Erster Referent: Prof. Dr. H.-D. Horch Zweiter Referent: Prof. (em.) Dr. D.R. Quanz
Vorsitzender des Prüfungsausschusses (Vertreter): Prof. Dr. Dr. h.c. W. Decker Tag der mündlichen Prüfung: 18.02.2004
Veröffentlicht im Grin-Verlag GbR, München; Download unter www.grin.de
Hierdurch versichere ich an Eides Statt: Ich habe diese Dissertationsarbeit selbständig und
nur unter Benutzung der angegebenen Quellen angefertigt; sie hat noch keiner anderen Stelle
zur Prüfung vorgelegen. Wörtlich übernommene Textstellen, auch Einzelsätze oder Teile
davon, sind als Zitate kenntlich gemacht worden.
VORWORT UND DANKSAGUNG
Bei der Erstellung der vorliegenden Arbeit war eine Vielzahl von Personen behilflich, deren
Namen nicht alle genannt werden können. Ihre Unterstützung hat wesentlich zum
erfolgreichen Abschluss der Arbeit beigetragen.
Besonderer Dank gilt meinem ersten Betreuer Herrn Prof. Dr. H.-D. Horch, der mir sehr viel
persönliches Engagement zum Gelingen der Arbeit entgegenbrachte und sich in vielen
Gesprächen Zeit für die Thematik der Arbeit genommen hat.
Desweiteren möchte ich meinem zweiten Betreuer Herrn Prof. Dr. D.R. Quanz danken, der
mir weit über die wissenschaftliche Betreuung hinaus viele ermutigende Anregungen und
richtungsweisende Denkanstöße gab. Er hat mich als Leiter des Deutschen Golf Archivs
(DGA) zusammen mit meinen Kollegen bei der Literaturrecherche mehrfach unterstützt und
mir den Rücken freigehalten, wenn dies zur Fertigstellung der Arbeit notwendig war.
Bedanken möchte ich mich zudem bei den Mitarbeitern der Golf & Tourism Consulting
(GTC) in Lüneburg, die mir während meines insgesamt 6-monatigen Aufenthaltes den
nötigen Freiraum überließen und mich auch im Nachhinein stets mit Informationen und
Quellen versorgten. Die Diskussionen über die Materie, besonders mit Herrn P. Hübner,
haben mich oft dazu inspiriert, inhaltlichen Fragen tiefer nachzugehen.
Köln, im März 2004 Alexander Steinbrück
INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS
I EINFÜHRUNG
I.1 Fragestellung und Relevanz. 9
I.2 Forschungsbedarf und -stand 11
I.3 Wissenschaftliche Literatur zur „Golfökonomie“ 14
I.4 Methodische Vorgehensweise und Organisation. 18
I.4.1 Quantitative Forschungsmethoden 20
I.4.2 Qualitative Forschungsmethode: Leitfadeninterview. 22
I.5 Aufbau 24
II AUFTAKT: GOLFHISTORIE
II.1 Weltweit. 26
II.2 Golf im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit 28
II.3 Golf in der sowjetischen Besatzungszone Gründe gegen Golf in der DDR 30
III METHODENKRITIK: FEHLERQUELLEN BEI DER ERFASSUNG VON
GOLFDATEN
III.1 Einleitung. 33
III.2 Regionale Zuordnung: Internat. Vergleiche der Anzahl der Golfer 34
III.2.1 Zeitpunkt der Datenerhebung 35
III.2.2 Methoden der Datenerhebung: Vereinszahlen vs. Umfragedaten 36
III.2.3 Typologie der Golfer: Organisierte vs. unorganisierte Golfer. 37
III.2.4 Eigene Definition: Clubgolfer vs. clubfreie Golfer 38
III.3 Angebotsseite. 38
III.3.1 Anzahl der Clubs: mit vs. ohne Platz. 39
III.3.2 Anzahl der Plätze. 40
III.3.3 Definition: Private vs. öffentliche Plätze, öffentliches Golf. 41
III.4 Nachfrageseite: Nachfrager vs. Nutzer 42
III.4.1 Golfnachfrage vs. Golfnachfrage vor Ort. 43
III.4.2 Wartelisten. 46
III.5 Verhältniszahlen 48
III.5.1 Definition. 48
III.5.2 Berechnungsprobleme 48
III.5.2.1 Platz vs Spielbahnen 49
INHALTSVERZEICHNIS
III.5.2.2 Golfer vs. Golfen 49
III.6 Zukunftsprognosen 50
III.6.1 Angebot vs. Nachfrage 51
III.6.2 Gesamt- vs. Teilmärkte. 51
III.7 Zusammenfassung 52
IV ANGEBOTSANALYSE: DIFFERENZIERUNGSKRITERIEN ÖFFENTLICHER UND
PRIVATER GOLFANLAGEN
IV.1 Einleitung. 54
IV.2 Grundlegende Merkmale 56
IV.2.1 Spielberechtigung. 57
IV.2.2 Kostenart 59
IV.2.3 Bindung 60
IV.2.4 Spielstärkenachweis 60
IV.2.5 Zwischenresümee 61
IV.3 Weitere Merkmale 62
IV.3.1 Soziale: Image und Klientel 62
IV.3.2 Ökonomische. 62
IV.3.2.1 Mitgliedsbeitrag. 62
IV.3.2.2 Andere Kosten, Finanzierung und Auslastung 62
IV.3.2.3 Spielgebühren (Greenfee) 63
IV.3.2.4 Ökonomische Zielsetzung 64
IV.3.3 Sportliche 65
IV.3.3.1 Trainingsbedingung. 65
IV.3.3.2 Zielgruppe 65
IV.3.3.3 Turniere und Leistungsorientierung 66
IV.3.4 Quantitative: Anzahl und Größe. 67
IV.3.5 Institutionelle. 68
IV.3.5.1 Verband 68
IV.3.5.2 Rechtsform 69
IV.3.5.3 Eigentümer 69
IV.3.5.4 Geschäftsführung. 70
IV.3.5.5 Sportliche Leitung 71
IV.3.6 Sonstige 72
IV.3.6.1 Gastronomie 72
IV.3.6.2 Pro-Shop und Schlägerverleih 73
INHALTSVERZEICHNIS
IV.3.6.3 Touristische Verbindung 74
IV.4 Prognosen. 75
IV.4.1 Anzahl 75
IV.4.2 Qualität 75
IV.4.3 Mitglieder 76
IV.4.4 Angebotsstruktur 76
IV.4.5 Preisstruktur 77
IV.5 Zusammenfassung 77
V NACHFRAGEANALYSE
V.1 Potentialbefragung 80
V.1.1 Einleitung. 80
V.1.2 Untersuchungsdesign. 83
V.1.2.1 Daten. 83
V.1.2.2 Methoden 84
V.1.3 Ergebnisse. 85
V.1.4 Diskussion 92
V.1.4.1 Weiche und harte Indikatoren. 92
V.1.4.2 Image von Golf 97
V.1.4.3 Barrieren gegen Golf 100
V.1.5 Schlussfolgerungen. 102
V.2 Regionalspezifische Faktorenanalyse - ein Leitfaden 104
V.2.1 Einleitung. 104
V.2.2 Konsumtheorie und Methode 106
V.2.3 Abhängige Variablen 107
V.2.3.1 Anbieter- und Nachfragerpotential 107
V.2.3.2 Gebundenes Clubgolf, ungebundenes/öffentliches Golf 108
V.2.4 Unabhängige Variablen: Faktorauswahl. 109
V.2.4.1 Auswahl des Geltungsbereiches 110
V.2.4.1.1 Einzugsgebiet. 110
V.2.4.1.2 Pilotprojekt: Raum X. 113
V.2.4.2 Potentialberechnung 115
V.2.5 Die Faktoren 116
V.2.5.1 Wirtschaftliche Faktoren 117
V.2.5.1.1 Preise für Golf 117
V.2.5.1.2 Pro-Kopf-Einkommen 117
INHALTSVERZEICHNIS
V.2.5.1.3 Art der Beschäftigung. 118
V.2.5.2 Soziodemographische Faktoren. 119
V.2.5.2.1 Bevölkerungszahl 119
V.2.5.2.2 Alter 119
V.2.5.2.3 Schulabschluss. 120
V.2.5.2.4 Haushaltsgröße 121
V.2.5.2.5 Allgemeines Sportinteresse 122
V.2.5.2.6 Golfneigung 122
V.2.5.3 Politik: Einfluss von Umweltschützern 122
V.2.5.4 Standort, Infrastruktur und Tourismus. 123
V.2.5.4.1 Qualität und Dichte des Straßennetzes 123
V.2.5.4.2 Touristische Verknüpfung 124
V.2.5.4.3 Besiedlungsdichte 125
V.2.5.4.4 Immobilieninvestment 126
V.2.5.5 Historie 126
V.2.5.5.1 Anzahl der alteingesessenen Clubs. 126
V.2.5.6 Markt 127
V.2.5.6.1 Anzahl der Golfanbieter (Clubanlagen und öffentliche Anlagen) 127
V.2.5.6.2 Anzahl anderer Sport- und Freizeitanbieter. 129
V.2.5.6.3 Grundstückspreise. 131
V.2.5.7 Klima: Sonnenscheindauer, Niederschlagsmenge und Lufttemperatur. 131
V.2.5.8 Sonstige 132
V.2.5.8.1 Anzahl internationaler Grossturniere. 132
V.2.5.8.2 Medienpräsenz. 133
V.2.5.8.3 Sponsoring/Idole. 134
V.2.5.8.4 Golf in Uni-/Schulsport 135
V.3 Zusammenfassung 136
VI INTERNATIONALER VERGLEICH
VI.1 Fallbeispiel: Deutscher, englischer und schwedischer Golfmarkt im Vergleich 140
VI.1.1 Einleitung 140
VI.1.2 Auswahlgründe. 140
VI.1.3 Golfangebot in den 3 Ländern. 142
VI.1.3.1 Deutschland 142
VI.1.3.2 Schweden 143
VI.1.3.3 England 143
INHALTSVERZEICHNIS
VI.1.3.4 Zusammenfassung des Angebotsvergleiches 145
VI.1.4 Golfspieler in den 3 Ländern. 147
VI.1.4.1 Deutschland 147
VI.1.4.2 Schweden 148
VI.1.4.3 England. 149
VI.1.4.4 Zusammenfassung des Nachfragevergleiches 150
VI.1.5 Wichtige Erfolgsfaktoren in England. 153
VI.1.5.1 Zugang. 153
VI.1.5.1.1 Platztypen 153
VI.1.5.1.1.1 Municipal courses. 154
VI.1.5.1.1.2 Proprietary courses 155
VI.1.5.1.1.3 Private member courses. 155
VI.1.5.1.2 Platzerlaubnis 155
VI.1.5.1.3 Fazit Zugang. 156
VI.1.5.2 Preisgestaltung. 156
VI.1.5.2.1 Municipal und public courses. 156
VI.1.5.2.2 Proprietary courses und private member clubs 157
VI.1.5.2.3 Fazit Preisgestaltung. 157
VI.1.5.3 Besonderheiten und Initiativen in England 158
VI.1.5.3.1 Societies 158
VI.1.5.3.2 Getrennte Verbände für Damen und Herren. 159
VI.1.5.3.3 Associate Membership 160
VI.2 Golfangebot und Golfspieler weltweit. 160
VI.2.1 Einleitung 160
VI.2.2 Weltweite Verteilung 162
VI.2.3 Potential. 166
VI.2.3.1 Auslastung in Deutschland 166
VI.2.3.2 Auslastung international. 168
VI.2.3.3 Szenario 1: Steigerung der Auslastung. 171
VI.2.3.4 Szenario 2: Anstieg der Golferdichte 175
VI.3 Zusammenfassung 179
VII ÖFFENTLICHES GOLF: GOLF FÜR WENIGE - GOLF FÜR VIELE - GOLF FÜR
ALLE
VII.1 Einleitung. 183
VII.2 Gründe für die Öffnung 185
INHALTSVERZEICHNIS
VII.2.1 Sicherung des Monopols. 185
VII.2.2 Druck von außen 186
VII.2.2.1 Ostdeutscher Golfverband. 186
VII.2.2.2 Bundesverband Golfanlagen e.V. 188
VII.2.3 Wiedervereinigung. 189
VII.2.4 Rechtliche Urteile 191
VII.2.4.1 Besteuerung von Vereinen im weiteren Sinne 191
VII.2.4.1.1 Einleitung 191
VII.2.4.1.2 Gemeinnützigkeit 192
VII.2.4.1.3 Rechtsfolgen für die Besteuerung 195
VII.2.4.1.3.1 Körperschaftssteuer. 195
VII.2.4.1.3.2 Gewerbesteuer. 195
VII.2.4.1.3.3 Umsatzsteuer. 195
VII.2.4.1.3.4 Grundsteuer, Erbschafts- und Schenkungssteuer 196
VII.2.4.1.3.5 Abziehbarkeit von Spenden 196
VII.2.4.1.4 Voraussetzungen für die Anerkennung 196
VII.2.4.1.4.1 Rechtliche Struktur 196
VII.2.4.1.4.2 Förderung der Allgemeinheit 197
VII.2.4.1.4.3 Satzung. 197
VII.2.4.1.4.4 Tatsächliche Geschäftsführung 198
VII.2.4.2 Besteuerung von Vereinen im engeren Sinne: Golf-Vereine. 199
VII.2.4.2.1 Allgemeinheit. 199
VII.2.4.2.2 Investitionsumlagen 200
VII.2.4.3 Fazit. 202
VII.3 Instrumente zur Förderung des öffentlichen Golfs 203
VII.3.1 Vereinigung clubfreier Golfer (VcG) 204
VII.3.1.1 Organisationsstruktur und Entwicklung der VcG 204
VII.3.1.2 Vorteile für den DGV 210
VII.3.1.3 Vorteile für die Öffentlichkeit. 212
VII.3.1.4 Kampagnen zur Nachfrager-Gewinnung 213
VII.3.2 DGP und VöG. 214
VII.3.3 Förderung öffentlicher Kurzplätze. 216
VII.4 Zusammenfassung 217
VIII ZUSAMMENFASSUNG UND FORSCHUNGSAUSBLICK 219
INHALTSVERZEICHNIS
IX LITERATURVERZEICHNIS 224
ABBILDUNGSVERZEICHNIS. 232
TABELLENVERZEICHNIS 233
VERWENDETE ABKÜRZUNGEN. 234
X ANHANG 235
X.1 Öffentliche Anlagen in Deutschland. 235
X.2 Fragebogen für Ipsos vom Januar 2001 im Auftrag der GTC 236
X.3 Leitfaden: Befragung des schwedischen und englischen Golfverbandes 239
I.1 Fragestellung und Relevanz
Die nachfolgende Arbeit setzt sich im Wesentlichen mit den vier folgenden Fragen auseinander:
1. Wie entwickelt sich der Golfsport quantitativ und qualitativ in den nächsten Jahren?
Es steht außer Zweifel, dass der Golfsport in Deutschland ein sehr großes Wachstum zu verzeichnen hat, manch einer nennt es sogar einen (Nachfrage-)Boom. Die Rechtfertigung für diese Aussage liegt einerseits in der zahlenmäßigen Entwicklung der Sportart selbst: die Steigerungsraten entsprechen seit 1990 mehr als einer Verdreifachung der Anzahl der Golfer und mehr als einer Verdopplung der Anzahl der Plätze und Clubs. Andererseits erhält die quantitative Aussage eine Fundierung, wenn man den Golfsport gegenüber anderen Sportarten im Deutschen Sportbund (DSB) betrachtet: seit 10 Jahren belegt Golf eine Spitzenposition, was die relativen Wachstumsraten aller im DSB vertretenen 57 Sportarten betrifft - auch für das Jahr 2001 hatte Golf wieder die höchste relative und die zweithöchste absolute Wachstumsrate. Damit übertrifft der Sport alle anderen „Trendsportarten“ wie z.B. den Rollsport, die nur kurze Perioden der Steigerung aufweisen.
Quo vadis Golfsport? Diese Fragestellung ergibt sich zwangsläufig aus der beschriebenen Entwicklung.
2. Was sind die Einflussfaktoren für diese Entwicklung?
Will man den Zuwachs von Angebot und Nachfrage im Golfbereich besser verstehen, ist es wichtig, die Einflussfaktoren zu kennen. Dadurch können zukünftige Trends besser vorhergesagt werden bzw. kann versucht werden, auf die wesentlichen Faktoren einzuwirken.
9
EINFÜHRUNG
3. Was ist in diesem Zusammenhang unter „öffentlichem Golf“ zu verstehen und wodurch wird es in Deutschland gefördert?
Vergleicht man die Entwicklung von Golf in Deutschland mit der Entwicklung in anderen Ländern, in denen der Sport sehr populär ist, fällt häufig das Schlagwort „öffentliches Golf“, wenn es um die Benennung eines wesentlichen Unterschieds geht. Zudem wird behauptet, dass das Angebot von „öffentlichem Golf“ in Deutschland seit einigen Jahren zunehmen würde.
Um dies beurteilen zu können, ist es wichtig, zunächst die Merkmale von „öffentlichem Golf“ zu benennen bzw. die Unterschiede zu anderen Ländern hervorzuheben. Die Untersuchung dieses Aspektes ist insofern von Interesse, als „öffentliches Golf“ eine Angebotsalternative darstellen könnte, um die ermittelten Marktpotentiale in Deutschland zu realisieren.
4. Was zeigen internationale Vergleiche mit bekannten „Golfnationen“, in denen Golf bereits eine große Popularität aufweist?
Wenn der Golfsport in Deutschland auf dem Weg zu einem „Sport für viele“ ist, können aus Vergleichen mit Ländern, in denen dies schon der Fall ist, hilfreiche Informationen für eine Weiterentwicklung gewonnen werden.
Ihre Relevanz erhalten die Fragen auch aus einer ökonomisch-materiellen Sichtweise heraus. Sportarten bedeuten Nachfrage nach Konsumgütern, Investitionen und Dienstleistungen, und wachsende Sportarten bedeuten eine wirtschaftliche Outputsteigerung für die gesamte Volkswirtschaft. Die Nachfrage nach Golf bedeutet eine multiplikative Verknüpfung von direkter, indirekter und induzierter Wertschöpfung, wenn es gelingt, durch Tourismusangebote oder publikumswirksame Meisterschaften zusätzliche Nachfrager in die betreffende Region zu locken. 1 Der eine Euro, den der zusätzliche Golfer beim Kauf einer Spielgebühr auf dem Golfplatz ausgibt, durchwandert die gesamte Wirtschaft und erzeugt damit ein Wachstum im lokalen bzw. regionalen Output und in der Beschäftigung: der Club
1 Allerdings kann dieser Einkommensmultiplikator in ländlichen Gebieten für große internationale Turniere
gering sein, da ein großer Teil der Ausgaben nach „außen“ fließt; siehe dazu z.B. Gratton, C./Taylor, P.
(2000), S. 182 ff.
10
bezahlt Löhne und Steuern, der Club bezahlt Lieferanten und der Club zieht neue Kunden in die Region z.B. durch Tourismus, die dort wieder Einkommen und Beschäftigung schaffen. 2 Ein Golfplatz ist (auch) ein Wirtschaftsunternehmen; er erzielt einen Umsatz von 0,5 bis 2 Mio. Euro und seine Investitionen liegen ebenfalls zwischen 3 und 5 Mio. Euro. Aggregiert man diese Ausgaben über die letzten 10 Jahre entstehen Investitionsvolumina für Golfplätze von mehreren Mrd. Euro - noch nicht eingerechnet die gesamte Golfindustrie. Untersuchungen aus dem Jahr 1996 3 haben ergeben, dass ein Golfer pro Jahr umgerechnet rund 550 Euro ausgibt; das Markvolumen wurde damals bei der Hälfte der heutigen Spielerzahl auf ca. 150 Mio. Euro geschätzt.
Golf stellt also einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar - eine öffentliche Unterstützung von Golfanlagen im Vergleich zu anderen Sportanlagen hat bislang gefehlt. Alle finanziellen Aktivitäten müssen von privater Seite getragen werden und das, „obwohl es für manche Orte und Gemeinden zwei Zeitrechnungen „v.G.“ und „n.G.“ (vor Golfplatzeröffnung und nach Golfplatzeröffnung) gibt.“ 4 Wie sich umgekehrt eine gesamtwirtschaftliche Stagnation auch auf den Golfplatzbau auswirkt, haben Takeshita et al. eindrucksvoll in einer Analyse des Golfmarktes für die japanische Rezession nachgewiesen. 5
Eine bewusst kurz gehaltene historische Betrachtung erhält ihre Relevanz dadurch, dass der Deutsche Golf Verband (DGV) 2007 seinen 100-jährigen Geburtstag feiert. Er kann zwar bedingt durch die Auflösung in Kriegszeiten nicht auf ein 100-jähriges Bestehen zurückblicken, dennoch auf die imposante Entwicklung eines Sports, der sich weiterhin großen Umstrukturierungsprozessen gegenübersieht.
I.2 Forschungsbedarf und -stand
Die Relevanz zur Beantwortung der oben gestellten Fragen entsteht zum anderen auch aus einer wissenschaftlich-theoretischen Sichtweise heraus. Es existiert so gut wie keine wissenschaftliche Bearbeitung der Thematik in Deutschland. Bis dato sind auf Bundesebene erst fünf Dissertationen im geistes-sozialwissenschaftlichen Bereich erschienen 6 , die Golf-
2 Dieskann auch für ortsansässige Nachfrager gelten, sofern es zum sog. „Entsparen“ kommt.
3 Albrecht Golf-Verlag et al. (1996)
4 Marzin (1995), S. 13
5 Takeshita et al. (1999)
6 Im deutschsprachigen Bereich existiert noch eine Dissertation von Papitsch, H. (2002), im medizinisch-
naturwissenschaftlichen Bereich eine weitere hohe Anzahl.
11
EINFÜHRUNG
Sponsoring 7 , Golf-Tourismus 8 , Golf-Ökologie 9 , die Ausbreitung 10 von Golfanlagen oder das Genehmigungsrecht 11 bei deren Bau zum Schwerpunkt hatten. Allerdings ist all diesen Arbeiten neben der geographischen Abgrenzung auch die Wiederholung von bekannten betrieblichen, genehmigungsrechtlichen und ökologischen Fragestellungen gemein. Die vorliegende Arbeit untersucht in dem noch nahezu unbearbeiteten Themenbereich des Golfmarktes in Deutschland zunächst die makroökonomischen Grundstrukturen. Bis dato sind noch keine Untersuchungen bekannt, welche die methodischen Fehlerquellen bei der Erfassung von Golfdaten aufdecken, die deutschen Anlagen in einen genaueren internationalen Vergleich stellen und somit die Hintergründe, Abgrenzungskriterien und Chancen von öffentlichem Golf ableiten.
Unter der Untersuchung von „Strukturen des Golfmarktes“ wird eine Analyse der Angebots-und der Nachfrageseite verstanden. Dabei bezieht sich die Betrachtung der Angebotsstruktur auf die grundlegenden Formen von privatem Club- und öffentlichem Golfangebot. Die Betrachtung der Nachfragestruktur bezieht sich sowohl auf eine soziodemographische Charakterisierung der potentiellen Nachfrager sowie deren Klassifizierung in unterschiedliche Interessensgruppen. Zudem unterliegt die Nachfrageseite verschiedenen Einflussfaktoren, wie z.B. ökonomischen, sozialen oder politischen. Diese sollen auf ihre Bedeutung hin untersucht werden.
Da in der Arbeit ein weitgehend neues Forschungsgebiet behandelt wird, ist keine spezifische Theorie bekannt, auf die zurückgegriffen werden kann. Lediglich in Kapitel V.2 wird auf die Theorie der Nachfragefunktion aufgebaut. Diese besagt, dass die Nachfrage nach einem Gut von Faktoren wie dem eigenen Preis, dem Preis anderer Güter, dem Einkommen, den Präferenzen und anderen Faktoren abhängt. Zur Vereinfachung werden oft nur Reaktionen der Nachfrage auf Veränderungen des eigenen Preises oder des Einkommens betrachtet, während die anderen Faktoren konstant gehalten werden (ceteris-paribus-Klausel). Als Ergebnis ergibt sich (im allgemeinen) eine inverse Beziehung zwischen nachgefragter Menge und Preisänderung. Diese Beschränkung auf wenige Faktoren wird in
7 Schalk, I. van der (1993)
8 Stolberg-Schloemer, B. (2002)
9 Baartz, R. (1994) und BTE (1992)
10 Laurer, P. (2001) als Vertiefung seiner Diplomarbeit (1995)
11 Drosdek, A.J. (1997)
12
Kapitel V.2 aufgehoben, und es werden weitere Einflussfaktoren auf die Golfnachfrage ermittelt.
Bei der Ermittlung von relevanten Einflussfaktoren auf die Nachfrage nach Golf können im weitesten Sinne Gemeinsamkeiten mit der umfangreichen Arbeit von Laurer 12 gefunden werden. Jedoch schon bei der Durchführung, dem betrachteten Schwerpunkt und der Methode unterscheiden sich die Ansätze grundlegend. Laurer ordnet seine Arbeit der Wirtschaftsgeographie zu und untersucht die Verhältnisse in Bayern und Ostdeutschland, um auf dieser Grundlage Bestimmungsgründe für die zeitliche und räumliche Ausbreitung herauszuarbeiten. Sein theoretischer Bezugsrahmen basiert auf der Innovations- und Diffusionstheorie, und sein Hauptaugenmerk liegt auf den angebotsseitigen Aspekten und dem Diffusionsprozess als Ganzes.
Das hier vorgestellte Modell soll als Leitfaden für eine ökonometrische Beweisführung mittels einer Regression dienen und sich somit methodisch an der internationalen Literatur von Melvin/McCormick 13 orientieren. Diese entwickeln eine Angebots- und Nachfragefunktion mit deutlichem Fokus auf den Faktoren, welche die Servicequalität von Golfanlagen beeinflussen. Unter anderem kommen sie zu dem Ergebnis, dass die Nachfrage nach Golf sehr elastisch ist, und deshalb kleine Preisänderungen große Veränderungen der Nachfrage bewirken. Die Wissenschaftler waren in der glücklichen Lage, in den USA auf ca. 17.000 Datensätze mit jeweils rund 100 Variablen zurückgreifen zu können. Ein solcher Umfang und eine solche Genauigkeit bei der Datenerfassung sind in Deutschland allerdings noch Zukunftsmusik.
Neben diesen Untersuchungen über die Strukturen wird zudem die wichtige Frage nach dem Potential von Golf in den kommenden Jahren erörtert. Das Interesse dafür bestand auch schon Ende der 1980er Jahre und führte zu einer Untersuchung des Emnid-Instituts 14 ; sie wird vor allen Dingen durch die umfangreiche Studie von Golf & Tourism Consulting (GTC) 15 zur Jahrtausendwende wieder aufgegriffen, an deren Erstellung der Autor mitwirkte. Die Studie behandelt die unterschiedlichen Strukturen auf der Angebotsseite, das Marketing und die wirtschaftliche Situation der Golf-Anlagen sowie golftouristische Themen. Außerdem werden auf der Nachfrageseite die Golfer unter anderem bzgl. der
12 Laurer, P. (2001)
13 Melvin, P.C./McCormick, R.E. (2001)
14 Emnid (1988)
15 GTC (2001)
13
EINFÜHRUNG
Soziodemographie, ihrer Einstellung zum Golfsport und ihres Spiel- und Ausflugsverhaltens untersucht.
Um eine möglichst genaue Aussage über die Potentiale von Golf in den nächsten Jahren zu geben und vor allen Dingen Barrieren für die Entwicklung zu benennen, wird auf Daten über Nichtgolfer zurückgegriffen. Da die Untersuchung von Emnid die einzige Referenzquelle mit der gleichen thematischen Zielsetzung und einer im weitesten Sinne ähnlichen Fragestruktur bildet, wird hierauf an einigen Stellen der Arbeit vergleichend Bezug genommen und somit die Entwicklung seit 1987 mit den heutigen Indikatoren verglichen.
I.3 Wissenschaftliche Literatur zur „Golfökonomie“
Die ökonomische Golfliteratur in Deutschland ist (inzwischen) sehr diversifiziert. Dies betrifft einerseits die Themenschwerpunkte an sich und andererseits die Intensität, mit der an sie herangegangen wird. Allerdings weitgehende Ähnlichkeit herrscht bei dem Gros der Literatur dahingehend, dass es sich dabei hauptsächlich um eine management-, betriebswirtschaftlich-anwendungsorientierte Betrachtungsweise handelt. Diese
Konzentration stellte für die vorliegende Arbeit, die auf eine wissenschaftlich-theoretische Makrosichtweise fokussiert keine allzu große Hilfe dar. Es sollen in der Arbeit nicht die Kostenstrukturen oder Bestandteile von Golfanlagen dargestellt, der lange Weg und die einzelnen Phasen von der Planung bis zur Genehmigung erläutert oder die umweltgerechte Renaturierung von Ackerland durch Golfprojekte beschrieben werden. Diese Punkte werden unter anderem durch die einschlägigen professionellen Beratungsfirmen zur Genüge in Fachzeitschriften behandelt.
Der DGV gibt eine Reihe von Leitfäden heraus, die z.B. das Steuerrecht, die Trainerausbildung oder Genehmigungs- und Umweltaspekte betreffen, um seinen Mitgliedern bei der Clubführung und Initiatoren bei neuen Golfprojekten zu helfen.
Zeitschriften
Heutzutage existieren ca. 20 verschiedene, vorwiegend monatlich erscheinende deutsche Golfzeitschriften, neben den internen Periodika der einzelnen Clubs. Dabei besteht der Hauptteil der Zeitschriften aus einer Mischung von Clubnachrichten, Regel- und Schwungtipps oder Reiseberichten. Die zwei auflagenstärksten sind hierbei das „Golf
14
Journal“ (Verkaufte Auflage: 42.332, Stand: IVW III/02) sowie das „Golf Magazin“ (Verkaufte Auflage: 38.425, Stand: IVW II/03). 16
Sehr viel spezifischer sind Fachmagazine, wie sie ca. seit Mitte der 1990er Jahre oftmals als Folge von Berufs-Verbandsgründungen entstanden sind. Als sehr bedeutend ist hierbei der „golfmanager“ zu nennen 17 , welcher als einziger zumindest in „Tuchfühlung“ geht mit wissenschaftlichen Themen mit volkswirtschaftlicher Golfmarkt-Orientierung. Allerdings steht auch hier, wie der Name schon sagt, die betriebswirtschaftliche Seite mit Marketing-und Controllingtipps im Vordergrund. In eine ähnliche Richtung geht auch die zweimonatige Publikation „Golf inside“, die für den Einzelhandel veröffentlicht wird und die neuesten Verkaufszahlen von Handschuhen bis Golfschlägern statistisch aufbereitet. Daneben haben Verbände wie der Greenkeeper Verband ein eigenes „Greenkeepers Journal“, der Verband der Golflehrer ein „Pro Golf“ und die Vereinigung clubfreier Golfer e.V. (VcG) bzw. der DGV ein Verbandsorgan mit der (eigenen) „VcG aktuell“ oder der (offiziell vom DGV anerkannten) „G.O.L.F.-Time“. Weitere Magazine, die sich z.B. konzentriert dem öffentlichen Golf widmen, existieren seit 2003 („Public Golf“). Nicht zu vergessen, sind die regelmäßig erscheinenden Sonderbeilagen der „FAZ“, des „Handelsblatt“ oder der „Süddeutschen Zeitung“, die sich mitunter sehr eingehend und kritisch durch die Einbeziehung von Gastautoren verschiedenen Thematiken aus dem Golfbereich nähern.
Sammelwerke und Monographien
Als wichtigste Sammelwerke in Deutschland haben sich die Dokumentationen zu Workshops und Kongressen, die anlässlich der beiden großen deutschen Golfmessen „Golf Europe“ und „Fairway“ stattfinden, herauskristallisiert. Dabei sind besonders die Dokumentationen der Fairway zu erwähnen, die von Billion seit 1995 teilweise sogar einschließlich der Diskussionsrunden erfasst wurden. Seit kurzer Zeit bekommt Golf auf anderen Messen, wie z.B. der CMT als Touristikmesse eine Plattform für Expertenrunden und Schausteller.
16 Verkaufte Auflagen in II/2003; Golf Journal: 40.294, Golf Magazin: 38.425; online unter www.pz-online.de
[Stand: 13.10.2003]
17 Organ des Golfmanagement Verbandes Deutschland (GMVD)
15
EINFÜHRUNG
Dies ist auch nicht verwunderlich, da besonders der Golftourismus-Bereich das neue Zielobjekt im gesamten Golfmarkt darstellt. Hierüber ist neben einem neuen Leitfaden des DGV 18 inzwischen auch eine erste Dissertation von Stolberg-Schloemer 19 erschienen. 20 Weitgehend betriebsorientierte Konzepte, welche die Golfanlage als Wirtschaftseinheit betreffen, hat Billion 21 in einer ganzen Reihe von Aufsätzen und Monographien ausführlich behandelt. Thematisch passen dazu außerdem noch ein Handbuch zum Golfmanagement 22 oder Veröffentlichungen der Golfplatz-Architekten Grohs und Preissmann und auf österreichischer Ebene Ennemoser, die alle Inhaber von Beratungsfirmen für Golfprojekte sind. Ennemoser 23 ist dabei wohl einer der ersten, der mit einer umfangreichen ökonomischen und strukturellen Untersuchung - unterstützt durch die österreichische Wirtschaftskammer - innerhalb eines Bandes den Golfmarkt durchleuchtet. Allerdings tut er dies mit einem deutlichen Fokus auf Österreich und auf die betriebswirtschaftliche Seite. Die erste deutschsprachige Dissertation in diesem Bereich ist von Schalk, die sich mit dem Sponsoring von Golfvereinen auseinandersetzt - die erste dem Autor bekannte Diplomarbeit von Ebert 24 aus dem Jahr 1929, der sich generell mit einer Darstellung von Golf befasste. Im internationalen Bereich ist vor allen Dingen die Arbeit der National Golf Foundation (NGF) und McKinsey 25 zu erwähnen, die sich für die Güterindustrie insbesondere mit zukünftigen Absatzmöglichkeiten von Golfprodukten in den USA befasst. Für den golfhistorischen Bereich in Deutschland, dessen besondere Aktualität und Bedeutung vor dem Hintergrund des anstehenden 100-jährigen Jubiläums besteht, sind vor allem die Arbeiten von Quanz 26 von Bedeutung.
Das internationale Pendant zur Studie von Emnid ist eine Untersuchung des Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews 27 über die Nachfrage von Golf in Großbritannien, die ebenfalls aufgrund einer Potentialberechnung den Bedarf von 700 neuen Golfanlagen im Königreich prognostizierte.
18 DGV/GTC (2003)
19 Stolberg-Schloemer, B. (2002)
20 Diplomarbeiten von Kuschow, M. (1999) oder Kamps, D. (2001) haben in jüngster Zeit ebenfalls vom
Golftourismus gehandelt.
21 z.B. Billion, F. (1996)
22 Pfaff Marketing GmbH (1999)
23 Ennemoser, K. (2000)
24 Ebert, H. (1929)
25 NGF/McKinsey and company (1999)
26 z.B. Quanz, D.R. (1995)
27 Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews development panel (1989)
16
Internationale Sammelwerke mit golfentwicklungstheoretischen Schwerpunkten stellen vor allen Dingen die Kongressdokumentationen zum „World Scientific Congress of Golf (WSCG)“ dar, der alle 4 Jahre in St. Andrews/Schottland stattfindet. Diese einwöchige Zusammenkunft ist die einzige ihrer Art und gibt somit einen fast vollständigen Überblick über die weltweite Forschungsarbeit zum Golfsport.
Dabei wurden erst auf den letzten beiden Kongressen 1998 und 2002 Fragestellungen zum Golfmarkt bzw. zur -entwicklung behandelt, neben denjenigen Themenbereichen, die den Golfer, die Technologie im Equipment oder die ökologischen Hintergründe von Golfplätzen betrafen. Dabei fällt auf, dass die internationale Forschung vor allen Dingen auf die makroökonomische und strukturelle Ebene abzielt 28 und nicht so sehr auf die managementorientierte wie in Deutschland. Gerade bei Melvin/McCormick spielt z.B. die Unterscheidung von privaten und öffentlichen Anlagen eine sehr große Rolle, und sie kommen zu dem Ergebnis, dass diese sich gegenseitig positiv beeinflussen. Ein weiteres Beispiel hierfür ist eine US-amerikanische Dissertation von Krock 29 , die sich mit dem Golfmarkt rund um Chicago befasst und später als Grundlage für generelle Angebots- und Nachfrageanalysen von Melvin/McCormick diente.
Hierzu gehören auch Untersuchungen über Multiplikatorprozesse und die Auswirkungen von Golf auf die Wirtschaft, für England untersucht von Proctor 30 , für Deutschland von Billion 31 oder für die USA in einem umfassenden Modell von der NGF 32 . Für die genannten Untersuchungen wird ein umfangreicher und detaillierter Datensatz benötigt, der eine gründliche Erfassung auf Seiten der Anlagen und Kommunikation z.B. an die Verbände voraussetzt. Ein solches Zahlenmaterial steht in Deutschland leider nicht zur Verfügung. Die internationalen Forschungsaktivitäten haben Shmanske 33 dazu veranlasst, in Kürze ein Buch in den USA herauszugeben mit dem verheißungsvollen Namen „Golfonomics“.
28 vgl. z.B. Melvin, P.C./McCormick, R.E. (2002), O’Hara, J./Beckwith, R. (2002) oder Jackson, T. (2002)
29 Knock, J.A. (1999)
30 Proctor, S. (2002)
31 Billion, F. (1999), S. 57 kommt zu dem Ergebnis, das in Deutschland der Multiplikatoreffekt von Golfplätzen
bei 3 liegt. Genauer belegt, wird diese Aussage allerdings nicht.
32 NGF (1992)
33 Shmanske, S. (n.n.e.)
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EINFÜHRUNG
I.4 Methodische Vorgehensweise und Organisation
Als Methode werden weitgehend eigene Verfahren ermittelt, da bisher keine ausreichend erprobten Konzepte in dem behandelten Gebiet veröffentlicht wurden, die forschungsleitend sein könnten.
Der Weg von der Problemstellung zum Modell wird in der Arbeit folgendermaßen durchschritten: Zunächst wird das Problem wie z.B. die Ermittlung von relevanten Einflussfaktoren auf die Nachfrage nach Golf (Kapitel V.2) als Ausschnitt oder Teilbereich des gesamten Golfmarktes untersucht. Anschließend wird die Problemstellung formuliert und das Ziel der Untersuchung eingegrenzt, um ein Konzept für diese zu erstellen. Hierbei helfen das Literaturstudium, Expertenmeinungen, Beobachtungen oder grundlegendes Alltagswissen.
Literaturstudium
In der gesamten Arbeit wird auf golfmarktrelevante Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Literatur von verschiedenen Disziplinen wie der Betriebswirtschaftslehre, der Wirtschaftsgeographie, der juristischen Lehre und der Volkswirtschaftslehre zurückgegriffen, wobei auf zuletzt genannter Disziplin der Hauptschwerpunkt liegt. Neben den deutschlandweiten Recherchen in Bibliotheken, Verlagen oder statistischen Landesämtern hat sich der Fundus des Deutschen Golf Archivs 34 , als zentrale Sammelstelle für golfbezogene Literatur als überragende Quelle nicht nur für die historischen Dokumente erwiesen. Internationale Literatur konnte zum Teil durch persönliche Kontakte im Ausland erworben werden.
Das generelle Problem, das sich bei dem Studium der Literatur stellt, ist der Mangel an verfügbaren theoretischen Modellen, die adaptiert werden können. Somit müssen vielfach eigene Hypothesen entwickelt werden, die auf ihre Richtigkeit hin überprüft werden. Durch induktives Vorgehen (qualitative Forschung) wie in Kapitel IV (Abgrenzung öffentlicher vs. privater Anlagen) werden Aussagen getroffen, die durch verschiedene Beispiele (vorläufig) verifiziert werden. Andere (quantitative) Aussagen wie in Kapitel V (Nachfrageanalyse) oder VI (internationaler Vergleich) gelten solange, bis sie durch eine Falsifikation der deduzierten Hypothesen widerlegt werden können.
34 Online unter: http://golfarchiv.dshs-koeln.de [Stand: 19.2.2003]
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Expertenmeinungen
Neben den leitfadengestützten Experteninterviews (siehe I.4.2) konnten Lücken, die bei der Recherche in Bibliotheken entstanden, durch Fachgespräche in Workshops anlässlich von Golfmessen (Golf Europe/München 2000-2002, Fairway/München 2000-2002) oder auf internationalen wissenschaftlichen Kongressen (WSCG) geschlossen werden. Durch Gespräche mit Vertretern aus Australien, den USA, Japan oder England - also den führenden Golfnationen - ist der Autor in die Lage versetzt worden, Verständnisprobleme zu lösen und Informationen zu sammeln. Dies betraf sowohl Wissenschaftler als auch praxisorientierte Personen, die im Golfbereich tätig sind.
Bevor die Auswahl der unterschiedlichen Erhebungsmethoden erfolgt, werden die relevanten Begriffe wie clubfreies-/Clubgolf oder öffentliche/private Anlage als Nominaldefinitionen in Kapitel III mittels zweckmäßiger Begriffsexplikationen festgelegt. Durch die wissenschaftliche Begriffsbildung kann der Inhalt der Begriffe so genau und so eindeutig wie möglich (für diese Arbeit) bestimmt werden. 35 .
Die empirische Forschung verlangt eine Überprüfbarkeit der wissenschaftlichen Aussagen bzw. deren Bezug auf erfahrbare Realitäten und Sachverhalte. Die Aussagen können sowohl durch quantitative als auch qualitative Methoden erlangt werden. In der Arbeit werden beide Forschungsansätze nebeneinander verwendet. Sie unterscheiden sich neben dem Datenmaterial auch hinsichtlich ihrer Forschungsmethoden, Gegenstand und Wissensverständnis. „Vereinfacht kann der Unterschied zwischen quantitativer und qualitativer Forschung folgendermaßen formuliert werden: Qualitative Sozialforschung geht i.d.R. von einem dialog-konsenstheoretischen Wahrheits- bzw. Realitätsverständnis aus und benutzt nicht standardisierte Methoden der Datenerhebung sowie interpretative (nicht statistische) Methoden der Datenauswertung, wobei sich die Interpretation nicht nur wie (meist) bei den quantitativen Methoden auf Generalisierungen, sondern auch auf Einzelfälle bezieht.“ 36
Die beiden Ansätze wurden in der Vergangenheit oftmals als unvereinbar betrachtet. Es gibt jedoch nicht die „richtige“ Forschungsmethode. Die Extrempositionen, die nur einen einzigen Forschungsansatz gelten lassen, scheinen inzwischen seltener geworden zu sein 37 ,
35 Mayer, H.O (2002), S. 9
36 ebd., S. 25
37 Bortz, J./Döring, N. (2002), S. 295
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EINFÜHRUNG
zumal sich z.B. durch eine Zuordnung von Skalenwerten qualitative Daten in quantitative umwandeln lassen. In der Arbeit soll deutlich werden, dass die beiden Ansätze sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern vielmehr ergänzen; jeder Ansatz wird gemäß seinen Vor-und Nachteilen und dem Gegenstand der Untersuchung ausgesucht.
Bei den Befragungen aus Kapitel IV-VI wird auf die Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität Wert gelegt. Die Objektivität setzt eine Transparenz der Methoden voraus, damit unterschiedliche Forscher mit denselben Untersuchungsmethoden zu vergleichbaren Resultaten gelangen. Dementsprechend wird eine gewisse Standardisierung vorausgesetzt. Dieser Grundsatz wird durch die Form der quantitativen Untersuchung in Kapitel IV und V erfüllt und in der qualitativen Untersuchung von Kapitel VI durch die Hilfe der Befragten bei Verständnisproblemen bestmöglich versucht zu erfüllen. Von der Validität der qualitativen Analyse und damit der Authentizität und Ehrlichkeit der gemachten Aussagen kann ausgegangen werden, da keine widersprüchlichen Aussagen gefunden werden konnten, und eigene sowie fremde Erfahrungen die Schilderungen bestätigen (sog. „dialogische und argumentative Validierung“).
Veranlasst durch die geringe wissenschaftliche Behandlung der Thematik wird der Methodenkritik an bisherigen Analysen ein eigenes Kapitel (Kapitel III) eingeräumt.
I.4.1 Quantitative Forschungsmethoden
Die Untersuchungen in Kapitel IV-VII (mit Ausnahme von VI.1) basieren auf quantitativen Analysetechniken. Untersuchungsplanung, Datenerhebung und die spätere Überprüfung von Hypothesen richten sich nach der Möglichkeit einer Quantifizierung der Beobachtungsrealität. Das Datenmaterial ist numerischer Art und wird deskriptiv statistisch verarbeitet.
Auf Selbstauskunft basierend mittels telefonischer Befragung im Juni 2001 (siehe Anhang X.1) sind die Angaben über die öffentlichen Anlagen aus Kapitel IV bzgl. Preispolitik und Zugangsvoraussetzungen. Die Daten zu den Anlagen wurden in ein vorher entwickeltes Tabellenschema eingetragen und für die Untersuchungen in Kapitel IV verwendet. Dabei interessieren vor allen Dingen ihre Gesamtzahl, ihr durchschnittliches Preisgefüge und ihre
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Anforderungen für eine Spielberechtigung, um Unterscheidungsmerkmale zwischen öffentlichen und privaten Anlagen zu finden.
Als methodische Vorgehensweise bei der Nachfrageanalyse in Kapitel V.1 wird eine repräsentative Befragung mittels Fragebogen (im Anhang X.2 dargelegt) gewählt. Die Daten entstammen einer Befragung im Januar 2001, die von GTC unter Mithilfe des Autors ausgewertet wurde und durch das Marktforschungsunternehmen Ipsos deutschlandweit durchgeführt wurde.
Die repräsentative Befragung der Nichtgolfer erfolgte schließlich bei 1.000 deutschen Einwohnern über 14 Jahre, die nicht oder nicht mehr Golf spielen. Durch den Fragebogen wurde die Befragung standardisiert. Die gewählten statistischen Auswertungsinstrumente (SPSS) und der angestrebte Geltungsbereich für die Grundgesamtheit erforderten eine möglichst hohe Standardisierung und Vollständigkeit. Neben der Gründlichkeit führte die Komplexität bei der Erfassung der Daten durch die Einbeziehung einer schwierigen Fragenstruktur bzgl. Erfahrungen mit Golf, Image-Barrieren und generellem Interesse zu der Methode eines computergestützten persönlichen Interviews (CAPI). Ein weiterer Vorteil des CAPI war, dass die Befragung dadurch leicht durchzuführen und auszuwerten war. Für alle Fragen waren Anforderungen zu erfüllen, welche die Sprache, die Länge, die Reihenfolge, den Kontext, die Details und die Wortwahl betrafen. Aus diesem Grund und auch wegen der Einzigartigkeit der Befragung wurde eine Pretest durchgeführt (Dezember 2000), damit Mängel identifiziert werden konnten, die dann beseitigt wurden. In der endgültigen Befragung wurden unter den insgesamt 15 Fragen wenige offene mit geschlossenen kombiniert. Sie bezogen sich auf das Image von Golf, die Barrieren der Befragten, ihre Freizeitaktivitäten und ihre Bereitschaft für das Golfspiel. Über die Art und den Autoritätsanspruch der Interviewer kann keine exakte Aussage getroffen werden, da diese von Ipsos gestellt wurden. Es kann jedoch von einer neutralen, distanzierten Interviewform ausgegangen werden, in der sich der Interviewer weder emotional beteiligte, noch eine autoritär-aggressive Haltung gegenüber den Befragten einnahm.
Das Einzelinterview stellte sich besonders für die hier betrachtete Thematik des Golfsports als dem Gruppeninterview überlegen heraus, da hier der Druck eventuell zu groß gewesen wäre: durch das persönliche Einzelinterview konnte gerade bei Angaben zum Interesse für einen „elitären“ Sport oder zur Höhe der finanziellen Ausgaben eine größere Ehrlichkeit
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EINFÜHRUNG
erwartet werden. Zudem ist die persönliche Befragung eher standardisierbar und die Begleitumstände des Interviews (Lärm, Ermüdung) können besser kontrolliert werden.
Die Untersuchungen in Kapitel VI.2 basieren auf numerischen Daten über die internationale Anzahl von Anlagen und Spielern bzw. in Kapitel VII über die nationale Anzahl von clubfreien Golfern. Die Datenquellen werden mittels deskriptiver Statistik ausgewertet, um die Verteilung und Zusammenhänge zu beschreiben. Um Aussagen über die Entwicklung und Potentiale treffen zu können, wird in Kapitel VI.2 auf die analytische Methode von Szenarien zurückgegriffen.
I.4.2 Qualitative Forschungsmethode: Leitfadeninterview
Bei der qualitativen Forschung steht ein verbales bzw. nichtnumerisches Datenmaterial zur Verfügung, das überwiegend nicht auf Messungen basiert. Die Erfahrungsrealität wird verbalisiert und interpretiert.
Neben den zahlreichen Gesprächen auf internationalen Kongressen und Messen fanden im Juni 2001 Interviews mit jeweils einem Vertreter des englischen und schwedischen Golf-Verbandes (schriftlich per email und telefonisch) sowie einem englischen Profi-Spieler, der als Golflehrer in Deutschland arbeitet, statt (mündlich). Die Experten wurden zu der Entwicklung von clubfreiem Golf im allgemeinen und der Art der öffentlichen Plätze, Spieler und Organisationen im speziellen in ihrem Land befragt. Ziel war dabei, eine Meinung über die Situation im Ausland zu erhalten, um den internationalen Vergleich aus Kapitel VI.1 aufzustellen. Der Leitfaden zu den Interviews ist im Anhang X.3 zu finden. Die Expertenmeinungen wurden durch eigene Erfahrungen und Beobachtungen zum englischen Golfmarkt ergänzt, die durch einen 3-monatigen Arbeitsaufenthalt in der Golfbranche (IMG McCormack, 08-10/2001) in London gewonnen wurden.
Die Auswahlkriterien für die verwendete Technik bezogen sich auf die Aspekte Realitätsbezug, Zeitaufwand, Verständnis der Komplexität und Gewissheit. Es war dem Interviewer wichtig, dass die Befragten keine ungewollten Vermutungen äußern und über die deutschen Golfstrukturen Kenntnis besitzen. Dem voran gingen Arbeitschritte, die sich mit der inhaltlichen und organisatorischen Planung befassten. Dabei wurde das Thema eingegrenzt und die Befragungspersonen bzw. die -technik ermittelt.
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Bzgl. der Interviewpartner wurde die Form des Experteninterviews gewählt. Der Experte stand nicht als Person, sondern eher in seiner Eigenschaft als Fachwissender im Vordergrund. Er ist Repräsentant einer Gruppe gewesen, verfügte über ein klares und abrufbares Wissen und musste auf diese Funktion hin gesteuert werden, wobei das eigene Fachwissen durch den Leitfaden kommuniziert wurde und der Interviewer dadurch einen Rückhalt erfuhr. Die Mitarbeiter des schwedischen und englischen Golf-Verbandes wurden als Experten ausgewählt, da sie eine gewisse Verantwortung trugen für die Abgrenzung von öffentlichen und privaten Anlagen und über einen privilegierten Zugang zu Informationen über die Personengruppe der Golfer verfügten. 38 Der Profi-Spieler besaß aufgrund seiner englischen Abstammung Fachkenntnis über die englischen Strukturen und konnte diese aufgrund seiner beruflichen Anstellung in einem Hamburger Golfclub mit den deutschen vergleichen.
Bzgl. der Technik wurde das sog. Leitfadeninterview gewählt: „Im Hinblick auf das wissenssoziologische Erkenntnisinteresse am ExpertInnnenhandeln halten wir ein leitfadengestütztes offenes Interview für das angemessene Erhebungsinstrument.“ 39 Die Antworten der mündlichen Befragung wurden stichwortartig protokolliert. Das Leitfadeninterview ließ genügend Spielraum, um bestimmte Themen zu vertiefen oder neue Fragen einzubeziehen. Der Leitfaden stellte in gewisser Weise ein Gerüst dar, um wesentliche Fragen nicht zu vergessen. Dabei war die Reihenfolge der Fragen beliebig. Die qualitative Methode wurde gewählt, um unerwarteten Aspekten Raum zu lassen, zumal die Bedingungen im Ausland nicht von vorneherein in ihren Einzelheiten bekannt waren. Der Fragebogen war nur teil-standardisiert, da in der offenen Befragung ohne vorgegebene Antwortalternativen eine individuelle Artikulierung möglich sein sollte. Als Ergebnis sind die Antworten der Befragung sehr unterschiedlich ausgefallen und reichen über eine bloße Beantwortung hinaus (Begründung der Antwort).
Bei den Experteninterviews handelt es sich nur um Stichproben, da die Grundgesamtheit zu groß ist. Anders als bei der quantitativen Analyse sollen hier keine statistisch repräsentativen Ergebnisse erzielt werden. Durch die Analyse soll versucht werden, so gut wie möglich eine Verallgemeinerung der Ergebnisse zu erzielen, die für den spezifischen Fall begründet ist. Es
38 Meuser, M./Nagel, U. (1991), S. 443 definieren Personen mit solchen Eigenschaften als « Experten »
39 Meuser, M./Nagel, U (1997), S. 486
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EINFÜHRUNG
muss daher deutlich gemacht werden unter welchen Umständen, für welche Situation und welche Zeiten die Aussagen gelten: „... damit man angeben und glaubhaft machen kann, auf welche anderen Fälle die Ergebnisse übertragbar sein sollen , wofür sie exemplarisch und in diesem Sinne generalisierbar sind.“ 40
I.5 Aufbau
Die Arbeit ist folgendermaßen gegliedert: zunächst soll in Kapitel II eine kurze historische Betrachtung einen Überblick über die Entstehungsgeschichte von Golf geben. Diese schließt die Darstellung von zwei Zeitperioden in Deutschland mit ein, die für die Arbeit relevant sind.
Die Methodenkritik in Kapitel III soll die Schwierigkeiten bei der Verwendung von Golfdaten darstellen und geht bewusst den Untersuchungen der Angebots- und Nachfrageseite voran. Da in diesen Untersuchungen teilweise ungenaue Daten verwendet werden müssen, soll zuvor eine Sensibilisierung für die Thematik erreicht werden.
In Kapitel IV folgt insofern eine erste inhaltliche Bearbeitung des Begriffs „öffentliches Golf“, als öffentliche Anlagen von privaten Anlagen anhand von verschiedenen Kriterien unterschieden werden sollen.
Nach dieser Betrachtung der Angebotsseite soll in Kapitel V die Nachfrageseite untersucht werden. Dabei stehen Untersuchungen in Kapitel V.1 über das Potential von Golf für die nächsten Jahre im Vordergrund, und es sollen Gründe für die Barrieren gegen Golf ermittelt werden.
Zur Erstellung einer Nachfragefunktion, die verschiedene Einflussfaktoren für die Nachfrage nach privatem und öffentlichem Golf integriert, sollen die Untersuchungen in Kapitel V.2 dienen.
Im darauf folgenden Kapitel VI sollen das Golfangebot und die -nachfrage im internationalen Vergleich betrachtet werden. Dabei werden England und Schweden herausgegriffen, und anschließend die weltweite Verbreitung von Golf dargestellt.
40 Oswald, H. (1997), S. 73
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Das Kapitel VII widmet sich ausschließlich der Thematik des öffentlichen Golfs. Nachdem dieses von der Angebotsseite her schon in Kapitel IV definiert wurde, liegt der Schwerpunkt in Kapitel VII auf einer Erklärung der Gründe für die Öffnung des Golfsports in Deutschland sowie einer Beschreibung der Instrumente und Initiativen in diesem Bereich.
Jedes Kapitel wird durch eine Einleitung begonnen, in der die relevanten Fragestellungen dargestellt werden und die als Wegweiser durch das Kapitel dienen soll. Am Schluss jedes Kapitels steht eine kurze Zusammenfassung.
In Kapitel VIII werden die Ergebnisse und Untersuchungen der gesamten Arbeit zusammengefasst und ein Forschungsausblick gegeben.
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AUFTAKT: GOLFHISTORIE
Im folgenden Kapitel soll kurz die historische Entwicklung von Golf weltweit, sowie die Entwicklung in Deutschland beschrieben werden. Dabei werden für Deutschland nur zwei Perioden herausgegriffen: Golf im Dritten Reich und Golf in der ehemaligen DDR. Die knappe Darstellung dieser zwei Perioden erfolgt deshalb, da in beiden Zeitabschnitten dem Golfsport Eigenschaften zugesprochen wurden, die für viele Gegner des Sports noch heute gelten.
Zudem sollen wesentliche Aussagen der Arbeit (besonders aus Kapitel V) durch eine Beantwortung der folgenden Fragen eine Grundlage erhalten: Haben die heutigen Barrieren gegen Golf (unter anderem) historische Ursachen? Wie wurde das Image von Golf als elitärem Sport sich einerseits zu Nutze gemacht (im Dritten Reich), und andererseits der Sport genau deswegen abgeschafft (in der ehemaligen DDR)? Durch welches (ideologisch bestimmte) Verständnis von Golf als einer öffentlichen Sportart konnten die wenigen Golfer in der DDR auf den Westverband nach der Wiedervereinigung einwirken (siehe dazu besonders Kapitel VII.2.2.1)?
II.1 Weltweit
Auch wenn die Schotten für sich in Anspruch nehmen, den Sport in ihrem Land erfunden zu haben, so müsste dies korrekterweise zumindest mit einem Nebensatz in Frage gestellt werden.
Die Vertreter der Theorie, dass Schottland die Wiege des Golfsports darstellt, berufen sich in ihren Belegen immer wieder auf das im Jahre 1457 erlassene Dekret des Parlaments unter dem schottischen König James II, das Golfspielen zu verbieten: „...because able-bodied men from the townships were neglecting their archery practice...“. 41 Neben diesem wohl ersten schriftlichen Beleg, wird noch auf eine Reihe von Sagen verwiesen, die den Golfsport auf eine noch ältere Zeit datieren. Da werden Vorgänger des Golfsports im alten Rom oder sogar im asiatischen Raum vermutet, oftmals mit dem Verweis auf Hirten, die aus Langeweile mit ihren Stäben Steine in Erdlöcher beförderten. Für diese noch länger zurückliegenden Ursprünge hat die Geschichtsforschung allerdings keine konkreten Hinweise gefunden, so
41 Glover, J. (1997), S. 9
26
dass weiterhin von der These ausgegangen werden muss, das Golfspiel sei in Europa entstanden.
Gillmeister 42 ist sich sicher, dass das Golf, das in dem Erlass von 1457 43 benannt wird, nicht als ein Vorgänger unseres heutigen Golfs gelten darf: „Der Ausdruck „Golf“ hatte daher vermutlich nicht dem harmlosen Golf, sondern einem nahen Verwandten des mittelalterlichen Fußballsspiels gegolten, dem mit einem am Ende gekrümmten Holzschläger ausgefochtenen, mindestens ebenso rüpelhaften Hockeyspiel.“
Schenkt man der neueren Forschung Glauben, so ist Golf nicht in Schottland entstanden, sondern in Holland.
Weit weniger Ungewissheit herrscht allerdings darüber, wo der erste Club entstanden ist, auf dessen Platz sich ein geregelter Spielbetrieb vollzog bzw. wo der erste Platz entstand. Hierbei gilt der Platz von 1608 in Blackheath bei London als der erste angelegte Golfplatz. Oftmals wird in Büchern der Royal and Ancient Club in St. Andrews/Schottland als der älteste Club der Welt bezeichnet, was aber nachweislich falsch ist, da dieser erst 1754 gegründet wurde, im Gegensatz zu der Gründung 1744 der Society of Golfers, die 10 Jahre zuvor stattfand. Was aber für den berühmten Club von St. Andrews spricht, ist die Tatsache, dass er insofern der älteste ist, als der 10 Jahre zuvor gegründete nur mit Unterbrechungen bestand.
Auf dem europäischen Kontinent wurde der erste Platz erst sehr spät geplant und zwar im Jahre 1856. Er wurde in Pau in Frankreich eröffnet. Bis das Golffieber auch nach Deutschland überschwappte, dauerte es weitere 40 Jahre bis Anfang der 1890er Jahre der erste Platz in Berlin gebaut wurde und 1895 dort der erste Club gegründet wurde. Die Gründung des Deutschen Golf Verbandes (DGV) vollzog sich weitere 12 Jahre später, im Jahre 1907 in Hamburg.
Dem voran gingen die Urlaubsaufenthalte von englischen und amerikanischen Gästen in den Kurorten von Bad Homburg, Wiesbaden oder Baden-Baden, bei denen sie zum Erstaunen der Einheimischen zahlreich ihre Golfschläger auf den Grünflächen schwangen.
42 FAZ (2002), S. B4
43 Der Parlamentsbeschluss wurde übrigens in den Jahren 1471 und 1491 (dann unter Jakob IV.) nochmals
wiederholt.
27
AUFTAKT: GOLFHISTORIE
Für die Deutschen war dieser Sport etwas Neues, und es war ein Deutscher mit dem Namen Philipp Heineken, der erstmals im Jahre 1893 ein Sammelwerk mit Golf herausbrachte, das als das älteste umfassende Schriftstück mit dem Thema Golf eines deutschen Autors gilt 44 .
II.2 Golf im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit
Der Golfsport befand sich während der Regierungszeit des NS-Regimes in einer besonders beschützten Lage, begünstigt durch den damaligen Reichssportführer, der es sogar zuließ, dass eine Umwandlung des Verbandes in ein Fachamt Golf (und somit unter behördlicher Aufsicht) im Jahre 1934 innerhalb eines Jahres wieder rückgängig gemacht wurde. Die Verbandsführer, damals Karl Henkell für den DGV, wurden vom Reichssportführer berufen und ernannten ihrerseits die Vereinsführer, ehemals Clubpräsidenten.
Wie der Golfgedanke und das totalitäre Regime überhaupt zusammenpassen konnten, deutet Buhl: „Golf als Sport der Elite - so fanden denn auch Nationalsozialismus und Golf doch noch zusammen. Schließlich verstanden sich die neuen Herren selbst als Elite; das ganze Selbstbild von Partei, Wehrmacht, SS, die ganze nationalsozialistische Glaubenslehre von Rasse und Volk waren durchwirkt vom Glauben an die eigene Ausgewähltheit und Einmaligkeit. Warum sollte da ausgerechnet etwas so Elitäres wie der Golfsport nicht zum neuen Deutschland passen?“ 45 In anderen Ländern wie z.B. Italien fanden Historiker heraus, dass „... golf was naturally distanced from Fascim’s more egalitarian and xenophobic ideals.“ 46
Die Entwicklung während des Dritten Reiches nahm entsprechend der politischen Federführung einige Eigenarten an: neben die Masten mit den Clubfahnen wurden weitere Fahnenmasten mit Hakenkreuzen gestellt, die Anzahl der Clubs stieg drastisch durch die Annektierung Österreichs an, gewohnt englische Ausdrücke des Sports wurden eingedeutscht („Golfer sprich deutsch“ 47 ) und Golfspielen wird zur Wehrertüchtigung umfunktioniert. Im Jahre 1937 wird auf dem Verbandstag des DGV eine vollkommene Arisierung der Golfclubs vermeldet. Schon ein Jahr zuvor 1936 wurden zu den inoffiziellen
44 Heineken, P. (1893)
45 Die Zeit (2002)
46 Bosworth, R.J.B. (1999), S. 345
47 Dieses Plakat wurde vom Verbandsführer entworfen, nachdem er für eine Eindeutschung englischer
Fachausdrücke in der Juni-Ausgabe 1940 der Golfzeitung aufrief.
28
olympischen Meisterschaften im Golf im Anschluss an die olympischen Spiele nur Mannschaftsmitglieder zugelassen, die einen Ariernachweis hatten 48 . Es war ein Anliegen der beim Verbandstag 1942 anwesenden Präsidenten die Plätze über die Zerstörungen des Krieges hinweg, so gut es ginge zu erhalten. Dafür bedankten sich denn auch die (westlichen) Siegermächte nach Beendigung des Krieges durch eine lebhafte Nutzung der vorhandenen Anlagen. In der sowjetischen Zone wurden sie allerdings in Ackerland umgewandelt.
Nach dem letzten Verbandstag 1942 kamen die Aktivitäten des Verbandes aufgrund des Krieges beinahe zum Erliegen. In seinen letzten Rundschreiben versuchte der Verbandsführer Henkell seine Mitglieder trotz der schwierigen Situation zu ermutigen, die Plätze soweit es möglich war, einigermaßen zu pflegen.
Sehr schnell zeichnete sich die Sonderrolle des Golfsports nach dem Kriege ab, da durch das große Interesse der Amerikaner und Engländer an diesem Sport nicht nur viele Plätze erhalten blieben, sondern sogar in der Zeit von 1945-1949 noch sieben neue hinzukamen. 49 Dies war eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Deutschland sehr zerstört war und alle Kräfte für einen Wiederaufbau verwendet werden mussten, bei dem die Renovierung der Golfplätze sicherlich eine untergeordnete Rolle spielte.
Dennoch kam es gerade in den britisch besetzten Gebieten sehr schnell zu gemeinsamen Golfaktivitäten zwischen Deutschen und Engländern. Auch wenn anfangs die Deutschen nur ganz bestimmte Tageszeiten zur Verfügung gestellt bekamen, zu denen sie ihren Sport ausüben konnten, wurden dennoch gerade die von der englischen Besatzungsmacht eingenommenen Plätze sehr bald wieder in deutsche Hände zurückgegeben. Oftmals bildete sich ein deutscher Club neben einem englischen, wie dies z.B. in Krefeld der Fall war. 50 Ganz anders verhielt es sich bei den Amerikanern, die zunächst jeglichen Kontakt mit Deutschen unterbanden (und für welche auch bis zum Herbst 1946 ein offizielles Fraternisierungsverbot bestand) und in deren Zone die Plätze noch am längsten für Deutsche gesperrt blieben. Diesbezüglich heißt es im Protokoll vom 12.3.1949: „Die Versammlung wird darauf hingewiesen, dass der Name „Deutscher Golf Verband“ zur Zeit noch gegen die ausdrücklichen Anordnungen der Militärregierung verstößt und es daher im Interesse unserer
48 Quanz, D.R. (2001), S. 37f.: Die vom Führer gespendete Bernsteinschale ging an die siegreichen Engländer;
Hitler selbst ließ sich bei der Überreichung wegen des 3. Platzes (hinter Frankreich) der deutschen
Mannschaft nicht blicken, wobei er erst kurz vor der Ankunft im Club durch Funk verständigt umdrehte, als
sich ein Sieg der Engländer abzeichnete.
49 Sikora, K. (2001), S. 10
50 Quanz, D.R. (1995), S. 111: Der englische Club nannte sich „Krefeld Golf Club“ und der deutsche
„Krefelder Golf-Club“.
29
AUFTAKT: GOLFHISTORIE
Bestrebungen von größter Wichtigkeit ist, dass dieser frühere Titel bei Veröffentlichungen, Golfberichten usw. sorgfältig vermieden wird.“ 51 Erst im Oktober 1949 entsteht der Deutsche Golf Verband wieder offiziell, nachdem durch die Gründung der DDR im selben Monat ein gesamtdeutscher Verband unmöglich geworden war.
II.3 Golf in der sowjetischen Besatzungszone; Gründe gegen Golf in der
DDR
So ungewöhnlich positiv sich die Entwicklung der Plätze in den Sektoren der westlichen Alliierten vollzog, so negativ entwickelte sich der Golfsport in der sowjetischen Besatzungszone. Ganz im Gegensatz zu den meisten deutschen Sportverbänden, die nach dem Fall der Mauer Anfang der 1990er Jahre ein Verschmelzen feiern konnten, traf im Fall des Golfsports ein DGV im Westen auf ein Nichts im Osten. Es gab zwar einige Spieler in der ehemaligen DDR, aber keinen Platz. Und dies, obwohl 1949 immerhin 14 Plätze in Ostdeutschland vorhanden waren.
So sehr man diese Plätze zu pflegen und erhalten versuchte, so fielen sie dennoch früher oder später der landwirtschaftlichen Nutzung zum Opfer. Es war für viele der Golfenthusiasten einfach nicht vorstellbar, dass ihr Sport in den politischen Rahmen der SBZ nicht einzugliedern war. „... [deshalb] spalten sich die Golfliebhaber von Beginn an in zwei Lager. Die eine Seite erkennt sehr schnell die Ausweglosigkeit für das Golf unter den herrschenden politischen Bedingungen. Die andere Seite in Dresden, Oberhof und Rostock erkennt erst sehr spät oder gar nicht, dass sich die Sportart nicht in den politisch-gesellschaftlichen Umgestaltungsprozess der Sowjetunion einfügen lassen wird. Jede persönliche oder offizielle Aussage, die eine Chance für den Golfsport signalisiert, wird als Hoffnungsanker ergriffen.“ 52
Vor dem Hintergrund einer Untersuchung darüber, wie sich der Golfsport in der deutschen Gesellschaft zum Ausklang des 20. und am Anfang des 21. Jahrhunderts zu einem „Freizeitsport“ 53 entwickeln kann, ist es bedeutend auf seine Geschichte gerade im Ostteil Deutschlands einzugehen. Denn während Golf im Westteil Deutschlands über Jahrzehnte
51 o.V. (1949), S. 3
52 Sikora, K. (2001), S. 19
53 Unter dem Begriff Freizeitsport wird gemäß der Diskussion der 1980er Jahre über die Begriffe Freizeitsport,
Breitensport, Spitzensport die Ausübung einer Sportart verstanden, die einen hohen Grad der
Selbstbestimmung und hohe Zuwachszahlen besitzt und nicht nur von Vereinen angeboten wird, sondern
z.B. auch von kommerziellen Anbietern (siehe z.B. Röthig, P. (1992))
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seit dem Ende des 2. Weltkrieges hinweg der Grundstein für seine heutige Bedeutung gelegt wurde, so entschieden wurde er in der damaligen DDR abgelehnt. Die Gründe für die Ablehnung können einen Aufschluss darüber geben, warum sich Golf bis heute nicht zu einem Volkssport in Deutschland entwickelt hat.
Die ideologischen Vorbehalte gegenüber Golf waren wohl ein Hauptgrund für die ablehnende Haltung des Politbüros gegenüber dieser Sportart. Golf als Ausdruck des feindlichen Kapitalismus mit allen Klischees behaftet, gegen die sich die Staatsführung zu erwehren versuchte. Waren diese Charakterzüge des Golfsports schon damals Grund genug, um den Sport zu tabuisieren, so halten sich diese Vorurteile in der Bevölkerung von Ost und West noch bis in die heutige Zeit und sind ein Hauptgrund für viele Menschen, den Sport nicht auszuüben. Ob sie gerechtfertigt sind oder nicht, wird an anderer Stelle genauer untersucht (siehe z.B. Kapitel V). Der Sport war in der DDR eng mit der Politik verbunden. In den Sportarten sollte die sozialistische Gesinnung vorangetrieben werden und es wurden solche Sportarten unterstützt, die nach Meinung der Regierung mit dem politischen Leitbild übereinstimmten.
Ein zweiter ganz wesentlicher Grund für die Ablehnung des Golfsports von Seiten der Regierung ist in der Darstellung der DDR nach außen hin zu suchen und die Folgen davon betrafen nicht nur den Golfsport. Denn die Regierung verfolgte eine konsequente Förderung des Spitzensports, was zu Lasten des Freizeitsports und auf Kosten derjenigen Sportarten ging, in denen die ostdeutschen Sportler nicht an der Weltspitze mithalten konnten. Denn es ist kein Geheimnis, dass für die DDR internationale Wettkämpfe wie z.B. ganz besonders die olympischen Spiele dazu benutzt wurden, die Überlegenheit im Sport als einen Beweis für eine Überlegenheit des ganzen sozialistischen Systems gegenüber dem westlichen Kapitalismus zu bewerten. Internationale Wettkämpfe waren vor dem Niedergang des Kommunismus auch immer Wettkämpfe der politischen Systeme. Und Golf als nichtolympische Sportart war unbrauchbar, um das Land zu repräsentieren. 54
Ein dritter Grund für die ablehnende Haltung gegenüber dem Sport war rein finanzieller Natur. Nachdem die vorhanden Plätze nach dem Kriege der Bodenreform zum Opfer fielen und zu 100% in Acker- und Weideflächen umgewandelt wurden, waren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts keine Grundlagen mehr vorhanden, auf denen Golfplätze hätten
54 Golf war lediglich in den Jahren 1900, 1904 und 1916 (wobei die Spiele dort wegen des Krieges ausfielen)
olympische Sportart; neue Bestrebungen bemühen sich allerdings um eine Wiederaufnahme.
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AUFTAKT: GOLFHISTORIE
entstehen können. Die Politik verlegte ihr Interesse auf günstigere Sportarten, weshalb z.B. auch die Infrastruktur für Tennis und Segeln niemals in ausreichendem Masse zur Verfügung standen.
Ob der mangelnde Massensportcharakter des Golfspiels eine Folge oder Grund für die oben beschriebene Tabuisierung war, kann nur vermutet werden. Jedoch war er ein Grund für die Regierung, Randsportarten aus dem Förderungskatalog zu streichen. Das mangelnde Interesse konnte nicht quantifiziert werden, da es keinen ostdeutschen Golfverband gab. Erst im April 1990 gründete sich ein „Deutscher Golfverband der DDR e. V.“ mit gerade einmal 40 Einzelmitgliedern, denn einen Platz gab es ja nicht. In der BRD existierten zum gleichen Zeitpunkt 293 Clubs mit ca. 125.000 Mitgliedern. Die Golfer in der DDR lernten sich meistens auf ihren Urlaubsaufenthalten in Marienbad oder Karlsbad kennen, in der ehemaligen CSSR, in der diese beiden Plätze während des Kommunismus erhalten blieben. 55
Dies verdeutlicht, dass es 40 Jahre dauerte bis auf dem Gebiet der ehemaligen DDR Anstrengungen unternommen wurden, die Golfbewegung (wieder) zu beleben, neu zu formieren und neu zu organisieren. Der DGV im Westen stieß also nach der Wiedervereinigung auf eine zu vernachlässigende Zahl von aktiven Golfern und konnte seine Monopolstellung gegenüber dem Verband der DDR, der sich inzwischen in „Golfsportverband der DDR“ umbenannt hatte, trotzdem nur gegen Widerstand durchsetzen. Im Wesentlichen ging es bei den Auseinandersetzungen um den Zeitpunkt des Aufsplitterns in Landesverbände und um Machtverteilungskämpfe, die sicherlich auch durch die unterschiedliche ideologische Vergangenheit schwer aus dem Weg zu räumen waren. Zur Vereinigung der beiden Golf-Verbände - die erste west- und ostdeutsche Verschmelzung zweier Fachverbände im DSB - kam es im September 1990. Heute sind dem DGV 3 zusätzliche Landesverbände beigetreten (Sachsen/Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern; Brandenburg ist Berlin zugeordnet worden).
55 Ungefähr zur gleichen Zeit (1987) entstand auch in Russland der erste Platz in der Nähe von Moskau, mit
einer abstrus hohen Aufnahmegebühr von US$ 20.000, erbaut von einem schwedischen Ex-Eishockey-
Nationalspieler.
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III.1 Einleitung
Das wachsende Interesse an der Entwicklung des Golfsports in Deutschland hat eine Reihe von Beiträgen nach sich gezogen, in denen versucht wird, diese Entwicklung zu beschreiben, zu analysieren und für die Zukunft zu prognostizieren. In Deutschland entstehen, wenn auch noch verhalten, verschiedene Anbieter und Agenturen, die ganzheitliche Lösungsstrukturen bei dem Neubau von Golfanlagen offerieren. Ganzheitlich bedeutet, dass von der Architektur des Platzes bis hin zum Management, Fachwissen zur Verfügung gestellt wird. Zusätzlich befassen sich private Autoren und öffentliche Verwaltungen in zunehmendem Masse mit der Untersuchung des deutschen Golfmarktes 56 . Fachzeitschriften für den Golfhandel veröffentlichen z.B. monatliche Verkaufszahlen des Handels, und Publikums- als auch Fachmessen verzeichnen ein wachsendes Interesse (Fairway, Rheingolf, Golf Europe, CMT).
Auf öffentlicher Seite beauftragen die Tourismusverbände Agenturen mit der Untersuchung der regionalen Entwicklungschancen im Bereich Golf oder führen selbst solche Studien durch. Es wurden in den letzten Jahren zunehmend Fachverbände gegründet, die sich mit speziellen Facetten und Struktureinheiten des Golfs befassen. Dies reicht von einem Verband der Greenkeeper, der sich unter anderem mit der Anpflanzung der robustesten Grassorte beschäftigt bis hin zu Golfmanagement-Verbänden, die die Geschäftsführung eines Golfplatzes beraten. Gerade in den letzten Jahren gab es nämlich eine nicht unbedeutende Zahl von gescheiterten Projekten, die durch hohe Anfangsinvestitionen in wirtschaftliche Probleme gerieten.
Die Geschäftstätigkeit in diesen Bereichen verlangt nach einer theoretischen Analyse des Marktes, um Probleme besser verstehen oder gar vermeiden zu können. Deshalb wird versucht, Daten des Golfmarktes zu erfassen und auszuwerten. Allerdings kommt es hierbei häufig zu Ungenauigkeiten oder sogar Fehlern - ganz zu schweigen davon, dass noch nicht einmal einheitliche Definitionen gefunden wurden (siehe z.B. die Diskussion um den Begriff
56 dabei ist vor allem an die öffentlichen Verwaltungen in den Tourismusballungszentren zu denken (z.B. in
Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern)
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METHODENKRITIK: FEHLERQUELLEN BEI DER ERFASSUNG VON GOLFDATEN
„öffentliches Golf“, Kapitel IV). Wenn man allerdings Umfrage-Ergebnisse auswerten bzw. internationale Vergleiche ziehen will, so sind eine genaue Datenerfassung bzw. ein detailliertes Fachwissen über die benutzte Erhebungsmethode von übernommenen Daten unerlässlich. Im Folgenden sollen einige potentielle Fallen und Besonderheiten bei der Datenerhebung und -auswertung beschrieben werden.
III.2 Regionale Zuordnung: Internat. Vergleiche der Anzahl der Golfer
In fast jeder Veröffentlichung, welche die Entwicklung von Golf in Deutschland beschreibt, werden auch internationale Vergleiche gezogen. Diese beziehen sich meist auf die Anzahl der Golfer und die Anzahl der Plätze sowie Verhältniszahlen hieraus (oft auch zur Einwohnerzahl). Diese Zahlen werden oftmals über mehrere Jahre zusammengefasst und grafisch miteinander verglichen. So werden z.B. im „Golf-Timer“ 57 seit Jahren verschiedene Tabellen zum europäischen Golf aufgestellt, wozu der europäische Golfverband die Rohdaten liefert. Hinzugefügt werden den Tabellen die Zahlen führender außereuropäischer Golfnationen, wie USA, Kanada, Australien oder Japan. Nur selten finden sich Vergleiche zu den Ausgaben der Spieler oder Strukturvergleiche zwischen den Ländern. Der Grund hierfür ist wohl, dass Ausgaben bei uns nur schwer mit z.B. den Ausgaben in einem ärmeren Land verglichen werden können. Hierbei müssten zu viele Parameter wie Lebenshaltungskosten oder Pro-Kopf-Einkommen berücksichtigt werden, um korrekte Vergleiche ziehen zu können.
Die Anzahl der Spieler oder Clubs bzw. Plätze werden von den nationalen Verbänden übernommen und anschließend gegenübergestellt. Was allerdings dabei nicht beachtet wird, ist die unterschiedliche Methodik, wie diese Zahlen gewonnen werden. Im Folgenden soll deshalb darauf eingegangen werden, wer, wie, wann und von wem diese Daten gewinnt. Bei der Frage nach dem „wer“ zeigen sich keine großen Unterschiede - zumindest nicht innereuropäisch. Hier werden die Daten von den nationalen Verbänden erhoben, teilweise von den regionalen Verbänden an ihre Dachverbände weitergegeben, soweit jene vorhanden sind.
Nur in den USA werden die Daten für die United States Golf Association (USGA) 58 von einer Stiftung, der National Golf Foundation (NGF) erhoben. Die NGF ist eine Interessenvertretung der Golfindustrie, die sich eingehend wissenschaftlich mit der Thematik
57 ist die vom DGV jährlich erscheinende Publikation mit Adressen, Statistiken, Turnieren...
58 Amateurverband; die Profis sind in der Professional Golfers Association (PGA) vereint.
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Arbeit zitieren:
Alexander V. Steinbrück, 2003, Strukturen des Golfmarktes in Deutschland - Potentiale, Einflussfaktoren und internationaler Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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