Veronese). Tiepolo arbeitete hauptsächlich in venezianischen oder sich im Umland befindlichen Kirchen, Villen und Palästen, seineAufträge führten ihn jedoch auch bis Mailand.
1719 ehelichte er Cecilia Guardi, die Schwester der venezianischen Maler Francesco und Gianantonio Guardi. Zwei der neun Kinder, Giandomenico und Lorenzo, wurden zu den wichtigsten Mitarbeiter in der Werkstatt des Vaters.
1722 beteiligte sich Tiepolo mit dem Martyrium des Heiligen Bartholomäus an der Ausschmückung der Kirche San Stae.
Barcham geht es in diesem Zusammenhang jedoch nicht um die religiösen Werke, setzt er in seinem Essay doch den Schwerpunkt auf den Dekorateur, Historien- und Mythologiemaler Tiepolo. Und, so bemerkt Barcham, ist es nicht nur die Schönheit der Ausführung, sondern die enorme Vielfalt innerhalb der Werke, die Tiepolos Platz in der europäischen Kunstgeschichte festigen. Diese den Betrachter so bezaubernde Vielfältigkeit, meint Barcham, erzielt Tiepolo durch die Nutzung von Allegorien, mythologischen und historischen Inhalten. Nützt man nun aber den Titel der Lehrveranstaltung (Ikonologie und Ikonographie: Die Lehre von den sprechenden Bildern und die Bedeutung ihrer Lesbarkeit) als Ausgangspunkt für weitere Überlegungen. Tiepolo bedient sich ja nicht nur mythologischer und historischer Episoden, um seinem Genie Ausdruck zu geben, sondern bedient sich zu keinem geringen Teil des in Cesare Ripas Iconologia zusammengefassten Repertoires an verbildlichten Darstellungen abstrakter Begriffe, wie Personifikationen der Tugenden oder Moral- und Wertvorstellungen. Darauf wird später noch zurückzukommen sein. Barcham erkennt richtig, dass gerade diese Bedeutungen dem heutigen Betrachter oft entschlüpfen: „Middle-classs society now finds such themes pretentious, but in the eighteenth century they were still accepted as a part of the Western Europe’s long and meaningful heritage.” Er bedauert diesen Verlust innerhalb des Bildungswissens zwar, doch weißt er darauf hin, dass so ein „unvoreingenommeneres Sehen“ stattfinden könne, und man die Schönheit der Gemälde, welche sie aus sich selbst schöpfen, besser fassen könne- dass somit die Suche nach dem Sinn oder die Erkenntnis dessen, was „eigentlich“ dargestellt ist, einer direkten Reaktion auf das Gesehene eher hinderlich als förderlich ist.
Der Titel zu Barchams Text beinhaltet die Stelle as a painter of history. Im Historienbild das Gemälde Apelles malt das Bildnis der Campaspe demonstriert Tiepolo vor allem sein künstlerisches Selbstbewusstsein.
Das Mitte der 1720er Jahre entstandene Gemälde kann als verkapptes Selbstbildnis gedeutet werden. Rechts der Bildmitte sitzt der antike Maler Apelles vor einer Staffelei. Hinter ihm lehnen zwei großformatige
Das Bild stellt ein ausgezeichnetes Beispiel für die im Kurs behandelte Problematik des Verstehens von Bildinhalten dar. Ein einem Zeitgenossen Tiepolos wird es ohne größere Probleme möglich gewesen sein, die Darstellung zu deuten. Doch gilt dies auch für einen Betrachter der heutigen Zeit? Auch wenn man gewisse Assoziationen mit dem Namen Apelles verknüpft, –sei es dank intensiver Beschäftigung mit antiker Literatur und Mythologie, sei es dank des Lateinunterrichts- ist man in der Lage, dieses Wissen auf die Abbildung zu übertragen? Doch das Gemälde ist voll von Symbolik, die dem „durchschnittlich gebildeten“ Betrachter heutiger Tage entgeht. Auch wenn man weiß um welche Werke es sich handelt, wird man mit den im Hintergrund abgebildeten Bildern nichts anfangen können. Die Vorstellung von dem, „was man wissen muss“, die Vorstellung, was zum Bildungswissen zu zählen ist, vom Bildungswissen überhaupt, hat sich extrem gewandelt. Wer, inklusive der akademisch gebildeten Schicht, weiß, dass die Aufrichtung der ehernen Schlange ist im alten Testament einen Heilvorgang darstellt: Das Volk leidet unter einer Schlangenplage und Moses stellt auf Geheiß Gottes das Schlangenbild auf, damit das Volk zu ihm aufblicke und nicht sterbe? 3 Und angenommen, man verfügte auch noch über dieses Wissen, wie ist die Darstellung zu verstehen? In welchem Kontext steht sie, sind politische Umstände „karikiert“, sollen moralische Werte dargestellt werden? Diese Überlegungen führen zur im Kurs gestellten Frage, in welchem Ausmaß eine Kenntnis von Politik, Verfassung und Geschichte Venedigs bzw. des europäischen 18. Jh. für ein besseren Verständnis der Werke Tiepolos nötig ist.
Dieses Wissen ist nun besonders wichtig, soll man z.B. die Bedeutungsausmaße der Freskierungen im erzbischöflichen Palastes in Udine erfassen, welche Tiepolo für Dioniso Dolfin vornahm. Das ambitionierte Programm vermittelt dem Betrachter eine politische Dimension und zielt auf die Präsentation der Legitimität des Udineser Patriarchates im Zuge des seit dem 15. Jahrhundert schwelenden Streites zwischen Habsburg und Venedig um das Friaul und die Besetzung der Udineser Diözese. Sein stark allegorisches Schaffen zeigt sich hier z.B. im Fresco „La caduta degli angeli ribelli“. Demonstriert
einzelner Personen), Tugenden und Werte zu glorifizieren.
Politische Intentionen zeigen sich also, der ersteren Gruppe entsprechend, in dem aus zehn großformatigen Gemälden bestehenden Zyklus, welchen Tiepolo im Auftrag der Brüder des Patriarchen schuf. Sowohl Daniele III. als auch Daniele IV. Dolfin hatten sich als leitenden Amtsträgern der venezianischen Republik im zivilen wie militärischen Bereich etabliert. Der Zyklus folgt römischen Historien, die Szenen dienten als heroische exempla von Patriotismus und persönlicher Opferbereitschaft zugunsten staatlicher Interessen: römischer Historien wurden also als Transportmittel zur Verherrlichung zeitgenössischer Personen genutzt. Als Beispiele für mythologische Parallelfindungen nennt Barcham Tiepolos Werk Die Entdeckung des Achill, welches für die Neupatrizier Sandi geschaffen wurde.
3 http://www.amuseum.de/medizin/CibaZeitung/dec34.htm
Während all dieser Arbeiten zeigen Tiepolos enorme Fähigkeit und Bereitschaft, Wünsche und Vorstellungen seiner Auftraggeber überzeugend darzustellen. Wichtig für die uns im Kurs nähergebrachte Zugangsweise ist, dass er dabei auf ein althergebrachtes und -bewährtes Repertoire zurückgreift, sei es die Ripatradition, historische Exempla oder Darstellungen eines literarischen Themas. Die Tatsache, dass Tiepolo Zeit seines Lebens Malerei dieser Art ausführt, dass ein der Großteil seines Schaffens auf einen Auftrag zurückzuführen ist, lässt einen über die Stellung des Künstlers innerhalb der Gesellschaft nachdenken. Malersein in künstlerischem Sinne wird heute kaum in erster Linie als Beruf gewertet. Doch muss man sich bewusst machen, dass Tiepolo keineswegs mit einem freischaffenden Künstler unserer Tage zu vergleichen ist!
Im 18. Jahrhundert erlebte Venedig eine letzte Welle besonderer Marienverehrung, welche Tiepolo ausreichend Beschäftigung versprach. In diesem Sinne ist es sehr wohl lohnend, sich mit der Geschichte Venedig auseinander zusetzen, um genauere Zusammenhänge zu erkennen, oder Kausalitätsketten zu entdecken. Denn, so der Volksglaube, habe sich Gründung Venedigs am Tag der Verkündigung vollzogen, somit stünde die Stadt unter dem besonderen Schutz Mariens. Interessant ist, dass auch in den Jahren der Aufklärung Frömmigkeit kennzeichnend war: gerade in Venedig gab es Kirchenneubauten,renovierungen und - neuausstattungen. Um dies zu verstehen muss man sich der Stellung Venedigs im Klaren sein, eine Stellung, welche die Stadt sowohl als des Papstes Gegnerin, als auch die des Kaisers erscheinen ließ. Und eben diese Situation ermöglichte es, den Wirren der Religionskriege zu entgehen – was wiederum die Vormachtstellung des Katholizismus stärkte und gleichzeitig erklärt.
Auch an der oligarchischen Herrschaft des Patriziats rüttelte niemand. Vom Geist der Aufklärung oder dem Infragestellen der Religion kann im 18. Jahrhundert in Venedig daher nicht gesprochen werden. Diese Tatsachen spiegeln sich auch in Tiepolos Werk wider: Wiederholt betont zeigt sich die Rolle Mariens oder die der Heiligen. Speziell findet sich aber wiederholt das Motiv des Rosenkranzes, so im Freskenzyklus in Santa Maria del Rosario (Gesuati) den er ab 1739 schuf. Nachdem Papst Clemens XI. das Rosenkranzfest zum gesamtkatholischen Feiertag erhoben hatte und mit Benedikt XIII. ein Dominikaner dessen Nachfolger geworden war, gewann das Rosenkranzgebet im18. Jahrhundert erneut an Bedeutung.
In den folgenden Jahren widmete sich Tiepolo neben religiösen Werken verstärkt profane Freskendekorationen mit Themen aus der antiken Mythologie, vor allem aber der Geschichte, so für den Palazzo Clerici in Mailand, die Villa Cordellina in Montecchio Maggiore. Für den Rechtsanwalt Cordellina zog Tiepolo unter anderem zwei traditionelle antike Beispiele für herrschaftliche Milde, Der Großmut des Scipio und Die Frauen des Darius vor Alexander, heran) und den Palazzo Labia in Venedig. Hier griff der Maler (1744-47) auf ein vom ihm wiederholt dargestelltes Sujet, die Liebesbeziehung von Antonius und Kleopatra, zurück, und beweißt sich als der von Barcham beschriebene „decorator“. Für den zeitgenössischen Betrachter mussten die in diesem Raum tatsächlich gefeierten Feste und die dort gespielte Musik mit den freskierten Darstellungen zu einer neuen Realität verschwimmen, wie sie sich auch heute noch teilweise erahnen lässt, auch wenn man sich der „eigentlichen“ Bedeutung der Darstellung infolge des fehlenden Hintergrundwissens nicht bewusst ist. Eben Fresken dieser Art gelingt es Tiepolo Barcham zufolge „to enchant the modern viewers and fill them with admiration for the painter’s genius.“
Ebenso wenig entspricht die Liebesgeschichte – Liebe und Leidenschaft stellen ein weiteres Hauptsujet in Tiepolos Arbeit dar - zwischen Rinaldo und Armida dem heutigen Bildungswissen. Tiepolo thematisierte sie, Torquato Tassos "Gerusaleme liberata" folgend,
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Angelika Zojer, 2003, Giambattista Tiepolo: Ikonologie und Ikonographie für Historiker, Munich, GRIN Publishing GmbH
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