„In times of peace, terrorists and other practitioners of political violence - not conventional military forcesmay pose the greatest threat to the lives of U.S. soldiers (...) A soldier entering the Army in 1977 and retiring today would have been more likely to die from a terrorist attack than be killed in combat.” 1 Im Jahr 1997 waren amerikanische Staatsbürger und Einrichtungen der Vereinigten Staaten das Ziel von rund 40 % aller terroristischen Anschläge, ein Anstieg um 15 % im Vergleich zu 1996. 2 Kein anderes Land, mit Ausnahme Israels, ist so häufig Angriffsziel terroristischer Gewaltakte wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Besondere Brisanz erfährt dieses Problem nicht nur aufgrund der Kosten an Menschen und Material durch Anschläge gegen die U.S.A. im Ausland, sondern durch die Gefahr möglicher Anschläge international operierender Terroristen in den Vereinigten Staaten selbst - eine Gefahr, der sich die USA spätestens seit dem Bombenanschlag auf das World Trade Center in New York in Februar 1993, stellen müssen. Die veränderte Organisationsstruktur des internationalen Terrorismus und die Unmöglichkeit, die Aktionsräume solcher Gruppen eindeutig abzugrenzen, stellen die Verantwortlichen innerhalb der amerikanischen Regierung vor schwerwiegende Probleme. Der veränderte Aufbau international agierender Terrorgruppen erschwert nicht nur die Bekämpfung durch Maßnahmen des amerikanischen Geheimdienstes, sondern lässt auch wirtschaftspolitische Maßnahmen, wie etwa Handelssanktionen gegen Unterstützerstaaten wirkungslos erscheinen, auch wenn diese Maßnahmen von offizieller Seite als geeignetes Mittel zur Bekämpfung des Problems angesehen werden. 3 Die derzeitigen Maßnahmen gegen terroristische Anschläge beschränkten sich zum überwiegenden Teil auf finanzielle Unternehmungen mit dem Ziel, die Schäden terroristischer Gewaltakte zu minimieren. Eine eingehende Auseinandersetzung mit den Ursachen des terroristischen Problems scheint nur oberflächlich stattzufinden, wie etwa den Reaktionen auf die Bombenanschläge auf die amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania zu entnehmen ist: „(...) terrorists target America because we act and stand for peace and democracy, because the spirit of our country is the very spirit of freedom.“ 4
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Terrorismus – Entwicklungslinien
1) Begriffsdefinition
2) Terrorismus als Ausprägungsform politischer Gewalt
3) Die Bedeutung der Medien für den Terrorismus – Der CNN-Effekt
4) Strukturmerkmale des Terrorismus 1960 – 1979
5) Der Wandel seit 1979 – neue Formen des Terrorismus
II. Die Vereinigten Staaten – Ein globaler Hegemon
1) Strategische Grundlagen amerikanischer Außenpolitik 1945 – 1990/91
2) Die veränderte weltpolitische Lage nach 1990/91
3) Der Primat militärischer Überlegenheit
4) Militärische Interventionen – U.S. amerikanische Ordnungsvorstellungen
5) Das amerikanische Bild der “States of Concern”
6) Sanktionspolitik der Vereinigten Staaten von Amerika
III. Die Hegemonialstellung der U.S.A. im Persischen Golf – Ausprägungsformen und Konsequenzen
1) Das Konfliktpotential im Nahen und Mittleren Osten
2) Die Anfänge U.S.-amerikanischer Außenpolitik im Persischen Golf
3) Special Relationships
a) Israel
b) Saudi Arabien
4) U.S.-Sicherheitspolitik im Persischen Golf – vitales Interesse oder hegemoniale Versuchung?
a) Die wirtschaftliche Bedeutung der Region
b) Dual Containment
IV. Strategien gegen den Terrorismus
1) Geostrategische Lösungsansätze
2) Internationale Kooperation zur Bekämpfung des Terrorismus
3) Innenpolitische Lösungsansätze, legislative Initiativen, verfassungsrechtliche Konsequenzen
V. Die U.S.A. und der Internationale Terrorismus – ein Problem globaler Dominanz (Schlussbetrachtung)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der globalen Rolle der Vereinigten Staaten von Amerika und der Bedrohung durch den internationalen Terrorismus im Zeitraum von 1990 bis 2000. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwieweit die amerikanische Außenpolitik, insbesondere ihr hegemonialer Anspruch und militärische Interventionsstrategien, die Entstehung asymmetrischer Bedrohungspotentiale beeinflusst und welche alternativen Lösungsansätze für den Umgang mit dieser Problematik bestehen.
- Analyse der historischen Entwicklung und der neuen Organisationsformen des internationalen Terrorismus.
- Untersuchung der strategischen Grundlagen der U.S.-Außenpolitik und des US-amerikanischen Führungsanspruchs („Global Leadership“).
- Fallstudie zur Region des Persischen Golfs als Brennpunkt US-amerikanischer Hegemonialpolitik.
- Kritische Bewertung der Wirksamkeit von Sanktionspolitik und militärischen Interventionen als Mittel der Terrorismusbekämpfung.
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung der Medien für den Terrorismus – Der CNN-Effekt
„Terroristen streben danach, einzuschüchtern und durch Einschüchterung zu herrschen und zu kontrollieren. Sie wollen beeindrucken. Sie treten vor einem und für ein Publikum auf und bemühen sich um Beteiligung der Zuschauer.“
Da der Terrorist psychologische Begleiterscheinungen seiner Tat bewusst und gezielt einsetzt, spielen die Medien eine überragende Rolle bei dem Versuch, die politischen Zielvorstellungen einer breiten Masse zu präsentieren und dadurch die gewünschte Veränderung herbeizuführen.
Die von Terroristen eingesetzten Mittel – Entführungen, Bombenanschläge, Ermordungen – zur Durchsetzung ihrer Ziele haben sich in den letzten Jahren kaum verändert. Neuartig ist allerdings die Intensität, mit der über terroristische Anschläge berichtet wird. Erschienen Berichte über terroristische Anschläge in der Vergangenheit nur gelegentlich auf den Titelseiten renommierter Zeitungen, können sich Terroristen heute nach durchgeführten Operationen sicher sein, in allen Printmedien, besonders jedoch im Fernsehen, präsent zu sein. Insbesondere wenn es sich bei dem Anschlagsziel um U.S.-Bürger oder U.S.-Einrichtungen handelt, ist eine extensive Berichterstattung durch die Medien, vor allem dem Nachrichtensender CNN, gesichert. Je mehr Aufmerksamkeit eine Terrorgruppe erregen kann, desto größeren Einfluss kann sie ausüben und kommt ihrem Ziel – der Änderung politischer oder sozialer Umstände – einen Schritt näher.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problematik der terroristischen Bedrohung der USA und Definition der zentralen Forschungsfrage zum Zusammenhang zwischen Außenpolitik und Terrorismus.
I. Terrorismus – Entwicklungslinien: Historische Analyse des Terrorismus, seiner Definitionsschwierigkeiten und der Veränderung hin zum modernen, international operierenden „Neuen Terrorismus“.
II. Die Vereinigten Staaten – Ein globaler Hegemon: Untersuchung der strategischen Grundlagen der US-Außenpolitik seit 1945 und des US-Führungsanspruchs nach Ende des Kalten Krieges.
III. Die Hegemonialstellung der U.S.A. im Persischen Golf – Ausprägungsformen und Konsequenzen: Fallbeispiel zur US-Politik in der Golfregion und deren Auswirkungen auf die asymmetrische Bedrohungslage.
IV. Strategien gegen den Terrorismus: Kritische Analyse der bisherigen US-Maßnahmen, von präventiven Strukturen bis hin zu Sanktionsregimen und militärischen Vergeltungsaktionen.
V. Die U.S.A. und der Internationale Terrorismus – ein Problem globaler Dominanz (Schlussbetrachtung): Synthese der Ergebnisse und Plädoyer für ein „Military Disengagement“ sowie eine Neuausrichtung der Außenpolitik auf tatsächliche nationale Sicherheitsinteressen.
Schlüsselwörter
Internationaler Terrorismus, USA, Außenpolitik, Hegemonie, Persischer Golf, Dual Containment, Asymmetrische Bedrohung, Sanktionspolitik, Nationale Sicherheit, Terrorismusbekämpfung, Massenvernichtungswaffen, Global Leadership, Interventionismus, Militärpräsenz, Sicherheitspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob ein kausaler Zusammenhang zwischen der amerikanischen Außenpolitik der 1990er Jahre und der Bedrohung durch den internationalen Terrorismus gegen US-Einrichtungen besteht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit beleuchtet die Evolution des Terrorismus, die strategische Ausrichtung der US-Außenpolitik, die Rolle der USA als Hegemon und die spezifische Politik im Persischen Golf.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Ursachen der asymmetrischen Bedrohung durch Terroristen zu analysieren und kritisch zu prüfen, ob die bisherigen US-Strategien zur Bekämpfung dieses Problems sinnvoll sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die theoretische Konzepte (wie den Politischen Realismus) mit einer empirischen Auswertung von Dokumenten und Primärquellen kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Terrorismusentwicklung, der US-Hegemonialpolitik, einer Fallstudie zum Persischen Golf sowie der Evaluierung existierender Gegenstrategien wie Sanktionen und militärischer Interventionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Terrorismus, Hegemonie, National Interest, Dual Containment und asymmetrische Bedrohung.
Warum wurde der Persische Golf als Fallbeispiel gewählt?
Die Region wurde gewählt, weil dort alle wesentlichen Merkmale der US-Außenpolitik nach dem Kalten Krieg – wie Hegemonialanspruch, Sanktionspolitik und militärische Präsenz – gebündelt aufeinandertreffen.
Welches Fazit zieht der Verfasser?
Der Autor argumentiert, dass eine Reduzierung der militärischen Globalpräsenz, insbesondere im Persischen Golf, dazu beitragen würde, Terroristen den Nährboden für ihre Rekrutierung zu entziehen, und schlägt eine Rückbesinnung auf eng definierte nationale Sicherheitsinteressen vor.
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- Alexander-Nicolai Wirtz (Author), 2001, Ein Problem globaler Dominanz? Die USA und der Internationale Terrorismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24436