II
Inhaltsverzeichnis
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Inhaltsverzeichnis
II
1. Einleitung
1
2. Die Voraussetzungen
1
2.1. Die Deutsche Arbeitsfront - DAF 1
2.2. Kraft durch Freude - KdF 2
3. Die Idee 3
3.1. Adolf Hitler 3
3.2. Robert Ley 3
3.3. Clemens Klotz 4
3.3.1. Clemens Klotz 4
3.3.2. Die Planung des KdF - Seebades 5
3.3.3. Der Entwurf 5
4. Die Umsetzung - Der Bau von Prora 6
5. Baustopp und die Nutzung im Krieg 6
5.1. Baustopp 6
5.2. Prora im Krieg 7
6. Die Nutzung nach dem Krieg 7
7. Schlusswort 8
Anhang 9
Literaturverzeichnis 10
Eidesstattliche Erklärung
10
1
1 Einleitung
„Ich will, dass dem Arbeiter ein ausreichender Urlaub gewährt wird und dass alles geschieht, um ihm diesen Urlaub sowie seine übrige Freizeit zu einer wahren Erholung werden zu lassen. Ich wünsche das, denn nur mit einem Volk, das seine Nerven behält, kann man wahrhaft große Politik machen.“ 1 , so lautet der Originalwortlaut eines Befehls von Adolf Hitler.
Der Ort Prora und der "Koloss von Rügen" oder das ehemalige "KdF-Seebad der Zwanzigtausend" sind in den letzten Jahren sehr bekannt geworden. Prora gehört zum Ostseebad Binz und liegt an der Prorer Wiek an der Ostseite von Rügen. Hier wurde die etwa 4,5 km lange Anlage im Auftrag der Nationalsozialistischen Gemeinschaft „Kraft durch Freude" zwischen 1936 und 1939 gebaut und zu großen Teilen auch vollendet. 2
Der „Koloss von Rügen“ war eine Idee von Adolf Hitler. Vorraussetzungen für das Gelingen verschiedener Projekte von Hitler war die Schaffung einer Massenorganisation, die Deutsche Arbeitsfront (Abk. DAF) unter der Leitung von Robert Ley. In diesem Rahmen gründete Robert Ley 1933 die Nationalsozialistische Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (Abk. KdF). Im Auftrag der KdF sollten gewaltige Seebäder gebaut werden, um die Arbeitskraft der Arbeiter zu erhalten. Prora sollte das erste von vielen Seebädern werden. 3 Clemens Klotz wurde mit seinem Vorschlag zum Bau als Architekt für dieses Projekt gewählt. Im Mai 1936 begann der Bau und wurde durch den Beginn des 2. Weltkrieges 1939 nie fertiggestellt. Genauere Angaben werden in den folgenden Anschnitten erläutert. 2 Die Voraussetzungen
2.1 Die Deutsche Arbeitsfront - DAF
Unmittelbar nach der Machtergreifung 1933 begannen die Nationalsozialisten, Staat und Gesellschaft nach ihren Vorstellungen gewaltsam zu verändern. So wurde der 1. Mai zum traditioneller Kampftag der Arbeiterklasse, zu einem "Tag der nationalen Arbeit" umfunktioniert. In Berlin wurde dieser Tag mit einer zentralen Veranstaltung auf dem Tempelhofer Feld aufwendig propagandistisch inszeniert. Allerdings löste die SA bereits am folgenden Tag handstreichartig die Gewerkschaften auf und beschlagnahmte das gewerkschaftseigene Vermögen. 4
Eine Woche nach der Zwangsauflösung aller Gewerkschaften, wurde am 10. 5. 1933 die DAF gegründet. 5 Damit entstand die mit 23 Millionen Mitgliedern (1938) größte Massenorganisation des NS-Staates. Unter der Führung von Robert Ley war die DAF durch ihre enorme Finanzkraft aus dem ehemaligen Gewerkschaftsvermögen und dem hohen Beitragsaufkommen ihrer Mitglieder ein wichtiger innenpolitischer Faktor. Sie besaß zahlreiche Wirtschaftsunternehmen. Die größte Publizität
1 Vgl. Höh, P. - Rügen/Hiddensee, 1998, Seite 148 .
2 Vgl. Stiftung neue Kultur - Projektgruppe Prora, 2000, http://www.dokumentationszentrum-prora.de /kurzinfo.html .
3 Vgl. Winkler, H.-J. - Legenden um Hitler, 1963, Seite 33.
4 Vgl. Stiftung neue Kultur - Projektgruppe Prora, 2000, http://www.dokumentationszentrum-prora.de /daf.html.
5 Vgl. Nionex (Hrsg.) http://www.wissen.de - Deutsche Arbeitsfront; 2000-2003.
2
erreichte die DAF durch den Bau eines eigenen Automobilwerkes zum Bau des „KdF-Wagens" in Wolfsburg (heute: Volkswagen-Werk). 1
„Das hohe Ziel der Arbeitsfront ist die Erziehung aller im Arbeitsleben stehenden Deutschen zur nationalsozialistischen Gesinnung“, wie die DAF selbst formulierte. 2 Die zahlreichen Aktivitäten der „Deutschen Arbeitsfront" dienten dazu, die gesamte Bevölkerung im Beruf und in der Freizeit zu kontrollieren. Die größte Wirkung erzielte die Unterorganisation "Kraft durch Freude". 3 2.2 Kraft durch Freude - KdF
Am 28. November 1933 gründete Robert Ley im Rahmen der Deutschen Arbeitsfront (DAF) die Nationalsozialistische Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (KdF). Vorbild dafür waren die sozialen Einrichtungen der früheren Gewerkschaften und der sozialistischen Parteien. Mit über 150 000 Funktionären organisierte die KdF die Betreuung der „Schaffenden“. 4 Dazu sollten Großprojekte dienen, wie der Bau einer „KdF-Flotte“, der „KdF-Wagen“ und auch das „KdF-Seebad“ auf Rügen, das ein Prototyp für weitere vier solcher Bäder sein sollte. Die „KdF“-Organisation war durch ihre Freizeitangebote die populärste und erfolgreichste Gliederung der DAF. 5 Besonders beliebt waren die propagandistisch herausgestellten Urlaubsreisen, vor allem die seit 1934 durchgeführten Kreuzfahrten auf den KdF-Schiffen. 1937 und 1938 nahmen jeweils etwa 10 Millionen Menschen an den KdF-Reisen teil, davon nur etwa 1,4 Millionen an Urlaubsfahrten mit mehr als 3 Tagen und etwa 130.000 an Schiffsfahrten. Obwohl die KdF damit lediglich etwa 10% aller Gesamtübernachtungen in Deutschland organisierte, gehörte diese Form des frühen Massentourismus zu den populärsten Aktivitäten einer Nationalsozialistischen -Organisation. Schließlich konnten durch Preisdiktate gegenüber Touristikunternehmen Urlaubsfahrten zu relativ günstigen Preisen angeboten werden. Doch blieben die Kosten so hoch, dass überwiegend nur Mitglieder der Mittelschicht diese Angebote nutzen konnten. Um eine größeres Publikum mit den KdF-Reisen zu erreichen, plante man an Ost- und Nordsee insgesamt fünf Seebäder, allerdings wurde nur Prora gebaut und weitgehend fertiggestellt. 6
Systematisch wurden alle Bereiche der Freizeitbeschäftigung erfasst, von der Betriebssportgemeinschaft über den Schachclub bis zum Trachtenverein. Das diente dazu, um auch in diesem Bereich die Menschen im Sinne des Regimes manipulieren zu können. 7 Das „KdF-Seebad“ war bis 1939 ein wesentliches Element der sozialen Propaganda des Regimes. Bezeichnenderweise wurde der Grundstein in Prora auf den dritten Jahrestag des „Sturms auf die Gewerkschaften“, auf den 2. Mai 1936 gelegt. Seebad und Volkswagen wurden nur propagandistisch, nie jedoch als soziale Wohltaten wirksam. 8
1 Vgl. Stiftung neue Kultur - Projektgruppe Prora, 2000, http://www.dokumentationszentrum-prora.de /daf.html.
2 Vgl. Stiftung neue Kultur - Projektgruppe Prora, 2000, http://www.dokumentationszentrum-prora.de - Infotext.
3 Vgl. Stiftung neue Kultur - Projektgruppe Prora, 2000, http://www.dokumentationszentrum-prora.de /daf.html.
4 Winkler, H.-J. - Legenden um Hitler, 1963, Seite 33.
5 Vgl. Stiftung neue Kultur - Projektgruppe Prora, 2000, http://www.dokumentationszentrum-prora.de - Infotext.
6 Vgl. Stiftung neue Kultur - Projektgruppe Prora, 2000, http://www.dokumentationszentrum-prora.de/daf.html.
7 Winkler, H.-J. - Legenden um Hitler, 1963, Seite 33.
8 Vgl. Stiftung neue Kultur - Projektgruppe Prora, 2000, http://www.dokumentationszentrum-prora.de - Infotext.
3
3 Die Idee
3.1 Adolf Hitler
Adolf Hitler wurde als Sohn eines Zollbeamten am 20.04.1889 in Braunau am Inn in Österreich geboren. Nach zwei Ablehnungen der Wiener Kunstakademie blieb er ohne Berufsausbildung und bestritt seinen Lebensunterhalt in Wien aus dem Erbe der Eltern, seiner Waisenrente und durch den Verkauf eigener Zeichnungen.
1913 entzog sich Hitler dem österreichischen Militärdienst durch Übersiedlung nach München, trat allerdings 1914 bei Kriegsausbruch freiwillig in die bayerische Armee ein. Im September 1919 trat er der Deutschen Arbeiterpartei (seit Anfang 1920 Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) bei, wurde ihr Werbeobmann und übernahm im Juli 1921 den Vorsitz mit weit reichenden Machtbefugnissen. Den Durchbruch zur Massenpartei erreichte die NSDAP seit 1929 unter den für sie günstigen Umständen der Weltwirtschaftskrise. Dadurch wurde Hitler in seiner Führerrolle noch mehr bestätigt. Hitler konzentrierte sein Interesse seit 1933 auf Außen-, Militär- und Rüstungspolitik. Er starb am 30.04.1945 Berlin durch Selbstmord. 1 3.2 Robert Ley
Robert Ley wurde 1890 im Bergischen Land geboren. Von Beruf Chemiker, trat er 1923 der NSDAP bei und war schon 1925 Gauleiter im Rheinland. 1928 wurde er Herausgeber des Westdeutschen Beobachters, der unter seiner Regie Hetzkampagnen startete, die Ley bis zum Anfang der dreißiger Jahre 69 Anklagen vor allem wegen Beleidigung und Verleumdung eintrugen. Seit 1930 war er Mitglied des Reichstages.
Nach der Machtergreifung 1933 setzte ihn Hitler als einen seiner engsten Vertrauten bei der Zerschlagung der Gewerkschaften ein und unterstellte ihm die "Deutsche Arbeitsfront". Ley als "Reichsorganisationsleiter der NSDAP", wurde ein wichtiger politischer Exponent im nationalsozialistischen Deutschland.
Zum Ende des Dritten Reiches verlor Ley an Bedeutung. Im Mai 1945 flüchtete er, wurde aber von amerikanischer Militärpolizei verhaftet. Ley gehörte zu den Hauptangeklagten im Nürnberger Prozess. Er entzog sich seiner Verantwortung durch Selbstmord. 2
1 Vgl. Nionex (Hrsg.) http://www.wissen.de - Hitler; 2000-2003.
2 Vgl. Stiftung neue Kultur - Projektgruppe Prora, 2000, http://www.dokumentationszentrum-prora.de/ley.html.
4
3.3 Clemens Klotz
3.3.1. Clemens August Klotz (1886-1969)
Der Architekt des „KdF-Seebades Rügen" war Autodidakt und selbständiger Architekt in Köln. Während der Weimarer Republik baute er vor allem Wohnungs-, sowie Büro- und Geschäftshäuser. Klotz war Mitglied des Deutschen Werkbundes und gehörte dem 1928 gegründeten Block Kölner Baukünstler an, einer lockeren Vereinigung moderner Architekten.
Für sein Leben prägend wurde das Zusammentreffen mit dem Gauleiter der NSDAP im Rheinland, Robert Ley, den er Anfang der dreißiger Jahre durch Vermittlung eines Schulfreundes kennen lernte. Als Leiter der "Deutschen Arbeitsfront" vergab Ley große Aufträge an Klotz, unter anderem für die "NS-Ordensburgen" Crössinsee und Vogelsang.
Obwohl er erst am 1. Mai 1933 in die NSDAP eintrat, stieg Klotz unmittelbar nach der Machtergreifung zum Architekten der „Reichsleitung für die Errichtung der SchuIungsbauten der NSDAP" und der "Deutschen Arbeitsfront" auf. Durch Ley lernte Klotz Hitler kennen, der ihn 1936 zum Professor ernennen ließ. Etwas später wurde Klotz in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen, in der er auch nach dem Krieg verblieb. 1 3.3.2. Planung des KdF-Seebades
Das „KdF-Seebad Rügen" war eine der größten Bauaufgaben, die in der NS-Zeit geplant wurden. Am 31. Juli 1935 erfuhr die Öffentlichkeit von der Absicht, dieses "Seebad der 20.000" zu errichten. Clemens Klotz stellte auf dem Parteitag der NSDAP im September 1935 bereits einen Entwurf vor. Trotzdem wurde Anfang 1936 ein Wettbewerb ausgeschrieben, zu dem die Architekten German Bestelmeyer, Emil Fahrenkamp, Hermann Giesler, Hans Gonser, Konstanty Gutschow, Georg Holzbauer, Oskar Jäger, Clemens Klotz, Erich zu Putlitz, Julius Schulte-Frohlinde und Heinrich Tessenow eingeladen wurden.
Zum Programm schrieb Ley: "Die Idee dieses Seebades ist vom Führer selbst. Er sagte mir eines Tages, dass man nach seiner Meinung ein Riesenseebad bauen müsse, das Gewaltigste und Größte von allem bisher Dagewesenen. (...) Es ist der Wunsch des Führers, dass in der Mitte ein großes Festhaus entsteht. (...) Alles soll so eingerichtet werden, dass man das Ganze im Falle eines Krieges auch als Lazarett verwenden kann." 2 Rahmenbedingungen waren die Beherbergung von 20.000 Urlaubern, alle Fenster zum Meer und eine zentrale Festhalle für ebenfalls 20.000 Menschen. Am 2. Mai 1936 war bereits die Grundsteinlegung, aber erst im August wurde der Wettbewerb zugunsten von Clemens Klotz entschieden, dessen sachlicher Entwurf mit der
1 Vgl. Stiftung neue Kultur - Projektgruppe Prora, 2000, http://www.dokumentationszentrum-prora.de/klotz.html .
2 Vgl. Stiftung neue Kultur - Projektgruppe Prora, 2000, http://www.dokumentationszentrum-prora.de/planung.html .
5
monumentalklassizistischen Festhalle von zu Putlitz kombiniert werden sollte. Offensichtlich war der Wettbewerb eher eine Farce, da Klotz von vornherein favorisiert wurde. 1 3.3.3. Der Entwurf von Clemens Klotz
Die Anlage breitet sich parallel zur Küste in einem riesigen Kreisbogen etwa 4,5 Kilometer lang aus. Im Zentrum befindet sich ein großer Festplatz auf dem die Festhalle nach dem Entwurf von Erich zu Putlitz für 20.000 Urlauber entstehen sollte. Außerdem sollten dort ein Kino, ein Turm mit Höhencafé für 250 Personen und ein großes Wasserbecken mit Springbrunnen entstehen. Zur See ist eine Kai-Anlage und Seebrücken vorgesehen.
Jeweils vor den Bettenhäusern sollten die Empfangshallen mit einem Theater und Cafés entstehen. Die Bettentrakte bestehen aus 450 Meter langen, sechsgeschossigen Zeilen mit flachem Dach, die jeweils durch dreigeschossige, weit zum Wasser vortretende, schiffbugartig geformte Restaurant-Komplexe aus Glas getrennt werden.
Auf der Landseite werden Seitenflügel mit Treppenhaus, Aufzug, Duschen und Toiletten angefügt. Breite Durchgänge im Erdgeschoss verbinden die Land- und Seeseite, dort sind auch Kinderhorte und Geschäfte untergebracht. Zwischen dem Gebäude und dem Strand ist eine große, unbewaldete Promenade geplant. In der Mitte der beiden Bauabschnitte sollen große Wellenbäder mit Wasserflächen von 40 x 100 Metern gebaut werden.
Die 2,5 x 5 Meter großen, alle zum Meer hin orientierten Zimmer sind teilweise mit Verbindungstüren versehen, um Familien unterbringen zu können. Gemeinschaftsduschen befinden sich in jeweils 50 Meter Abstand in den Treppenhäusern. Durch Zentralheizung soll die Anlage auch außerhalb der Saison zu nutzen sein. Die Inneneinrichtung, Geschirr, Wäsche und einheitliche Strandutensilien werden von der Bauabteilung der „Deutschen Arbeitsfront" entworfen. Ein Modell des Entwurfes von Clemens Klotz wurde 1937 mit einem Grand Prix auf der Pariser Weltausstellung ausgezeichnet. 2 4 Die Umsetzung - Der Bau von Prora
Das Baugelände war damals ein natürliches, weitgehend unerschlossenes Waldgebiet. Zunächst wurden Straßen und Bahnanlagen gebaut. Dem Bauvorhaben kam zugute, dass 1936 der Rügendamm fertiggestellt war. Das war die erste feste Verbindung der Insel mit dem Festland. Kies, Sand, Wasser und Holz wurden auf der Insel gewonnen und mit einer Feldbahn, die auch eine neu geschaffene Anlegestelle für Schiffe bis 200 t bediente, transportiert. Alle anderen Baustoffe kamen vom Festland.
1 Vgl. Stiftung neue Kultur - Projektgruppe Prora, 2000, http://www.dokumentationszentrum-prora.de/planung.html .
2 Vgl. Stiftung neue Kultur - Projektgruppe Prora, 2000, http://www.dokumentationszentrum-prora.de/entwurf.html .
Arbeit zitieren:
Nicole Käßner, 2003, Prora - Der Koloss von Rügen, München, GRIN Verlag GmbH
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