Gesundheit, Krankheit und Tod bei den Navajos
Christian Rell
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungen 3
Abbildungen 4
1 Einleitung 5
2 Gesundheit, Schönheit und Heilung bei den Navajos 7
2.1 Die besondere Bedeutung von Gesundheit und Schönheit 7
2.2 Heilungszeremonien der Navajos 7
2.2.1 Das Zeremoniensystem der Navajos 7
2.2.2 Die hohe Bedeutung von Heilungsritualen 10
2.2.3 die „zeremonielle Ausrüstung“ das Medizinbündel 11
2.2.4 Sandpaintings 12
2.2.5 Gesang 13
2.2.6 Handzittern und sonstige Elemente 14
2.3 Das Gesundheitssystem der Gegenwart (1945 bis heute) 15
3 Krankheiten, Gefahren und Tod im Leben der Navajos 17
3.1 Der Bezug der Navajos zur Krankheit 17
3.2 Krankheiten der Gegenwart 18
3.2.1 Kindersterblichkeit, Hepatitis, Alkoholismus und Seuchen 18
3.2.2 Uran- und Kohlebergbau als Ursache von Krankheiten 19
4 Fazit 24
Literaturverzeichnis 25
Stichwortregister 28
Anhang 29
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Abkürzungen
bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise DNA die wirtschaftliche Wiederbelebung der Navajos anstrebende Advokaten f. folgende ff. fortfolgende Hrsg. Herausgeber/Herausgeberin IHS Indian Health Service NAM Native American Medicine o. ohne S. Seite s. siehe u. a. unter anderem Verf. Verfasser/Verfasserin vgl. vergleiche
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Gesundheit, Krankheit und Tod bei den Navajos
Christian Rell
Abbildungen
Abb. 1 arbeitsloser Navajo-Mann Seite 6
Abb. 2 Hogan im Navajo National Monument Seite 8
Abb. 3 Öffnen eines Medizinbündels Seite 11
Abb. 4 Anfertigung eines Sandbildes Seite 12
Abb. 5 Sandpainting in klassischen Farben Seite 12
Abb. 6 Ärztin im Indian Hospital in Tuba City Seite 15
Abb. 7 Wasser aus kontaminierten Quellen Seite 19
Abb. 8 Untersuchungen im verseuchten Gebiet Seite 22
Abb. 9 Karte des Navajo- Reservates im Anhang
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1 Einleitung
Navajos sind Angehörige der athapaskischen Sprachgruppe. 2 Navajo ist traditionell in erster Linie eine gesprochene Sprache, was einige Übermittlungsprobleme mit sich bringt. 3 Gerade in Kulturen in denen keine Schriftlichkeit existiert mit der Wissen konserviert und weitergegeben werden könnte - wie bei den Navajos - ist es wichtig, dass es Rituale gibt, um so ein „kollektives Gedächtnis“ aufzubauen. 4 Dieser Umstand zeigt auch, wie wichtig es für Navajos gewesen sein muss, Mythen und Geschichten zu erzählen, um sie über die Zeit hinweg zu konservieren und über Generationen zu transportieren. Rituale machen zudem den Mythos erfahrbar - das Ritual substituiert den Mythos. „Die mündlichen Überlieferungen haben die indianischen Sprachen und Weisheiten bis in unsere Tage bewahrt.“ 5 Jedoch unterliegt auch diese Kultur einem Erosionsprozess: “Today, I have seen and been aware that many of our children are beginning to lose sight of their culture, language and even the religion that has been passed down from generation to generation. They are drifting very fast in this so-called modern society and many of them don’t get the proper guidance as to who they are, where they come from and where they are heading.” 6
Doch dass die moderne Gesellschaft mit ihrer Popkultur auch ihre Nachteile mit sich bringt zeigt sich dem Volk der Navajos zunehmend. Die Navajo-Nation, das größte Reservat in den USA, gilt als eines der Musterbeispiele für die Probleme der amerikanischen Ureinwohner. In den “Four Corners" der Sandsteinwüste zwischen Arizona, Utah und New Mexico gelegen, lebt eine viertel Million Navajos in einem Elend, das man eher in einem Entwicklungsland, als in den USA erwarten würde. 7
1 Taliman, Valerie (Navajo),Stories of the Land, in: American Indian Review, Issue Number ,3 Summer 1992, unter: www.american-indianreview.co.uk , Zugriff am 14.02.2004.
2 Zimmermann, Larry J., Indianer - Geschichte und Stämme (1996), S. 172. (Das Navajo (Dineh) ist mit 130.000 Sprechern die meistbenutzte indianische Sprache im Norden Amerikas.)
3 Die Navajo- Indianer sehen die Sprache als heiliges Geschenk, das nicht unnötigerweise gebraucht werden soll. Navajo ist eine sehr metaphernreiche Sprache.
4 s. Hockerts, Hans Günter, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Zugänge zur Zeitgeschichte: Primärerfahrung, Erinnerungskultur, Geschichtswissenschaft, Aus Politik und Zeitgeschichte (B 28/2001), o.Verlag, Bonn, 2001, S. 12.
5 Zimmermann, Larry J., Indianer - Geschichte und Stämme (1996), S. 141.
6 Tome, Harry (Navajo), Native American Church to Preserve and Protect Our Culture Part 1., American Indian Review, Issue Number 13, Winter
1996/7, unter: www.american-indian-review.co.uk , Zugriff am 14.02.2004.
7 Der US-Zensus von 2000 besagt, dass sich ungefähr 269.000 Menschen selbst als Navajos bezeichnen und nochmal 29.000 als Teil-Navajos, s Waldman, Carl, Navajo (people), Microsoft® Encarta® Online Encyclopedia 2004, unter: http://encarta.msn.com © 1997-2004, Zugriff am
15.02.04.
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Hier lebt über die Hälfte der Einwohner unterhalb der Armutsgrenze. Das durchschnittliche Jahreseinkommen liegt bei knapp 11.885 US-$ pro Kopf, rund ein Drittel von dem der übrigen USA. Die Arbeitslosenrate beträgt rund 59%. Die meisten Jobs gibt es bei den verschiedenen Behörden des Stammesrats. Ansonsten können sich die Navajos nur in den Kohlegruben oder den wenigen Franchise-Firmen auf ihrem Reservat verdingen.
In dieser Arbeit soll gezeigt werden, wie Navajos - oder auch Dine’é („the People“) 8 wie sie sich selbst nennen - in einer solch schwierigen Zeit mit den Themen Mythos, Gesundheit, Krankheit und Tod umgehen.
8 s. Brugge, David M., Navajo Prehistory and History to 1850, in: Ortiz, Alfonso (Volume Editor), Southwest, in: Sturtevant, William C. (Hrsg.), Handbook of North American Indians, Smithsonian Institution Washington, 1983, S. 489- 501 (hier: S. 497).
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2 Gesundheit, Schönheit und Heilung bei den Navajos
2.1 Die besondere Bedeutung von Gesundheit und Schönheit
Der Fokus der Navajo-Rituale liegt in den Bereichen Gesundheit und “well-being”. Der Ausspruch “in beauty we walk” 9 der für diese Lebenseinstellung steht klingt im ersten Moment wenig indianisch. Hierunter ist zu verstehen, dass die Dine’é Schönheit und Harmonie suchen. Hózhó ist der grundlegende Wert der Kultur der Navajos, quasi ein Lebenskonzept. Er durchzieht alle Lebensbereiche und steht hinter jedem traditionellen Denken und Handeln. Hózhó bedeutet vollkommene Schönheit und Harmonie aller Elemente im Universum. 10 Es ist jedoch tatsächlich auch eine körperliche Schönheit gemeint: “Our skin ist still brown like our mother earth. Our eyes are black like the universe at night. Our smiles are like the stars. And we speak like the voice of the wind.” 11
2.2 Heilungszeremonien der Navajos
2.2.1 Das Zeremoniensystem der Navajos
Anthropologen waren über die Komplexität des Zeremoniensystems der Navajos verwundert 13 : „The Dinetah became the center of a cultural development that has no equal in Apachean history. The Puebloans had brought with them their rich ceremonial lore, and ceremonies of great complexity were performed.“ 14 Die Dine’é und ihre Nachbarn teilen verschiedene zeremonielle Konzepte. 15 Das Navajo-Zeremoniesystem hat sich entwickelt, um mit den Gefahren durch das Universum umgehen und diese kontrollieren zu können. 16 Zeremonien werden abgehalten, wann immer sie gebraucht werden und nicht streng nach Kalender. 17 Nach der korrekten und vollständigen Durchführung eines Zeremoniells rücken die „Holy People“ die Dinge wieder zurecht - sie stellen hózhσ wieder her. 18 Die Navajos scheinen in diesem Punkt recht pragmatisch zu sein, denn die holy people, die Götter, sind aufgrund der Reziprozität verpflichtet, bei einer korrekt durchgeführten Zeremonie den damit
9 s. Luckhardt,Grant,The Way of Beauty and the Way of Truth. A Wittgensteinian Appreciation of Navajo Philosophy,o.Ort., o.Jahr,S.586.
10 s. Angermaier, Georg, Traditionelles Recht und seine Anwendung in den Tribal Courts der Navajo 3, Wien, 1996, S. 39 f.
11 Laughter, Albert, Navajo Ranger Interprets. Our People, Our Past, in: National Geographic Society, Our National Parks, National Geographic Vol. 156, No. 1 (Juli 1979), Washington, S. 80-85 (hier:S. 85).
12 Blackgoat, Roberta, Ours is a Religion of Nature, American Indian Review, Issue Number 13, Winter 1996/7, unter: www.american-indianreview.co.uk , Zugriff am 14.02.2004.
13 s. Wyman, Leland C, Navajo Ceremonial System, in: Ortiz, Alfonso (Volume Editor), Southwest, in: Sturtevant, William C. (Hrsg.), Handbook of North American Indians, Smithsonian Institution Washington, 1983, S. 536-557 (hier: S. 548).
14 s. Brugge, David M., Navajo Prehistory and History to 1850 (1983), S. 493.
15 s. Brugge, David M., Navajo Prehistory and History to 1850 (1983), S. 491.
16 s. Wyman, Leland C, Navajo Ceremonial System (1983), S. 536 u. 537.
17 s. Wyman, Leland C, Navajo Ceremonial System (1983), S. 537.
18 s. Wyman, Leland C, Navajo Ceremonial System (1983) und Witherspoon, Gary, Language and Reality in Navajo World View , in: Ortiz, Alfonso (Volume Editor), Southwest, in: Sturtevant, William C. (Hrsg.), Handbook of North American Indians, Smithsonian Institution Washington,
1983, S. 537 u. 572.
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angestrebten Erfolg, nämlich die Wiederherstellung von hózhó in dem jeweiligen Bereich, zu verwirklichen. 19
Das Spirituelle ist so allgegenwärtig, dass es in der Sprache der Navajos nicht einmal ein Wort gibt, das man annähernd mit „Spiritualität“ oder „Religion“ übersetzten könnte. 20 Das Spirituelle ist bei den Navajos untrennbar mit dem Alltag verbunden. Es beschränkt sich nicht auf bestimmte Zeremonien oder Mythen sondern ist vielmehr eine Weltanschauung, die das Denken und Handeln beeinflusst. In den Mythen werden die Entstehung und Anweisungen für die Durchführung von Zeremonien überliefert. 21 Die Zeremonien stellen kein separates Gebiet der Erfahrungen dar, sondern sind vielmehr integraler Bestandteil des Lebens und der Kultur der Navajos: „[...] Navajo traditions are more than history.“ 22
Normalerweise werden die Zeremonien nur in den Hogans durchgeführt. 23 Hogans sind konisch zugeschnittene Erdhäuser. Diese sind dem Hogan in welchem First Man und First Woman die ersten Dine’é erschufen nachempfunden. 24 „This creation hogan is the paradigm for all Navajo ceremonial and house structures[...].“ 25 Schon First Man und First Woman haben ihr Medizinbündel im Hogan ausgepackt, Sandpaintings angefertigt und Gesänge und Rauch genutzt. 26
19 s. Angermaier, Georg, Traditionelles Recht und seine Anwendung in den Tribal Courts der Navajo (1996), S. 49.
20 s. Locke, Raymond Friday, Sweet Salt, SantaMonica,1990, S. 1 f. u. Wyman, Leland C., Navajo Ceremonial System (1983), S. 536 ff.
21 s. Kempf, Susanne, Frauen und Macht bei den Navajo, in: Egon Renner (Hrsg.), Ethnologische Studien, Band 1, o. Verl., Bonn, 1996, S. 44.
22 Laughter, Albert, Navajo Ranger Interprets. Our People, Our Past (1979), S. 82.
23 s. Wyman, Leland C, Navajo Ceremonial System (1983), S. 548.
24 s. Gill, Sam D., Navajo Views of Their Origin, in: Ortiz, Alfonso (Volume Editor), Southwest, in: Sturtevant, William C. (Hrsg.), Handbook of North American Indians, Smithsonian Institution Washington, 1983, S. 502-505 (hier: S. 503).
25 Gill, Sam D., Navajo Views of Their Origin (1983), S. 503.
26 s. Gill, Sam D., Navajo Views of Their Origin (1983), S. 504.
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Quote paper:
Christian Rell, 2004, Spiritualität und gesellschaftlicher Pragmatismus bei den Navajo der Gegenwart, Munich, GRIN Publishing GmbH
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