1) Definition Romantik
altfranzösisch= romanz, romant oder roman, d.h. ursprünglich alle in der Volkssprache verfassten Schriften, vor allem aber die höfischen Versromane; Unter Berücksichtigung folgender Definitionsansätze lässt sich die Romantik nicht verstehen als simple Reaktion gegen die Aufklärung, als der Triumph von Gefühl und Individualität gegen Rationalismus und Vernunftglauben; sie ist auch keine ausschließlich konservative Bewegung, die ihr gesellschaftliches Ideal nostalgisch in einer verklärten Vergangenheit sucht, sondern sie entsprang einem veränderten Geschichtsbewusstsein.
1.1 Literatursoziologischer Definitionsansatz Die Umbrüche in Folge der franz. Rev. bewirken eine Rückbesinnung auf traditionelle Institutionen wie z.B. das Christentum. Soziale Orientierungslosigkeit hat zur Folge, dass die Betonung und der Ausdruck des Individuums zu einer literarischen Forderung wird. Den Autoren tritt eine in ihrem Geschmack diffus bleibende Leserschaft gegenüber. Neue künstlerische Darstellungsverfahren entwickeln sich (Feuilleton).
1.2 Poetologischer Definitionsansatz Dichtung in der Volkssprache vs. lat. Sprache.
Das génie des Schriftstellers, und nicht länger poetische Regeln, wird z um alleinigen ästhetischen Maßstab. Die Romantik wird hier als Gegenbewegung zur Klassik gesehen. Sie räumt in diesem Zusammenhang dem christlichen Mittelalter statt der Antike den Vorraum ein und stellt gegen die Doctrin der Stiltrennung, dem Rationalitätsprimat und dem absoluten Schönheitsbegriff die Stilmischung, die Gefühlsherrschaft und einen historischen Schönheitsbegriff.
1.3 Ideologiegeschichtlicher Definitionsansatz Als Reaktion auf das Vernunftprinzip heben die Autoren ein von Gefühl und Phantasie geleitetes Verhalten hervor. Die Welt in ihrer Ganzheit ist nur dem subjektiven Bewusstsein zugänglich. Deshalb muss das Individuum der Gesellschaft seiner Zeit also hinreichend distanziert gegenüberstehen.
3
2. Historischer Hintergrund
1789 frz. Revolution, zerstörte polit. und religiöse Ordnungen, schuf Vorraussetzungen für gesellschaftl. und wirtschaftl. Umwälzungen.
1799-1814 Konsulat und Kaiserreich, Napoleon Bonaparte Napoleon verbreitet das Gefühl er wolle eine parlamentarische Monarchie, setzt aber doch nur seine eigenen machtpolitischen Ambitionen durch („moi seul suis le représentant du peuple“) Die Auswirkungen auf die Literatur sind „zensierender“ Art: er akzeptiert keine kritisch-autonomen geistigen Instanzen.
1814-1830 „Restauration“ unter Louis XVIII(1814-1824) und CharlesX(1824-1830). Versuch zur Monarchie zurückzukehren.
1830-1848 Julimonarchie In der Julirevolution wird Charles X aus dem Amt gejagt. Louis-Philippe („Bürgerkönig“) macht einen Spagat zwischen Monarchie und parlamentarischer Demokratie, was zu einem politischen Stillstand führt.
4
3. Literarische Entwicklung
3.1 Vorbilder Jean Jacques Rousseau (1712-1778) führte den Begriff “romantisch“ als Beschreibungskategorie bestimmter seelischer Zustände ein. Er bearbeitete die Themen Subjektivität und eigene Identität und beschrieb einen positiven Naturbegriff.
Lebrun-Pindare (1729-1807), André Chénier (1762-1794). Sie widmen sich zwar inhaltlich romantischen Themen, greifen jedoch unter formalen und sprachlichen Aspekten vielfach auf antike Modelle und klassische Vorbilder zurück. William Shakespeare (1564-1616). Seine dramatische Gestaltung der Leidenschaften und seine Überwindung künstlerischer Regeln beeindruckte die franz. Romantiker sehr, ebenso der junge Goethe (1749-1832).
3.2 Impulse In Frankreich regte Francois René de Chateaubriand mit seinem Roman „René“(1802) die romantische Bewegung mit an.
Prägende deutsch/englische Einflüsse (Goethe und Scott); gegenseitige Inspiration : Germaine de Stäel machte in F. die deutsche Literatur bekannt, i ndem sie mit ihrem programmatischen Werk „De l´Allemagne“ (1803) versucht den Franzosen zu beweisen, dass das politisch rückständige Deutschland auf dem Gebiet Kunst, Literatur, Philosophie und Religion einen Vorsprung gewonnen hat. Victor Hugo schafft gesamteuropäische Impulse durch seine Poetologie, die er in seiner Vorrede zu seinem Drama „ Cromwell“ (1827) niederlegte.
5
4. Allgemeine konstitutive Epochenmerkmale
4.1 Eingrenzung Das 19.Jh ist geprägt durch verschiedene Literaturmodelle (Romantik, Realismus, Naturalismus, Symbolismus). Sie überschneiden sich zeitlich, und liegen z.T. sogar parallel zueinander. So ist im 19.Jh eine literarische Strömung nicht mehr ohne weiteres mit einem Epochenbegriff gleichzusetzen.
Vielmehr ergibt sich einem e rst durch Vergleichen unterschiedlicher Literaturmodelle ein Gesamtbild für das 19.Jh.
Man kann sogar soweit gehen und sagen, dass das 19.Jh (geistesgeschichtlich) mit der französischen Revolution 1789 begann und erst mit Beginn des 1.Weltkrieges 1914 endete.
Unter der gesamt-europäisch literarischen Strömung Romantik, die widersprüchlicher als alle anderen literarischen Strömungen des 19. Jahrhunderts alle Gattungen und alle gesellschaftlichen Gruppen und Klassen erfasste, wird ereignis-geschichtlich allgemein der Zeitraum von 1804-1830 verstanden (Krönung Napoleon I bis zur Julirevolution in Paris). Spätestens aber nach der desillusionierenden Erfahrung der 1848er-Revolution ist dieser Begriff nicht mehr verwendbar, wenn auch einzelne Motive und künstlerische Techniken bis in das 20.Jh hinein fortleben.
Historisch- politische Daten auch der literarischen Periodisierung zugrunde zu legen, ist nur dann gerechtfertigt, wenn sie gleichzeitig Umbrüche oder Entwicklungsschübe der künstlerischen Produktion markieren. Dies trifft für folgende Kenndaten zu:
1820 = Erscheinungsjahr von Lamartines „ médiations poétiques“. 1843= das Jahr des Misserfolgs von Hugos „ burgraves“.
4.2 Die soziologischen Fronten und ihre Auswirkung auf die romantische Literatur Das Ende d er Revolution, d.h. die Etablierung der bürgerlichen Ordnung, ermöglicht die umfassende Diskussion einer neuen, romantischen Literatur, die sich vor allem in theoretischen und erzählerischen Werken ankündigt. Literatur
6
Quote paper:
Isabelle Grob, 2003, Die französische Romantik, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Entwicklung der einzelnen Merkmale der Geschlechtstypisierung
Psychology - Developmental Psychology
Termpaper, 12 Pages
Die Darstellung der Großstadt in der Literatur des beginnenden 20. Jah...
Scholary Paper (Seminar), 32 Pages
Darstellung der neueren Diskussion um einen offenen Unterricht
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Termpaper, 25 Pages
Die Darstellung der Frau in der romantischen Lyrik
Analyse der Frauendarstellung ...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 16 Pages
Montessori-Pädagogik - Leitideen und Konzepte der Montessori-Pädagogik...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 27 Pages
Handlungs- und produktionsorientierter Lyrikunterricht in der Sekundar...
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 21 Pages
Leselehrmethoden im Anfangsunterricht - Fibelkritik
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
Welche Konsequenzen ergeben sich aus den neuesten Befunden der Hirnfor...
Psychology - Developmental Psychology
Termpaper, 46 Pages
Carl Schmitt und die Politische Romantik
Sociology - Political Sociology, Majorities, Minorities
Termpaper, 25 Pages
Dysgrammatismus - Erscheinungsbild, Ursachen, Diagnose, Therapie
Termpaper, 39 Pages
Die Konstruktion der Weiblichkeit im Undinen-Mythos von Paracelsus bis...
German Studies - Miscellaneous
Scholary Paper (Seminar), 14 Pages
Dagmar Nick - Städte - Unterrichtsentwurf Sek. I
German - History of Literature, Eras
Lesson Plan, 10 Pages
Deskription der Studie: „Kindlicher Dysgrammatismus und Perspektivwech...
Scholary Paper (Seminar), 24 Pages
Geschlechteridentitäten in Ingeborg Bachmanns „Undine geht“
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 13 Pages
Wortstellung und Informationsstruktur des Französischen
Romance Languages - French - Linguistics
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 23 Pages
Identität und Ideal. Zur Ich-Bildung in der Psychoanalyse
Pedagogy - Pedagogic Psychology
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 17 Pages
Isabelle Grob's text Die französische Romantik is now available as a printed book
Isabelle Grob has published the text Die französische Romantik
Isabelle Grob has uploaded a new text
Französische Literaturwissenschaft
Mit multimedialen Lern- und Üb...
Jochen Mecke, Hermann H. Wetzel
Das Orientbild in der französischen Literatur und Malerei vom 17. Jahr...
Michael F. Klinkenberg
0 comments