Inhaltsverzeichnis
Caudillo und Caudillismo- Definition und etymologische Ableitung. 1
Einleitung. 2
Caudillismo - historischer Ursprung. 3
Bedingungen und Modalitäten des Caudillismo. 5
Caudillismo , Miliär und Bürgerkrieg. 7
Caudillismo und neue Ordnung. 9
Beispiel eines Caudillo: Pancho Villa. 10
Beispiel eines modernen Caudillo: Hugo Chávez Frias. 14
Schlu ßwort. 17
Literaturverzeichnis 18
Caudillo und Caudillismo - Definition und etymologische Ableitung Das „American Heritage Dictionary“ bietet in seiner Online-Ausgabe folgende Definitionen und etymologische Ableitungen:
Caudillo
1. A leader or chief, especially a military dictator.
2. A political boss; an overlord.
Etymology: Spanish, leader, from Late Latin capitellum, diminutive of Latin caput, head. 1
Caudillismo
The practice or system of rule by a caudillo.
Spanish, from caudillo, leader. 2
1http://www.bartleby.com/61/12/C0171200.html ;
2http://www.bartleby.com/61/11/C0171100.html ;
1
Einleitung
Das Prinzip des Caudillismo ist ein in Lateinamerika sehr weit verbreitetes Modell der Führung, sowohl in Politik als auch teilweise im Militär. Obwohl die Ursprünge des Caudillismo historisch weit zurückliegen, nämlich in den Unabhängigkeits- und Bürgerkriegen, spielt er auch heute noch in der politischen Landschaft der lateinamerikanischen Staaten eine bedeutende Rolle. Der venezolanische Staatschef Hugo Chávez oder aber der kubanische „Revolutionsführer“ Fidel Castro sind nur zwei von vielen aktuellen Manifestationen des Caudillismo, die aufzeigen, wie viel Bedeutung dem Caudillismo auch heute noch zuzurechnen ist (Eine Betrachtung der aktuellen Situation erfolgt am Ende der Arbeit). Ohne den Caudillismo lassen sich die Geschichte Lateinamerikas und die heutige politische Situation nicht verstehen. Die nachfolgende ProSeminararbeit soll daher einen Überblick über die Entstehungsgeschichte und die Ausprägungen des Caudillismo liefern. Desweiteren sollen exemplarisch einige Beispiele aufgezeigt werden, um dem Caudillismo gewissermaßen ein Gesicht zu geben.
2
Caudillismo - Historischer Ursprung Seinen historischen Ursprung hat der Caudillismo in den
Unabhängigkeitskriegen der lateinamerikanischen Bevölkerung gegen ihre spanischen Kolonisatoren von 1810 bis 1825.
Vor den Unabhängigkeitskriegen gab es lediglich Milizen, die zunächst ausschließlich aus Spaniern bestanden, da man den Eingeborenen und Kreolen aus offensichtlichen Gründen keine Waffen an die Hand geben wollte: den Kreolen wurde einfach verboten, Waffen zu tragen. Auf diese Weise wurde gewährleistet, dass Kreolen sich nicht militärisch organisieren. Diese „Personalpolitik“ wurde jedoch später aus verschiedenen Gründen geändert: zum einen war das Militär in Lateinamerika nicht besonders angesehen, so dass die Zahl der Desertationen relativ hoch war und es somit Bedarf an „Nachrückern“ gab.
Desweiteren ergab sich aus dem Waffenverbot für die Kreolen folgendes Problem: die Milizen bestanden ausschließlich aus eingereisten beziehungsweise dorthin versetzten Spaniern, die mit den Geländegegebenheiten nicht vertraut waren. Daher wurden, trotz des Waffenverbots für Kreolen, zunehmend Kreolen und Mestizen angeworben, um diese Informations- beziehungsweise Erfahrungsdefizite auszugleichen, so dass schließlich die in Lateinamerika stationierten Truppen zur einen Hälfte von Spaniern, zur anderen von Kreolen gestellt wurden.
In diesem Kontext kam es zunehmend zur Gründung von örtlichen Milizen, um die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu garantieren. Hierbei muss man zwischen den provinziellen Milizen und denen der Städte unterscheiden. Die provinziellen Milizen bestanden zumeist aus einem Stamm von Offizieren, der gelegentlich Mannschaften zu längeren Übungen einzog, sonst aber nicht über nennenswerte stehende Mannschaften verfügte.
In den Städten wiederum bildeten sich städtische Milizen, die Wach- und Polizeiaufgaben vor Ort erfüllten. Ab dem 18. Jahrhundert kam es auch zur Bildung von Indianermilizen.
Als die spanische Kolonialherrschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts von großen Teilen der kreolischen und indigenen Bevölkerungsschichten als immer unerträglicher empfunden wurde, begannen die Unabhängigkeitskriege.
3
In ihnen standen sich die regulären spanischen Truppen, ergänzt durch royalistische kreolischen Milizen, die zwar an der spanischen Kolonialherrschaft festhalten, jedoch mehr Rechte erlangen wollten, und die Milizen der so genannten patriotischen Kreolen, die für eine totale Unabhängigkeit eintraten, gegenüber. Dies ist der Zeitpunkt, an dem der Caudillo die politische Bühne Lateinamerikas betritt. Die von der kreolischen Oberschicht ausgehobenen Truppen wurden von sich spontan zusammenschließenden Guerillas unterstützt. Diese Guerillas bildeten sich, indem einzelne Männer, nämlich die Caudillos, andere um sich scharten, um mit ihnen in den Kampf gegen die spanischen Kolonisatoren zu ziehen. Die Unabhängigkeitskriege bewirkten letztendlich das Ende der spanischen Kolonialherrschaft. Das Ende der Unabhängigkeitskriege bedeutete jedoch nicht automatisch das Ende der Kämpfe. Mit dem Abzug der kolonialen Machthaber entstand ein Machtvakuum, dass die Rebellen aus verschiedenen Gründen nicht zu füllen imstande waren. Es herrschte große Uneinigkeit und eine gewisse Konzeptlosigkeit darüber, wie das Leben in den ehemaligen Kolonien nun auszusehen hatte. Überstürzt versuchte man, amerikanische Modelle zu realisieren, die sich jedoch als für die realen Gegebenheiten unpassend erwiesen.
Da die Truppen der Rebellen nur teilweise von höheren Ebenen her organisiert waren, da es sich um lockere Verbände handelte, die sich um Einzelpersonen, nämlich die Caudillos, gesammelt hatten, zersplitterten die im Kampf gegen Spanien vereinten Rebellen recht schnell. Dies lag neben der bereits erwähnten allgemeinen Konzeptlosigkeit auch am Unwillen der Caudillos, die Macht, die ihnen ihre Gefolgsleute sicherten, einfach so abzugeben. All dies führte rasch dazu, dass die verschiedenen Caudillos sich gegenseitig zu bekämpfen begannen und die nun freien ehemaligen Kolonien teilweise im Bürgerkrieg versanken. 3
Nun stellt sich allerdings die Frage, worauf diese Macht der Caudillos über ihre Gefolgschaft eigentlich basierte. Hierauf soll im Folgenden Kapitel eingegangen werden.
3 Vgl. „Süd- und Mittelamerika 2“, Fischer, S. 135ff.
4
Arbeit zitieren:
2004, Caudillismo - Vergangenheit und Gegenwart, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Freie Mandat als überkommenes Relikt im Parlament der Fraktionen?
Das Spannungsverhältnis zwisch...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Seminararbeit, 35 Seiten
Anonym hat den Text Caudillismo - Vergangenheit und Gegenwart veröffentlicht
Das Ruhrbistum in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
50 Jahre Bistum Essen
Reinhard Göllner
Motive und Auswirkungen der Wilderei Mitteleuropas in Vergangenheit un...
Wolfgang Scherleitner
Vergangenheit in der Gegenwart
Vom Umgang mit Diktaturerfahru...
Thomas Großbölting, Dirk Hofmann
Guiseppe Parini in Vergangenheit und Gegenwart
Die Rezeption eines italienisc...
Helmut C. Jacobs
Koloniale Vergangenheiten - (post-)imperiale Gegenwart
Walther L. Bernecker, Juan Antonio Ennis, Gerhard Fischer, Jörn Leonhard, Daniel Mollenhauer, Wolfgang Reinhard, Jörn Leonard, Rolf G. Renner, Barbara Schmitz
0 Kommentare