Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 3
2 AUSGANGSPUNKT: DAS JAHRESGUTACHTEN DES SACHVERSTÄNDIGENRATES FÜR DIE
KONZERTIERTE AKTION IM GESUNDHEITSWESEN 4
2.1 ZIELKONFLIKTE ZWISCHEN DER KNAPPHEIT DER RESSOURCEN UND DEN ZIELEN DER
MEDIZIN 5
2.2 WAS BEDEUTET GBE IM SINNE DES SACHVERSTÄNDIGENRATES ? 6
3 DIE ENTWICKLUNG DER GBE VON 1870 /71 BIS 2003 EIN KURZER HISTORISCHER
ABRISS 8
3.1 PHASE 1 : DAS DEUTSCHE REICH 8
3.2 PHASE 2 : DAS DRITTE REICH 9
3.3 PHASE 3 : VON DER NACHKRIEGSZEIT BIS ZU DEN 70 ERN 9
3.4 PHASE 4 : DIE 80 ER - EIN NEUBEGINN 10
3.5 PHASE 5 : DIE ROUTINEPHASE 12
4 DIE GBE ZUR DISKUSSION GESTELLT 13
4.1 DAS SCHEITERN DER ROUTINISIERUNG 13
4.2 GBE UND ÖFFENTLICHKEIT 16
5 ABSCHLIEßENDE ÜBERLEGUNGEN 24
ANMERKUNGEN 25
1 ANHANG 27
LITERATURVERZEICHNIS 30
EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG 32
2
1 Einleitung
Seitens unterschiedlicher Initiativen wurde seit 1970 auf Landes-, Bundes- und Körperschaftsebene versucht, die Informationsgrundlagen der Gesundheitsberichterstattung (GBE) zu verbessern. Diese Versuche zeichnen sich jedoch durch mangelnde Routinisierung, geringe Ressourcen sowie einer problematischen Wahrnehmung im öffentlichen und politischen Rahmen aus. So beruht die Möglichkeit einer staatlichen Gesundheitsberichterstattung auf dem Anspruch, „dass ein auf Sachverstand und Wissenschaft gebautes Urteil möglich ist und dass im demokratischen Prozess die Expertise jenseits von Interessenspartikularität organisiert werden kann“ 1 . 2
GBE ist in ihren öffentlich wirksamen Formen durch 2 Extreme gekennzeichnet: (1) Es existiert eine aktuelle Medienberichterstattung über gesundheitsrelevante Belange, die durch Expertendissens, Interessenspartikularität und Emotionalisierung gekennzeichnet ist. (2) Dem steht eine staatliche Berichterstattung gegenüber, „die immer im Verdacht steht, auf der Oberfläche von Politikmarketing und politischer Profilierung als Hofberichte stehen zubleiben “ 1 . 2
Aus diesem Grund erhebt die GBE den Anspruch fachlicher Legitimation - zumindest sollte sie das - woraus sich die Notwendigkeit ergibt, diese beiden Extreme zu überwinden. Denn eine derartige GBE ist durch gesundheitspolitische Relevanz ihrer Themen, fachliche Qualität ihrer Informationen und Neutralität gegenüber Partikularinteressen gekennzeichnet. 2
Im Rahmen dieser Arbeit, soll geprüft werden, ob die derzeitig praktizierte GBE den genannten Ansprüchen gerecht wird, oder ob sie doch eher eine Hofberichterstattung darstellt. Ausgehend von dem Jahresgutachten des Sachverständigenrates der Konzertierten Aktion von 1987 werden die Zielkonflikte zwischen der Ressourcenknappheit und den Zielen der Medizin dargestellt, denen sich ein kurzer historischer Abriss der Entwicklung der GBE in den letzten dreißig Jahren anschließt. Darauf aufbauend wird die aktuelle GBE zur Diskussion gestellt, indem u.a. Fragen nach der Orientierungsfunktion
1 (Borgers, Streich, 1996, S.596)
2 (Borgers, Streich, 1996, S.596)
3
der GBE und ihrer Rolle im Rahmen der Öffentlichkeit debattiert werden. Die Arbeit endet mit abschließenden Überlegungen.
2 Ausgangspunkt: Das Jahresgutachten des Sachver-
ständigenrates für die Konzertierte Aktion im G e-sundheitswesen
Die Verbesserung des Gesundheitszustandes der Menschen und die damit verbundene Steigerung der Lebensqualität stellt das globale Ziel einer langfristig angelegten Ge-sundheitspolitik dar. Hierbei steht das gesundheitspolitische Handeln im Spannungsfeld zwischen der Medizin und Ökonomie, da die knappen Ressourcen eine möglichst effiziente und vor dem Hintergrund von Kosten-Nutzen-Erwägungen effektive Mittelverwendung erfordern. Angesichts der Interessenspartikularität der deutschen pluralistischen Gesellschaft, benötigt die Gesundheitspolitik aktuelle Informationen, „die auf bestehende Problemsituationen hinweisen, aufklärend wirken, die gesundheitspolitische Diskussion und die Programmentwicklung fördern sowie rationale Entscheidungs- und Bewertungsprozesse unterstützen helfen“ 3 . 4
So forderte der Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen in seinem ersten Jahresgutachten 1987 den Aufbau einer GBE, die u.a. ökonomische und medizinische Orientierungsdaten reflektieren muss, eine umfangreiche Betrachtung der einzelnen Versorgungsbereiche ermöglicht und zugleich Entscheidungshilfen für Parlamente und Öffentlichkeit bietet. 4
3 (Hoffmann, Ulrich, 1993, S.33)
4 (vgl. Hoffmann, Ulrich, 1993, S.33)
4
2.1 Zielkonflikte zwischen der Knappheit der Ressourcen
und den Zielen der Medizin
„Gesundheitspolitisches Handeln steht im Spannungsfeld zwischen Medizin und Ökonomie.“ 5
Der Ökonom strebt eine bedarfsgerechte und kostengünstige Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen an. Knappe Ressourcen und die grundsätzlich unbegrenzten Bedürfnisse der Konsumenten stellen hierbei zwei wesentliche Ausgangsprobleme dar. Von daher steht das Wirtschaftlichkeitsgebot nicht im Einklang mit den Zielen der Medizin. 6 Zu diesen zählen: „(1) vermeidbaren Tod hinausschieben
(2) Bekämpfung, Verhütung, Linderung und Heilung von Krankheit sowie damit verbundenem Schmerz und Unwohlsein,
(3) Wiederherstellung der körperlichen und psychischen Funktionstüchtigkeit, (4) die Wahrung der menschlichen Würde und Freiheit auch im Krankheitsfall und beim Sterben.“ 5
Je knapper jedoch die Ressourcen - die eine Gesellschaft für die Gesundheitsversorgung bereit ist aufzubringen - umso stärker treten Kosten-Nutzen-Erwägungen in den Vordergrund 6 und „umso mehr geraten die Leistungserbringer, die Arzneimittelhersteller und die Produzenten medizinisch-technischer Geräte unter Rechtfertigungszwang.“ 5 Das bedeutet, dass die Maßnahmen - bei einer relativen Verknappung der Mittel - nach Maßgabe ihrer Gesundheitswirksamkeit getroffen werden sollten. Finanzielle Ressourcen sind demnach nicht nur nach effektiven Kriterien einzusetzen, sondern auch nach effizienten. In diesem Sinne berücksichtigt eine ganzheitlich ausgerichtete Gesundheitsberichterstattung (GBE) nicht nur den medizinischen, sondern auch den ökonomischen Aspekt. 6
„Diese Auseinandersetzung soll durch Orientierungsdaten erleichtert werden; das ... Spannungsverhältnis zwischen der grundsätzlichen Knappheit der Ressourcen und
5 (Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, 1987, S.23)
6 (vgl.: Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, 1987, S.23)
5
den Möglichkeiten der Medizin soll durch Orientierungsdaten zumindest partiell eine rationale Grundlage erhalten.“ 5
Von daher besteht das Ziel darin, intersubjektiv nachvollziehbare Daten und statistische Grundlagen zu schaffen, um so die Diskussion zu versachlichen, ohne dabei aber den notwendigen Abwägungsprozess überflüssig zu machen. Im Sinne einer Kosten-Nutzen-Abwägung sollen medizinische und ökonomische Orientierungsdaten den „schwierigen Prozess der Güterabwägung“ von eingesetzten Mitteln und erreichten Zielen erleichtern. 6
2.2 Was bedeutet GBE im Sinne des Sachverständigen-
rates?
Die zentrale Aufgabe der GBE besteht nach Auffassung des Sachverständigenrates für die konzertierte Aktion im Gesundheitswesen in der Bestandsaufnahme der Gesund-heitsversorgung nach den Teilbereichen: Krankheitsarten, Regionen und Bevölkerungsgruppen. Ein solches Berichtsystem ist mit der gesamtwirtschaftlichen Gesamtrechnung vergleichbar, da die Kenntnisse über die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes ohne GBE unzureichend wären. 7 Zu wichtigen Bestandteilen einer GBE zählen:
ð „Bevölkerungsentwicklung (Demographie), auch gesondert für die Versicherten in der GKV, ð Gesundheitsstand (Morbidität, Mortalität), ð Angebot an Gesundheitseinrichtungen bzw. -leistungen (Kapazität), ð Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen bzw. -leistungen (Nutzung), ð Finanzielle Situation im Gesundheitswesen (Finanzlage), ð Krankenversicherungsschutz (Versichertenstatus).“ 8
So zählen aber auch Modellrechnungen, Prognosen und die Abschätzung von Entwicklungstendenzen langfristig zu den Aufgaben einer GBE. Langfristig gilt es ein Berichtsystem zu entwickeln, das umfassende, fortschreibungsfähige und schlüssige Orientie-
7 (vgl.Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, 1987, S.24)
8 (Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, 1987, S.24)
6
rungsdaten für die wichtigsten Gesundheits- und Versorgungsprobleme der Bevölkerung bereitstellt. 7
Mit Blick auf die noch folgende Diskussion - GBE eine Hofberichterstattung (Orientierungsfunktion der GBE) - gilt es nun kurz darauf einzugehen, welche Daten zu den Orientierungsdaten im Sinne des Sachverständigenrates zählen:
- „Daten im Sinne von statistischen Befunden und Zahlenangaben (Ergebnisse der Gesundheitsberichterstattung in Form von Gesundheitsindikatoren und Modellrechnungen),
- Daten als unabhängige Sachverhalte (z.B. die Knappheit der Ressourcen oder das Gesundheitswesen als Wirtschafts- und Wachstumsfaktor),
- Daten im Sinne von (politisch) vorgegebenen Zielen (z.B. einnahmeorientierte Ausgabenpolitik),
- Daten im Sinne von wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen (z.B. Finanzlage und Krankversicherungsschutz),
- Daten im Sinne von Empfehlungen (z.B. medizinischer Handlungsbedarf).“ 9
Bei Orientierungsdaten handelt es sich also um Informationen, die - sowie sie mit Bewertungen verbunden sind - durchaus Weisungscharakter aufweisen können. Sie dienen der Orientierung der Verantwortlichen für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens und stärken bei der zukünftigen Gestaltung des Gesundheitswesens deren Autonomie. 10
Seitens der Politik und Selbstverwaltung gilt es mit Hilfe von Orientierungsdaten Prioritäten zu setzen, sodass in Anlehnung an diese, gesundheitspolitische Entscheidungen zu treffen sind. Auf diese Weise kann ein qualitativ hochwertiges Berichtwesen als diagnostisches Hilfsmittel, sowie Instrument zur Beurteilung von Effizienz und Effektivität der Gesundheitsversorgung fungieren und somit zur Entscheidungsfindung beitragen. 11
9 (Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, 1987, S.27)
10 (vgl. Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, 1987, S.27)
11 (vgl. Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, 1987, S.145)
7
Hieran anlehnend erfolgt nun ein kurzer historischer Abriss über die Entwicklung der GBE innerhalb der letzten dreißig Jahre, woraus der derzeitige Aufbau der GBE hervorgeht.
3 Die Entwicklung der GBE von 1870/71 bis 2003 - ein
kurzer historischer Abriss
Die historische Reflexion der GBE in Deutschland umfasst die Zeit des Deutschen Kaiserreiches, das Dritte Reich, die Nachkriegszeit bis zu den 70ern, die 80er sowie die Neuzeit. Anhand dessen wird deutlich, welche Entwicklung die GBE seit 1870 genommen hat und durch welche Umstände die derzeitige Lage begünstigt wurde.
3.1 Phase 1: Das Deutsche Reich
Bereits mit der deutschen Reichsgründung 1870/71 bestand das Interesse der Reichsführung darin, „“wirksame Maßregeln zur Abkehr, Bekämpfung von Seuchen, wie überhaupt zur Förderung der Gesundheit“ [3] 12 zu treffen“. Zu diesen Zwecken wurde 1876 das Kaiserliche Gesundheitsamt eingerichtet und ein Jahr später die Wochenschrift „Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamtes“ ins Leben gerufen. Das Ziel der Wochenschrift bestand darin, das statistische Zahlenmaterial wie auch Beobachtungen des Gesundheitsamtes weiteren Kreisen zugänglich zumachen. So wurde damals bereits der Zusammenhang zwischen einer leserfreundlichen Gestaltung und der Akzeptanz der Publikation erkannt. 13
Im Jahr 1894 erschien das kostenpflichtige „Gesundheitsbüchlein“ als Beitrag zur Förderung der Volkswohlfahrt. Hinter dieser Publikation verbarg sich u.a. die Überzeugung, dass bei jedem Gebildeten ein gewisses Maß an Kenntnissen auf dem Gebiet der Ge-sundheitslehre und -pflege vorrausgesetzt werden kann. 14
Dreizehn Jahre später (1907) erschien schließlich der erste „Reichsgesundheitsbericht“ mit dem Titel „Das Deutsche Reich in gesundheitlicher und demographischer
12 ([3]~ Kaiserliches Gesundheitsamt; Kaiserliches Statistisches Amt, (1907) Das Deutsche Reich in gesundheitlicher und demographischer Beziehung. Von Puttkamer & Mühlbrecht, Berlin)
13 (vgl. Riedmann, 2000, S. 594)
14 (vgl. Riedmann, 2000, S. 595)
8
Quote paper:
Master of Science in Public Health and Administration Franziska Bittner, 2004, Legitimation und Anspruch einer Gesundheitsberichterstattung: Gesundheitsberichte oder Hofberichte?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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