Einleitung ............................................................................................................................ Ursprung der Verehrung von Reliquien im Christentum .................................................... Heilige ................................................................................................................................. Die Heiligen in ihren Reliquien........................................................................................... Kraft und Macht der Reliquien............................................................................................ Altar und Kreuz ................................................................................................................... Berühren und Schauen......................................................................................................... Die Trierer Heilig- Rock-Reliquie in Zeugnissen und Legenden ........................................ Schluß .................................................................................................................................. Zeittafel................................................................................................................................ Glossar ................................................................................................................................. Literatur ...............................................................................................................................
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Einleitung
Am mittelalterlichen Reliquienwesen fasziniert nicht nur der kultische Umgang mit den Gebeinen der Heiligen, sondern zudem ihre Verpackung, also das Reliquiar. Es birgt etwas Geheimnisvolles und Kostbares, was auch in der Erscheinung des Reliquiars zum Ausdruck kommt. Zum Reliquienkult im Mittelalter gehört neben den Geschichten über den Umgang mit den leiblichen Überresten von Heiligen und dem Vollzug mittelalterlicher Frömmigkeit, die Gestaltung der Reliquiare. Denn in der Art der kostbaren Schreine spiegelt sich jeweils auch die spirituelle Bedeutung von Reliquien, politischer Anspruch und Weltanschauung sowie ästhetische Wahrnehmung wider. So hat sich insbesondere der sinnliche Umgang mit den Reliquien während des Hochmittelalters vom Berühren hin zum Schauen verändert, was die kostbare Ausformung der Reliquiare prägte. Die reiche Ausschmückung der Reliquiare wurde im Mittelalter von einigen wenigen durchaus kritisch betrachtet, beispielsweise von Bernhard von Clairvaux. 1 Ebenso wurde Kritik am Kult um die Reliquien geübt: Alkuin von New York (~* 730, † 804), ein Zeitgenosse Karls des Großen, meint “... daß es besser ist, im Herzen die Beispiele der Heiligen nachzuahmen, als Säckchen mit ihren Gebeinen mit sich herumzutragen” 2 und Petrus Venerabilis, Abt von Cluny betonte, “... «daß die Reliquien nicht um ihrer selbst willen, sondern um der Ehre der Heiligen willen verehrungswürdig sind», so wie die Heiligen selbst nicht um ihrer selbst willen, sondern wegen der Gottesgnade groß sind.” 3
Der praktische Umgang mit den Reliquien und Grabstätten der Heiligen sowie die Gestaltung der Reliquiare in der mittelalterlichen Zeit vom 11. bis 13 Jahrhundert sind die Themen der hier vorliegenden Arbeit, entstanden als Ausarbeitung des Referats über Reliquienkult im Mittelalter und den Heiligen Rock in Trier im Rahmen des Seminars von Guido Boulboullé “Das irdische Jerusalem. Dome des 11. bis 13. Jahrhunderts” an der Universität Bremen und der Exkursion zu mittelalterlichen Kirchen. Die Fahrt nach Maria Laach, Trier, Basel, Speyer und Worms fand im Mai 1996 statt. Im Trierer Dom
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ELBERN, Reliquiar. Abendland, in: Lexikon des Mittelalter, Planudes bis Stadt (Rus’), München 1995, Bd 7, S. 700. Siehe auch Kap. Berühren und Schauen.
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zitiert nach DINZELBACHER, Reliquienverehrung, 1990, S. 225, Anm. 154. Siehe auch LEGNER, Reliquien in Kunst und Kult, 1995, S. 325.
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zitiert nach DINZELBACHER, Reliquienverehrung, 1990, S. 225, Anm. 155.
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wurde zu dieser Zeit die Heilig-Rock-Reliquie ausgestellt und Tausende Gläubige pilgerten nach Trier, um sie zu sehen. Die Wallfahrt gab den Anlaß, uns während der Exkursion nicht nur mit romanischer Architektur, sondern auch mit mittelalterlicher Frömmigkeit zu befassen. Tatsächlich ist die sakrale Architektur des Mittelalters eng mit d em Reliquienwesen verknüpft. Die mittelalterliche Vorstellung vom “Himmlischen Jerusalem” prägte die Gestaltung der romanischen Dome ebenso wie den Reliquienkult. Denn die Heiligen waren nach mittelalterlichem Verständnis sowohl im Himmlischen Jerusalem als auch in ihren Reliquien auf Erden präsent. Somit ist verständlich, daß die irdischen Dome, als Abbild des “Himmlischen Jerusalem”, sich mit den Reliquien der Heiligen verbanden. Grabstätten von Heiligen wurden mit Kirchen überbaut. Der Altar, das Herzstück jeder Kirche, benötigt eine Reliquie, um geweiht zu sein. Einige Reliquiare wurden wiederum in Form von Kirchen gestaltet, sogar als dreischiffige Basilika, wie der Schrein der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom. - Grundlage des Referats bildete der Text “Reliquienverehrung” von Peter Dinzelbacher. In der vorliegenden Arbeit stütze ich mich desweiteren vor allem auf Schriften zum Thema von Arnold Angenendt, Hans Belting und Anton Legner.
Mittelalterlich anmutende Glaubensformen gibt es auch heute noch und nicht nur in Italien. Seit die Madonnenstatuen 1994 allerorten blutige Tränen zu weinen begannen, ist das Thema vom Glauben an Wunder in den Medien immer wieder präsent (besonders zu Ostern und Himmelfahrt). Da wird von Wunderheilern, göttlicher Gnade durch das Berühren eines Kreuzes, Pilgerreisen 4 und Stigmatisierten 5 berichtet. Auch heute noch pilgern Tausende beispielsweise zur Heilig-Rock-Reliquie nach Trier 6 und zum Turiner Grabtuch 7 . Der einbalsamierte Leichnam von Lenin in Moskau ist wohl das erstaunlichste Beispiel für den Kult um die menschlichen Überreste und dies sogar im die christliche Religion verdammenden Kommunismus. Anton Legner sieht das Phänomen sowohl in d er christlich-orthodoxen Prägung der russischen Gesellschaft als
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RAITH, Werner: In Gottes Namen. In: Die Zeit, Nr. 14, Zeitmagazin, 29. März 1996, S. 20-24.
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LUYKEN, Rainer: Der Stigmatisierte. In: Die Zeit, Nr. 11, Zeitmagazin, 11. März 1999, S. 20-24.
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KÖPKE, Wilfried: Er strahlt etwas aus - er wirkt. Die Wallfahrtskerze zu 19,95 - Gläubige pilgern zum Heiligen Rock im Dom zu Trier. In: Die Zeit, Nr. 19, 3. Mai 1996, S. 71.
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DAVID, Wolfgang: Nicht sehen, nur glauben. Menschen aus aller Welt pilgern zum Grabtuch von Turin, um für einen kurzen Moment des Wunders teilhaftig zu werden. In: Die Zeit, Nr. 20, 7. Mai 1998, S. 66-67.
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auch in einem spezifisch menschlich kultischen Verhalten begründet. Auf diese Weise wird die Heiligkeit des Revolutionärs Lenin mittels der alten Muster verifiziert. 8
Moderne Formen der Reliquien sind uns aus dem Starkult bekannt. Ikonen aus Pop und Film werden von ihren Fans vergöttert und zu Heiligen stilisiert, deren Wirkungsmacht einer Haarlocke, dem Galakleid oder dem verschwitzten Shirt innewohnt. Diese Objekte der Begierde möchte der Fan bei sich zu Hause haben, damit das geliebte Idol immer präsent sei. Auch der Brockhaus hat mit seiner Enzyklopädie 2000 (Abb. 1), gestaltet von André Heller, eine neue Dimension im Reliquienkult eröffnet. Die Einbände der Lexika sind mit originalen Objekte von berühmten Menschen bestückt; sowie mit Gegenständen 9 , die der Künstler André Heller zudem selbst sammelte. André Heller nimmt teilweise das mittelalterliche Prinzip der Reliquienteilung auf, indem er Stücke von Churchills Stuhlbezug oder Placido Domingos Kostüm in verschiedenen Buchrücken einschließt. Die Präsentation der Reliquien hinter transparenten Plexiglasfenstern erinnert zwar an Tafelreliquiare mit eingearbeiteten Kristallplättchen (Abb. 2) aus dem 13. Jahrhundert. - Aber nicht, daß noch jemand glaubt, es würden Wunder von den Fundstücken ausgehen. Nein, denn André Heller stellt fest: “Die Welt ist voller kleiner Wunder, man muß nur danach greifen” 10 . Eine Enzyklopädie ist eben doch der Aufklärung verhaftet und nicht dem Mittelalter.
In der Zeitgenössischen Kunst arbeitet Christian Boltanski mit dem Wesen des Reli- quienkultes. Mit mystisch anmutenden Installationen schafft er Orte des Erinnerns, hierzu bedient er sich unter anderem der sakralen Formensprache des Reliquienwesen. Die Arbeiten Christian Boltanskis unterscheiden sich aber vom üblichen Reliquienkult, denn er thematisiert immer wieder die namenlose Masse und seine Installationen folgen den Regeln der Konzeptkunst, zudem führt er mittels der fotografischen Reproduktion und industriell gefertigter Behältnisse (Archive, Keksdosen) die Vervielfältigung ein, wodurch sich die Originalität und Einzigartigkeit des Ausgangsmaterials (alte
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LEGNER, Reliquien in Kunst und Kult, 1995, S. 314 f. Ein altes Muster ist hier im besonderen die christliche Anschauung, daß die Körper der Heiligen nach dem Tode nicht verwesen. Hierzu siehe Kap. Ursprung der Verehrung von Reliquien im Christentum.
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So zum Beispiel ein Teil vom legendären Rennwagen “Silberpfeil” oder ein Teil Stacheldraht des “Eisernen Vorhangs” (fehlt nur noch das graffiti-bunte Mauerstückchen).
10 Das Kunstwerk gestaltet und inszeniert von André Heller: Brockhaus Enzyklopädie 2000. Werbeblatt der Firma ars mundi, Hannover 1998, o. pag.
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Fotoalben, Zeitungsausschnitte, Dokumente) verliert. Diese Loslösung vom Original hin zum Produkt 11 ermöglicht letztlich eine Identifikation des Betrachters mit dem Kunstwerk, da persönliche Assoziationen und Erinnerungen wachgerufen werden. In seine Kunstwerke bezieht Boltanski häufig viele Menschen ein, wie beispielsweise in der Arbeit Menschlich 12 mit mehr als 1000 Portraitfotos. Aber auch in seinen Werken mit Altkleidern, wie in den Installationen Purimfest 13 , See der Toten 14 und Heilige Woche in der Kirche Saint-Eustache, Paris (siehe Deckblatt) berücksichtigt Boltanski das Individuum in der Masse. Viele Jacken, Mäntel, Kleider und Pullover waren einzeln und nebeneinander auf dem Boden der Pariser Kirche ausgebreitet, gleichsam als hätten sie sich zur Anbetung niedergeworfen, die Arme weit ausgebreitet, mit dem “Gesicht” zum Boden. Einerseits sind diese Kleidungsstücke ein Hinweis auf die Masse der Gläubigen, doch in Form und Wirkung des einzelnen Kleides verweist die Arbeit auch auf das Gewand Christi. Boltanski vervielfacht quasi die Heilig-Rock-Reliquie. Hierzu nimmt er moderne Kleidung in der Art, wie sie von jedermann getragen wird. Da Boltanski das G ewand von Jesus mit Kleidungsstücken heutiger Erdenbürger vergleicht, schafft er einen neuen Blickwinkel auf den Kult um Reliquien und Heiligkeit.
11 Boltanski verwendet sein Ausgangsmaterial durchaus mehrfach, sogar in einer einzelnen Installation. 12 Gesammelte Werke I. Zeitgenössische Kunst seit 1968, Bestandskatalog Kunstmuseum Wolfsburg, Wolfsburg 1999, S. 58 ff.
13 Das Purimfest ist ein jüdisches Fest des Schabernacks. Installation 1989 im Museum für Gegenwartskunst, Basel. Die gereinigten und nicht sehr alten Kleidungstücke lagen bergeweise auf dem Boden, so daß die Besucher direkt über die Sachen gehen mußten. Hierzu siehe auch: Christian Boltanski in einem Interview mit Robert FLECK und Heinz Peter SCHWERFEL: Wie Leben zum Material für die Kunst wird . In: Art, Heft 9, 1996, S. 74-85, hier S. 82, Abb. S. 78. 14 Installation 1990 im Institute of Contemporary Arts, Nagoya, Japan. Abb. siehe Kat. Christian Boltanski, London 1997, S. 20/21.
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Ursprung der Verehrung von Reliquien im Christentum
Bereits die ersten Christen verehrten jene Glaubensbrüder, die unter den Römern gelitten hatten, indem sie körperliche Überreste von ihnen aufbewahrten: Mit Märtyrer- blut getränkte Tücher wurden als Schutz für die Familie mit nach Hause genommen. Der Reliquienkult entspringt verschiedenen Phänomenen: Der Verehrung der Toten an ihren Gräbern und dem Aufbewahren von Erinnerungsstücken, dem Glauben an ein Leben nach dem Tod und, daß für das Weiterleben der Toten die Gebeine erhalten oder sogar beieinander bleiben müssen 15 .
Der Kult um die Heiligen und Reliquien sei so alt wie die katholische Kirche und wäre, in der westlichen Welt, bereits um 160 n. Chr. (Märtyrertod des hl. Polykapus) ausgeprägt 16 , stellt der Jesuitenpater Stephan Beissel in seiner Schrift von 1890/92 “Die Verehrung der Heiligen und ihrer Reliquien in Deutschland im Mittelalter” fest. Mit Hinweis auf die Bibelstelle 1 Cor 15, 40.44 belegt Arnold Angenendt jedoch, daß es im Christentum ursprünglich keine Veranlassung zur Reliquienverehrung gab, denn entsprechend den Paulusbriefen stand geschrieben: Bei der Auferstehung werde ein spirituell-himmlischer Leib verliehen. So wurde auch das Grab des ersten christlichen Märtyrers Stephanus nicht sonderlich beachtet. Allerdings förderten die Auferstehungsberichte der Evangelisten mit dem leeren Grab die Vorstellung von der Wiederauferstehung des irdischen Leibes. Ein Grund, Knochen und andere Überreste der verehrten, christlichen Ahnen aufzubewahren, lag in dem Glauben, den Überresten wohne eine spezielle Kraft virtus inne: Eine vom Heiligen verdiente Gotteskraft, die über seinen Tod hinaus fortwirkt und permanent von der himmlischen Seele des Heiligen auf seine Knochen übertragen würde. 17 Der Kult um die christlichen Heiligen sei nicht aus der Antike übernommen worden; er sei zudem nicht auf die Verehrung der Heroen der Antike zurückzuführen, so Heinrich Fichtenau. Zum einen wurde den Gräbern der antiken Helden zwar vergleichbare Kraft und Wirkung zugesprochen, doch wurden die Gräber in der Antike nicht angetastet und
15 ANGENENDT, Reliquien. Allgemeiner Begriff. Abendland, in: Lexikon des Mittelalters, Planudes bis Stadt (Rus’), München 1995, Bd 7, S. 702.
16 BEISSEL, Die Verehrung der Heiligen und ihrer Reliquien in Deutschland im Mittelalter. Erster Teil, 1890, S. 1. 17 ANGENENDT, Reliquien. Allgemeiner Begriff. Abendland, in: Lexikon des Mittelalters, Planudes bis Stadt (Rus’), München 1995, Bd 7, S. 702.
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es gab keine Entnahme von Körperreliquien. 18 Anfänglich war auch im Abendland bis zum 8. Jahrhundert das Öffnen von christlichen Heiligengräbern kaum üblich. Reliquien waren bis dahin vor allem Kontaktreliquien, d ie mit dem Heiligen zu Lebzeiten oder nach dem Tode mit dessen Grab in Berührung gekommen waren. Adriaan Bredero meint, erst durch Umbettung von Märtyrern 19 seien auch die Gebeine zu kostbaren Reliquien geworden. 20 Arnold Angenendt beschreibt, daß bis zur Jahrtausendwende lediglich die als nachwachsend geltenden Teile, wie Zähne, Haare und F ingernägel der Toten genommen und getrennt vom Grab aufbewahrt wurden. Weitere Teilungen am Skelett vorzunehmen galt als Sakrileg, Angenendt führt aber nicht weiter aus, weshalb das so war und wieso sich die Praxis zu Beginn des Mittelalters änderte. 21 Der Brauch der Leichenteilung sei aus dem Orient übernommen worden, ist bei Fichtenau zu lesen. Eine einleuchtende Begründung für das Aufkommen der Gebeinteilungen ist sicherlich die so gewonnene Möglichkeit der Vermehrung der Wirkungsmacht der heiligen Reliquien. Denn die Kraft des Heiligen konnte somit an verschiedenen Orten gleichzeitig wirken. 22 Doch nun nochmals zurück zu der Frage nach dem Ursprung des Reliquienkultes: Denn das Andenken an Verstorbene durch Aufbewahren von Skeletteilen scheint nicht erst in christlicher Zeit entstanden zu sein, sondern ist Anton Legner zufolge sogar so alt wie die Menschheit 23 selbst. Die Anbetung, besonders des Schädels, ist in der Geschichte der Menschheit tief verwurzelt. So wurden in prähistorischer Zeit die Leichen unter den Fußböden der Häuser bestattet, aber die Köpfe in den Wohnungen aufbewahrt 24 . Anton Legner stellt Vergleiche zu ethnologischen Kultobjekten an und nennt d ie “Ahnenschädel von Sepik” und “Spiegelfetische vom Kongo” 25 .
Die wunderbare Intaktheit des Leichnams corpus incorruptum steht in der christlichen Tradition auch immer wieder dem Zerteilen der heiligen Körper gegenüber. In Psalm 16
18 FICHTENAU, Zum Reliquienwesen des frühen Mittelalters, 1995, S. 116.
19 Um sie vor Muslimen in Sicherheit zu bringen, die die Stadt Rom bedrohten.
20 BREDERO, Christenheit und Christentum im Mittelalter, 1988, S. 10.
21 ANGENENDT, Reliquien. Allgemeiner Begriff. Abendland, in: Lexikon des Mittelalters, Planudes bis Stadt (Rus’), München 1995, Bd 7, S. 702.
22 FICHTENAU, Zum Reliquienwesen des frühen Mittelalters, 1995, S. 116.
23 Auch im Buddhismus und in mexikanischen Kulturen war Reliquienverehrung üblich.
24 LEGNER, Reliquien in Kunst und Kult, 1995, S. 278.
25 Wobei die Spiegelfetische vom Kongo wiederum von der christlichen Kultur durch Entdecker und portugiesische Missionare um 1438 beeinflußt wurden.
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Quote paper:
M.A. Elke Beilfuß, 1999, Bedeutung und Beachtung der Reliquien im christlichen Abendland vom 11. bis 13. Jahrhundert, Munich, GRIN Publishing GmbH
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