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Spiritualität und gesellschaftlicher Pragmatismus bei den Navajo der Gegenwart

Gesundheit, Krankheit, Tod

Title: Spiritualität und gesellschaftlicher Pragmatismus bei den Navajo der Gegenwart

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 29 Pages , Grade: 1,0 (sehr gut)

Autor:in: Christian Rell (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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“It is unbelievable and inexcusable that in 1992 we continue to teach schoolchildren that ‘Columbus discovered America.’ [...] Instead, we should acknowledge that Columbus was a lost sailor who mistakenly landed on the shores of what is now San Salvador and encountered a world in which millions of Native people thrived.” (Valerie Taliman, Navajo)

Gerade in Kulturen in denen keine Schriftlichkeit existiert mit der Wissen konserviert und weitergegeben werden könnte - wie bei den Navajos - ist es wichtig, dass es Rituale gibt, um so ein „kollektives Gedächtnis“ aufzubauen. Dieser Umstand zeigt auch, wie wichtig es für Navajos gewesen sein muss, Mythen und Geschichten zu erzählen, um sie über die Zeit hinweg zu konservieren und über Generationen zu transportieren. Rituale machen zudem den Mythos erfahrbar – das Ritual substituiert den Mythos. „Die mündlichen Überlieferungen haben die indianischen Sprachen und Weisheiten bis in unsere Tage bewahrt.“

Dass die moderne Gesellschaft mit ihrer Popkultur jedoch auch ihre Nachteile mit sich bringt zeigt sich dem Volk der Navajos zunehmend. Die Navajo-Nation, das größte Reservat in den USA, gilt als eines der Musterbeispiele für die Probleme der amerikanischen Ureinwohner. In den “Four Corners" der Sandsteinwüste zwischen Arizona, Utah und New Mexico gelegen, lebt eine viertel Million Navajos in einem Elend, das man eher in einem Entwicklungsland, als in den USA erwarten würde...


'gründliche, umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema' (Prof. Dr. Egon Renner, Lateinamerika-Institut und Institut für Ethnologie der Freien Universität Berlin)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gesundheit, Schönheit und Heilung bei den Navajos

2.1 Die besondere Bedeutung von Gesundheit und Schönheit

2.2 Heilungszeremonien der Navajos

2.2.1 Das Zeremoniensystem der Navajos

2.2.2 Die hohe Bedeutung von Heilungsritualen

2.2.3 die „zeremonielle Ausrüstung“ - das Medizinbündel

2.2.4 Sandpaintings

2.2.5 Gesang

2.2.6 Handzittern und sonstige Elemente

2.3 Das Gesundheitssystem der Gegenwart (1945 bis heute)

3 Krankheiten, Gefahren und Tod im Leben der Navajos

3.1 Der Bezug der Navajos zur Krankheit

3.2 Krankheiten der Gegenwart

3.2.1 Kindersterblichkeit, Hepatitis, Alkoholismus und Seuchen

3.2.2 Uran- und Kohlebergbau als Ursache von Krankheiten

4 Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Umgang der Navajo-Nation mit den Themenfeldern Mythos, Gesundheit, Krankheit und Tod unter den Bedingungen der modernen Gesellschaft. Ziel ist es, den historischen und soziokulturellen Kontext der traditionellen Heilpraktiken sowie die Spannungsfelder zwischen spiritueller Identität und den Herausforderungen durch externe sozioökonomische Faktoren, wie Armut und Umweltbelastungen, aufzuzeigen.

  • Traditionelle Navajo-Konzepte von Gesundheit (Hózhó) und Heilzeremonien.
  • Die Rolle der Medizinmänner (hataalii) und die Bedeutung von Ritualen wie Sandpaintings und Gesängen.
  • Das Spannungsverhältnis zwischen traditioneller Medizin und dem modernen westlichen Gesundheitssystem (IHS).
  • Soziale und gesundheitliche Probleme der Gegenwart, insbesondere durch Uran- und Kohleabbau sowie sozioökonomische Notlagen.

Auszug aus dem Buch

2.2.4 Sandpaintings

Sandbilder haben besonderen symbolischen Wert. Sie sind an bestimmte Zeremonien, häufig an Heilzeremonien, gebundene symbolische Bilder. Die Herkunft der Sandbilder ist nicht abschließend geklärt. Von manchen wird vermutet, dass die Technik von den Hopis oder anderen Pueblo-Indianern übernommen wurde. Sie werden in erster Linie mit pulverisiertem rotem, gelbem und weißem Sandstein und zermahlener Holzkohle auf den geglätteten, hellsandigen Boden gemalt.

Sandpaintings zeigen meist standardisierte Abstraktionen von Naturphänomenen oder auch mythische Kreaturen. Die Bilder sind streng schematisiert und stellen häufig die Gottheiten dar, die zur Heilung des Kranken angerufen werden, aber auch Wolken, Blitz, Regenbogen, Gestirne und Schlangen oder die vier Pflanzen (Mais, Bohne, Kürbis, Tabak). Der Radius kann von 30 cm bis zu 5 m reichen. Ein Bild muss an einem einzigen Tag hergestellt und vor Sonnenaufgang wieder zerstört werden. Sandbilder sind eine Kunstform, die jedoch nicht dem Selbstausdruck dient, sondern dazu, die Mächte in stilisierter Form für die Menschen sichtbar zu machen; für einen kurzen Zeitraum stellen sie eine Verbindung zwischen den Menschen und den Göttern her.

Sandbilder werden von Verwandten oder Freunden des Patienten stets nach einem festen Ritual in der jeweiligen Zeremonie unter Anleitung eines hataalii angefertigt.

In einigen Quellen wird behauptet, dass in religiösen Darstellungen, wie Sandbildern, die die Navajos zum Ausstellen oder Verkaufen anfertigen, immer ein Fehler enthalten sei, der einem Außenstehenden überhaupt nicht auffalle, einem hataalii (Medizinmann) jedoch sofort ins Auge steche. So sollen zum Beispiel eine vertauschte Farbreihenfolge oder auch eine winzige Detailänderung verhindern, dass sich Nichteingeweihte die heiligen und geheimen Traditionen aneignen können.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die kulturelle Identität der Navajos ein und beleuchtet die sozioökonomischen Probleme der Navajo-Nation als größte Reservatsgemeinschaft der USA.

2 Gesundheit, Schönheit und Heilung bei den Navajos: Dieses Kapitel erläutert das zentrale Lebenskonzept des Hózhó und beschreibt die Komplexität der traditionellen Zeremonien, Medizinbündel und Heilkünste.

3 Krankheiten, Gefahren und Tod im Leben der Navajos: Dieser Abschnitt thematisiert die Wahrnehmung von Krankheit bei den Navajos sowie die spezifischen Belastungen durch moderne Zivilisationskrankheiten und die verheerenden Auswirkungen des Uran- und Kohleabbaus.

4 Fazit: Das Fazit fasst die Anpassungsfähigkeit der Navajos zusammen und resümiert das komplexe Miteinander von traditionellen Heilmethoden und moderner westlicher Medizin.

Schlüsselwörter

Navajo, Hózhó, Heilzeremonien, Sandpaintings, Medizinbündel, hataalii, Gesundheitssystem, Indian Health Service, Uranabbau, Radioaktivität, Tradition, kulturelle Identität, Armut, Dine’é, Ethnomedizin.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die moderne Situation der Navajo (Dine’é) mit besonderem Fokus auf ihre kulturellen Konzepte von Gesundheit, Krankheit und den Umgang mit dem Tod im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die spirituellen Heilzeremonien, die Rolle des Medizinmanns, das westlich geprägte Gesundheitssystem im Reservat sowie die gesundheitlichen Folgen von industrieller Ausbeutung, insbesondere durch den Uranabbau.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Navajo ihre traditionellen Wertevorstellungen bewahren und gleichzeitig auf die massiven gesundheitlichen und sozioökonomischen Herausforderungen der Gegenwart pragmatisch reagieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?

Es handelt sich um eine ethnologische Literaturarbeit, die auf einer fundierten Analyse von Fachliteratur, historischen Studien und aktuellen Berichten basiert, um ein ganzheitliches Bild der Situation der Navajo-Nation zu zeichnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung der Zeremonialkultur (Sandmalereien, Gesänge, Rituale) sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der medizinischen Versorgung und den ökologischen Belastungen durch den Bergbau.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Hózhó, Medizinbündel, Navajo-Nation, Uranabbau, kulturelle Resilienz und das Verhältnis von indigener und westlicher Medizin definiert.

Welche Rolle spielt die "weiße Medizin" im Leben der modernen Navajo?

Die Arbeit zeigt, dass die "weiße Medizin" von vielen Navajo als notwendige Ergänzung für körperliche Verletzungen oder eingeführte Krankheiten akzeptiert wird, ohne dabei den Glauben an traditionelle Heilzeremonien bei spirituellen oder psychosomatischen Störungen aufzugeben.

Welche Auswirkungen hatte der Uranabbau auf die Bevölkerung im Reservat?

Der Uranabbau führte laut der Arbeit zu massiven Umweltkontaminationen von Boden und Grundwasser, was wiederum eine erhöhte Anfälligkeit für Lungenkrebs und andere strahlenbedingte Erkrankungen unter den ehemaligen Minenarbeitern und deren Angehörigen zur Folge hatte.

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Details

Title
Spiritualität und gesellschaftlicher Pragmatismus bei den Navajo der Gegenwart
Subtitle
Gesundheit, Krankheit, Tod
College
Free University of Berlin  (Lateinamerika-Institut und Institut für Ethnologie)
Course
HS/RK/RS : Schöpfungsgeschichten, Rituale und spirituelle Welten in Nordamerika
Grade
1,0 (sehr gut)
Author
Christian Rell (Author)
Publication Year
2004
Pages
29
Catalog Number
V24518
ISBN (eBook)
9783638273725
ISBN (Book)
9783638648387
Language
German
Tags
Spiritualität Pragmatismus Navajo Gegenwart Schöpfungsgeschichten Rituale Welten Nordamerika
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Rell (Author), 2004, Spiritualität und gesellschaftlicher Pragmatismus bei den Navajo der Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24518
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