SPAREN UND LEIHEN
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Zum Verständnis von Sparen 3
3.1 Gründe für Sparen 6
3.1.2 Motive des Sparens nach Keynes 8
3.1.3 Motive des Sparens nach Katona 8
3.1.4 Motive des Sparens und unternehmerische Reaktionen 9
3.2 Charakteristika des Sparers 11
2. Zum Verständnis von Leihen 13
2.1. Gründe für Leihen 13
2.2. Leihen und Schulden 17
3. Das Konzept geistiger Konten nach Thaler 18
4. Kritische Würdigung 19
Literaturverzeichnis 21
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Einleitung
Sparen und Leihen sind Phänomene mit denen Individuen in den so genannten entwickelten Volkswirtschaften täglich konfrontiert werden – direkt oder indi- rekt, persönlich oder durch die Medien. Aufgrund der Omnipräsenz beider Vo- kabeln sowie der Vielzahl begrifflicher Substitute, ist es im Alltag schwierig den Einzelnen für die zielorientierte Analyse seines Spar- und Leihverhaltens zu sensibilisieren. In Abhängigkeit von der allgemeinen Wahrnehmung der ö- konomischen Situation sowie den Aktivitäten von Unternehmen im Rahmen von Werbefeldzügen, wird den Vokabeln Sparen und Leihen respektive ihren Substituten entweder Trendkonformität zu- oder abgesprochen. Diese Beein- flussung kann unter Umständen zu einer Verklärung der eigentlichen Begriffs- inhalte und zur Desensibilisierung für mögliche Probleme führen. Probleme können unter anderem dann auftreten, wenn Sparen unterlassen wird und/oder das Leihvolumen die Rückzahlungspotenz übersteigt. Dies weist auf zwei wichtige Fähigkeiten im Zusammenhang mit Sparen und Leihen hin: Langzeit- perspektive und Selbstdisziplin der Individuen.
Ziel dieser Arbeit ist es, nicht nur ein inhaltliches Verständnis für Sparen und Leihen zu schaffen, sondern vor allem mögliche Gründe für beide Phänomene darzustellen. Dabei wird der Versuch unternommen sowohl ökonomische als auch psychologische Erklärungsansätze zu beleuchten. Abschließend erfolgt eine knappe Darstellung des Konzeptes der geistigen Konten, als einem Ansatz zum Erklären des haushaltssimultanen Auftretens von Sparen und Leihen.
1. Zum Verständnis von Sparen
In der Ökonomie herrscht weitgehend Übereinstimmung, dass „[...] Ersparnis den Überschuß des Einkommens über die Ausgabe für den Verbrauch bedeu- tet.“ (Keynes, 1966, S. 54) Ersparnis respektive Sparen ist aus ökonomischer Sicht folglich eine durch das Individuum nicht beeinflussbare Residualgröße, der originären Größen Einkommen und Verbrauchsausgaben. Als Opponent zum Sparen wird in der (makro-)ökonomischen Betrachtung die Investition ge- nannt, welche ihrer Größe nach, immer dem Betrag des Sparens entspricht. Die
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betragsmäßige Gleichheit von Ersparnis und Investition ergibt sich aus folgen- der Überlegung (Keynes, 1966, S. 54ff.):
(I) (II) (I in II) Im Rahmen der mikroökonomischen Theorie gilt das Untersuchungsinteresse unter anderem dem individuellen Verhalten privater Haushalte als Wirtschaft- subjekte. Im Gegensatz zur Psychologie ist die (Mikro-)Ökonomie jedoch we- niger an der Analyse tatsächlicher Verhaltensweisen von einzelnen Individuen, als vielmehr an der Modellierung des Verhaltens des homo oeconomicus inte- ressiert oder durch den Drang zur inhaltlichen Geschlossenheit der Modelle, beschränkt. Der Terminus homo oeconomicus beschreibt den Menschen als wirtschaftlich denkendes und handelndes Wesen, welches aufgrund rationaler Überlegungen und Handlungen versucht, seinen persönlichen Nutzen zu ma- ximieren (Kirchgässner, 2000, S. 12ff.). Diesem, für Zwecke der ökonomi- schen Analyse idealisiertem Typus des Menschen, steht jedoch die begrenzte Rationalität des Menschen gegenüber. Begrenzte Rationalität meint, dass sich der Mensch aufgrund verschiedener Faktoren nicht wie ein homo oeconomicus verhält (Kirchgässner, 2000, S. 27ff.). Solche Faktoren können unter anderem sein: unvollständige Informationen, asymmetrische Informationsverteilung, keine unendlich schnelle Reaktions- und Entscheidungsfähigkeit sowie Beein- flussung durch Werbung und Erwartungen über die Zukunft. Folglich versucht die Mikro-Ökonomie zwar den individuellen Handlungsmotivationen und da- mit auch den Ursachen des Sparens näher zu kommen, beschränkt sich jedoch häufig auf den rationalen Haushalt, der im Zuge intertemporaler Budgetierung (Einkommensglättung) versucht, durch Konsumverzicht (Sparen) heute, Kon- sum in der Zukunft (Entsparen) zu ermöglichen. Interessant ist hier der implizi- te Unterschied in der Definition von Sparen gegenüber der klassischen (makro- )ökonomischen Betrachtung. Durch den Einbezug von Zukunftsperioden in das Entscheidungskahlkühl, ist Sparen keine passive Residualgröße des heutigen Einkommens vermindert um die heutigen Konsumausgaben, sondern ein akti- ver Entscheidungsparameter für Zukunftskonsum.
Im Gegensatz zur ökonomischen Definition des Sparens als Residualgröße, kann Sparen im psychologischen Kontext als Prozess des Schonens, Aufbe-
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wahrens, die Nutzung beziehungsweise Anwendung zurückhaltend, angesehen werden (http://www.dwb.uni-trier.de/index.html). Dieser Nutzungs- respektive Anwendungsaufschub kann durch das Individuum sowohl aktiv als auch passiv geschehen. Der Nutzungsaufschub erfolgt aktiv, wenn das Individuum die Nut- zung bewusst in zukünftige Perioden verlagert. Sparen als aktiver Nutzungs- aufschub entspricht damit der Entscheidung des privaten Haushalts für Zu- kunftskonsum in der Mikro-Ökonomie. Der Nutzungsaufschub erfolgt passiv, wenn das Individuum, nach vollständiger Befriedigung seiner Bedürfnisse, ü- ber einen Ressourcenüberhang in der Gegenwart verfügt (etwas übrig hat), welcher in zukünftigen Perioden genutzt werden kann. Sparen als passiver Nutzungsaufschub entspricht damit der Residualgröße des Einkommens ver- mindert um die Konsumausgaben in der traditionellen (Makro-)Ökonomie. Im Rahmen dieser Arbeit soll Sparen als aktiver Nutzungsaufschub des privaten Haushalts zulasten der Gegenwartsperiode und zugunsten der Zukunftsperio- den verstanden werden.
Aufgrund der Fungibilität von Geld, handelt es sich in der heutigen Zeit beim Sparen in der Regel um Geld. Da sich durch den Nutzungsaufschub und das zur Verfügung stellen des Geldbetrages gegenüber eine Bank oder Sparkasse, Zinseinkünfte erzielen lassen, ist auch unter der Annahme begrenzter Rationa- lität davon auszugehen, dass Individuen, zumindest Teilbeträge des Nutzungs- aufschubes, in Geld auf Bankkonten sparen. Soweit Individuen Mittel für den Zukunftskonsum unentgeltlich, das heißt im so genannten Sparstrumpf oder „unter der Matratze“ und mithin ohne Zinseinkünfte zurückhalten, scheint spa- ren auf den ersten Blick, insbesondere unter der Annahme von Inflation, nicht rational. Dies gilt es durch näheres Beleuchten von entgeltlichem und unent- geltlichem (zinslose) Sparen kritisch zu hinterfragen. Eine mögliche Ursache für das unentgeltliche Zurückhalten von finanziellen Ressourcen können die „psychologischen und geschäftlichen Antriebe zur Liquidität“ (Keynes, 1966, S. 163) sein. Keynes (1966) nennt drei mögliche Beweggründe für das Vorhal- ten von Liquidität: das Umsatzmotiv (Einkommens- oder Geschäftsmotiv), das Vorsichtsmotiv und das Spekulationsmotiv. Er verweist weiterhin darauf, dass das für jeden der drei Beweggründe gehaltene Geld eine Einheit bildet und kei- ner scharfen geistigen Trennung bedarf, denn „[...] die gleiche Summe kann in erster Linie für einen Zweck und in zweiter Linie für einen anderen gehalten
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3.1 Gründe für Sparen Individuen können eine Vielzahl verschiedener Gründe für das Sparen haben (Keim/Steffens, 2000, S. 51, Lunt/Livingstone, 1992, S. 26 ff.), die sowohl im ökonomischen und sozialen Umfeld der Person, als auch in der Person selbst liegen können. Nicht nur die Motive des Sparens sondern auch deren Ausprä- gungen können interpersonell stark variieren, sowie mehr oder weniger be- wusst in Erscheinung treten. Im folgenden wird ein knapper Überblick zu un- terschiedlichen Systematisierungen potentieller Sparmotive gegeben.
3.1.1 Lebenszyklus-Theorie des Sparens
Die Lebenszyklus-Theorie des Sparens (life-cycle theory of savings) wird auf- grund ihrer Eleganz und Rationalität, insbesondere in der Ökonomie gern zur Erklärung von individuellem Sparverhalten herangezogen, kann in der Regel jedoch empirisch nicht bestätigt werden (Thaler, 1990, S. 193f.). Die Entschei- dung für Gegenwarts- respektive Zukunftskonsum trifft der Haushalt dabei an- nahmegemäß unter anderem aufgrund seiner Präferenzen, deren Entstehen und Veränderung jedoch eher die Psychologie als die Ökonomie erklärt (Kirch- gässner, 2000, S.29). Ausgangspunkt der Lebenszyklus-Theorie des Sparens ist die Annahme, dass das Sparverhalten rational handelnder Individuen zu jedem
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André Berndt, 2004, Sparen und Leihen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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