Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Zu den medizinischen Hintergründen einer Aphasie 4
2.1 Begriffsbestimmung 4
2.2 Ätiologie 6
2.3 Klassifikation der aphasischen Syndrome 7
2.3.1 Globale Aphasie 8
2.3.2 Broca-Aphasie 10
2.3.3 Wernicke-Aphasie 11
2.3.4 Amnestische Aphasie 13
2.3.5 Nicht-Standard-Syndrome 14
2.3.6 Anmerkungen zu den Klassifikationen 15
2.4 Begleiterscheinungen der Aphasie 15
3. Sprach- und kommunikationstheoretische Aspekte im
Zusammenhang mit Aphasie 16
3.1 Begriffsbestimmungen 16
3.2 Theoretische Grundlagen zur Kommunikation 19
3.3 Störungen der Kommunikation 23
3.4 Kommunikation mit Menschen, die von Aphasie betroffen sind 25
4. Schlussbetrachtung und Ausblick 32
Literaturverzeichnis 34
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1. Einleitung
Jeder individuelle Lebenslauf ist gekennzeichnet durch eine Vielfalt
unvorhergesehener, dramatischer Ereignisse, die die Lebenssituation und damit die Lebensgestaltung eines Menschen verändernd beeinflussen. Aus einem kritischen Lebensereignis wie einer Aphasie ergeben sich eine Vielzahl von Belastungen in fast allen Bereichen des gewohnten täglichen Lebens. Neben den unmittelbaren durch die Aphasie bedingten Störungen der Sprache ergeben sich durch Lähmungen der rechten Körperhälfte oft zusätzlich Einschränkungen der Mobilität. Von besonderer Bedeutung sind jedoch die Veränderungen im sozialen Leben des Betroffenen, die meist weitaus schwerwiegender sind, als die Sprachstörung selbst. Das gesamte Leben ist eingebettet in Beziehungen zu den Mitmenschen; auch die Selbstverwirklichung jedes Individuums geschieht über Begegnungen, Beziehungen und Kommunikation mit anderen Menschen. Wenn die Sprache als elementarer Bestandteil des Menschseins und der menschlichen Kommunikation plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht, führt dies im Leben der Betroffenen oft zu großen Belastungen.
In dieser Hausarbeit sollen zunächst die medizinischen Grundlagen einer Aphasie dargestellt werden. Außerdem stelle ich, der Vollständigkeit halber, die wichtigsten gegenwärtigen Aphasieklassifikationen der deutschen Aphasiologie vor, wobei jedoch zu berücksichtigen ist, dass diese nicht als Persönlichkeitsmerkmal zu verstehe sind, sondern lediglich als Möglichkeit einer Einteilung verschiedener aphasischer Symptomatiken (Kap. 2).
Im Anschluss an die medizinische Betrachtungsweise der Aphasie finden die Folgen für Kommunikationsprozesse mit von Aphasie betroffenen Menschen Berücksichtigung (Kap. 3).
Zuletzt erfolgen die Schlussbetrachtung und der Ausblick (Kap. 4). Der Begriff „Aphasiker“ wird in dieser Arbeit nicht verwendet, da diese Bezeichnung für Menschen mit dieser Störung der Sprache defizitorientiert ist, d.h. die Störung wird als charakteristisch für den jeweils Betroffenen in den Vordergrund gestellt und nicht der Mensch selbst. Um dieser Betrachtungsweise gerecht zu werden, habe ich mich deshalb dazu entschlossen, die Begriffe „Betroffener“ bzw. „von Aphasie betroffener Mensch“ zu verwenden.
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„Der Aphasiker ist nicht nur Aphasiker. Er ist noch der Mensch, er vor Ausbruch der Aphasie war, mit allen seinen Eigenschaften, seinem Wissen und seinen Wünschen.“ (LUTZ 1992, S. 365)
Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass ich der Lesbarkeit halber für verschiedene Bezeichnungen, beispielsweise für Berufe, die maskuline Form verwende, was jedoch beide Geschlechter mit einschießt.
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2. Zu den medizinischen Hintergründen einer Aphasie
In diesem Abschnitt werden die theoretischen Grundlagen für das Verständnis von Aphasien dargestellt. In diesem Zusammenhang wird deutlich werden, dass Definition, Ätiologie und Symptomatik der Aphasien nicht eindeutig geklärt sind. Das Kapitel beginnt mit einer versuchsweisen Klärung des Aphasiebegriffs (Kap. 2.1). Anschließend folgt die Darstellung der Ätiologie (Kap. 2.2) und die Einteilung der Aphasien in die verschiedenen Syndrome (Kap. 2.3). Hier wird sich herausstellen, dass in der Aphasieforschung noch immer die Lokalisationstheorie vorherrscht, obwohl diese weder am Individuum orientiert noch auf alle Aphasien anwendbar ist. Den Abschluss dieses Kapitels bildet eine kurze Stellungnahme und Diskussion um den Syndromansatz.
2.1 Begriffsbestimmung
Aphasie wird auf unterschiedliche Weise definiert. BROOKSHIRE meint: „Wenn wir ein halbes Dutzend Experten nach ihrer Meinung fragen
würden, erhielten wir wahrscheinlich ein halbes Dutzend Definitionen.
So scheint eine allgemein gültige Definition der Aphasie ein Ding der
Unmöglichkeit zu sein.“ (BROOKSHIRE 1983, S. 19)
Dem Begriff nach ist „Aphasie“ (Gr. aphasia) dem Griechischen entlehnt nach „a“ = un/ nicht und „phasis“ = Sprache/ Rede, und bedeutet dem Wortsinn nach soviel wie „ohne Sprache“ bzw. Sprachverlust (vgl. PITA 1994, S. 21; HARTMANN 1996, S. 146). Mit dem Begriff Aphasie wird also der Verlust von Sprache bezeichnet, und zwar nach Abschluss des primären Spracherwerbs infolge einer Hirnschädigung der linken Hemisphäre. Somit ist die Aphasie von Sprachstörungen des Kindesalters, wie z.B. Sprachentwicklungsverzögerungen oder sprachlichen Beeinträchtigungen infolge frühkindlicher Hirnschädigungen abzugrenzen (vgl. LEISCHNER 1987, S. 268). Weiterhin ist die Aphasie von Störungen der Sprechmotorik zu unterscheiden. Diese sog. Dysarthrien sind Artikulationsstörungen mit Beeinträchtigungen der Phonation, Prosodie und des Sprechrhythmus. Eine Dysarthrie kann eine Aphasie begleiten, aber ebenso unabhängig von ihr auftreten (vgl. HUBER, POECK, WENIGER 1989, S. 89).
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Ebenfalls abzugrenzen ist die Aphasie von anderen Störungen wie z.B. degenerativen Erkrankungen des Gehirns oder Sprachstörungen, die durch Läsionen in der rechten Hemisphäre verursacht werden, da sie sich in Symptomatik und Verlauf von der Aphasie unterscheiden.
Erworbene Aphasien beschränken sich allerdings nicht auf Erwachsene. Auch Kinder können von Aphasie betroffen sein. Diese kindlichen Aphasien unterscheiden sich aber in Erscheinungsbild und Verlauf erheblich von den Aphasien Erwachsener und sind daher von diesen abzugrenzen (vgl. POECK 1994, nach TESAK 1997, S. 3). Trotz dieser definitorischen Bestimmungsstücke und der Abgrenzung von einigen anderen Störungen ist der Begriff der „Aphasie“ nicht eindeutig geklärt; die Sprachstörung Aphasie ist eine fest umschriebene Störung und trotz der Eingrenzung durch die oben genannten Komponenten könnten hierunter weitere Formen von Sprachverlust nach abgeschlossenem Spracherwerb verstanden werden (vgl. WALLESCH 1988, S. 152).
HARTMANN (1996 S. 147) hält den Begriff der Aphasie für semantisch nicht korrekt, da Betroffene in nur sehr seltenen Fällen einen die gesamte Sprache betreffenden Sprachverlust erleiden. Er schlägt deshalb für diese Störung sprachlicher Fähigkeiten den Begriff der Dysphasie (gr. „dys“ = Störung) als zutreffenderen und präziseren Begriff vor. Da dieser Begriff in der französischen Literatur allerdings für Verzögerungen in der Sprach- und Sprechentwicklung besetzt ist, lehnt BÖHME (1983, nach HARTMANN a.a.O., S. 148) diesen Begriff als uneinheitlich ab. Abschließend möchte ich die zuvor genannten Aspekte noch durch zwei Definitionen zur Aphasie verdeutlichen.
„Aphasien sind Störungen der Sprache, die sich auf allen Ebenen
(Laut, Wort, Satz und Text/ Diskurs) und in allen Modalitäten
(expressiv und rezeptiv, laut- und schriftsprachlich) der
Sprachverarbeitung nach vollzogenem Spracherwerb manifestieren,
durch eine umschriebene Hirnschädigung bedingt sind [ ...].“
(WALLESCH 1988, S. 152)
„[Aphasien sind] zentrale Sprachstörungen, die linguistisch als
Beeinträchtigung in den verschiedenen Komponenten des
Sprachsystems (Phonologie, Lexikon, Syntax und Semantik) zu
beschreiben sind. Die aphasischen Störungen erstrecken sich auf alle
expressiven und rezeptiven sprachlichen Modalitäten, auf Sprechen
und Verstehen, Lesen und Schreiben, wobei im Prinzip dieselben
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sprachsystematischen Merkmale der Störungen nachweisbar sind.“
(HUBER, POECK, WENIGER 1989, S 89)
Bei der Betrachtung beider Definitionen wird deutlich, dass sich die Sichtweise der Aphasie weitgehend auf formale Aspekte der Sprache beschränkt und der Aspekt des Sprachverlustes als Kommunikationsstörung in den Hintergrund tritt. Auf diesen Aspekt der Aphasie werde ich im nächsten Kapitel (Kap. 3.) eingehen. Aufgrund der Verbreitung des Aphasiebegriffs für die oben beschriebene Störung, wird dieser, allerdings unter Vorbehalt, weiterhin verwendet.
2.2 Ätiologie
Seit Gall (1807) ist es üblich, bestimmten Arealen des Gehirns bestimmte Aufgaben zuzuschreiben (vgl. TESAK 1997, S. 41). So ordnet die Hemisphärenspezialisierung der linken Hemisphäre die Planung und Kontrolle motorischer Prozesse, Rechnen, das verbale Gedächtnis und die zentrale Sprachverarbeitung zu, wohingegen die rechte Hemisphäre für räumliches Denken, Musik und die Verarbeitung emotionaler Vorgänge verantwortlich sein soll (ebd.).
Dieser Einteilung folgend ist die linke Hemisphäre sprachdominant. Patienten, die einen rechtshemisphärischen Gefäßverschluss erleiden sind meist nicht oder nur leicht aphasisch.
„Bei erwachsenen Rechtshändern treten bei Läsionen in der linken
Fronto-Temporo-Parietalregion regelmäßig aphasische Störungen
auf. [...] Diese Hemisphäre wird als sprachdominant bezeichnet.“
(PITA 1994, S. 22)
Ursache von Aphasien ist eine plötzlich auftretende und umschriebene Läsion der Großhirnrinde der linken Hemisphäre (vgl. TESAK a.a.O., S. 43; WALLESCH 1993, S. 14).
Mit etwa 65-80 % sind Hirngefäßerkrankungen, wie z.B. Hirninfarkte die häufigste Ursache für die Entstehung einer Aphasie (vgl. TESAK 1997; HUBER, POECK, WENIGER 1997; LEISCHNER 1987; HARTMANN 1996). Weitere Ursachen sind traumatische Schädigungen, wie Schädel-Hirn-Traumata und Hirntumoren, Aneurysmen, entzünd-
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Arbeit zitieren:
Kristina Laudan, 2003, Aphasie als Kommunikationsstörung - Kommunikation mit Menschen, die von Aphasie betroffen sind, München, GRIN Verlag GmbH
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