Inhaltsverzeichnis
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I Inhaltsverzeichnis 1
II Einleitung: Der postkoloniale Diskurs 3
III Hanif Kureishi - ein postkolonialer Autor
1. Der Autor und seine Motive 4
2. Sprache und Postkolonialismus 6
IV Mein wunderbarer Waschsalon als Vertreter des kulturelle Hybridität
problematisierenden Films und des Films der 1980er Jahre
1. Die Stadt als Setting
8
2. Formale Strategien des Films 8
3. Die Thatcher-Ära (1979-1990) 9
4. In-betweeness 10
5. Charaktere und ihre Funktion im postkolonialen Diskurs 11
a) Bilquis - Die traditionelle pakistanische Purdha-Sozialisierung 12
b) Nasser - We are professional businessmen Not professional Pakistanis 14
c) Das Verhältnis Rachel - Nasser - Tania Bilquis 16
d) Tania - Gegenkonzept zu Bilquis 17
e) Cherry - I m so sick of hearing about these in-betweens 19
1
f) Omar I - Die pakistanische working class carrier 20
g) Omar II - Identitätssuche zwischen den Kulturen und Gendern 23
h) Johnny - Der verlorene Sohn 25
i) Papa - They hate us in England 28
j) Salim - Das Gangsterelement 29
k) Zusammenfassung 31
V Conclusion 33
VI Bibliographie 33
2
II. Einleitung: Der postkoloniale Diskurs
Als Hanif Kureishi Anfang der 1980er Jahre sein Drehbuch für den Film "Mein wunderbarer Waschsalon" ("My Beautifull Laundrette", 1985) schrieb, hatte man noch nicht einmal den Terminus für den Diskurs hergeleitet, für dessen Diskussion seine Werke so reichlichen Stoff bieten. Man beschäftigte sich zwar bereits seit Edwart Saids einflußreicher Kritik der westlichen Konstruktion des Orients ("Orientalism", 1978) mit den Auswirkungen des Kolonialismus auf die Konstruktion von Ansichten über die Kolonien, dennoch wurde der Terminus "postkolonial" erst 1989 in "The Empire Writes Back. Theory and Practice in Post- Colonial Literatures" eingeführt. Man diskutiert indessen noch immer über seine präzise Abgrenzung.
Im Allgemeinen dienen postkoloniale Studien zur Untersuchung der Interaktion zwischen europäischen Kolonialherren und den kolonisierten Gesellschaften in jüngerer Zeit. Im kulturtheoretischen Sinne ist postkolonial, was durch Kolonisation entstanden ist. Im Mittelpunkt des Interesses stehen hierbei die Entstehung der Kolonie durch verschiedene Kontrollmechanismen und die verschiedenen Entwicklungsstufen hin zu einem antikolonialen Nationalismus. Postkolonial als geschichtlich-geographischer Terminus ist bezogen auf die Erfahrungen mit der Kolonisation und weniger als Periode
gedacht. Außerdem beinhaltet der Terminus postkolonial gelegentlich auch unabhängige Kolonien, die mit "neokolonistischen" Formen der Unterwerfung durch Kapitalismus und Globalisierung konfrontiert sind, oder Länder, die noch ihre Unabhängikeit erreichen müssen. Auch Länder der 1. Welt, in denen ehemals Kolonisierte als Minderheit leben, können in den Terminus einbezogen werden. In diesem Sinne sind die Untersuchungen der Postcolonial Studies auf "Mein Wunderbarer Waschsalon" anwendbar. Hier werden Pakistanis betrachtet, die als ehemalige Kolonisierte nun im Land der ehemaligen Kolonisatoren (England) leben.
Die postkoloniale Kritik erlaubt eine Vielzahl von Untersuchungen über Machtverhältnisse in verschiedenen Kontexten. Dazu gehören unter anderem die Entstehung eines Imperiums, der Einfluß der Kolonisatoren auf die postkoloniale Geschichte, Wissenschaft, Kultur und die kulturelle Entwicklung kolonisierter Gesellschaften, sowie der Status der postkolonialen Gesellschaft in wirtschaftlichen und kulturellen Kontexten.
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Man kann mit ihr ebenfalls die Beziehungen von Feminismus und Postkolonialismus und auch Gender und Nation im postkolonialen Kontext untersuchen. In diesem Sinne stellen sich vor allem Fragen nach der Identität der Kolonialisierten. Wie funktionieren Gender, Rasse und Klasse im postkolonialen Diskurs?
Zum postkolonialen Kanon gehören Theoretiker wie Partha Chatterjee, Frantz Fanton und Helen Tiffin. Mira Nair und Ousmane Sembene haben sich im Bereich des Films einen Namen gemacht. Bekannte Namen der Literatur wie Salman Rushdie und Hanif Kureishi sind ebenfalls im Kanon inbegriffen.
Wie Eingangs bereits erwähnt, soll es in dieser Hausarbeit um den Film "Mein wunderbarer Waschsalon", dessen Drehbuch von Hanif Kureishi stammt, gehen. Anhand dieses Textes und teilweise auch der filmischen Ausführung werden postkoloniale Phänomene wie "in-betweeness", "hybridity" und "umgekehrter Kolonialismus" betrachtet werden. Doch zunächst wird ein Blick auf den Autor geworfen, der als Engländer pakistanischer Abstammung bereits in sich postkolonial ist.
III. Hanif Kureishi - ein postkolonialer Autor
1. Der Autor und seine Motive
Hanif Kureishi, der 1954 in Bromley/England geboren wurde, erfuhr bereits während seiner Jugend die ethnischen und kulturellen Zusammenstöße, auf die er sich in den meisten seiner Arbeiten bezieht. Er selbst war ein Kind aus einer Mischehe zwischen einem pakistanischen Mann und einer englischen Frau. Somit ist es ihm möglich, die Inspiration für seine Werke direkt aus eigenen Erfahrungen, Kämpfen und Sorgen als ein Hybride zweier Rassen und Kulturen zu schöpfen.
"From the start I tried to deny my Pakistani self...", the author writes in his autobiographic article "The Rainbow Sign". "It was a course and I wanted to be rid of it. I wanted to be like everyone else." 1 Bereits in den späten 60er Jahren angesichts der Aufmärsche der National Front, die primär darauf aus war, Pakistanis zu verprügeln, begann der Prozeß der Erkenntnis, daß er mit seinem halbpakistanischen Hintergrund niemals "like everyone else"
1Kureishi, Hanif: My Beautifull Laundrette and The Rainbow Sign", Faber & Faber, Boston, 1986, S.
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sein würde. Da er zu beiden Kulturen gehört, war es ihm nicht möglich, sich auf eine der polarisierten Seiten von weißen Briten oder ethnischer Minderheit zu schlagen. Seine Hybridität und die daraus erwachsenen Probleme des kulturellen Selbstverständnisses spiegeln sich in allen seinen Werken wider.
Kureishi studierte an der Universität von London Philosophie. Die zu dieser Zeit erworbene Kenntnis der Stadt wird ihn beeinflußt haben, die Settings in Werken wie "Mein wunderbarer Waschsalon" (im Folgenden MWW abgekürzt) oder auch "London Kills Me" (1991) in London anzusiedeln.
Nachdem er im Royal Theater als Platzanweiser Arbeit gefunden hatte, schrieb er neben den Prosatexten, die er bereits seit seiner Jugend produzierte, sein erstes Drama "Soaking Up the Heat", das 1976 am Theater Upstairs in London aufgeführt wurde. Sein zweites Stück "The Mother Country" gewann den Thames Television Playwright Award im Jahre 1980. Doch der Durchbruch gelang ihm erst mit seinem Stück "Borderline" über in London lebende Immigranten, das er für das Royal Court Theater schrieb. Das führte dazu, daß die Royal Shakespeare Company auf ihn aufmerksam wurde und sein Drama "Outskrits" in den Spielplan aufnahm.
Seine ersten Erfahrungen mit dem Medium Film machte er 1985 mit MWW. Konzipiert als low-budget Film für das Britische Fernsehen, gewann dieser Film verschiedene Preise; unter anderem den Best Screenplay Award des New York Film Critics Circle und eine Oskarnominierung. Daraufhin wurde er in Kinos auf der ganzen Welt gezeigt und erreichte damit eine weitere Verbreitung und unterschiedlicheres Publikum, als es Kureishis Theaterstücken möglich war. Sein nächster Film "Sammy and Rosie Get Laid" behandelt unter anderem wie MWW die Thematik rassisch verschiedener Pärchen in London. 1990 veröffentlichte Kureishi seinen halbbiografischen Roman "The Buddha of Suburbia", der ebenfalls Preise gewann. 1991 debütierte er als Regisseur in dem Film "London Kills Me", dessen Drehbuch auch aus seiner Feder stammt. Hier kehrt er wieder zurück zu einem seiner Themen, das unter anderem in MWW bereits aufgetaucht war: Heimatlosigkeit. Als Kind eines Immigranten beschreibt Hanif Kureishi die Komplexität der Faktoren, die involviert sind, wenn es einen Platz zu finden gilt, zu dem man gehört.
Auch in seinem Roman "The Black Album" (1995) zeigt er eine Person, die nach ihrer Identität und Zugehörigkeit sucht. Der Roman ist stark von der Pop-Kultur (besonders Drogen und Musik) beeinflußt.
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Aus diesen kurzen Abriß über Hanif Kureishis Entwicklung als Autor 2 kann man bereits ersehen, daß zentrale Themen seiner Werke von seinen eigenen Erfahrungen als Pakistani in England herrühren. Als Kind aus einer Mischehe kennt er Probleme wie die Suche nach kultureller und ethnischer Identität und ausländerfeindliche Tendenzen. Hinzu kommen Motive wie Homo- oder Bisexualität ("The Buddha of Suburbia"), Heimatlosigkeit ("London Kills Me") und Generationskonflikte ("Sammy and Rosie Get Laid").
In der Analyse des Films MWW im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird auf die Motive Kureishis noch detaillierter eingegangen werden.
2. Sprache und Postkolonialismus
Kureishi hat bisher keine Texte in pakistanischer Sprache veröffentlicht, obwohl es im postkolonialen Diskurs in der Literatur auch Vertreter dieser Richtung gibt. Der kenianische Autor Ngugi wa Thiongo zum Beispiel begann seine erfolgreiche Karriere mit Texten in englischer Sprache, bevor er sich entschloß, nur noch in seiner Muttersprache zu schreiben. In seinem Werk "Decolonising the Mind" (1981) konstatiert er, daß die Menschen mit Hilfe der Sprache nicht nur ihre Welt beschreiben, sondern sie verstehen sich selbst durch Sprache. Für ihn funktioniert Englisch in Kenia als "cultural bomb", die jegliche vor-koloniale Kultur und Geschichte auslöscht, und als eine unbewußte Form der Kolonisation. In der Muttersprache zu schreiben, bedeutet für ihn nicht nur den Rückgriff auf alte Traditionen sondern auch ihre Anerkennung und Vermittlung. Er macht deutlich, daß Sprache und Kultur untrennbar miteinander verbunden sind.
"Language as communication and as culture are then products of each other... Language carries culture, and culture carries, particularly through orature and literature, the entire body of values by which we perceive ourselves and our place in the world. ...Language is thus inseperable from ourselves as a community of human beings in the world. ...Language is thus inseperable from ourselves as a community of human beings with a specific form and character, a specific relationship to the world." 3
2Das letzte, was man von Kureishi gehört hat, ist, daß sein Roman "Intimacy" als Vorlage für einen Film verwendet wurde, der in diesem Jahr den Goldenen Bären auf den Berliner Filmfestspielen gewonnen hat. Wer sich für die aktuellen Texte des Autors interessiert, kann auf seiner homepage bereits vor ihrer Veröffentlichung lesen und diskutieren. (http://www.hanifkureishi.com) 3Thiongo, Ngugi wa: Decolonising the Mind. The Politics of Language in African Literature, Heinemann, Portsmouth, 1981, S.15/16
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Quote paper:
Corinna Hein, 2001, Hanif Kureishis "Mein wunderbarer Waschsalon" - Autor und Werk im postkolonialen Diskurs, Munich, GRIN Publishing GmbH
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