El ingenioso hidalgo Don Quijote de la Mancha, zu deutsch, ‘der scharfsinnige edle Herr Don Quijote de la Mancha’ von Miguel de Cervantes Saavedra gilt als eines der berühmtesten und der am häufigsten rezipierten Werke der spanischen Literatur sowie der Weltliteratur 1 . Don Quijote sticht in den Curricula der Universitäten hervor und sorgt aufgrund seines Reichtums an struktureller, soziokultureller, literarischer und sprachlicher Vielfalt für zahlreiche Diskussionen und Forschungen auf internationaler Ebene.
In Cervantes Werken und besonders im Don Quijote spielt zum einen die Auseinandersetzung mit typischen Thematiken einer Literaturepoche, wie zum Beispiel die des „engaño - desengaño“ im Barock, eine wichtige Rolle. Ebenso stellt die Beurteilung von Verhaltensmodellen unter Berücksichtigung von Verhaltensspiegeln, die für den Ritter und den Knappen im Mittelalter aufgestellt wurden, eine inhaltliche Besonderheit dar. Zum anderen ist die Verknüpfung der Merkmale verschiedener literarischer Gattungen in ein und demselben Werk ein strukturelles Phänomen in seinen Werken: Cervantes hebt die Struktur der jeweiligen Gattungskonzepte auf und vermischt einzelne Elemente der Novelle, des Schelmen-, des Ritter- und des Schäferromans miteinander. Welche Elemente des Schelmenromans dabei im Quijote existent bleiben, soll anhand folgender Vorgehensweise in dieser Hausarbeit erarbeitet werden: Das Kapitel 2.1 beschreibt die Entstehungsgeschichte der novela picaresca. Das Kapitel 2.2 untersucht die Etymologie des Wortes pícaro anhand der Hypothesen von drei Autoren. Im Kapitel 2.3 werden die typischen Merkmale eines Schelmenromans zusammengestellt. Der Typus, die Funktion des Protagonisten, sowie das Verhältnis zwischen Herr und Knecht im Schelmenroman werden anhand von drei ausgewählten pikaresken Romanen ermittelt 2 . Die umfangreiche Darstellung dient als Grundlage für die Analyse der Hauptfragestellung dieser Arbeit, die da lautet: In wie weit besteht im Don Quijote ein Bezug zum Schelmenroman? So beschäftigt sich das dritte Kapitel mit den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen einem Schelmenroman und dem Quijote, wobei insbesondere das Verhältnis zwischen Herrn und Knecht bzw. Knappen untersucht wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Schelmenroman
2.1 Zur Entstehungsgeschichte des Schelmenromans
2.2 Etymologische Begriffsbestimmung
3.2.1 Das Wort „pícaro“
3.2.2 Das Wort „Schelm“
2.3 Merkmale und Strukturen des Pikaresken Romans
2.3.1 Pseudoautobiographischer Erzählcharakter
2.3.2 Episodenförmiger Aufbau und offener Schluss der Handlung
2.3.3 Typische Themen, Schauplätze und Figuren
2.3.4 Der schelmische Typus
2.3.4.1 El Lazarillo de Tormes
2.3.4.2 El Guzmán de Alfarache
2.3.4.3 El Buscón
2.3.5 Funktion des Schelms
2.3.6 Das Verhältnis zwischen Herr und Knecht im pikaresken Roman
2.3.6.1 im Lazarillo de Tormes
2.3.6.2 im Guzmán de Alfarache
2.3.6.3 im Buscón
3. Bezüge zum Schelmenroman im Don Quijote
3.1 Vergleich der Merkmale und Strukturen des Quijote mit denen des Schelmenromans
3.2 Verhältnis zwischen Herr und Knappe
3.2.1 Erziehung und Funktion des Knappen im Mittelalter im Vergleich zum literarischen Knappen im Don Quijote
3.2.2 Die Stellung von Herrn und Knappen im Don Quijote und im Schelmenroman – ein Vergleich
3.2.3 Die gegenseitige Beeinflussung von Don Quijote und Sancho Panza
4. Fazit
5. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht inwieweit das Werk „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes Bezüge zum klassischen spanischen Schelmenroman aufweist, wobei ein besonderer Fokus auf die Darstellung der Herr-Knecht-Beziehung und die Realitätsnähe der Erzählung im Vergleich zu historischen mittelalterlichen Strukturen gelegt wird.
- Etymologische und strukturelle Grundlagen des Schelmenromans.
- Analyse des „Pikaro“ als zentralem Figurentypus in drei ausgewählten Pikaresken Romanen.
- Vergleich der Herr-Knecht-Problematik in den Schelmenromanen gegenüber der Beziehung von Don Quijote und Sancho Panza.
- Untersuchung der Erziehung und Funktion des Knappen im Mittelalter im Kontext der literarischen Darstellung.
- Evaluation der Realitätsnähe und der satirischen Funktion beider Gattungen.
Auszug aus dem Buch
2.3.4.1 EL LAZARILLO DE TORMES
Der Lazarillo de Tormes erschien im Jahre 1554, zur Zeit des Siglo de Oro, in drei verschiedenen Ausgaben, jeweils ohne Nennung eines Verfassernamens. Weshalb der Verfasser seinen Namen anonym halten wollte, ist bis heute unklar. Möglicherweise hatte er Angst vor der Zensur, denn 1559 wird der Roman auf den Index gesetzt und erscheint in Spanien nur noch in gereinigter Form als El Lazarillo castigado (1573).
Zentrale Begriffe des Romans sind „honra“, „fama“ und „limpieza de sangre“, was zu Beginn, in der Mitte und am Schluss des Romans ersichtlich wird: Der Protagonist, Lázaro, wird als Sohn eines sehr armen und diebischen Müllers und einer Frau, die es mit der Ehre und Reinheit des Blutes nicht sehr genau nimmt, in der Nähe des Flusses Tormes geboren. Da seine Eltern aufgrund ihrer Armut ihren Sohn nicht ernähren und erziehen können, gelangt er schon in seiner frühen Kindheit in die Hände verschiedener Herren, die als Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Schichten Spaniens im Mittelalter gelten, bei denen sich Lázaro stets am Existenzminimum bewegt und durch persönliche Gewitztheit sein Überleben gewährleistet. Gegen Ende des Romans heiratet Lazarillo. Seine Ehe verläuft allerdings nicht sehr glücklich, wodurch er wiederum an Ehre und Ruhm, die er sich scheinbar bis zu diesem Zeitpunkt aufgebaut hatte, verliert.
Im Roman selbst wird Lazarillo noch nicht als pícaro bezeichnet. Sein Verhalten und seine Taten, auf die im Kapitel 2.3.6.1 noch näher eingegangen werden soll, schreiben ihm jedoch den Titel des pícaro zu: Lázaro ist ein Antiheld nichtadliger Herkunft, der sich stets von seinen Herren schlecht behandelt fühlt; sie geben ihm kaum zu Essen und entlohnen ihn nicht gerecht. So rächt er sich an seinen Herren, bestiehlt sie oder lässt sie mit ihren Problemen allein zurück. Lázaro verhält sich wie ein Rebell, ein Aufständischer, der sich gegen seinen Herren auflehnt, um für sein eigenes Recht zu kämpfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Don Quijote für die Weltliteratur dar und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die zentrale Forschungsfrage hinsichtlich der Bezüge zum Schelmenroman.
2. Der Schelmenroman: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Definition des Schelmenromans, untersucht dessen Etymologie sowie die spezifischen strukturellen Merkmale und analysiert den Typus des Pikaro anhand dreier Beispielwerke.
3. Bezüge zum Schelmenroman im Don Quijote: Der Hauptteil vergleicht die Merkmale des Cervantes-Romans mit denen des Schelmenromans und untersucht speziell das Verhältnis zwischen Herrn und Knappen sowie dessen Realitätsnähe zu historischen Quellen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit zusammen und beantwortet die in der Einleitung gestellten Forschungsfragen hinsichtlich der pikaresken Elemente und des Realitätsbezugs im Don Quijote.
5. Bibliographie: Dieses Kapitel listet sämtliche verwendete Primär- und Sekundärliteratur auf, die der theoretischen Fundierung der Arbeit dienen.
Schlüsselwörter
Don Quijote, Sancho Panza, Schelmenroman, novela picaresca, Pikaro, Herr-Knecht-Problematik, Cervantes, spanische Literatur, Realitätsnähe, Mittelalter, Knappe, Literaturanalyse, Barock, soziale Stände, Autobiographik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die literarischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem klassischen spanischen Schelmenroman und dem Werk „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Definition des Schelmenromans, der Typus des Pikaro, die Funktion des Ich-Erzählers sowie die Analyse der Herr-Knecht-Beziehung im Vergleich zu historischen mittelalterlichen Vorbildern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Hauptfragestellung lautet, inwieweit der „Don Quijote“ als Schelmenroman klassifiziert werden kann und inwiefern die Darstellung des Verhältnisses zwischen Don Quijote und Sancho Panza realitätsnah gegenüber historischen Quellen ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Literaturanalyse, bei der sie auf theoretische Modelle (wie Hegels Herr-Knecht-Dialektik) und historische Fachliteratur zurückgreift, um die Romantexte zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung der Gattung „Schelmenroman“ anhand von drei Beispielwerken und einen anschließenden Vergleich mit der Struktur, den Figuren und dem Erzählstil des Don Quijote.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Pikareske, Herr-Knecht-Problematik, Realitätsbezug, literarische Gattungen und Cervantes’ Gesellschaftskritik charakterisieren.
Inwiefern beeinflussen sich Don Quijote und Sancho Panza gegenseitig in ihrer Entwicklung?
Die Arbeit zeigt auf, dass eine gegenseitige Beeinflussung stattfindet: Sancho übernimmt höfischere Verhaltensweisen (Quijotisierung), während Don Quijote Elemente der volkstümlichen Weisheit Sanchos integriert (Sanchifizierung).
Warum wird im Don Quijote kein „Happy End“ im klassischen Sinne erreicht?
Ähnlich wie im Schelmenroman endet der Don Quijote nicht mit einer klassischen Auflösung, da der Protagonist am Ende stirbt, was laut der Analyse gegen eine rein positive, strukturelle Entsprechung zu anderen Gattungsformen spricht.
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- Melanie Blümel (Author), 2003, Don Quijote und Sancho Panza vor dem Hintergrund des Schelmenromans, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24562