Gliederung
Seite
1. Problemstellung und Vorgehensweise 1
2. Wirtschaftliche Ausgangslage Deutschlands nach Ende 3
des zweiten Weltkriegs
2.1. Wirtschaftliche Lage nach Kriegsende 3
2.1.1. Zurückgestaute Inflation 5
2.1.2. Wirkungen auf Wirtschaft und Handel 6
3. Vorbereitungen zur Währungsreform 8
3.1. Überlegungen zur Beseitigung des Geldüberhanges 9
3.1.1. Colm-Dodge-Goldsmith Plan 10
3.1.2. Homburger Plan 11
3.2. Konklave von Rothwesten 13
3.3. Leitsätzegesetz 14
4. Währungsreform 15
5. Fazit / Schlußbemerkung 17
6. Quellen- und Literaturverzeichnis 19
7. Anhang I
I. Historie der Währungsreform I
II. Schlagwortverzeichnis III
III. Tabellen IV
A. Tabellenverzeichnis
Seite
Tabelle1: Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung in 4
Westdeutschland 1936 - 1958
Tabelle2: Geldumlaufvergleich: Deutsches Reich Ende 1944 6
versus drei Westzonen am 20.06.48
B. Abkürzungsverzeichnis
ca.: circa
C-D-G Plan: Colm-Dodge-Goldsmith Plan DM: Deutsche Mark Mio.: Millionen Mrd.: Milliarden RM.: Reichs Mark S.: Seite s.o.: siehe oben
UdSSR: Union der sozialistischen Sowjet Republiken USA: United Staates of America u.v.a.: und viele andere vgl.: vergleiche v.H.: von Hundert z.B.: zum Beispiel
1. Problemstellung und Vorgehensweise
Der zweite Weltkrieg hatte Deutschland, wie weite Teile Europas in eine Trümmerlandschaft verwandelt und forderte allein in Deutschland 8,2 Mio. Menschenleben. Nach Ende des Krieges teilten die alliierten Siegermächte Frankreich, Großbritannien, UdSSR und die USA das Staatsgebiet des ehemaligen deutschen Reiches unter sich auf und übernahmen vorübergehend, durch die Berliner Deklaration am 5. Juni 1945, die oberste Regierungsgewalt in Deutschland. Neben unvorstellbaren Sachschäden und menschlichem Leid, welche die Schrecken des Krieges gefordert hatten, hinterließen die Kriegsfinanzierung und eine damit verbundene Lenkung der Wirtschaft ein zerrüttetes und somit funktionsunfähiges Geldwesen. Zudem war jede deutsche Selbstverwaltung zu dieser Zeit bis in die untersten kommunalen Ebenen hinein zusammengebrochen. Aus den Trümmern des ,,Dritten Reiches" entstand so die Herausforderung und die Frage, welche Voraussetzungen man für ein neues Deutschland schaffen müsse, welches autonom handeln, aber auch die Sicherheitsanforderungen der europäischen Staaten und Siegermächte erfüllen kann.
Die vorliegende Arbeit behandelt mit der Währungsreform des Jahres 1948 ein elementares Ereignis der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, wie die Verfassung des Geldwesens und der deutschen Wirtschaft nach Kriegsende war und in welcher Weise in Westdeutschland bei der Neuordnung des Geldwesens vorgegangen und dadurch die Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Wiederaufstieg geschaffen wurden. Im folgenden soll unter Währungsreform eine solche Neuordnung des Geldwesens verstanden werden, die einer monetären Instabilität ein Ende setzt und die Voraussetzung für eine funktionsfähige Geldwirtschaft wieder herstellt. Im Bezug hierauf soll im einzelnen folgenden Fragestellungen nachgegangen werden: 1. Welche Pläne standen zur Durchführung der Währungsreform zur Verfügung? 2. Was waren ihre wesentlichen Inhalte? 3. Wie wurden diese Pläne umgesetzt?
Bevor auf diese Fragestellungen eingegangen wird, erfolgt im zweiten Kapitel zunächst die Skizzierung der politischen und wirtschaftlichen Situation Deutschlands. Diese wird zunächst durch die Darstellung der wesentlichen Ursachen der vorherrschenden Inflation skizziert. Um den Zusammenhang zwischen
Reichsverschuldung und Geldumlauf zu verdeutlichen, wird kurz auf die Haushaltsentwicklung des Deutschen Reiches von 1936/37 bis 1944/45 eingegangen. Im dritten Kapitel dieser Hausarbeit wird die erste der obengenannten Fragestellungen behandelt. Die Ausführungen beschränken sich hierbei auf die beiden Konzepte, die letztendlich im Konklave von Rothwesten alternativ zur Durchführung der Reform zur
Verfügung standen. Im vierten Kapitel erfolgt dann eine Darstellung der drei grundlegenden Gesetze der Neuordnung des Geldwesens.
Neben der Darstellung der Ereignisse und Hintergründe die zur Währungsreform im Jahre 1948 führten, legt diese Arbeit einen besonderen Schwerpunkt darauf, die Motive der damaligen Entscheidungen zu untersuchen. Für die „Väter der Neuordnung“ bestanden hierbei zwei mögliche Leitlinien: 1. Autonom aus den Fehlern und dem Zusammenbruch des Geldwesens zu lernen mit dem Wunsch, eine Grundlage für ein neues System ohne die alten Schwächen zu installieren. 2. Das Handeln unter dem Druck der Siegermächte, die überwiegend an einem selbstverwalteten, aber friedlichen Deutschland interessiert waren. Vor allem die Frage, inwieweit die Währungsreform aus deutscher Eigeninitiative bzw. sie von den Siegermächten erzwungen worden war, soll hier ein Bestandteil der Untersuchung sein.
Nicht immer hält sich diese Arbeit streng an die Chronologie der Ereignisse. Die Übersichtlichkeit macht es gelegentlich notwendig, ein wenig vorzugreifen. Im Anhang findet sich jedoch eine chronologische Übersicht über die Ereignisse zur Orientierung für den Leser. Auch kann im engen Rahmen einer solchen Hausarbeit nur auf die wirtschaftlichen Geschehnisse eingegangen werden; die politischen und sozialen Komponenten (Auswirkungen des Krieges und der Nachkriegszeit a uf die Wirtschaft anderer Kriegsparteien, Unterversorgung der deutschen Bevölkerung in der Nachkriegszeit, Reparationen, Demontagen, Vertreibungen aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße-Grenze, zerstörte Infrastruktur u.v.a.) können daher nur am Rande berücksichtigt werden.
2. Wirtschaftliche Ausgangslage Deutschlands nach Ende
des zweiten Weltkriegs
Beginnend mit der Erörterung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands nach Ende des zweiten Weltkrieges sollen zunächst die Folgewirkungen der
kriegsfinanzierungsbedingten Aushöhlung der Reichswährung dargestellt werden, um die Beweggründe für eine Währungsreform und die später tatsächlich eingesetzten Instrumentarien besser einordnen zu können. Im wesentlichen soll hier die Entstehung und das Wesen der sogenannte „zurückgestauten Inflation“ betrachtet werden, sowie die Folgewirkungen dieser auf Wirtschaft und Handel. Zusätzlich soll in diesem Kapitel eine kurze Darstellung der Haushaltsentwicklung des Deutschen Reiches von 1936/37 bis 1944/45 den Hintergrund zwischen Geldumlauf und Reichsschuld skizzieren. Die Frage, inwieweit die spätere Währungsreform von der hier dargestellten Ausgangssituation beeinflusst wurde, und wenn ja mit welchen sichtbaren Konsequenzen sie die Währungsreform beeinflusste, soll im abschließenden Fazit wieder aufgenommen werden.
2.1. Wirtschaftliche Lage nach Kriegsende
Nach sechs Jahren Kriegswirtschaft endete, durch die bedingungslose Kapitulation 1 G roße Teile der am 8. Mai 1945, der zweite Weltkrieg für das Deutsche Reich. wirtschaftlichen Produktionsstätten, der Infrastruktur und Wohnhäuser waren infolge des Krieges teilweise oder ganz zerstört. Insgesamt wurde ca. ein Sechstel des industriellen Vorkriegskapitalstocks in Westdeutschland vernichtet und eine Selbstverwaltung Deutschlands war bis in die untersten kommunalen Ebenen faktisch 2 Zudem war eine gewaltige Aufblähung des Geldvolumens, nicht mehr gegeben.
bedingt durch den Krieg und die Art seiner Finanzierung, zu beobachten. Obwohl nach Ende des Krieges eine Vernichtung von ca. einem Sechstel des industriellen Vorkriegskapitalstocks zu beobachten war, ist das industrielle
1
Vgl. Brackman (1993), S.189.
2 Vgl. Fischer (Rainer Klump, 1989), S.410.
Anlagevermögen nach Kriegsende jedoch kalkulatorisch höher als vor Beginn des 3 Dieser Tatbestand lässt sich dadurch erklären, dass schon im Krieges anzusetzen.
Laufe der Kriegsvorbereitungen die Weichen für einen massiven Ausbau der kriegsindustriellen Produktionsstätten gestellt wurden, welche während des Krieges ihre Umsetzung fanden. Aus diesem Grunde wuchs das gesamte industrielle Anlagevermögen während des Krieges. (vgl. Tabelle 1)
Ihre Zerstörungsgrade und die zum Teil massive Beschädigung der angeschlossenen Infrastruktur waren meist an ihre jeweilige strategische Wichtigkeit gekoppelt. Zusätzlich wurde ihre Nutzbarkeit durch die Folgen der Berliner Deklaration vom 5. Juni 1945 gehemmt. Ergebnis dieser Deklaration war die Aufteilung Deutschlands durch die Alliierten Siegermächte Frankreich, Großbritannien, UdSSR und die USA in vier Besatzungszonen. Obwohl alle Siegermächte anfänglich dafür stimmten schnellstmöglich einen einheitlichen, neu strukturierten Wirtschaftsraum für ganz Deutschland zu kreieren, verfolgten die einzelnen Alliierten doch eher eigene politische Interessen, wie etwa die Einforderung Frankreichs und der Sowjetunion von 4 Reparationen .
3
Vgl. Fischer (Rainer Klump, 1989), S.410.
4 Vgl. Brackman (1993), S.200ff.
Arbeit zitieren:
Bastian Müller, 2001, Gründe und Inhalte der westdeutschen Währungsreform im Jahre 1948, München, GRIN Verlag GmbH
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