Frage.
Bisher finden diese Leichtbauplatten überwiegend im Innen- und Messebau und in Flug- und Fahrzeuginnenausstattungen Verwendung.
Als ein weiteres Einsatzgebiet kann der Möbelbau gesehen werden. Fronten, Blenden und Verkleidungen können aus diesen Platten gefertigt werden.
Die Vorteile dieses Material sind gute mechanische Eigenschaften, Feuerresistenz und vor allem das geringe Gewicht.
6 Markenname der Firma DuPont
17 1 Konstruktion
Abb. 7: Rahmenbauweise um 1950 [Eschebach]
Die Rahmenbauweise (siehe Abb.) ermöglicht den Einsatz von dünnen Sperrholzplatten als Seitenteile und für die Rückwand.
18 1 Konstruktion
Um großformatige Flächen zu realisieren, die In jüngster Zeit werden Anstrengungen unnicht in Massivkonstruktionen ausgeführt ternommen, die Materialstärken weiter zu werden sollen, bedient man sich auch gerne senken. Bei Spanplatten werden 13 mm an-Hohlkammerkonstruktionen, wie sie in der gestrebt, im Massivholzbereich gehen die Detailzeichnung eines Geschirrschranks von Dimensionen ebenfalls hinzu schwächeren 1949 zu sehen sind. Materialstärken.
Dabei bereitet zwar noch die Auszugfestigkeit von Schrauben und Beschlägen Schwie-
ke zu produzieren. Abb. 9: Hohlkammerkonstruktion um 1949 [Kurt Pflanz]
Dadurch erleichtert sich die Planung von Küchen enorm, besonders in der Integration von Einbaugeräten. Die Breiten sind zuerst lange Mit der Verwendung von Holzwerkstoffen Zeit auf die Maße 45, 60 und 90 cm bekommen - bedingt durch die Herstellverfahschränkt. Um den Küchenplanern entgegenren - erstmals standardisierte Materialstärzukommen werden Abstufungen im 5 cm ken auf.
Raster eingeführt.
In der industriellen Fertigung werden zwi-Ab Mitte der 80er Jahre werden Korpusse in schen 1950 und 1970 alle Korpusteile fast Überbreiten von 120, 160 und sogar 180 cm ausschließlich aus 18/19 mm Rohspanplatte, angeboten. Der Sinn dieser Breiten ist aber beidseitig mit 0,6 mm HPL belegt gefertigt. umstritten und setzt sich als Standartmaße Ab 1970 verabschiedet man sich von den nicht durch.
großen Materialstärken und verwendet lange Zeit Platten der Dimension 16 mm, beidseitig Heute fangen die Breiten bei 25 cm an. Ab melaminbeschichtet. einer Breite von 35 cm ist der Einbau von Durch die Tatsache, dass in der Regel die Auszügen und Schüben möglich. Spülenun-Korpusseiten einer Einbauküche immer mit terschränke gibt es ab einer Breite von 45 cm, dem Nachbarkorpus verbunden werden könbei Herdunterschränken sind 60 und 90 cm nen, ist die Stabilität der Konstruktion ausrei-Standard, bei jenen für Geschirrspüler 45 und chend gewährleistet. 60 cm. Kühlgerätenischen haben ebenfalls Die Änderung der Materialstärke hat jedoch das Maß von 60 cm.
zur Folge, dass auch alle Querteile - inklusive In der Höhe sind 72 cm das gängige Maß, der Einbauteile - im Maß geändert werden welches gegenüber dem früher verbreiteten müssen.
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Dominik Schwab, 2004, Entwicklung der Küche unter Konstruktions-, Nutzungs- und Verwertungsaspekten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Das Image - die Hälfte des Erfolges
Business economics - Marketing, Corporate Communication, CRM, Market Research
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 23 Pages
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