Die heutige „Krise“ der Schriftkulutr zeigt sich durch die stetig steigende Analphabetenrate der Erwachsenen, die Zunahme der Lese- und Rechtschreibschwäche bei Kindern und den Prestigeverlust des Buches durch die hohe Bedeutung des Fernsehen als Informationsmedium. Die Anforderungen an die Schriftsprachkompetenz jedoch steigen und bilden die Grundlage für das Leben in der Gesellschaft. Das kreative Schreiben kann einen ganz neuen grundlegenden Zugang zum Schreiben bieten. 1 Kreative Schreibexperimente können den Schüle rn verschiedene Möglichkeiten des Denkens, Empfindens und Formulierens aufzeigen.
Schüler müssen motiviert werden den Umgang mit Sprache für sich neu zu entdecken. Die Freude am Selbstausdruck und mit Sprache schöpferisch umzugehen sollte geweckt werden. Der Schreib- und Sprachunterricht kann nicht nur Sprachkompetenz vermitteln, sondern die Schüler zur eigenen sprachlichen Gestaltung anregen, ihre eigenen Erfahrungen aufzuschreiben und seine Persönlichkeit dabei zu stärken.
Die kreative Schreibdidaktik stellt den Schreibprozess und seine Methoden, die zum Schreiben anregen, in den Fordergrund. Das Kind wird als subjektive Instanz ernstgenommen und kann seinem spontanen Selbstausdruck nachgehen. Kreatives Schreiben bietet einen Spielraum für die Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit und um Erfahrungen und Umwelterlebnisse zu reflektieren. Kreative Lernprozesse finden im Rahmen eines „integrativen und fächerübergreifenden Lernens (statt) und verbinden kognitive, emotionale und imaginative Lernprozesse.“ 2
Im heutigen Deutschunterricht überwiegt immer noch das entfremdete Schreiben und berücksichtigt persönliche Schreibleistungen der Kinder nur in geringem Maße. Subjektive Erlebnisschilderungen werden im Schulalltag häufig von allgemeinen Informationen zurück gedrängt, so dass ein Abstraktionsvorgang der Lebenszusammenhänge der Schüler statt findet. So wird das Ausdrucksbedürfniss der Schüler unterdrückt, das sie sonst eigene, authentische Texte schreiben lässt, mit denen sie sich identifizieren können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Was ist kreatives Schreiben?
2. Der Kreativitätsbegriff
3. Geschichtliche Ursprünge des kreativen Schreibens
4. Organisatorische Bedingungen des kreativen Schreibens
5. Methoden des kreativen Schreibens
5.1 Das assoziative Schreibverfahren „Cluster“
5.2 Das Schreibspiel „Reihum-Gedicht“
5.3 Schreiben nach Vorgaben, Regeln und Mustern am Beispiel des Elfchens
5.4 Schreiben zu und nach (literarischen) Texten am Beispiel des „Löchergedichts“
5.5 Schreiben zu Stimuli am Beispiel der „Fantasiereise“
5.6 Weiterschreiben an kreativen Texten am Beispiel desVerfahrens „Über den Rand hinaus schreiben“
6. Kreative Schreibübungen des Workshops
6.1 Le cadavre exquis
6.2 Gefüllte Kalbsbrust
6.3 Dadaistisches Gedicht
7. Resümee
Zielsetzung und thematische Ausrichtung
Die Arbeit untersucht das Potenzial des kreativen Schreibens als didaktisches Instrument im Grundschulunterricht, um der zunehmenden Entfremdung von Sprache entgegenzuwirken und die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler zu fördern. Ziel ist es, durch die Vorstellung verschiedener Methoden und praktischer Übungen aufzuzeigen, wie Schreibmotivation gesteigert und individueller Selbstausdruck ermöglicht werden kann.
- Kritische Analyse des traditionellen Aufsatzunterrichts und dessen Grenzen.
- Erläuterung theoretischer Grundlagen von Kreativität und historischer Schreibdidaktik.
- Darstellung methodischer Zugänge wie Assoziationsverfahren, Schreibspiele und textgebundenes Schreiben.
- Reflektion eigener Erfahrungen aus einem Schreibworkshop zur Implementierung in die Unterrichtspraxis.
Auszug aus dem Buch
5.1 Das assoziative Schreibverfahren „Cluster“
Assoziative Schreibverfahren haben meist einen spielerisch-experimentellen Charakter und vernetzen Ideen zu einem vorgegebenen Thema oder Leitfaden miteinander. Persönliche Assoziationen nehmen individuelle Gestalt an und grenzen von Ideen anderer ab. Vor allem werden dadurch kognitive und kreative Prozesse miteinander verbunden.
Manche assoziativen Schreibverfahren sind aber auch eher mediativ angelegt und aktivieren eher die unbewussten Wahrnehmungen und Assoziationen. Jedoch stehen beide Arten dieser Methode für die erste Phase des Schreibprozesses und bereiten die Grundlage für weitere gestalterische Verfahren.
Das Cluster bereitet durch ein strukturiertes Ideennetz diese weiteren Schreibverfahren vor. Dieses lineare Brainstormingverfahren sieht vor, dass in der Mitte eines großen leeren Blattes ein Kernwort eingekreist steht. Jeder schreibt um sein Wort spontan auftretende Assoziationen auf, umkreist sie und verbindet sie mit dem Kernwort. Durch die Kreisform wird der schöpferische Prozess angeregt. Zu den aufgeschriebenen Wörtern können neue Assoziationen entstehen und eine Assoziationskette bilden. Wenn die Ketten abgesättigt sind oder man meint, in der Lage zu sein einen Text aus den aufgeschriebenen Wörtern zu verfassen, lässt man sich von irgendeinem Element anregen, einen Text zu verfassen, den man Wort für Wort an Hand der Assoziationsketten erstellt. Zum Abschluss kann man den Anfangsgedanken noch einmal aufgreifen, um den Text abzurunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Was ist kreatives Schreiben?: Der Einstieg beleuchtet die aktuelle Krise der Schriftkultur und definiert kreatives Schreiben als Chance, Schüler durch individuelle Ausdrucksmöglichkeiten neu zur Sprache zu führen.
2. Der Kreativitätsbegriff: Dieses Kapitel erläutert Kreativität als Fähigkeit zum Schaffen von Neuem und beschreibt den Wandel des Begriffs von gesellschaftlicher Funktionalität hin zur individuellen Selbstentfaltung.
3. Geschichtliche Ursprünge des kreativen Schreibens: Es wird die Entwicklung vom traditionellen, normierten Aufsatzunterricht hin zu reformpädagogischen Ansätzen nachgezeichnet, die die Schülerpersönlichkeit in den Mittelpunkt stellen.
4. Organisatorische Bedingungen des kreativen Schreibens: Hier werden räumliche und methodische Voraussetzungen wie die „Schreibecke“ oder „Schreibwerkstatt“ thematisiert, die ein angstfreies und motivierendes Lernumfeld schaffen.
5. Methoden des kreativen Schreibens: Es erfolgt eine detaillierte Vorstellung von sechs Kategorien kreativer Verfahren, darunter Cluster, Reihum-Gedichte und das Schreiben zu Stimuli, die den Schreibprozess anregen.
6. Kreative Schreibübungen des Workshops: Die Autorin reflektiert ihre praktischen Erfahrungen aus einem Workshop, in dem Methoden wie „Le cadavre exquis“ und das dadaistische Gedicht erprobt wurden.
7. Resümee: Das Fazit fasst zusammen, dass die Integration kreativen Schreibens in allen Schulformen die Wahrnehmungsfähigkeit stärkt und eine wertvolle Antwort auf Lese-Rechtschreib-Problematiken bietet.
Schlüsselwörter
Kreatives Schreiben, Schreibdidaktik, Grundschule, Schreibmotivation, Selbstausdruck, Kreativität, Schreibwerkstatt, Assoziation, Cluster, Reformpädagogik, Schreibprozess, Sprachkompetenz, Literarisches Schreiben, Schreibklima, Schülerpersönlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Didaktik des kreativen Schreibens im Grundschulbereich und zeigt Möglichkeiten auf, wie Schüler durch experimentelle Methoden zum Schreiben motiviert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die historische Entwicklung der Schreibdidaktik, die theoretische Verortung von Kreativität sowie die praktische Anwendung verschiedener Schreibverfahren im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Mehrwert des kreativen Schreibens für die kindliche Persönlichkeitsentwicklung herauszuarbeiten und aufzuzeigen, wie es die Sprachkompetenz durch authentischen Selbstausdruck fördern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine Literaturanalyse zu didaktischen Grundlagen mit einer praxisorientierten Reflexion eigener Erfahrungen aus einem universitären Schreibworkshop.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Kreativitätsbegriffs, die historische Einordnung, die organisatorischen Rahmenbedingungen und eine detaillierte methodische Anleitung zu verschiedenen Schreibtechniken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Kreatives Schreiben, Schreibmotivation, Schreibwerkstatt, Schülerpersönlichkeit, Selbstausdruck sowie verschiedene methodische Verfahren wie Clustern oder das dadaistische Gedicht.
Warum ist die „Schreibwerkstatt“ für den Unterricht besonders geeignet?
Die Schreibwerkstatt bietet laut Autorin den am besten geeigneten Raum, um durch eine spezielle Materialausstattung, individuelle Zeitgestaltung und eine angstfreie Atmosphäre den Schreibprozess handwerklich und kreativ zu stützen.
Welche Bedeutung hat die „Eigensprachlichkeit“ in den Schreibübungen?
Die Eigensprachlichkeit soll die Fremdsprachlichkeit ersetzen, damit Schüler durch das Vermeiden von Klischees ihre Gedanken authentisch und direkt ausdrücken können.
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- Nina Rörtgen (Author), 2003, Kreatives Schreiben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24565