- I -
ABBILDUNGSVERZEICHNIS NA
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS NA
1 EINLEITUNG 1
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG 1
1.2 GANG DER UNTERSUCHUNG 2
2 BEGRIFFLICHE UND KONZEPTIONELLE GRUNDLAGEN 3
2.1 NETZWERKE ALS HYBRIDE ORGANISATIONSFORM 3
2.2 NETZWERKSTRUKTUR ALS ELEMENT DER ANALYSE VON NETZWERKEN 4
2.3 WERTSCHÖPFUNG VERTIKALE INTEGRATION UND FERTIGUNGSTIEFE 6
3 UNTERNEHMENSNETZWERKE IN DER THEORIE 7
3.1 CHARAKTERISIERUNG VON UNTERNEHMENSNETZWERKEN 7
3.1.1 Differenzierung anhand der Wertschöpfungsstufe 7
3.1.2 Differenzierung anhand der Bindungsintensität 9
3.1.3 Differenzierung anhand der Steuerungsform 10
3.1.4 Differenzierung anhand der Zielsetzung 12
3.2 ERKLÄRUNGSANSÄTZE AUSGEWÄHLTER NETZWERKTHEORIEN 13
3.2.1 Ansätze der Neuen Institutionenökonomie 13
3.2.2 Kontingenztheorie 17
3.2.3 Ressourcenbasierter Strategieansatz 18
4 SELEKTION UND INTEGRATION RELEVANTER NA
DIMENSIONEN 19
4.1 PRÜFUNG DER ZWECKMÄßIGKEIT DER DIFFERENZIERUNGSDIMENSIONEN 20
4.2 INTEGRATION DER GEEIGNETEN DIFFERENZIERUNGSDIMENSIONEN 22
5 UNTERNEHMENSNETZWERKE IN DER AUTOMOBILINDUSTRIE 23
5.1 VERTIKALE UNTERNEHMENSNETZWERKE 23
5.1.1 Machtasymmetrie als Ursache hierarchischer Steuerungsform 24
5.1.2 Exploitation als dominante Zielsetzung 27
5.1.3 Fallstudie Das Lieferantenentwicklungsprogramm der BMW Group 30
5.2 HORIZONTALE UNTERNEHMENSNETZWERKE 33
5.2.1 Interdependenzen als Ursache heterarchischer Steuerungsform 33
5.2.2 Exploration als dominante Zielsetzung 35
5.2.3 Fallstudie Die Network Value Strategie der Hella KG Hueck Co 37
6 AKTUELLE TRENDS UND IHRE AUSWIRKUNG AUF DEN STATUS NA
DER NETZWERKSTRUKTUREN IN DER AUTOMOBILINDUSTRIE 39
6.1 VIRTUALISIERUNG DER WERTSCHÖPFUNGSKETTE 39
6.2 WANDEL ZUR WISSENSBASIERTEN WERTSCHÖPFUNGSARCHITEKTUR 43
7 ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT 45
LITERATURVERZEICHNIS 47
- II -
Abb. Felder Analyserahmen 22
Abb. Abnehmer Zulieferer Pyramide 24
Abb. Felder Analyserahmen 30
Abb. Felder Analyserahmen III 37
Abb. Felder Analyserahmen 45
- III -
Abkürzungsverzeichnis
AG Aktiengesellschaft
a.M. am Main
Aufl. Auflage
BAIKA Bayerische Innovations- und Kooperationsinitiative für die
Automobilzulieferindustrie
Bd. Band
BMW Bayerische Motorenwerke
CAR Center of Automotive Research
CEO Chief Executive Officer
Co. Compagnie
d.h. das heißt
Diss. Dissertation
et al. et alii
e.V. eingetragener Verein
FAW Forschungsstelle Automobilwirtschaft
F&E Forschung und Entwicklung
ggf. gegebenenfalls
GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Habil.-Schr. Habilitations-Schrift
HAWK Herausforderung automobile Wertschöpfungskette
Hrsg. Herausgeber
Jg. Jahrgang
Jr. Junior
Kfz Kraftfahrzeug
KG Kommanditgesellschaft
MCC Micro Compact Car
McK McKinsey&Company
MNC Multinational Corporation
MOBIL Verbundinitiative des Hessischen Wirtschaftsministeriums
Nr. Nummer
OEM Original Equipment Manufacturer
o. Nr. ohne Nummer
- IV -
o. Jg. ohne Jahrgang
o. V. ohne Verfasser
PKW Personenkraftwagen
PTW Institut für Produktionsmanagement, Technologie und
Werkzeugmaschinen
S. Seite
sog. so genannt
SSI Supplier Satisfaction Index
TU Technische Universität
u.a. unter anderem
US United States
VDA Verband der Automobilindustrie
Vgl. Vergleiche
VIA Virtuelle Innovations-Agentur
VW Volkswagen
z.B. zum Beispiel
- 1 -
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
Die Unternehmen der deutschen Automobilindustrie agieren in einem zunehmend turbulenten Marktumfeld. Wettbewerbsbedingungen werden globaler, Kundenwünsche gewinnen an Individualität und verlieren an Beständigkeit, technologische Herausfor- derungen werden komplexer, ihre Produkt- und Entwicklungszyklen kurzlebiger. 1 Diese
Entwicklungen stellen hohe Anforderungen an die unternehmerische Leistungs- und Innovationsfähigkeit und bedingen eine flexible wie auch effiziente Gestaltung der Wertschöpfungsstrukturen des Unternehmens. In diesem Kontext und beschleunigt durch die Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie haben interorganisatorische Netzwerke als erfolgsversprechende strategische Alternative zu Akquisitionen und unternehmerischem Alleingang in den letzten Jahren bedeutend an Popularität gewonnen. 2 Netzwerke werden dabei insbesondere hinsichtlich des Aufbaus
der benötigten Ressourcen und Kompetenzen, der Verkürzung des strategischen Wettbewerbsfaktors time-to-market und der Senkung von Fixkosten als value-added- schaffende und wettbewerbsstärkende Organisationsform beurteilt. 3
Allerdings stellen sich diese mit Netzwerken assoziierten Potentiale auch bei entsprech- ender Rahmengestaltung nicht automatisch ein. Im Gegenteil, aufgrund der hohen Komplexität und der latenten Existenz von Konfliktpotentialen in Netzwerken, sind sie allein durch eine effektive Steuerung zu erschließen. Unabdingbare Voraussetzung hier- für, gerade auch vor dem Hintergrund der Interdependenz von Strategie, Management und Struktur wie sie u.a. von MILES/SNOW propagiert wird, 4 ist das profunde Ver-
ständnis der realiter in der Automobilindustrie vorzufindenden Netzwerkstrukturen. Ziel dieser Arbeit ist es daher, die momentan in der deutschen Automobilindustrie existierenden Netzwerkstrukturen anhand von formalen Kriterien zu beschreiben und die Auswirkungen von aktuellen Trends auf den Status Quo dieser Strukturen zu analysieren. 5 Der Fokus der Untersuchung soll dabei auf der Netzwerkstruktur, d.h. den
strukturellen Eigenschaften von Netzwerken, liegen. 1 Vgl. MATTES ET AL. (2003), S. 1; VDA/MCKINSEY&COMPANY/PTW (2003), S. 7. 2 Vgl. PICOT/REICHWALD/WIGAND (2003), S. 2-12.
3 Vgl. KRÖKEL (1999), S. 110.
4 Vgl. CHANDLER (1962), S. 14; MILES/SNOW (1986), S. 63; STAEHLE (1991), S. 426 f. 5 Die Automobilindustrie umfasst die Hersteller von Kraftwagen und deren Motoren, von Anhängern, Aufbauten, Containern sowie von Kraftfahrzeugteilen und –zubehör. Vgl. VDA (1998), S. 237.
- 2 -
1.2 Gang der Untersuchung
Der vorliegenden Arbeit liegt eine deduktive Forschungsmethodik zu Grunde. Dabei wird zur Analyse der Netzwerkstrukturen in der deutschen Automobilindustrie eine auf der phänomenologischen Ebene anzusiedelnde Betrachtungsperspektive eingenommen. 6 Netzwerke werden also als empirische Phänomene betrachtet und anhand ausgewählter Charakteristika in verschiedene Erscheinungsformen abgegrenzt.
In Kapitel 2 werden zunächst wichtige begriffliche und konzeptionelle Grundlagen gelegt. So wird das Erfahrungsobjekt dieser Arbeit, Netzwerke, in seiner organisations- theoretischen Definition eingeführt. Anschließend werden die elementaren Bausteine der zu analysierenden Netzwerkstruktur, dem Erkenntnisobjekt dieser Untersuchung, aufgezeigt. Um im Weiteren präzise auf die vertikale Arbeitsteilung bzw. die Fertigungstiefe der Hersteller in der Automobilindustrie eingehen zu können, werden ferner wichtige, die Wertschöpfungsarchitektur betreffende, Begriffe definiert. Die folgenden zwei Kapitel dienen zur Ausarbeitung eines Analyserahmens, der die zielführende Erfassung von Netzwerkstrukturen in der Automobilindustrie ermöglicht. Hierbei erweisen sich Typologien als geeignetes Analyseinstrument. In diesem Kontext werden in Kapitel 3 Differenzierungskriterien mit besonderer Relevanz für die struk- turellen Eigenschaften von Netzwerken dargelegt. Da Typologien eher beschreibende Funktion besitzen, 7 werden in einem zweiten Schritt Erklärungen ausgewählter Theo- rieansätze zur Gestaltung von Netzwerkstrukturen entlang der aufgezeigten Dimen- sionen erarbeitet. Diese Vorgehensweise ist von grundlegender Bedeutung, da sie es erlaubt, neben deskriptiven auch explikative Aussagen in die Analyse zu integrieren. Kapitel 4 dient dann zur Prüfung der Zweckmäßigkeit der Typologien hinsichtlich der spezifischen Charakteristika der Automobilindustrie. An die Selektion schließt sich die Integration der relevanten Dimensionen zu einer mehrdimensionalen Typologie an. Anhand des so ausgearbeiteten Analyserahmens können dann in Kapitel 5
die maß- geblichen Netzwerkstrukturen in der deutschen Automobilindustrie, vertikale und horizontale Netzwerke, analysiert und beschrieben werden. Dabei sollen Fallbeispiele die gewonnenen Erkenntnisse veranschaulichen und untermauern. 6 Vgl. SYDOW (1992a), S. 118-120, der drei grundlegende Betrachtungsperspektiven im Netzwerk unterscheidet: Phänomenologische Ebene, methodische Ebene und theoretische Ebene.
7 Vgl. SCOTT (1986), S. 87 f.; BACHARCH (1989), S. 496 f.; MARSHALL (1994), S. 530. In diesen Quellen findet sich auch der Hinweis, dass Typologien den Theorien in der Entwicklung vorgelagert sind, Theorien also auf Typologien aufbauen. Aus diesem Grund werden auch hier zunächst Typo- logien gebildet und diese dann durch die erklärende Funktion von Theorien ergänzt.
- 3 -
Kapitel 6 dient dem Aufzeigen und der kritischen Reflektion von aktuellen Trends in der Automobilindustrie. Das Kapitel ist dabei den vorigen hinten angestellt, da hier insbesondere auch die Auswirkungen dieser Trends auf den aufgezeigten Status Quo der Netzwerkstrukturen in der Automobilindustrie untersucht werden sollen. Abschließend erfolgt in Kapitel 7 eine kurze Zusammenfassung der erarbeiteten Erkenntnisse sowie die Darlegung der hieraus ableitbaren Schlussfolgerungen.
2 Begriffliche und konzeptionelle Grundlagen
2.1 Netzwerke als hybride Organisationsform
Eine Vielzahl von Verbundphänomenen wird in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur mit dem Netzwerkbegriff umschrieben, entsprechend unterschiedlich sind die damit assoziierten Begriffsinhalte. 8 So werden zwei Typen von Netzwerken diffe- renziert: intraorganisatorische, d.h. unternehmensinterne, und interorganisatorische, d.h. unternehmensübergreifende, Netzwerke. 9 Diese Arbeit beschäftigt sich ausschließlich mit der zweiten Form, den interorganisatorischen Netzwerken.
Diese so genannten Unternehmensnetzwerke 10 sind ein besonderer Typus sozialer Netzwerke und stellen sich nach SYDOW als „[…] eine auf die Realisierung von Wettbewerbsvorteilen zielende Organisationsform ökonomischer Aktivitäten dar, die sich durch komplex-reziproke, eher kooperative denn kompetitive und relativ stabile Beziehungen zwischen rechtlich selbständigen, wirtschaftlich jedoch zumeist abhängigen Unternehmungen auszeichnet“ 11 . Zielsetzung derartiger Netzwerke ist die Integration von komplementären Kompetenzen spezialisierter Einzelunternehmen, um auf Gesamtnetzwerkebene eine umfassende Marktleistung zu ermöglichen. 12 Dabei sind nicht bilaterale Unternehmensverbindungen, wie bei Kooperationen, sondern ein multilaterales Beziehungsgeflecht Gegenstand der Perspektive. 13
Eine weitere Entfal- tung der Begriffsdefinition erfolgt, indem die Netzwerkbeziehungen in den Spannungs- 8 Vgl. STABER (1996), S. 2. Vgl. auch ROTERING (1993), S. 14, der allein mit Bezug auf zwischen- betriebliche Kooperationen auf Ausgestaltungsformen wie Franchising, Konsortium, Interessen- gemeinschaft, virtuelles Unternehmen, Strategische Allianz und Joint Venture verweist. 9 Vgl. KREIKEBAUM/GILBERT/REINHARDT (2002), S. 147-156.
10 Die Begriffe ‚Unternehmensnetzwerk’, ‚Netzwerk’ und ‚interorganisatorisches Netzwerk’ werden im Rahmen dieser Arbeit synonym verwendet.
11 SYDOW (1992a), S. 79.
12 Vgl. WOLFF/NEUBURGER (1995), S. 90; WEINER ET AL. (1997), S. 31.
13 Vgl. SEMLINGER (1993), S. 347, der von „mehr als nur zwei Parteien“ spricht.
- 4 -
feldern von Autonomie und Interdependenz, Vertrauen und Kontrolle, und schließlich
von Reziprozität und einseitigem Machtvorteil – letzteres allerdings nur implizit –
verortet werden. 14 Besonders den Charakteristika Macht und Vertrauen wird dabei eine
bedeutende Rolle für die Ausgestaltung der Netzwerkkoordination eingeräumt. 15
Unternehmungsnetzwerke entstehen durch eine Intensivierung der Zusammenarbeit
zwischen Unternehmungen oder im Zuge einer begrenzten Funktionsausgliederung
durch eine ‚Lockerung’ hierarchisch koordinierter Austauschbeziehungen, mit anderen
Worten, durch Quasi-Internalisierung oder Quasi-Externalisierung. 16 Netzwerke
verbinden somit wettbewerbliche mit unternehmenstypischen Mechanismen. Sie
werden daher als eine intermediäre Organisationsform ökonomischer Aktivitäten
zwischen Markt und Hierarchie, 17 teilweise jedoch auch als eine dritte, von Markt und
Hierarchie streng zu unterscheidende Organisationsform 18 angesehen. Die Grenzen zu
diesen Extremen werden dabei durch Formulierungen wie „bewusste und explizit
vereinbarte Zusammenarbeit zwischen Unternehmen“ (Markt) und „Kündbarkeit der
Zusammenarbeit durch jedes Mitglied“ (Hierarchie) festgelegt. 19
2.2 Netzwerkstruktur als Element der Analyse von Netzwerken
Aufbauend auf dem Verständnis des Netzwerkbegriffs sollen nun die Gestaltungs-
optionen zur Realisation des angestrebten Wettbewerbsvorteils, des so genanten
„collaborative advantage“ 20 , dargelegt werden. Die wichtigsten Elemente einer solchen
Modellanalyse heben MILES/SNOW hervor, indem sie Netzwerke als „a unique
combination of strategy, structure and managament processes“ 21 definieren. Demnach
erfordert eine erfolgreiche Umsetzung der Strategie hierauf abgestimmte und
ausgerichtete Strukturen und Koordinationsinstrumente. Vor dem Hintergrund dieser
wechselseitigen Interdependenz, kann die Institutionalisierung von Netzwerken daher
anhand folgender Gestaltungsmerkmale beschrieben werden:
22 14 Vgl. THORELLI (1986), S. 38; POWELL (1990), S. 303; SYDOW (1992a), S. 90-96. 15 Vgl. ENDRESS (1975), S. 11; THORELLI (1986), S. 38 f.; HAURY (1989), S. 140-143; LORENZ (1989) S. 124-129. SYDOW bezeichnet Vertrauen und Macht gar als die Stützen von Kooperationsbezie- hungen. Vgl. SYDOW (1992a), S. 89.
16 Vgl. SYDOW (1992a), S. 105-110.
17 Vgl. SIEBERT (1991), S. 293-298; SYDOW (1992a), 98-104; SEMLINGER (1993), S. 322-330. 18 Vgl. POWELL (1990), S. 295-336.
19 ROTERING (1993), S. 11 f.
20 KANTER (1994), S. 96.
21 MILES/SNOW (1986), S. 62.
22 Vgl. MÄNNEL (1996), S. 136.
- 5 -
S Wettbewerbsstrategien und Zielsetzungen, die dem Netzwerk zu Grunde liegen, S Konfiguration der Netzwerkstrukturen, und S Koordinations- und Managementkonzepte, die in Netzwerken eingesetzt werden. Im Rahmen dieser Arbeit soll dabei das zweite angeführte Merkmal, die Struktur von Netzwerken, fokussiert werden. Elementare Bausteine einer zu analysierenden Netz- werkstruktur sind die einzelnen Knoten des Netzwerks sowie die diese Knoten verbindenden Kanten. 23 Die Knoten, die im Fall von interorganisatorischen Netz-
werken den beteiligten Unternehmen entsprechen, bilden dabei das Grundgerüst von Netzwerkstrukturen. Neben den Knoten verleiht insbesondere die Konfiguration der Kanten, d.h. das Beziehungsgefüge, dem Netzwerk seine strukturellen Eigenschaften. Die Kantenspezifika werden dabei durch zwei Dimensionen festgelegt. 24 Kanteninhalte
beschreiben die unternehmerischen Ressourcen und können in personelle und finanzielle Verflechtungen, Verflechtungen auf Sachmittelebene sowie unterstützende informatorisch-kommunikative Verflechtungen unterschieden werden. 25 Auch die
Kooperationsfelder wie Produktion, Forschung und Entwicklung oder Vertrieb werden unter diesem Begriff summiert. Kantenmerkmale der Beziehung zwischen Akteuren erfassen u.a. die Stärke, d.h. die Interaktionshäufigkeit sowie die zeitliche Dauer, das Machtgefüge und die Reziprozität der Beziehungen. 26 In diesem Zusammenhang lässt
sich auch der Grad der Institutionalisierung als Indikator für die Verflechtungsintensität, die Stabilität und Langfristigkeit der Kooperationsbeziehungen interpretieren. 27
Da insbesondere der Form und Intensität der Austauschbeziehungen konstituierende Bedeutung für die Netzwerkstruktur beigemessen wird, 28 unterzieht die Netzwerk-
analyse weniger die Akteure selbst einer Untersuchung, sondern stellt vielmehr die Beziehungen zwischen ihnen in den Mittelpunkt der Betrachtung. 29 Dieser zielgerich-
teten Fokussierung soll auch im Rahmen der vorliegenden Arbeit gefolgt werden, indem die den Knoten inhärenten Eigenschaften ohne weitere Berücksichtigung bleiben sollen. Allein die Kantenspezifika sollen als Gerüst für das weitere Vorgehen dienen. 23 Vgl. KLEMM (1997), S. 78.
24 Vgl. DE MIROSCHEDJI (2002), S. 15.
25 Vgl. MÄNNEL (1996), S. 136.
26 Vgl. SYDOW (1992a), S. 83.
27 Vgl. KAUFMANN (1995), S. 278 und S. 293.
28 Vgl. SYDOW (1992a), S. 78.
29 Vgl. DE MIROSCHEDJI (2002), S. 12.
- 6 -
2.3 Wertschöpfung, vertikale Integration und Fertigungstiefe
Um ein einheitliches Verständnis der im weiteren Verlauf der Arbeit zu treffenden Aussagen über die vertikale Arbeitsteilung in der Automobilindustrie zu gewährleisten, sind ferner folgende, die Wertschöpfungsarchitektur betreffende Begriffe eindeutig zu definieren: Wertschöpfung, vertikale Integration und Fertigungstiefe.
Der Begriff der Wertschöpfung beschreibt den in Geldeinheiten gemessenen Prozess des Hinzufügens von Wert zu übernommenen Vorleistungen. Wertschöpfung kommt zustande, wenn aus Kundensicht ein Nettonutzen als monetäres Äquivalent mit einer Transaktion verbunden ist. Der Beitrag der einzelnen Stufen zur Gesamtwertschöpfung wird als Wertschöpfungstiefe bzw. als Leistungstiefe bezeichnet. 30 Der in der Industrieökonomie verwendete Terminus der vertikalen Integration wird als die Kombination mehrerer selbständig durchführbarer funktionaler Stufen innerhalb eines Unternehmens definiert. 31 Verwendet man den Begriff in seiner zustands- orientierten Definition, so ist er mit der Wertschöpfungstiefe gleichzusetzen. 32 Im Gegensatz zur vertikalen Integration und der Wertschöpfungstiefe, die u.a. auch Vertriebs- und Dienstleistungsprozesse mit einbeziehen, ist die Fertigungstiefe auf den Funktionsbereich Produktion begrenzt 33 und stellt somit eine Teilmenge dieser synonym verwendeten Begriffe dar. Als Quotient ausgedrückt ergibt sich folgender Ausdruck:
Demgegenüber wird die Fertigungstiefe durch den Verband der Automobilindustrie e.V. (VDA) als Anteil der Brutto-Wertschöpfung an der Gesamtleistung bestimmt. 35
Bei die- ser Berechnung wird also die Fertigungstiefe der Wertschöpfungstiefe gleichgestellt. Da diese Daten die Basis für die Auseinandersetzung mit der Thematik darstellen, soll diesem Ansatz trotz der aufgezeigten definitorischen Unschärfe gefolgt werden. Die drei vorgestellten Termini werden im Folgenden somit also gleichbedeutend verwendet. 30 Vgl. PORTER (1986), S. 59-66; KREIKEBAUM (1997), S. 136 f.; MACHARZINA (1999), S. 223-226. 31 Vgl. WILIAMSON (1975), S. 82; PORTER (1985), S. 375.
32 Vgl. PICOT (1991), S. 337. MIKUS weist darauf hin, dass der Begriff der vertikalen Integration auch prozessbezogen interpretiert werden kann. Demnach handelt es sich um den Vorgang der Übernahme extern erbrachter Leistungsprozesse. Vgl. MIKUS (1998), S. 30.
33 Vgl. zu den unterschiedlichen Begriffsinhalten und –abgrenzungen PICOT (1991), S. 337. 34 Vgl. ZÄPFEL (1982), S. 51. Der Ausdruck dient als gemeinsamer Nenner der wenigen Begriffsbestim- mungen in der Literatur und ermöglicht lediglich eine grobe Beschreibung. Je nach zugrunde gelegter Berechnungsmethode und Datenquelle ergeben sich demzufolge höchst unterschiedliche Werte. Vgl. hierzu die Diskussion bei JÜRGENS/REUTTER (1989), S. 121 f.
35 Vgl. VDA (2003), S. 65.
- 7 -
3 Unternehmensnetzwerke in der Theorie
Die folgenden zwei Kapitel dienen der Entwicklung eines Bezugsrahmens, mit dessen
Hilfe Netzwerkstrukturen in der Automobilindustrie zielgerichtet systematisiert werden
können. Dabei erweisen sich Typologien als geeignetes Analyseinstrument, da sie
Strukturbildungen verfolgen, die eine Differenzierung der häufig komplexen realen
Erscheinungsformen ermöglichen und somit die Beschreibung dieser Phänomene sowie
deren Verständnis vereinfachen. 36 Typologien sind im Rahmen dieser Arbeit auch
gerade deshalb so geeignet, weil sie zusätzlich zur Identifikation statischer Ausgangsbe-
dingungen ebenfalls die Beschreibung von Typenwechseln im Zeitablauf erlauben. 37
3.1 Charakterisierung von Unternehmensnetzwerken
In diesem Sinne sind Kriterien für die Differenzierung von Netzwerkstrukturen zu
erarbeiten. Eine im Rahmen dieser Arbeit zielführende Selektion der in der Literatur
kaum zu überblickenden Anzahl an Merkmalen 38 muss sich dabei am Erklärungsgehalt
für die Kanteninhalte und Kantenmerkmale, d.h. für die strukturellen Eigenschaften von
Netzwerken, ausrichten. Vor diesem Hintergrund wird im Folgenden die Differen-
zierung von Netzwerken anhand der Wertschöpfungsstufe, der Bindungsintensität, der
Steuerungsform und der Zielsetzung des Netzwerks dargelegt. 39
3.1.1 Differenzierung anhand der Wertschöpfungsstufe
Das wohl meist verwendete Unterscheidungskriterium bei der Betrachtung von Netz-
werken in der Literatur ist die Wertschöpfungsstufe der Netzwerkpartner. 40 Demnach
können Unternehmen in einem arbeitsteiligen Wirtschafts- und Wertschöpfungsprozess
einzelnen Stufen zugeordnet werden, auf denen Waren bis zur Form, in der sie dem
Verbraucher oder Verwender angeboten wird, mit Wertschöpfung versehen werden.
41 36 Vgl. GROßE-OETRINGHAUS (1974), S. 36.
37 Die Betrachtung kann somit statisch-strukturell oder dynamisch-prozessual erfolgen. Vgl. hierzu HIPPE (1996), S. 39-41.
38 Vgl. zu Systematisierungsansätzen Snow/MILES/COLEMAN (1992), S. 11-14; SYDOW (1992a), S.63; MEYER (1995), S. 156 f.; FRIESE (1998), S. 151; STENGEL (1999), S. 136 f.; WERTZ (2000), S. 12 f.; PICOT/REICHWALD/WIGAND (2003), S. 302-304.
39 Der Aufbau der folgenden Abschnitte soll dabei zweigeteilt sein. Während einführend die Wahl der Typologie (Konzeptionalisierung) begründet und deren Zusammenhang zu der Struktur von Netz- werken aufgezeigt wird, soll anschließend die Entwicklung und Beschreibung der Merkmals- ausprägungen (Operationalisierung) erfolgen.
40 Vgl. PAUSENBERGER (1989), S. 623; BALLING (1997), S. 41.
41 Vgl. MORSCHETT (2003), S. 402.
- 8 -
Entsprechend der Wertschöpfungsstufen lassen sich somit horizontale, vertikale und laterale Netzwerke unterscheiden. Eine solche Differenzierung anhand der Richtung des Zusammenschlusses lässt Rückschlüsse auf Abhängigkeiten und asymmetrische Machtstrukturen im Netzwerk zu. So sind insbesondere Beziehungen zwischen Hersteller und Lieferanten, wie sie beispielsweise bei der Herstellung komplexer Systeme aufgrund der engen, langfristigen Ausrichtung und der hohen Spezifität des Lieferspektrums entstehen, trotz gegenseitiger Abhängigkeit vielfach durch Asymmetrie geprägt. 42 Die Typologie liefert daher wichtige Anhaltspunkte hinsichtlich der
strukturellen Dimension der ‚Kantenmerkmale’ eines Netzwerks.
Horizontale Netzwerke bestehen zwischen Unternehmen, die zur gleichen Branche zählen und auf der gleichen Stufe der Wertschöpfungskette tätig sind. 43 Im Extremfall
kooperieren dabei Unternehmen, die gleiche Produkte oder Dienstleistungen auf den selben Märkten anbieten, und somit normalerweise in direkter Konkurrenz zueinander stehen. Nicht einseitige Lieferbeziehungen sondern wechselseitige Austauschbezie- hungen stehen bei dieser Kooperationsform im Vordergrund. In der Regel liegen daher relativ homogene, gegenseitige Abhängigkeiten zwischen den Unternehmen vor. 44
Vertikale Netzwerke liegen vor, wenn sich Unternehmen zusammenfinden, die aufeinander folgenden Wertschöpfungsstufen angehören. Vom Betrachtungspunkt einer Unternehmung können vorwärts- oder rückwärtsgelagerte vertikale Netzwerke unterschieden werden. Vorwärtsgelagerte Netzwerke betreffen nachfolgende Wirtschaftsstufen wie dies beispielsweise im Fall einer Partnerschaft mit Vertriebs- gesellschaften zum Ausdruck kommt. 45 Rückwärtsgelagerte Netzwerke werden dabei
z.B. im Zuge der gemeinschaftlichen Entwicklung von Vorprodukten eingegangen. Diese Kooperationsformen zwischen Lieferanten und Abnehmern werden auch als „Wertschöpfungspartnerschaften“ bezeichnet. 46
Von der horizontalen und vertikalen Kooperation sind laterale Netzwerke abzugrenzen, bei denen die kooperierenden Unternehmen weder der gleichen Wirtschaftsstufe angehören, noch in Stufen des gleichen Wertschöpfungsprozesses integriert sind.
47 42 Vgl. MÄNNEL (1996), S. 148 f.
43 Vgl. PAUSENBERGER (1989), S. 623.
44 Vgl. WILDEMANN (1997), S. 423 f.
45 Vgl. ZENTES (1992), S. 21 und 28 f.
46 Vgl. JOHNSTON/LAWRENCE (1989), S. 81.
47 Vgl. FRIESE (1998), S. 150.
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Christian Baier, 2004, Netzwerkstrukturen in der Automobilindustrie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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