Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS 3
1. Problemstellung. 4
2. Sachanalyse. 4
2.1. Biblische Quellen zum Thema. 4
2.2. Theologiegeschichtlicher Blick auf die Fragestellung 6
2.3. Neuzeitliche theologische Stimmen zum Thema 7
2.4. Religionswissenschaftliche Stimmen zum Thema 7
3. Systematisch-theologische Betrachtung der Fragen 8
3.1. Frage nach der physischen Jungfräulichkeit. 8
3.2. Frage nach der symbolischen Jungfräulichkeit. 8
3.3. Frage nach der Heilsnotwendigkeit der
Jungfr äulichkeit 10
4. Schlussfolgerung. 11
Literaturverzeichnis. 13
3
1. Problemstellung
Jahrhundertelang wurde die jungfräuliche Geburt nicht von Christen angezweifelt. Seit der Aufklärung des 18./ 19. Jahrhunderts fällt es den Menschen zunehmend schwerer, das Dogma von der jungfräulichen Geburt Jesu Christi als Glaubenswahrheit anzuerkennen. 1 Heute wirkt es auf Atheisten und auch auf viele Christen, vor allem Junge und Neuhinzugekommene, sogar absurd und lächerlich, da es den Menschen aus eigener Erfahrung völlig irreal erscheint. Der Satz wird im Credo zwar meist mitgesprochen, oft geschieht das jedoch nur noch formelhaft aus Tradition und immer seltener aus Glaubensüberzeugung. Kritische Stimmen sehen in dieser Aussage eine moralisierende, frauen- und sexualfeindliche und weltfremde Lüge, mit der die Gläubigen der Vergangenheit für dumm verkauft werden sollten.
Was ist nun aber wirklich mit der Jungfrauengeburt 2 gemeint? Wird hier ein biologisches Wunder beschrieben oder hat es eine symbolische Bedeutung? Und was bedeutet die jungfräuliche Geburt des Messias für die Menschheit - ist Marias Jungfräulichkeit überhaupt wichtig und heilsnotwendig?
2. Sachanalyse
2.1. Biblische Quellen zum Thema
Die Geburt Jesu von der jungfräulichen Maria findet im Neuen Testament nur sehr spärlich Erwähnung.
Paulus spricht in Gal 4,4 nur von Jesu Geburt durch eine Frau - deren Namen er nicht einmal erwähnenswert findet - , seine Absicht ist es lediglich, die menschliche Begrenztheit und Geburt Jesu zu betonen - was die Vorstellung von einer Jungfrauengeburt bei Paulus ausschließt - auf die sich auch in seinen Briefen keinerlei Hinweis findet. 3 Auch im Markus - Evangelium ist wenig und nur beiläufig und eher negativ von Maria die Rede, eine Jungfräulichkeit erwähnt der Evangelist nicht. Wohl spricht er aber von Jesu Geschwistern (Mk 6,3), was zumindest gegen eine immerwährende Jungfräulichkeit Marias spräche, von der die katholische Kirche ausgeht. 4 Im Matthäus - Evangelium wird Maria bereits im Stammbaum Jesu erwähnt, sie schließt dort eine lange Generationenkette des Volkes Israel ab und steht am Wendepunkt der Glaubensgeschichte. Der Stammbaum erwähnt Maria als Mutter Jesu Christi, aber Josef nicht als seinen Vater (Mt. 1, 16).
1 Vgl. Betz, 1025 und vgl. Beinert, 87/ 88.
2 Im Folgenden auch als „J.“ abgekürzt.
3 Vgl. Beinert, 21.
4 Vgl. Beinert, 21/ 22; Vgl. Halkes, 268.
4
Matthäus stellt sie als schwangere Verlobte Josefs vor, wobei die eheliche Gemeinschaft der beiden jedoch noch nicht aufgenommen wurde. Ihre Schwangerschaft wird dem Heiligen Geist zugeschrieben, durch den Gottes schöpferisches Tun wirksam wird und sich die Verheißung Jesajas erfüllt (Jes 7, 14): „Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.“
Im hebräischen Text ist allerdings von einer jungen Frau und nicht von einer Jungfrau die Rede, erst in der Septuaginta, die Matthäus als Vorlage diente, ist daraus eine Jungfrau geworden. Den Schwerpunkt der Kindheitsgeschichten Jesu legt Matthäus auf Josef, dem die Geburt im Traum durch einen Engel angekündigt wird. 5 Erwähnt wird außerdem noch, dass während der Schwangerschaft (zumindest) bis zur Geburt kein Verkehr zwischen den Eheleuten stattgefunden hat ( Mt 1, 25).
Bei Lukas dagegen ergeht die Verkündigung durch einen Engel an Maria selbst; Maria wird als Jungfrau, welche mit Josef verlobt ist, beschrieben (Lk 1, 27). Der Engel verkündet Maria ihre zukünftige Schwangerschaft, deren genauer Beginn (bzw. Zeitpunkt der Empfängnis) nicht deutlich wird (Lk 1, 31) und klärt sie über die Stellung ihres zukünftigen Sohnes auf (V 32-33). Maria reagiert mit Überraschung/ Verwirrung, da sie keinen Geschlechtsverkehr hat/hatte , wie sie sagt (Lk 1, 34). Aufgabe diesen Verses ist es jedoch nur, den Hörern die Jungfräulichkeit in diesem Moment aufzuzeigen. Der Engel erklärt ihr daraufhin, dass die Schwangerschaft (ohne Zutun eines Mannes) durch den Heiligen Geist zustande kommt, er sagt nicht direkt, dass sie als Jungfrau schwanger werden wird - wenn es auch eine logische Schlussfolgerung zu sein scheint.
Widersprüchlich zu den Vorgeschichten der Evangelien nach Matthäus und Lukas mit ihrem Motiv der Jungfrauengeburt erscheint jedoch, dass sie an anderer Stelle deutlich auf Maria und Josef als Eltern hinweisen (z.B. Lk 2; 27, 41, 43, 48), bzw. Jesus als Josefs Sohn bezeichnet wird (z. B. Mt 13, 55). 6
Auch im Johannes - Evangelium findet sich kein Hinweis auf eine jungfräuliche Geburt„ ... man könnte sogar erwägen, ob der Prolog (vgl. Joh 1, 1-3) die Vorstellung von einer ‚Jungfrauengeburt’ ausschließen soll “ 7 , was sich durch die von Johannes vertretene Vorstellung von der Präexistenz Christi erklären ließe. 8
5 Vgl. Heister, 14-16.
6 Vgl. Beinert, 89.
7 Barth, 356.
8 Vgl. Radl, 707.
5
Arbeit zitieren:
Ulrike Tschirner, 2004, Die Bedeutung der Aussage "Geboren von der Jungfrau Maria", München, GRIN Verlag GmbH
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