1 Einleitung - 2 -
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 3
2 BEARBEITUNG DER FRAGESTELLUNG 4
3 FAZIT 7
4 LITERATURVERZEICHNIS 8
1 Einleitung - 3 -
1 Einleitung
Wer stand nicht schon einmal vor der Situation, befragt zu werden. Jedes Gespräch besteht aus einem Frage-Antwort-Spiel, das in jedem Fall ein Ziel verfolgt, nämlich den Austausch von Informationen. Auch ein Interview kann als offenes Gespräch gestaltet sein, dessen zielgerichtete Fragen sich im Gesprächsverlauf entwickeln und somit auf die soziale und inhaltliche Interaktion der Beteiligten konzentriert ist. Dabei kann es übergeordnete Ziele eines Beteiligten geben, etwa die unbewußte Aufnahme von Wünschen des Befragten, wenn es auf dessen Geburtstag oder Weihnachten zugeht. Insbesondere bei wissenschaftlichen Interviews ist die Qualität der Ergebnisse wichtig. Um diese positiv zu beeinflussen, sind unter anderem Interviewtechniken, Frage- und Auswertungsmethoden, aber auch die Wahl der Interviewpartner wichtig. Bei letzterem beeinflußt auch die Herkunft und das Umfeld (der soziale Raum) die Qualität der Forschungsbeziehung. Auf der selben Welle zu sein, kann sich positiv auf die Gesprächsatmosphäre und somit die Ergebnisse auswirken.
Als Gesellschaftsforscher befassen sich Soziologen eingehend mit den (sozialen) Interaktionen einzelner Individuen. Die in Gesprächen herausgearbeitete, soziale Realität des Befragten, soll möglichst objektiv dargestellt werden, also frei von Interpretationen des Interviewenden sein.
Pierre Bourdieu, als renommierter Soziologe, hat sich eingehend mit dieser Thematik beschäftigt. Der vorliegende Auszug aus dem Text Bourdieus „Verstehen“ (Bourdieu, Pierre 1997) stellt die Grundlage dieser Ausarbeitung dar. Bourdieu schildert darin Rahmenbedingungen einer Studie, deren Inhalt Interviewsituationen sind. Bourdieu begrenzt somit den Interpretationsspielraum des Lesers in Bezug darauf.
Neben der Funktion der Einleitung zu einer Studie, kann der Text auch als eine Art Ratgeber zur Durchführung und Interpretation von Interviews im Allgemeinen angesehen werden, denn er zeigt auf, welche Faktoren für eine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende, objektive Durchführung von und Darstellung der Ergebnisse aus Befragungssituationen zu beachten sind.
Vor diesem Hintergrund möchte ich im Rahmen der folgenden Ausarbeitung der Frage nachgehen, inwieweit Bourdieu in seinem Text begründet, daß die Qualität einer Forschungsbeziehung grundlegend wichtig für das Verstehen einer sozialen Realität ist.
2 Bearbeitung der Fragestellung - 4 -
2 Bearbeitung der Fragestellung
Im vorliegenden Text Bourdieus schildert dieser aus der Sicht des Forschers oder Autors einer Studie, welche „Intentionen und Prinzipien“ (Bourdieu, Pierre 1997:779) der Arbeit zugrunde lagen. Dadurch soll der Leser der Studie in die Lage versetzt werden, mit den Augen Bourdieus zu sehen, und somit die Gedankengänge oder „Konstruktions- und Verstehensarbeit“ (Bourdieu, Pierre 1997:780) nachzuvollziehen.
Da das Hauptaugenmerk des Textes auf der Vermittlung der Herangehensweise zur zielgerichteten Erfassung und schriftlichen Wiedergabe von Interviewergebnissen liegt, welche möglichst frei von eigenen Interpretationen sein sollten, werden dafür nötige Parameter im Verlauf erläutert. Bourdieu bezeichnet die Interviewsituation als „Austauschbeziehung [die sich] die reine Erkenntnis zum Ziel setzt“ (Bourdieu, Pierre 1997:780), die jedoch eine „soziale Beziehung“ bleibt, deren „Parameter“ auf das Ergebnis einwirken können (Bourdieu, Pierre 1997:780).
Um die Frage zu klären, inwieweit die Qualität der Forschungsbeziehung wichtig für das Verstehen einer sozialen Realität ist, sei zunächst erläutert, was unter ‚Qualität der Forschungsbeziehung‘ und ‚sozialer Realität‘ zu verstehen ist. Erstere kann sich auf eine Interviewsituation beziehen und beschreibt dann die personenbezogenen Parameter, welche in Bezug auf Interviewer und Interviewten zu berücksichtigen sind. Bourdieu bezeichnet diese etwa als „gesellschaftliche Struktur, innerhalb der sich das Interview vollzieht“ (Bourdieu, Pierre 1997:780), verwendet synonym auch die „eigentliche Struktur der [Interview]-Beziehung“ (Bourdieu, Pierre 1997:782). Da sich in der Befragungssituation zwei Menschen miteinander unterhalten, sind insbesondere deren Herkunft, Bildung etc. relevant für ein gutes Ergebnis der Befragung. Für die durchgeführten Interviews wurde den Interviewern die Wahl offen gelassen, Freunde und Bekannte oder solche Zielpersonen zu wählen, denen sie über Bekannte vorgestellt werden konnten. Dadurch standen sich die an der Befragungssituation beteiligten Personen „gesellschaftlich sehr nahe“ (Bourdieu, Pierre 1997:783). Dies trug positiv zur Stimmung während des Interviews bei. Da einer der „Hauptverzerrungsfaktoren“ (Bourdieu, Pierre 1997:784) der Interviewergebnisse die Sprache ist, wurden ähnlich ausgebildete Personen als Interviewpartner bevorzugt. Diese wurden dann in „Befragungstechniken ausgebildet“ (Bourdieu, Pierre 1997:784), so daß etwa ein „junger Physiker einen anderen jungen Physiker interviewt“ (Bourdieu, Pierre 1997:784). Dadurch würde die Objektivierung, also die Versachlichung von Meinungen, erleichtert.
In einigen Fällen wurden aber auch Gespräche durch die Soziologen selbst geführt. In diesem Punkt macht Bourdieu auf ein Problem aufmerksam, daß der Soziologe als „gesellschaftlich höherstehend empfunden“ würde, wodurch die „Furcht vor der Objektivierung noch verstärkt“ werden kann. (Bourdieu, Pierre 1997:785). Im selben Atemzug schwächt er diesen Sachverhalt jedoch wieder ab indem er darstellt, daß ein
Arbeit zitieren:
Jessica Scheffold, 2003, Pierre Bourdieu "Verstehen", München, GRIN Verlag GmbH
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