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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Allgemeiner Teil 5
3. Motorische Fertigkeiten („motor skills“) 6
4. Motorische Fähigkeiten („motor abilities“) 6
4.1. Ausdauerfähigkeiten 9
4.2. Kraftfähigkeiten 12
4.3. Koordina tive Fähigkeiten 13
4.4. Schnelligkeitsfähigkeiten 15
4.5. Beweglichkeitsfähigkeiten 16
5. Forschungsmethodik: Sportmotorische Tests 17
5.1. Gütekriterien 18
5.1.1. Hauptgütekriterien 18
5.1.1.1. Objektivität 18
5.1.1.2. Reliabilität 19
5.1.1.3. Validität 20
5.1.2. Nebengütekriterien 21
5.2. Beispiel eines sportmotorischen Tests 22
5.3. Einzel- und Komplexdiagnostik 23
6. Forschungsziele und Forschungsstand 23
7. Probleme und Kritikpunkte 26
8. Schlussbetrachtung 27
9. Bibliographie 28
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1. Einleitung
Die Bewegungswissenschaft ist eine wichtige Teildisziplin der Sportwissenschaft. Sie ist gleichermaßen grundlagen- und anwendungsorientiert. Allerdings sind Gegenstände von Wissenschaften immer unter einer bestimmten Perspektive zu betrachten. Es ist also nicht sinnvoll, von der einen Bewegungswissenschaft auszugehen, sondern von verschiedenen Betrachtungsweisen innerhalb der Bewegungswissenschaft. Die Bewegungswissenschaft kann den Außen- oder den Innenaspekt von Bewegungen untersuchen. Ihr Ansatz kann ganzheitlich, empirisch-ana lytisch oder funktional sein. Die gä ngigsten Betrachtungsweisen sind in der folgenden Graphik zusammengefasst.
Abb. 1: Betrachtungsweisen der Bewegungswissenschaft
Ganzheitliche Betrachtungsweisen sind der morphologische und der systemorientierte Ansatz, sowie der Konnektionismus. Die Morphologie bezieht sich auf den Außenaspekt von Bewegungen, der systemorientierte Ansatz und der Konnektionismus auf den Innenaspekt. Die biomechanische, anatomisch-physiologische und die fähigkeitsorientierte Betrachtungsweise sind empirisch-analytische Ansätze, von denen sich die Biomechanik mit dem Außenaspekt und die fähigkeitsorientierte und die anatomisch-physiologische Betrachtungsweise mit dem Innenaspekt von Bewegungen befasst. Funktionsanalysen, Handlungs- theorien und die Modularitätshypothese sind funktionale Ansätze.
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Ich werde in dieser Arbeit ausführlicher auf die fähigkeitsorientierte Betrachtungsweise von Bewegungen eingehen. Dieser Ansatz richtet sich auf eine Kennzeichnung interner motorischer Leistungsvoraussetzungen und Erklärungen individueller Differenzen 1 .
Definition: Die fähigkeitsorientierte Betrachtungsweise befasst sich mit der Beschreibung und Erklärung von individuellen motorischen Leistungsdifferenzen. Sie ist wissenschaftshistorisch aus einer Übernahme der zentralen Gedanken und Methoden der Differentiellen Psychologie entstanden. 2
Nachdem ich allgemein auf die theoretischen Grundlagen, insbesondere auf die Systematisierung von Motorikmerkmalen eingehe, komme ich in den folgenden Kapiteln ausführlicher zu den motorischen Fertigkeiten und den motorischen Basisfähigkeiten im Einzelnen. Bevor ich dann auf die Forschungsmethoden der fähigkeitsorientierten Betrachtungsweise, die sportmotorischen Tests, näher eingehe, erkläre ich einige testtheoretische Grundlagen, ohne die diese Forschungsmethode dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit nicht genügen könnte.
Zum Schluss der stelle ich die Forschungsziele und den Forschungsstand dieser bewegungswissenschaftlichen Betrachtungsweise dar und erläutere einige Probleme und Kritikpunkte bezüglich dieses Ansatzes.
Am Ende der Arbeit sollte deutlich geworden sein, warum der fähigkeitsorientierte Ansatz trotz einiger nicht unwichtiger Kritikpunkte zu den einflussreichsten Betrachtungsweisen der Bewegungslehre des Sports gehört.
1 Nach Roth/Willimczik 1999, S. 12
2 Roth/Willimczik 1999, S. 228
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2. Allgemeiner Teil
Die unterschiedliche Breite der Dispositionen bezieht sich auf den Aspekt der Bewegungs-oder Technikgebundenheit. So können die Motorikmerkmale auf einem Kontinuum ange-ordnet werden, das sich in zwei Abschnitte untergliedern lässt:
Abb. 2: Spezifität vs. Allgemeinheit der differentiellen Motorikmerkmale
geringer
Motorische Fertigkeiten
bewegungsgebunden bewegungsungebunden
Quelle: Roth/Willimczik 1999, S. 231
Links auf der Seite der Spezifität werden die motorischen Konstrukte geringer Breite erfasst. Dabei geht es um die Ausführung spezieller Bewegungsformen und damit um die internen motorischen Voraussetzungen, wie sie zum Beispiel zum Laufen, Schwimmen oder eben beim Flop-Sprung notwendig sind. Innerhalb dieser motorischen Dispositionsgruppe gibt allerdings immer noch gewisse Breitenunterschiede. Dabei sind zwei Gesichtspunkte von Bedeutung: Die Offenheit oder Geschlossenheit: Gemeint ist damit der Grad der Variabilität innerhalb einer strukturell festgelegten Bewegungsklasse, und das Transferpotential. Geschlossene Sportarten erfordern sehr spezifische interne Leistungsvoraussetzungen, wie zum Beispiel das Gerätturnen oder Schwimmen. Für die offenen Sportarten, wie etwa Mannschaftssportarten, werden motorische Steuerungs- und Funktionsprozesse benötigt, die zwar ebenfalls strukturell spezifisch sind, aber trotzdem eine gewisse Variationsbreite in den Grundtechniken bieten. Der zweite Aspekt bezieht sich auf den Grad der Übertragbarkeit der spezifischen Leis-tungsvoraussetzungen auf andere Sporttechniken. Zum Beispiel können die motorischen Grundlagen des Springens oder Werfens in verschieden Sporttechniken eingebaut werden. Man spricht dabei von motorischem Transfer. Unterschiedliche „Transferkraft“ spezifischer Steuerungs- und Funktionsprozesse ergibt somit weitere Breitendifferenzierungen auf der linken Seite des Kont inuums. Die dort zusammengefassten motorischen Konstrukte
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werden in der fähigkeitsorientierten Betrachtungsweise als motorische oder sportmotorische Fertigkeiten bezeichnete.
Die auf der rechten Seite platzierten motorischen Dispositionen von mittlerer bis hoher Breite beschreiben generelle, bewegungsspezifische Steuerungs- und Funktionsprozesse, die gerade nicht an die Realisierung einer einzelnen, speziellen Sporttechnik gebunden sind. Sie nehmen vielmehr Einfluss auf mehrere, möglichst viele strukturell verschiedene Bewegungsmuster. Verallgemeinerungen werden hier möglich. Ausdauer-, Schnelligkeits-und Koordinationsfähigkeiten sind zum Be ispiel motorische Dispositionen, die bei der Realisierung der unterschiedlichsten Fertigkeiten eine leistungsrelevante Rolle spielen können. Natürlich gibt es auch hier wieder Breitenunterschiede, die durch Begriffe wie „motorische Kondition“ (ganz rechts) und „Schnellkraft der Beinmuskulatur“ (weit links) verdeutlicht werden können. Man spricht von motorischen oder sportmotorischen Fähigkeiten.
3. Motorische Fertigkeiten („motor skills“)
Definition: Motorische Fertigkeiten („motor skills“) kennzeichnen individuelle
Differenzen im Niveau der Steuerungs- und Funktionsprozesse, die der Rea-
lisierung jeweils spezifischer Bewegungen zugrunde liegen. Sie sind prinzi-
piell mit einer bestimmten strukturellen Ausführungsform verknüpft, unter-
sche iden sich jedoch hinsichtlich ihres Grades der Offenheit vs. Geschlos-senheit und ihres Transferpotentials. 3
Aus dieser Definition stehen die internen motorischen Fertigkeiten quasi in einem 1:1-Verhältnis zu den äußerlich sichtbaren Sporttechniken.
Die motorischen Fertigkeiten werden in elementare und sportmotorische Fertigkeiten eingeteilt. Einfache Bewegungen wie Gehen, Laufen, Springen Heben, Tragen usw., die auch zur Bewältigung alltäglicher Aufgabenstellungen benötigt werden, bezeichnet man in der fähigkeitsorientierten Betrachtungsweise als elementare motorische Fertigkeiten. Ihre Aneignung erfolgt normalerweise im Kleinkindalter. Der Erwerb bestimmter motorischer Grundfertigkeiten gilt als ein wesentlicher Indikator der Gesamtentwicklung des Kleink indes. Ab dem Grundschulalter bildet das Beherrschen dieser Grundfertigkeiten allerdings kein Kriterium für die Gesamtentwicklung mehr, dann spielen eher qualitative Unterschiede in der Bewegungsausführung eine entscheidende Rolle.
3 Roth/Willimczik 1999, S. 232
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Die sportmotorischen Fertigkeiten bauen auf den elementaren motorischen Fertigkeiten auf. Da ihre Anzahl unüberschaubar groß ist, gab es im Laufe der Zeit verschiedene Bemühen, sie zu gliedern und zu ordnen. Heute sind Ordnungsinteressen nur noch innerhalb einzelner Sportarten zu finden. Es existiert zum einen die horizontale Ordnung, in der die strukturell unterschiedlichen Bewegungsformen einer Disziplin nebeneinander gestellt werden und zum anderen die vertikale Ordnung, in der die Bewegungsformen einer Disziplin hierarchisch eingestuft werden.
Das Ziel der horizontalen Ordnung ist es, die Techniken einer Sportart allgemein verbindlich zu beschreiben. Sie erhalten eigene Namenszuweisungen, die dann auch die Grundlage der Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden bilden. Als Gliederungsaspekt dienen zum Beispiel typische Bewegungshandlungen, Positionen der verwendeten Hilfsgeräte, beteiligte Körperregionen, charakteristische Bahnkurven, Kontaktstellen oder Bewegungsziele. Oft bleiben die Kriterien auch ungenannt oder unklar. Dagegen ist bei der vertikalen Ordnung die Festlegung einer Aneignungsfolge das entscheidende Kriterium. Auf der untersten Stufe stehen die sogenannten Fundamentalbewegungen, von denen über verschiedene Ausdifferenzierungsrichtungen der Technikbestand der jeweiligen Sportart erlernt werden kann. 4
Das Kriterium Beherrschen oder Nicht-Beherrschen unterscheidet in einer Sportart, sofern es sich um Grundfertigkeiten handelt zum Beispiel zwischen Turnern und Nicht-Turnern. Handelt es sich um schwierigere Elemente dieser Sportart, wird ein Vergleich zwischen den verschiedenen Sportlern innerhalb dieser Disziplin erreicht. An qualitativen Ausführungsmerkmalen und quantitativen Ergebnismaßstäben lassen sich aber auch interindividuelle Unterschiede feststellen. Das Qualitätskriterium ist eher bei verlaufsorientierten, geschlossenen motorischen Fertigkeiten einzusetzen, das Quantitätskriterium eher bei ergebnisorientierten, offenen motorischen Fertigkeiten.
4. Motorische Fähigkeiten („motor abilities“)
Definition: Motorische Fähigkeiten („motor abilities“) kennzeichnen individuelle Diffe-
renzen im Niveau der Steuerungs- und Funktionsprozesse, die bewegungs-
übergreifend von Bedeutung sind. Sie bilden die Voraussetzung für jeweils
mehrere strukturell ve rschiedenartige Ausführungsformen und sind in ihrem
Erklärungswert von unterschiedlicher Breite bzw. Generalität. 5
4 nach Göhner 1992, S. 108ff
5 Roth/Willimczik 1999, S. 233
Arbeit zitieren:
Vanessa Schweppe, 2003, Fähigkeitsorientierung als empirisch-analytische Betrachtungsweise von Bewegungen, München, GRIN Verlag GmbH
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