Massenmedien – Medienwirkung - Medienrezeption
Kritische Erfolgsanalyse des TV-Formats
„Deutschland sucht den Superstar“
von: Jens Hedenkamp
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung (S.1-2)
2. Geschichte der Castingshows in Deutschland (S.2)
2.1 Big Brother (S.2)
2.2 Popstars (S.2-3)
2.3 Weitere Sendungen (S.3)
3. Das Konzept zu „Deutschland sucht den Superstar“ (S.3-4)
3.1 Casting (S.4-5)
3.2 Jury (S.5-6)
3.3 Finalrunde (S.6)
3.4 Vermarktung (S.6)
3.4.1 Medien und PR (S.6-7)
3.5 Bertelsmann (S.8)
3.6 Zielgruppe (S.8-9)
4. Schlußbetrachtung (S.9-10)
5. Literaturverzeichnis (S.11)
1. Einleitung:
Was macht den medialen und kommerziellen Erfolg des TV-Formats „Deutschland sucht den Superstar“ aus? Dieser Frage werde ich im Folgenden aus kommunikationswissenschaftlicher Sichtweise nachgehen. „Kommunikationswissenschaft, die sich mit Fernsehunterhaltung beschäftigt, [...] informiert über psychische, soziologische und sozialpsychische Aspekte von Unterhaltung (vgl. Dehm 1984a: 32-34) und zugrundeliegende Bedürfnisse; sie ermittelt Daten zur qualitativen und quantitativen Nutzung intendierter und nicht-intendierter Fernsehunterhaltung (Wirkungsforschung, Uses-and-Gratification-Approach) etc. Folglich kann sie Anlaß geben zu organisatorischen Veränderungen, sie kann die theoretische Basis von Konzepten bieten, die neue Zielgruppen ansprechen, sie kann Wissen bereitstellen, aus dem jeder Unterhaltungsjournalist Ideen und Anregungen schöpfen kann, sie kann Alternativen zu herkömmlichen Programminhalten anbieten.“ (Dröge 2001: 101-102) Der wohl wichtigste Punkt für die Entwicklung neuer Fernsehkonzepte ist der Faktor Wirtschaftlichkeit, der mit dem Faktor Einschaltquote gleichzusetzen ist, denn die Quote bestimmt den Preis für Werbezeiten. Die Weltwirtschaft befindet sich zur Zeit jedoch in einer konjunkturellen Krise. Drohende Kriege, Terrorismus, Steuererhöhungen, Einführung der neuen Währung „Euro“ verunsichern und lähmen die Konsumenten zunehmend. Hinzu kommt, daß es die Bundesrepublik Deutschland bis heute nicht geschafft hat, die Kosten des Aufbaus Ostdeutschlands nach dem Fall der Mauer 1989 zu kompensieren. Unternehmen, die in den letzten Jahren noch in Werbung investiert haben, befinden sich nun selber in der Krise. In der Regel werden in solchen Fällen zuerst die Werbeetats gekürzt. Besonders betroffen von dieser Situation sind die Wirtschaftszweige, die sich durch Werbung finanzieren, was sich an der stark angestiegenen Zahl von Entlassungen in diesem Sektor erkennen läßt. Das ist u.a. das private Fernsehen. Da, bezogen auf Deutschland, weder Wirtschaftsexperten noch die Bundesregierung für die nächsten Jahre einen wesentlichen Aufschwung prognostizieren, müssen von werbeeinnahmenabhängigen Unternehmen neue Wege zur Finanzierung gefunden werden. Dabei kommt dem System Fernsehunterhaltung als Subsystem des Rundfunks in Verbindung mit der Theorie des Uses-and-Gratification-Approach eine wichtige Rolle zu (vgl. Dröge 2001: 97, 98). Das Konzept der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ des britischen Musikmanagers Simon Fuller, das in England unter dem Namen „Pop Idol“ erfolgreich lief, ist ein Beispiel dafür. Es ist mittlerweile ein weltweiter Erfolg. In Deutschland ist der Multimedienkonzern Bertelsmann für den Vertrieb des Produktes verantwortlich. Die TV-Produktionsfirma FremantleMedia - ein Bertelsmanntochterunternehmen - bereitete das Konzept für das Fernsehen auf, welches die TV-Sender RTL und Vox senden - auch diese beiden gehören zum Medienkonzern. Für RTL zählt die Show mit zuletzt fast 13 Millionen Zuschauern zu den größten Erfolgen des Senders. So wurden die Kosten für Werbespots auf bis zu 64.500 Euro für 30 Sekunden angehoben. Pro Sendung gingen zuletzt zudem weit mehr als eine Million Anrufe zu jeweils 49 Cent ein. Hinzu kommt der Internetauftritt und eine Fanzeitschrift. Ein wichtiger Punkt für den Erfolg deutet sich hier schon an, die Hybridisierung von Medien. 1
Der Zuständige für den europäischen Raum der Bertelsmann Music Group (BMG), Thomas Stein, sitzt in der Jury und kann auf diesem Weg entscheidenden Einfluß auf den Ausgang des Wettbewerbs nehmen. Die CD "We have a dream" der "Superstars United" stieg auf Platz eins der deutschen Singlecharts und erschien ebenso bei der BMG wie die CDs der Favoriten und des künftigen Siegers. (vgl: links) Ein weiterer wichtiger Punkt für Erfolg ist die Monopolisierung von Mediengewalt auf multimedialer Ebene. Verlage kaufen Verlage, Fernsehsender kaufen Fernsehsender, Fernsehsender kaufen Verlage und umgekehrt. Gleichzeitig ist dies ein Widerspruch zur idealtypisch demokratisierenden Kontrollfunktion von Medienvielfalt. Eine derartige sowohl ökonomische als auch publizistische Konzentration stellt eine Gefährdung der Pressefreiheit dar (vgl. Röper 1994: 537). Medien müssen sich reflexiv beobachten und kritisieren können, was bei einer zunehmenden Monopolisierung nicht mehr gegeben ist. Wie in dem Zitat (s.o.) erwähnt, kann Wissenschaft die theoretische Basis für Fernseh-Konzepte bieten. Welchen Mitteln sich in diesem Fall bedient wird, soll die Kernfrage dieser Arbeit sein.
2. Geschichte von Castingshows in Deutschland
[...]
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Jens Hedenkamp, 2003, Massenmedien - Medienwirkung - Medienrezeption - Kritische Erfolgsanalyse des TV-Formats "Deutschland sucht den Superstar", Munich, GRIN Publishing GmbH
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