Seit seiner Entwicklung hielt das sagenumwobene Neurolinguistische Programmieren (NLP) in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen westlicher Industrieländer Einzug. Mein Erkenntnisinteresse war ursprünglich von der allgemeinen Frage geleitet, was hinter der als geradezu omnipotent beworbenen Methode steckt.
Dem aktuellen Forschungstand zufolge handelt es beim NLP nicht wie von den Begründern und Befürwortern behauptet um eine effiziente moderne Psychotherapiemethode, sondern vielmehr um eine Psychotechnische Schule. Intention der vorliegenden Seminararbeit ist es, anhand der Ursprünge und grundlegenden Theorien des NLP aufzuzeigen, wie die erste Generation, auf die ich mich in meiner Arbeit fokussiere, ein Blendwerk geschaffen hat, das von Beginn an als Verkaufsschlager intendiert zu sein scheint. Ich stelle die Hypothese auf, dass ein Gründungsmythos und darauf aufbauende Legendenbildung entscheidend zum Erfolg des NLP beitragen, denn sie begründen das gesellschaftliche Image dieses - hier soziologisch betrachteten - Phänomens. Die abenteuerliche Pionierzeit, in denen das NLP als ‚pseudo-wissenschafltliches Blumenkind’ auf dem akademisches Forschungsfeld der progressiven Gemeinde von Santa Cruz gedieh, wird in den zahllosen unkritischen NLP-Büchern attraktiv und verkaufsfördernd, aber wohl kaum wahrheitsgemäß geschildert. Die selbst- immunisierende Wirkung dieses schönen Märchens, aus dem sich schließlich alle NLP-Heilsversprechen ableiten, wird bei den unzählbaren Anbietern von NLP-Seminaren, -Anwend ungen, -Workshops, -Literatur und sonstigen Produkten offenkundig.
Die folgende Untersuchung soll Licht ins Dunkel der mystifizierten Anfänge des NLP bringen und an diesem Exempel erklärbar machen, warum psychotechnische Ansätze bzw. deren Kommerzialisierung in der sozialen Realität der Postmoderne so gut funktionieren. Als Einstieg in die Thematik werde ich in Kapitel 1 das NLP ausgehend von der wissenschafts- wie erkenntnistheoretisch interessanten Computer-Metapher des menschlichen Geistes einführen, um damit eingangs den zugrunde liegenden Denkstil zu charakterisieren. Im zweiten Kapitel versuche ich den Ursprung des NLP als wissenschaftlicher Forschungsdisziplin zu rekonstruieren, indem ich die geistesgeschichtlichen Hintergründe und prosperierenden wissenschaftlichen Forschungsfelder untersuche, in deren Kontext das NLP entstand.
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der wesentlichen Theorien und Modelle des Ansatzes, wie sie von der Gründer-Generation des NLP entwickelt wurden. Auf Grund der
1
verwirrenden Vielfalt an Konzepten und Anwendungsmöglichkeiten ist es unerlässlich, Untersuchungsgegenstand wie -zeitraum stark einzugrenzen. Ich fokussiere mich auf das ursprüngliche Konzept, wie es zwischen 1972 und 1979 von Richard Bandler und John Grinder als psychologische bzw. psychotherapeutische Forschungsdisziplin begründet wurde. Kapitel 3.1. beleuchtet die Geburtsstunde des NLP, dem Konstruktivismus, Kybernetik und ein offener experimenteller Zeitgeist Pate standen. Meine Untersuchung des Meta-Modells I, das angeblich die Struktur der Magie aufdeckt, zeigt, inwiefern die Wahrnehmungstheorie der NLP-Pioniere und ihre Auffassung über die Veränderung des subjektiven Erlebens innovativ und wissenschaftlich fundiert sind. In Kapitel 3.2. behandle ich mit dem Milton-Modell die zweite zentrale Säule des Ansatzes. Der Einsatz von Trance nach dem Verständnis und Vorbild Ericksons bildet den Kern der NLP-Methodik, deren Verfahrensweise bei der Veränderungsarbeit im Wesentlichen auf den Sprachmustern des Begründers der modernen Hypnotherapie basiert. Eine nähere Auseinandersetzung mit der herausragenden Persönlichkeit Milton H. Erickson und seinem Lebenswerk zeigen, warum das Original dem Modell unbedingt vorzuziehen ist. Um die Betrachtungen des Hauptteils abzuschließen, untersuche ich in Kapitel 3.3, inwiefern die erste Generation des NLP wirklich neue bzw. eigene Wege in der psychotherapeutischen Forschung und Lehre, speziell in der Kurzzeittherapie, beschritt. In diesem Kontext gilt es, die grundlegende Problematik bei der Suche nach Bewertungs- und Beurteilungskriterien für das NLP anhand des Quellenmaterials zu diskutieren.
Im Resümee werde ich kritisch auf die Risiken und Nebenwirkungen der Erfolgstherapie eingehen. Mit dem Ausblick auf Tendenzen und Prognosen hinsichtlich der weiteren Entwicklung des NLP schließe ich meine Betrachtung ab. 1
Richard Bandler, der zusammen mit John Grinder das Forschungsfeld des NLP begründete, entwickelte den Ansatz nach eigener Aussage als "eine Programmiersprache für den menschlichen Biocomputer" 2 . In diesem Kontext fasst der Computer- Experte das grundlegende Prinzip des NLP wie folgt zusammen:
1 Anm.: Hinsichtlich der Definitionen von NLP-Fachbegriffen empfehle ich folgende NLP-Enzyklopädie, die
einen interessanten Ein- und Überblick in das aktuell in Deutschland bzw. Europa dominierende NLP -
Gesamtkonzept bietet: Stahl, Thies; Ötsch, Walter: „Das Wörterbuch des NLP“. Paderborn: Junfermann-Verlag,
1997
2 Bandler, Richard zitiert in NLP -World. „Einführung: Was ist NLP?“ Available Online:
http://www.nlpworld.de/nlp/start.htm [10.09.2003]
2
„Die meisten Menschen sind Gefangene ihres eigenen Gehirns. Sie verhalten sich, als ob sie am
Hintersitz eines Busses festgekettet wären, während jemand anders lenkt. Ich möchte, daß Sie lernen,
Ihren eigenen Bus zu fahren.“ 3
Das verheißt Unabhängigkeit wie Selbstbestimmtheit und klingt nach dem ‚Ausweg des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit’. Folgende Untersuchung wird allerdings zeigen, dass den Methoden des NLP keineswegs Kants aufklärerisches Gedankengut zugrunde liegt, sondern ein simplizistisch mechanistisches Menschenbild und ein daraus geborener Machbarkeitswahn.
Der Vater der Kybernetik, Heinz von Foerster, bringt die Gefahr, die der Computer-Metapher des Geistes inhärent ist, auf den Punkt, wenn er sagt:
„Selbstverständlich ist es legitim, ein Phänomen oder eine Gruppe von Phänomenen mit Hilfe einer
Metapher zu beschreiben, wobei man natürlich immer im Bewußtsein behalten sollte, daß jede
Beschreibung formaler, mathematischer, quantitativer oder auch poetischer Natur immer nur einen
Vergleich darstellt. Wenn man aber die metaphorische Beziehung umkehrt und sagt: So wie diese
Maschine, so funktioniert auch das Gehirn, dann wird es gefährlich; man glaubt, das Gehirn zu
verstehen, weil man den maschinellen Mechanismus begriffen hat, von dem man ausgeht. Man meint,
das Gedächtnis zu begreifen, wenn man es als einen Speichermechanismus metaphorisiert - und beginnt
vielleicht nach dem Ort zu suchen, an dem eine bestimmte Information "gespeichert" sein soll. Die
Folge ist: Blindheit gegenüber dem Wunder des Gehirns. Mir ist diese Gefahr schon ziemlich früh
bewußt geworden, und ich habe daher immer wieder derartige Metaphern und Analogien kritisiert. Aber
man hat mir nicht zugehört; ich sprach ins Leere.“ 4
Eine eindeutige Definition des NLP ist kaum möglich, da es sich um eine äußerst heterogene Szene handelt, in der von NLP anwendenden Psychotherapeuten 5 bis hin zu VHS-Seminaren mit viel versprechenden Titel wie „Beauty Mind - Schönsein von innen mit NLP“ 6 eine unüberschaubare Bandbreite vertreten ist. Das NLP in der Tradition der ersten Generation ist eine Methode der Persönlichkeitsentwicklung und des Kommunikationstrainings, die prinzipiell auf nahezu alle sozialen wie individuellen Lebensbereiche anwendbar ist. Von Beginn an haftete dem NLP jedoch der Ruf an, vornehmlich eine manipulative Psychotechnik zu sein. Der Begriff „Psychotechnische Schule“ bezeichnet die „unüberprüften, unüberprüfbaren oder schlicht unseriösen Verfahren“ 7 , die angeblich jedem den Weg zum großen Glück ebnen. Um den vermeintlich therapeutischen Methoden einen wissenschaftlichen Anstrich zu verleihen, werden häufig Gründungsmythen kreiert, welche
3 Bandler, Richard zitiert in NLP -World. „Einführung: Was ist NLP?“ Available Online:
http://www.nlpworld.de/nlp/start.htm [10.09.2003]
4 Pörksen, Bernhard; von Foerster, Heinz: „Wir sehen nicht, daß wir nicht sehen.“ Bernhard Pörksen im
Interview mit Heinz von Foerster, 15.04.1998. Available Online:
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/robo/6240/1.html [23.01.2004]
5 Vgl. z.B.: Homepage der Deutschen Gesellschaft für Neuro -Linguistische Psychotherapie (DG-NLPt).
Available Online: http://www.dg-nlpt.de/ [23.12.2003]
6
Bördlein, Christoph: „Das
haltlose Behauptungen?“ Ein Essay. Available Online: http://www.boerdlein.gmxhome.de/nlpmemo.html
[02.11.2003]
7 Available Online: http://www.stangl-
taller.at/ARBEITSBLAETTER/WISSENSCHAFTPSYCHOLOGIE/PsychotechnikSchulen.shtml [23.01.2004]
3
der Öffentlichkeit glauben machen, es handle sich um Entwicklungen aus Fachbereichen der Psychologie und Psychotherapie. Nach Streif lassen sich Psychotechniken definieren als vermeintlich therapeutischen Verfahren „die sich i. d. R. Bruchstücken des psychologischen und/oder medizinischen Wissens sowie vereinfachter Bestandteile etablierter Psychotherapien bedienen und diese mit unwissenschaftlichen, nicht selten pseudoreligiösen und esoterischen Inhalten zu einer angeblich neuen und unfehlbaren Heilmethode vermengen“ 8 . Der ‚Flower-Power’-Optimismus der wilden Siebziger Jahre, welcher bekanntermaßen zu vielen phantastischen Ideen inspirierte, die nüchterner Prüfung oftmals nicht Stand hielten, beweist sich auch im 21. Jahrhundert als absoluter Verkaufsschlager. Mit seinen Verheißungen von besserer Lebensqualität und Leistungsfähigkeit für jeden ist das NLP meiner Ansicht nach für den Bereich der Gefühlsarbeit geradezu prädestiniert. Nach Arlie Russell Hochschild gelten in der Gesellschaft gewisse Emotionsregeln, die nicht nur den Ausdruck, sondern auch das, was gefühlt werden soll, bestimmen. 9 Emotionsarbeit, auch unter dem Begriff Emotionsmanagement bekannt, bezeichnet Hochschild zufolge den Versuch, Gefühle bzw. Emotionen in ihrem Ausmaß oder in ihrer Qualität zu verändern. 10 Gefühle werden im NLP nicht explizit definiert. Sie werden als Bestandteil jedes inneren Zustandes betrachtet und sind stets vorhanden, auch wenn die Person sie nicht bewusst wahrnimmt. Da alle inneren Prozesse und körperlichen Empfindungen eine Gefühlskomponente besitzen, sind Emotionen nichts Eigenständiges. Ziel der Veränderungsarbeit beim NLP ist es, dem Individuum Autorität über seine persönlichen Steuerungsmechanismen des subjektiven Erlebens zu verschaffen. Wie bei der Emotionsarbeit geht es also um Formen und Techniken des Umgangs mit der eigenen Befindlichkeit und den Erwartungen der Umwelt. 11 Auch das NLP arbeitet also sowohl an als auch mit Gefühlen. In einer Zeit der rasanten Veränderungen und gesellschaftlichen Umbrüche suchen viele Menschen nach ‚dem Erfolgsrezept’, wie sie mit sich selbst und ihrer Umwelt besser klar kommen. In den modernen Industriezivilisationen sind viele Individuen dem sozialen Druck, ein „Gewinnertyp“ zu sein, was besonders im Berufsleben relevant ist, nicht gewachsen. 12 Auf Grund der zunehmenden Vereinnahmung des Emotionalen durch den sozialen Alltag und
8 Available Online: http://www.therapaed.com/entbehrlich.htm [23.01.2004]
9 Vgl.: Gerhards, Jürgen: „Emotionsarbeit. Zur Kommerzialisierung der Gefühle.“ In: Soziale Welt, 39, 1988; S.
51. Sowie: Hochschild, Arlie Russell: „Das Gekaufte Herz. Zur Kommerzialisierung der Gefühle“. Frankfurt am
Main: Campus, 1990; (Original: “The managed heart: commercialization of human feeling.” Berkeley:
University of California Press, 1983) S. 159- 181. Sowie: Hochschild, Arlie Russell: “Emotion Work, Feeling
Rules, and Social Structure”. In: American Journal of Sociology, 85, 1979; 551-575
10 Vgl.: ebenda
11 Anm.: vgl. hierzu auch die Emotionstheorie von Lazarus. Available Online: http://www.uni-
bielefeld.de/psychologie/ae/AE02/LEHRE/Lazarus.pdf [13.01.2004]
12 Vgl. z.B.: Gerhards, Jürgen (1988); S. 47
4
entsprechende Normen hat sich der Zeitgeist, wie er etwa durch Hochschilds Studie aus dem Jahre 1983 charakterisiert wurde, eher intensiviert als abgeschwächt. Soziologen beobachten verstärkte Individualisierungstendenzen, was ein Indiz dafür ist, dass sich immer mehr Menschen auf der Suche befinden.
Die biologische, neuro-physikalische, genetische oder soziale Determiniertheit gerade des Emotionalen auch nur teilweise zu überwinden, gestaltet sich jedoch für das menschliche Wesen längst nicht so einfach, wie es das NLP und andere psychotechnische Schulen versprechen.
„NLP is the science of using your brain, your language and your behavior to get what you want.“ 13
Die Art und Weise, mit der NLP-Guru Rex Sikes seinen „Ultimate NLP Home Study Course“ anpreist, ist leider exemplarisch für viele NLP-Anbieter. Die Internet-Auftritte dieser Institute und Personen belegen, wie gezielt Werbeslogans, getarnt als Definitionen, eingesetzt werden. Da Hilfesuchende bewusst in die Irre geführt und ausgenutzt werden, handelt es sich um eine gleichermaßen verwerfliche wie potente Marketingstrategie.
Auch auf der Seite des führenden österreichischen NLP-Servers, auf der das Gesamtkonzept definiert oder vielmehr werbewirksam präsentiert wird, dominieren nebulöse Formulierungen und die Inszenierung des Gründungsmythos die öffentliche Selbstdarstellung. Unter der vermeintlichen Definition „Was ist NLP?“ findet man folgende Erklärungen: „NLP ist eine Sammlung von Fertigkeiten, um Kontrolle über die eigenen mentalen Vorgänge zu gewinnen.“ Oder: „NLP ist eine Sammlung von Fähigkeiten, Einstellungen und konkreten Techniken, die aus dem Studium menschlicher Höchstleistungen entwickelt wurden. Mit ihrer Hilfe kann jede Person lernen, ihre Lebensqualität zu verbessern. “ 14 Die folgende Betrachtung wird zeigen, dass der große Kybernetiker Heinz von Foerster mit seiner Besorgnis hinsichtlich der ne gativen Konsequenzen der Computer-Metapher des Geistes auch bei den NLP-Gründern auf taube Ohren stieß.
Das Neuro-Linguistische Programmieren entstand zu Beginn der Siebziger Jahre in den USA als Forschungsfeld aus d em Bereich der Kognitions- und Verhaltenswissenschaften. In
13 Homepage der “IDEA” Seminars. Practical NLP to help you to get what you want. Available Online:
http://www.idea-seminars.com/about/index.htm [03.10.2003]
14 Available Online: http://www.nlp.at/was.htm [08.01.2004]
5
Deutschland dagegen wurde NLP erst in den späten Achtziger Jahren bekannt und zwar vor allem als führende Außenseiterlehre auf dem Psycho- und Selbsthilfemarkt. 15 Dieses Kapitel widmet sich den geistesgeschichtlichen bzw. wissenschaftstheoretischen Wurzeln des NLP und zeigt, wie durch den Prozess des Modellierens das grundlegende Repertoire an Methoden therapeutischer Kommunikation, die sozusagen das Standard-Instrumentarium des NLP darstellen, entwickelt wurde. Anhand der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte werde ich zunächst die charakteristischen Merkmale des NLP herausarbeiten. Signifikant ist in diesem Kontext vor allem die Tatsache, dass der Ansatz von Anbeginn auf Effizienz ausgerichtet u nd praxisorientiert angelegt war.
3.1. Der Prozess des Modellierens
Anfang der Siebziger Jahre arbeiteten die Begründer des NLP, Dr. Richard Bandler 16 , Student der Mathematik, Informationswissenschaften und Psychologie, und Prof. Dr. John Grinder 17 , ein junger Linguistik-Professor, an der University of California in Santa Cruz zusammen. Unter der Leitung des renommierten Kulturanthropologen und Kommunikationsforschers Gregory Bateson 18 untersuchten Bandler und Grinder die Verhaltensmuster besonders erfolgreicher Kommunikationsexperten und Therapeuten. Ihr Erkenntnisinteresse ging von der Frage aus, wie sich Menschen, die in ihrer Arbeit überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen, von Personen unterscheiden, die in denselben Fähigkeiten bloß kompetent sind. Richard Bandler hatte bereits 1972 im Auftrag des Verlegers Robert S. Spitzer die Sitzungen des berühmten Gestalttherapeuten Fritz Perls 19 studiert, transkribiert und dokumentiert. Er eruierte elementare Muster der persönlichen therapeutischen Fähigkeit Perls, welche er als Vorbild für eigene gestalt-therapeutische Arbeit nahm. Es ist darauf hinzuweisen, dass Bandler die Vorgehensweise Perls, die der Humanistischen Psychologie zuzuordnen ist, nicht als solche kopierte. Da Bandler vor allem auf Effizienz und schnelle therapeutische
15 vgl.: Hemminger, Hansjörg: „NLP in der Kirche. Auf der Suche nach Beurteilungskriterien.“ Baiersbron /
Stuttgart. Available Online: http://www.gemeindedienst.de/weltanschauung/texte/inmatnlp.htm, sowie: DVNLP
Informationsbroschüre. Available Online: http://www.dvnlp.de/
16 Anm.: Eine Kurzbiografie von Richard Bandler ist z.B. unter folgendem link abrufbar: „The Bio of Richard
Bandler“. Available Online: http://www.nlpu.com/bandbio.htm [10.11.2003]. Aufschlussreich ist auch ein
Besuch von Bandlers eigener Homepage. Available Online: http://www.richardbandler.com/ [10.11.2003]
17 Anm.: Eine Kurzbiografie von John Grinder ist z.B. unter folgendem link abrufbar: „The Bio of John
Grinder.“ http://www.nlpu.com/grindbio.htm [10.11.2003]
18 Vgl. z.B. Available Online: http://www.creativity.co.uk/creativity/guhen/bateson.htm [20.11.2003]
19 Vgl. z.B. Available Online: http://www.gestalt.org/index.htm [21.11.2003]
6
Wirksamkeit des Ansatzes abzielte, extrahierte er beim Modellieren nur jene Faktoren des Vorbilds, die unter dieser Prämisse dem Projekt nützlich schienen. Der zehn Jahre ältere Professor John Grinder, der als Supervisor fungierte, begann nun seinerseits die Verhaltensweise Bandlers bei seiner gestalttherapeutischen Tätigkeit systematisch zu analysieren, um lern- bzw. lehrbare Kriterien dieser speziellen Fertigkeit herauszufiltern. Dieses Experiment markiert laut der einschlägigen Fachliteratur die Geburtsstunde des „Modellierens“. 20 Darunter versteht man, die Ableitung eines Modells durch genaue Beobachtung und Beschreibung der Strukturelemente und Prozesse einer Aktivität bzw. eines Phänomens.
„Beim Modellieren wird versucht, einen Prozeß begrifflich so abzubilden, daß es Dritten möglich ist,
diesen Prozeß einzuüben.“ 21
Im Grunde handelt es sich um einen einfachen Sachverhalt, nämlich dem Lernen von Vorbildern, welches im Falle des frühkindlichen Nachahmungsverhaltens unbewusst, instinktiv und primär über die Identifikation mit dem nachzuahmenden Objekt abläuft. 22 Bandler und Grinder wollten durch ihr Forschungsprojekt herausfinden, wie Verhaltensänderungen in einer Person bewirkt werden. Sie erprobten diverse Werkzeuge zur Informationsgewinnung, um das Wesentliche am Umgestaltungsprozess zu erfassen, zu systematisieren und dadurch vermittelbar zu machen.
Zwischen 1972 und 1974 untersuchte Richard Bandler nach diesem Prinzip die Arbeit der damals sehr berühmten Begründerin der Familientherapie Virginia Satir, zu der der Zweiundzwanzigjährige ebenfalls über die Familie Spitzer in Kontakt kam. 23 Wiederum gelang es ihm der Überlieferung zufolge, die Kunstfertigkeit seines Vorbildes zu modellieren und die Wirksamkeit der eruierten Erfolgskriterien anhand seiner eigenen Gruppenarbeit zu verifizieren.
Anfang 1974 starteten Bandler und Grinder das Projekt „Meta-Modell“. Ihre Feldforschung, ein Begriff, der in Anbetracht der wissenschaftlich unorthodoxen Untersuchungsverfahren nicht ganz unproblematisch ist, fand in den so genannten „Meta-Modell Gruppen“ statt. Das
20 Vgl. z.B.: Walker, Wolfgang: „Abenteuer Kommunikation. Bateson, Perls, Satir, Erickson und die Anfänge
des Neurolinguistischen Pogrammierens (NLP)“. Stuttgart: Klett-Cotta, 1996
21 Walker, Wolfgang: „Abenteuer Kommunikation. Bateson, Perls, Satir, Erickson und die Anfänge des
Neurolinguistischen Programmierens (NLP)“. Stuttgart: Klett-Cotta, 1996; S. 29
22 Vgl.: Bandura, Albert; Ross, Dorothea; Ross, Sheila A. (1961). “Transmission of aggression of through
imitation of aggressive models.” First published in Journal of Abnormal and Social Psychology, 63, 575-582.
Available Online: http://psychclassics.yorku.ca/Bandura/bobo.htm [10.10.2003]. Sowie: Bandura, Albert (1962):
“Social Learning Trough Imitation”. In: John, M.R. (ed.): Lincoln: Nebraska Symposium on Motivation,
University of Nebraska Press, 1962; S. 211-269
23 Vgl. z.B.: 28. Jürgens, Gesa; Stahl, Thies: „Gespräch mit Virginia Satir.“ In: Integrative Therapie, 3, 1982.
Paderborn: Junfermann-Verlag, 1982; S. 193-215. Available Online: http://www.thiesstahl.de/texte/thies/satir-
in.htm [08.11.2003]
7
Arbeit zitieren:
Miriam Helisch, 2004, Neurolinguistisches Programmieren (NLP) als Pseudowissenschaft und Blendwerk , München, GRIN Verlag GmbH
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