GLIEDERUNG
I. EINLEITUNG
I.1.Vorwort. 03
II. HAUPTTEIL
II.1. Die Klinik der Essverhaltensstörungen. 09
II.1.1. Die Anorexia nervosa (Magersucht) 10
II.1.2. Die Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht) 13
II.1.3. Adipositas (Fettsucht) 16
II.2. Häufigkeit der Essverhaltensstörungen an deutschen Schulen -
Darstellung verschiedener Untersuchungen. 20
II.3. Was kann der Sportunterricht bzw. der Sporterzieher im Umgang
mit Essstörungen leisten? 26
III. SCHLUSSBETRACHTUNG
III.1. Zusammenfassung. 31
III.2. Ausblick. 32
IV. VERZEICHNISSE
IV.1. Literaturverzeichnis. 34
IV.2. Abbildungsverzeichnis. 38
V. ABSTRACT. 39
VI. ANHANG. 40
VII. ERKLÄRUNG. 41
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I. EINLEITUNG
I.1. Vorwort
Essstörungen stellen ein ernst zu nehmendes gesundheitliches Problem dar. Obwohl sich Betroffene der unterschiedlichen Krankheitsbilder u. a. in ihrem Erscheinungsbild beträchtlich unterscheiden, ist es doch allen Essgestörten gemeinsam, dass das lebensnotwendige „Essen“ ein erhebliches psychosomatisches Problem, oft mit körperlichen, psychischen und sozialen Konsequenzen geworden ist. Essstörungen gehören zu den Zivilisationskrankheiten, die in der heutigen Zeit enorme Zuwachsraten verzeichnen. Verschiedene Faktoren sind hierfür verant-wortlich.
In der heutigen Gesellschaft hat sich zum einen sowohl das Nahrungsangebot, als auch die Herstellung und Zusammensetzung von Speisen sukzessiv verändert. Nach und nach verdrängen Fertigprodukte, konservierte Waren, ballaststoffarme Nahrungsmittel und künstlich g eschmacksverstärkte Lebensmittel die frischen Waren aus den Regalen der Supermärkte. Zwar leistet die moderne Lebensmittelchemie heute enormes, doch die Ernährungsempfehlung der WHO 1 ist seit langem unumstößlich: 5 Mal pro Tag Obst oder Gemüse in frischer, unbeha ndelter d.h. nicht konservierter Form; Kohlehydrate wie z.B. Kartoffeln; Ballaststoffe und Vollkornprodukte; dazu mindestens 2 l. Wasser bei normaler Betätigung zu sich nehmen und auf den übermäßigen Verzehr von Weißmehlprodukten, Zucker, Fleisch und vor allem tierischem Fett (LDL 2 ) ve rzichten.
1 WHO steht für World Health Organisation (diese Organisation sorgt sich um die Gesundheit
der Menschheit und veröffentlicht u.a. Empfehlungen zu einer vernünftigen und gesunden
Ernährung der Menschen).
2 Tierische Fette gehören überwiegend zu den Low Density Lipoproteinen. Das sogenannte
schlechte Fett führt zu einem Anstieg des Cholesterinspiegels im Blut. Zu hohe Blutfettwerte
führen zu Ablagerungen an den Arterienwänden, den Plaks, die zur Arteriosklerose führen.
High Density Lipoproteine, vorkommend in pflanzlichen Fettsäuren, bezeichnet man hingegen
als das gute Fett, welches den Blutfettspiegel des schlechten Fettes sogar senken und somit vor
Arteriosklerose sogar schützen kann.
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Die folgende Tabelle gibt diesbezüglich einen Überblick über die Ernährungssituation von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz und Deutschland.
Abb. 1 Tabelle: Tägliche Zufuhr von Energie, Makro- und einigen Mikronährstoffen
bei deutschen und schweizerischen Schulkindern und Jugendlichen im Vergleich mit
der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung von 1991.
Vgl.: Monatsschrift Kinderheilkunde (1 - 2001, S. 27). Umfragen 3 diesbezüglich haben allerdings ergeben, dass diese Empfehlung bei über 70 % der Befragten nur teilweise oder gar nicht eingehalten wird. Kenntnis von einer derartig sinnvollen Ernährungskonstellation haben jedoch nahezu 80 % der Teilnehmer. Das Bewusstsein über diese schlechte Ernährung führt im Umkehrschluss bei vielen Betroffenen dazu, dass der Versuch unternommen wird, Vital- und Mineralstoffdefizite und vor allem auch das schlechte Gewissen durch Na hrungsergänzungsmittel auszugleichen. In der Regel gelingt dieser Ver- 3 Vgl.Fit 4 Fun 06/03.
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such nicht, da sich eine gesunde und vor allem sinnvolle Ernährung nicht einzig und allein aus Vitaminen, Spurenelementen und sonstigen Mineralstoffen definiert. Eine gesunde Lebensführung ist die Maßgabe, die sich von ernährungstheoretischer Seite vielmehr als ein Kompositum aus benötigten Substanzen wie z.B. Ballaststoffen, Kohlehydraten, Vollkorn- und Getreideprodukten, ausreichender Flüssigkeitszufuhr, und andererseits auch der richtigen Menge an Bewegung, genügend Entspannung und somit wenig Stress versteht. Daher leiden viele Menschen aufgrund ihrer schlechten Ernährung unter Fettsucht oder Esssucht. (Adipositas)
Bewegungsmangel stellt sich ergänzend zur Ernährung als ein zweiter wichtiger Faktor in der Analyse von Essstörungen heraus. Die Freizeitgewohnheiten gerade junger Menschen (SchülerInnen) haben sich i nnerhalb der letzten dreißig Jahre stark verändert. Motorische Defizite 4 tauchen unter SchülerInnen verstärkt dadurch auf, dass sie in ihrer Freizeit weniger sportbezogenen Tätigkeiten nachgehen (auf Bäume klettern, Ringen, Raufen,...) und somit gewisse Bewegungskompete nzen nicht erwerben, sondern einen Großteil ihrer Freizeit mit Medien wie Computer, Playstation oder Fernsehen verbringen. Die nachfolgende Abbildung stellt in einer 1998 veröffentlichten Untersuc hung de signifikanten Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum und Häufigkeit von Übergewicht in Form von Adipositas in einem Säulendiagramm dar. Demnach liegt die Häufigkeit von Adipositas bei Kindern, die mehr als 5 Stunden pro Tag fernsehen bei über 22 %. Bei Kindern, die eine Stunde oder weniger pro Tag vor dem TV Gerät verbringen liegt die Häufigkeit für das Vorhandensein von Adipositas bei knapp über 10 %.
4 Während eines 4wöchigen Praktikums an einer hiesigen Grund- und Hauptschule sollten die
Schülerinnen und Schüler einer achten Klasse einen von mir erstellten Geschicklichkeitspar-
cours durchlaufen, der eine „Rolle vorwärts“ (Purzelbaum) beinhaltete. Das Ergebnis war, dass
von den teilnehmenden 21 Schülerinnen und Schülern nur drei eine halbwegs regelgerechte
Rolle vorwärts zeigen konnten und lediglich zwei Schülerinnen und Schüler eine korrekte
Rolle vorwärts zustande brachten.
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Abb. 2. Säulendiagramm: Fernsehkonsum und Häufigkeit der Adipositas bei Jugend-
lichen (vgl.: WIRTH (1998, S. 92).
Es wäre allerdings zu einfach, an dieser Stelle die Medien für den Bewegungsmangel unserer Kinder verantwortlich zu machen. Auch die Gestaltung der Städte, das Fehlen von geeigneten Spielflächen, die Gefahren auf öffentlichen Spielplätzen, wie auch die teilweise schlechte Versorgung von Schulen mit Sportgeräten und Hallen bzw. geeigneten Freiflächen sind für dieses Defizit mitverantwortlich, wie es SCHMIDT 1997 bereits beschreibt.
Eine der schlimmsten physischen Auswirkungen von Bewegungsmangel bei Schulkindern führt sogar soweit, dass Sportmediziner Fälle von Osteoporose bereits bei Grundschulkindern dokumentiert haben. Durch fehlende Reize in der Muskulatur, die über Bänder und Sehnen am Knochengerüst befestigt ist, kommt es bei diesen Patienten folglich dazu, dass das Knocheninnere (Spongiosagewebe) nicht ausreichend ausgebildet wird und eine zu geringe Dichte aufweist. Entlang der Hauptdruck- und Zuglinien des Knochens, ist im Normalfall das Knochengewebe besonders dicht, da hier große Drucke auf den Knochen einwirken. Die enge Anordnung dieser Gewebelinie ermöglicht es dem Knochen, den Drucken standzuhalten ohne zu brechen. Bei Oste-oporose ist es jedoch gerade die beschriebene Dichte des Knochens, die nachlässt. In der Regel tritt diese Krankheit jedoch erst deutlich
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nach Überschreiten des 40. Lebensjahres und vorwiegend bei Frauen auf. Bei Kindern, die unter Bewegungsmangel leiden tritt diese Krankheit vereinzelt bereits im frühen Schulkindalter auf.
Zudem treten selbstverständlich noch die leider bereits weit verbreiteten, durch Essstörungen verursachten Krankheitsbilder in deutschen Schulen auf. Zu ihnen zählen die vornehmlich durch Adipositas hervorgerufenen Fälle von Hypertonie (Bluthochdruck) und Typ II Diabetes (Zuckerkrankheit).
Demnach ist es auch Aufgabe von Politikern und Sportlehren, gegen diese Defizite in unserer Gesellschaft bzw. in unseren Schulen vorzugehen.
Ein anderes großes Defizit in unserer Soziokultur besteht in unserem Schönheitsideal. Der Schlankheitswahn, dem heute besonders Frauen, aber immer verstärkter auch Männer unterliegen, ist oft Anlass dafür, dass Menschen sich zu Tode hungern in einer Welt, in der das Nahrungsangebot und die Nahrungsbeschaffung niemals besser organisiert waren.
Abb. 3 Werbeplakat: Vermarktungsstrategie - Schönheitsideal
Modediktat, Werbung in den Medien und auch erfolgreiche Menschen aus den verschiedensten Berufszweigen prägen ein Ideal, welches dem Menschen suggeriert, dass Schlankheit und Erfolg in enger Korrelation stehen, Übergewicht jedoch gleichbedeutend mit Misserfolg und mangelnder Kontrolle über sich selbst ist. Wer schlank ist, der hat -gemäß dieses Ideals- die Kontrolle über sein Leben, seine Essgewohnheiten, und vor allem sich selbst, er kann nein-sagen; während der Dicke nahezu als Süchtiger belächelt wird, dem keine Kontrolle über seine Essgewohnheiten, geschweige denn über sich selber zu eigen sein können. Mit dem dargestellten Klischee des erfolgreichen und schlanken Menschen lässt sich trefflich Geld verdienen -und nicht selten zu Lasten derer, die auch gerne dieser Maßgabe entsprechen würden. So verkaufen sich Illustrierte gleich besser, wenn auf dem Titelblatt eine schlanke Frau zu sehen ist, die eine Diät bewirbt. Auch dubiose Schlankheitspillen und sogar ganze Schlankheitsunternehmen florieren durch die Sehnsucht nach diesem Ideal. Viele dieser Suchenden bleiben jedoch auf der Suche nach ihrem Ideal in einer Welt stecken, die jeder Realität, jedem Ideal fern ist. Oft kanalisieren viele diesen enormen psychischen Druck durch eine lebensbedrohende Magersucht (A-norexia nervosa) oder die Ess- /Brechsucht, die sogenannte Bulemia nervosa.
Man sieht also, dass die Spannbreite der Essstörungen enorm weiträumig sein kann und eine Ausprägung von Adipositas bis Anorexie darunter zu verstehen ist.
Die vorliegende Arbeit soll anhand der Literatur - und Datenbankanalyse die Verbreitung dererlei Essstörungen in deutschen Schulen dokumentieren, wobei ebenfalls Entstehung und Auswirkungen dieser Krankheitsbilder thematisiert werden. Abschließend soll zudem diskutiert werden, was der Sportunterricht zur Erkennung, Eindämmung und Therapiebegleitung sowohl bei Anorexie und Bulimie, als auch bei Adipositas beitragen kann.
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Arbeit zitieren:
Tobias Südkamp, 2003, Essstörungen und Sportunterricht - Eine Darstellung der aktuellen Häufigkeit und Verteilung u n d was kann der Sportunterricht leisten?, München, GRIN Verlag GmbH
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