Investitionsentscheidungen eines Unternehmens können umgesetzt werden durch Kauf oder Leasing des Investitionsobjektes. Durch beide Alternativen wird die langfristige Nutzung gesichert. Vor der Entscheidung, ob Leasing oder Kauf die vorteilhaftere Finanzierungsalternative ist, stehen heutzutage immer mehr Unternehmen. Das Leasing erlebte in den siebziger Jahren den Durchbruch und verzeichnet seitdem einen kontinuierlichen Aufwärtstrend. Die steuerlichen Vorteile, der Liquiditätsgewinn und bilanzielle Gesichtspunkte sind einige Aspekte , warum es für Unternehmen von Vorteil sein kann, Anlagegegenstände zu leasen.1
Nachfolgend soll diskutiert werden, wie die Finanzierungsalternative Leasing mit einem Kauf verglichen werden kann. In den nachfolgenden Ausführungen werden in Kapitel 2 zunächst die Grundlagen des Leasings erläutert, während in Kapitel 3 die unterschiedlichen Effekte der beiden Finanzierungsformen diskutiert werden. Dabei wird zwischen quantitativen und qualitativen Effekten differenziert. Die Arbeit schließt ab mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse über einen Wirtschaftlichkeitsvergleich zwischen Kauf und Leasing (Kapitel 4). „Leasing ist die Vermietung oder Verpachtung von beweglichen oder unbeweglichen Gütern durch Finanzierungsinstitute (Leasinggesellschaften) oder durch die Hersteller der Güter.“2
Aufgrund der unterschiedlichen Varianten von Miet- und Pachtverträgen ist der Begriff des Leasingvertrages weder in der juristischen noch in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur eindeutig definiert. Unter dem Begriff Leasing werden Vertragsgestaltungen zusammengefasst, die vom normalen Mietvertrag bis zum verdeckten Raten-Kaufvertrag reichen. Eine Besonderheit des Leasingvertrages gegenüber einem Mietvertrag liegt meist darin, dass eine Leasinggesellschaft (Finanzierungsgesellschaft) als Leasinggeber zwischen Hersteller und Leasingnehmer eingeschaltet wird.3
1 Vgl. Tacke (1999), S. 21-25.
2 Grill/Perczynski (1988), S. 336.
3 Vgl. Perridon/Steiner (1997), S.439.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Leasing
2.1 Definition des Begriffs
2.2 Erscheinungsformen des Leasings
2.2.1 Operate- Leasing
2.2.2 Finanzierungsleasing
2.3 Steuerliche Zurechnung beim Finanzierungsleasing
2.4 Bedeutung der steuerlichen Zurechnung
2.4.1 Zurechnung beim Leasinggeber
2.4.2 Zurechnung beim Leasingnehmer
3 Leasing und Kauf im Vergleich
3.1 Quantitativer Vergleich
3.1.1 Ausgangsbedingungen des Beispiels
3.1.2 Der Vergleichszeitraum
3.1.3 Zahlungsreihen vor Steuereinsparungen
3.1.4 Berechnung der Steuereinsparung
3.1.5 Zahlungsreihen nach Steuereinsparungen
3.1.6 Vergleich der Zahlungsreihen
3.2 Qualitativer Vergleich
3.2.1 Unterschiede in der Finanzierungswirkung
3.2.2 Auswirkungen auf die Bilanzstruktur
3.2.3 Risikounterschiede
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Wirtschaftlichkeit von Investitionsentscheidungen durch einen Vergleich zwischen der Finanzierungsform Leasing und einem kreditfinanzierten Kauf. Ziel ist es, sowohl quantitative als auch qualitative Entscheidungskriterien zu identifizieren, um Unternehmen bei der Wahl der vorteilhafteren Beschaffungsform für Investitionsobjekte zu unterstützen.
- Grundlagen des Finanzierungsleasings und steuerliche Zurechnung
- Methodik des quantitativen Vergleichs mittels Kapitalwertmethode
- Analyse der steuerlichen Auswirkungen (Gewerbeertrag- und Körperschaftsteuer)
- Vergleich der Finanzierungswirkung auf Bilanzstruktur und Liquidität
- Diskussion qualitativer Risikofaktoren wie Eigentümer- und Fehlinvestitionsrisiko
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Risikounterschiede
In diesem Abschnitt wird untersucht, inwieweit die Risikosituation des Investors durch die Wahl zwischen Leasing und Kreditkauf beeinflusst wird:
Eigentümerrisiko Die Gefahr des Untergangs oder der Beschädigung usw. liegt beim Kreditkauf ausschließlich beim Eigentümer. Beim Leasing trägt der Leasinggeber das Eigentümerrisiko. Allerdings sind in der Praxis die Leasingverträge so ausgestaltet, das der Leasinggeber das Eigentumsrisiko weitestgehend auf den Leasingnehmer abwälzt. Dadurch ergibt sich kein entscheidungsrelevanter Gesichtspunkt zwischen Kauf und Leasing.
Gewährleistungsrisiko Im Hinblick auf das Gewährleistungsrisiko gibt es keinen ökonomisch relevanten Unterschied zwischen Kauf und Leasing. Durch eine Übertragung der Gewährleistungsansprüche der Leasinggesellschaft an den Leasingnehmer erhält dieser die gleichen Rechte wie beim Kreditkauf. Lediglich in dem praktisch nicht sehr häufigen Fall der von Anfang an gegebenen Gebrauchsuntauglichkeit gibt es Unterschiede zum Kreditkauf. In diesem Fall kann das Leasingengagement kostenfrei beendet werden. Beim Kreditkauf kann der Investor ebenfalls vom Kaufvertrag zurücktreten, aber der Kreditvertrag bleibt davon unberührt.
Fehlinvestitionsrisiko Jeder Investor ist dem Risiko einer Fehlinvestition ausgesetzt, d.h. die Nutzungsmöglichkeit des Investitionsobjekt ist schlechter als ursprünglich erwartet. Die Gründe dafür können z.B. technische Neuentwicklungen oder Änderung der Nachfragegewohnheiten sein. Diesem Risiko ist der Investor unabhängig von der jeweiligen Finanzierungsform ausgesetzt. Entscheidend ist aber die Frage, wie schnell der Investor auf die eingetreten Situation reagieren kann (Anpassungsflexibilität). In aller Regel erweist sich der Kreditkauf als die günstigere Variante, da der Investor viel schneller und leichter reagieren kann, z.B. Durchführung technischer Änderung oder Verkauf des Objektes. Insbesondere während der unkündbaren Grundmietzeit ist der Leasingnehmer demgegenüber sehr stark eingeschränkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert die Relevanz der Investitionsentscheidung zwischen Leasing und Kauf und definiert den Rahmen der Untersuchung, die zwischen quantitativen und qualitativen Effekten differenziert.
2 Leasing: In diesem Kapitel werden die begrifflichen Grundlagen des Leasings erläutert, die Erscheinungsformen (Operate- und Finanzierungsleasing) abgegrenzt und die steuerliche Zurechnung thematisiert.
3 Leasing und Kauf im Vergleich: Dieses Hauptkapitel führt den detaillierten quantitativen Vergleich anhand eines Investitionsbeispiels durch und analysiert anschließend die qualitativen Auswirkungen auf die Finanzierung, Bilanz und Risikosituation.
4 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass eine allgemeingültige Vorteilhaftigkeit einer Finanzierungsform nicht existiert, da die Entscheidung stark von individuellen Modellprämissen und Rahmenbedingungen abhängt.
Schlüsselwörter
Leasing, Kreditkauf, Wirtschaftlichkeitsvergleich, Finanzierungsleasing, Kapitalwertmethode, steuerliche Zurechnung, Gewerbeertragsteuer, Körperschaftsteuer, Investitionsentscheidung, Bilanzstruktur, Finanzierungswirkung, Fehlinvestitionsrisiko, Investitionsrisiko, Annuität, Barwert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem betriebswirtschaftlichen Vergleich zwischen der Beschaffung von Investitionsobjekten durch Leasing oder durch einen kreditfinanzierten Kauf.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die steuerliche Behandlung, die rechnerische Wirtschaftlichkeitsanalyse mittels Kapitalwertmethode sowie der Vergleich qualitativer Aspekte wie Flexibilität und Bilanzgestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel besteht darin, Entscheidungshilfen für Investoren zu erarbeiten, um die ökonomisch sinnvollere Finanzierungsalternative objektiv bewerten zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Zur quantitativen Bewertung wird die Methode der dynamischen Investitionsrechnung, insbesondere die Kapitalwertmethode, unter Berücksichtigung steuerlicher Effekte eingesetzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen quantitativen Vergleich anhand eines Zahlenbeispiels und eine qualitative Analyse, die Bilanzwirkungen und unterschiedliche Risikokategorien untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Leasing, Kreditkauf, Wirtschaftlichkeitsvergleich, Kapitalwertmethode, steuerliche Zurechnung und Fehlinvestitionsrisiko.
Warum spielt die steuerliche Zurechnung beim Leasing eine so zentrale Rolle?
Die steuerliche Zurechnung entscheidet darüber, ob der Leasingnehmer Abschreibungen und Zinsen direkt als Aufwand geltend machen kann oder ob dies beim Leasinggeber erfolgt, was die steuerliche Vorteilhaftigkeit maßgeblich beeinflusst.
Welches Fazit zieht der Verfasser bezüglich der Vorteilhaftigkeit?
Der Verfasser kommt zu dem Schluss, dass keine generelle Aussage für oder gegen eine Finanzierungsform möglich ist, da das Ergebnis empfindlich auf die gewählten Modellprämissen und Investitionsbedingungen reagiert.
- Quote paper
- Sven Erler (Author), 2004, Leasing und Kauf im Wirtschaftlichkeitsvergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24353