II
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis .................................................................................... VI
Tabellenverzeichnis........................................................................................VII
Symbolverzeichnis VIII
1 Einleitung 1
2 Finanzierung mittelständischer Unternehmen 3
2.1 Abgrenzung und Identität mittelständischer Unternehmen 3
2.2 Finanzwirtschaftliche Lage mittelständischer Unternehmen als
Ergebnis des deutschen Finanzsystems 4
2.3 Mittelstandsfinanzierung im Wandel 5
2.3.1 Zukünftige Bankenregulierung durch Basel II 5
2.3.2 Veränderte Kreditvergabepraktiken der Banken 7
2.3.3 Finanzielles Zielsystem mittelständischer Unternehmen 8
2.4 Mezzanine Capital als Finanzierungsinstrument für
mittelständische Unternehmen in Deutschland 10
2.4.1 Eingrenzung von Mezzanine Capital 10
2.4.2 Instrumente des Private Mezzanine Capital 12
2.4.2.1 Nachrangdarlehen 12
2.4.2.2 Stille Gesellschaft 13
2.4.2.3 Weitere Ausprägungen 14
3 Finanzierungsprobleme bei asymmetrischer Informationsverteilung 15
3.1 Einfluss von Agencykosten auf den Unternehmenswert 15
3.2 Adverse Selektion 16
3.3 Moral Hazard 17
3.3.1 Definition von Moral Hazard 17
3.3.2 Agencykosten des Fremdkapitals 18
3.3.3 Agencykosten externen Eigenkapitals 19
4 Mezzanine Capital als Instrument zur Verringerung der Probleme
asymmetrischer Informationsverteilung 21
4.1 Agencytheoretische Ansätze 21
4.1.1 Reduzierung der Agencykosten externen Eigenkapitals 21
4.1.2 Verringerung der Agencykosten des Fremdkapitals 23
III
4.1.2.1 Lösung des Risikoanreizproblems durch
Finanzierung mit einer Optionsanleihe 23
4.1.2.2 Ausgestaltung des anreizkompatiblen
Finanzkontrakts 27
4.1.3 Beseitigung der Agencykosten Adverser Selektion 28
4.2 Informationsökonomische Ansätze 30
4.2.1 Verringerung der Agencykosten einer direkten Aufnahme
von Eigenkapital 30
4.2.2 Vermeidung der Agencykosten einer Überinvestition 32
5 Beitrag der erläuterten Ansätze zur Erklärung der realen
Mittelstandsfinanzierung mit Mezzanine Capital 34
5.1 Agencytheoretische Ansätze 34
5.2 Informationsökonomische Ansätze 37
6 Zusammenfassung und Ausblick 39
Literaturverzeichnis 41
Anhang ............................................................................................................ 56 56
IV
Abkürzungsverzeichnis
AktG Aktiengesetz
BA Betriebsausgabe
BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
BdB Bundesverband deutscher Banken
Beh. Behandlung
Bet. Beteiligung
bspw. beispielsweise
bzw. beziehungsweise
ca. zirka
c.p. ceteris paribus
d.h. das heißt
DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag
EBIT Earnings before interests and taxes
EKQ Eigenkapitalquote
EStG Einkommensteuergesetz
et al. et alii
EU Europäische Union
F&E Forschung und Entwicklung
FN Fußnote
fortgeschr. fortgeschrittenen
gem. gemäß
Ges. Gesellschafter
GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
HGB Handelsgesetzbuch
i.e.S. im engeren Sinne
IfM Institut für Mittelstandsforschung
IRB Internal Ratings Based
Jg. Jahrgang
k. A. keine Angabe
KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau
KMU Kleine(s) und mittlere(s) Unternehmen
Mio. Millionen
nachf. nachfolgend
o.V. ohne Verfasser
p.a. per annum
V
pers. persönliche(n)
PIK Payment in Kind
S. Seite
sog. so genannte(r)
u.a. unter anderem
URL Universal Resource Locator
Vgl. vergleiche
Vol. Volume
z.B. zum Beispiel
VI
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Payoff-Profile bei Long-Call-Position des Kapitalnehmers 22
Abbildung 2: Payoff-Profile bei Long-Put-Position des Kapitalgebers 22
Abbildung 3: Payoff-Profile aus Sicht der Eigenkapitalgeber bei
Finanzierung mit einer Optionsanleihe 25
Abbildung 4: Wohlstandsfunktion des Kapitalnehmers bei gehaltenem
Long Call 58
Abbildung 5: Konvexitätsproblem des Long Call 58
Abbildung 6: Lösung des Perquisit Problems durch Long Put beim
Kapitalgeber 59
Abbildung 7: Payoff-Profile der Eigenkapitalgeber bei einem
Ausübungspreis der Option von null 62
VII
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Mittelstandsdefinition in Deutschland 3
Tabelle 2: Aktuelle Finanzierungsziele traditioneller mittelständischer
Unternehmen 9
Tabelle 3: Ausstattungsmerkmale von Private Mezzanine Instrumenten
in Deutschland 56
Tabelle 4: Bewertung deutscher Private Mezzanine Instrumente aus der
Perspektive traditioneller KMU 69
VIII
Symbolverzeichnis
α Wandlungsverhältnis einer Wandelanleihe
B Nominalwert einer Anleihe
0
EK Wert des Eigenkapitals in Periode 0
0
F Investitions- und Finanzierungsvolumen
* F Optimaler Perquisitkonsum bei Eigenkapitalanteil von 100% des
internen Gesellschafters
F Maximalwert des Perquisitkonsums
ˆ Investitions- und Finanzierungsvolumen bei optimaler
Investitionspolitik
Wert des Fremdkapitals in Periode 0
0
G
I I
2
,
II
Optimales Investitionsvolumen eines Projektes
i
Optimales Investitionsvolumen bei Finanzierung mit einer
Wandelanleihe
N
( )
Sich einstellendes Finanzierungsvolumen bei
P
Nicht-Beobachtbarkeit
Barwert
PV
P
EM
Payoff des externen Eigenkapitalgebers
KG
Basispreis des Call
Rendite eines Investitionsobjektes
i
S
FK
IX
Indifferenzkurve des Eigentümer-Managers U
1
Unternehmenswert
V
Unternehmenswert bei Perquisitkonsum von null
V
Wert des Eigenkapitals bei Second-Best-Lösung
*
C
C
Wert des vollständig mit Eigenkapital finanzierten Unternehmens
EK
Wert des Eigenkapitalanteils des Eigentümer-Managers
EM
KG
Wert des Put
P
Wert des Put bei Second-Best-Lösung
gegenüber
W
Hoher Unternehmens-Cashflow
H
Niedriger Unternehmens-Cashflow
( )
Cashflow in Abhängigkeit von Investitionsprogramm und eintref-
,
fendem Zustand (unter diesen Modellprämissen zugleich:
Unternehmenswert)
b
c
e
X
m ˆ Für die optimale Investitionspolitik erforderliche Höhe der
nominellen Rückzahlung des Fremdkapitals ( )
Sicherheitsäquivalent des Rückzahlungsbetrags des Fremdkapitals
in Abhängigkeit vom optimalen Investitionsprogramm
m Nominelle Rückzahlungshöhe des Fremdkapitals bei Finanzierung c
mit (optimaler) Wandelanleihe
Gesamte Anzahl Optionsanleihen bzw. Aktien n
n Anzahl ausstehender Aktien in 0 t
0
n ˆ Anzahl emittierter Optionsscheine
Anzahl der Optionsscheine, von denen jeder Investor glaubt, dass n
sie insgesamt ausgeübt werden
( )
o
auswählen
zu
erreichen
( )
p
q
H
Verbesserung zu erreichen
q
L
weiteren Verschlechterung zu erreichen
Verbleibender Anteil des Eigentümer-Managers am gesamten
Eigenkapital nach Aufnahme neuen externen Eigenkapitals
G
c G
mit (optimaler) Wandelanleihe
Zustand
s
s
1
Menge aller Zustände, in denen keine Insolvenz vorliegt
Zeitpunkt
Zeitpunkt eine „logische Sekunde“ nach Periode 0
0
u
w
mehr verschlechtert
1
x t
1
1 Einleitung
In Deutschland gehören 99,6% aller Unternehmen und damit 70% aller Beschäftigten dem Mittelstand an. Seit geraumer Zeit sind zunehmende Finan- zierungsprobleme dieser Gruppe von Unternehmen Gegenstand der öffentli- chen und politischen Diskussion. Einige der Diskussionsbeiträge vermitteln indes den Eindruck, der Grund für die Knappheit an Finanzierungsmitteln liege in der voraussichtlich mit Ende 2006 in Kraft tretenden Vereinbarung zur Ei- genkapitalhinterlegung der Banken (Basel II). 1 Basel II konfrontiere mittel- ständische Unternehmen mit ernsthaften finanziellen Problemen, da sie gegen- über großen Unternehmen hinsichtlich des erforderlichen Ratings benachteiligt seien. Diese Benachteiligung resultiere nicht zuletzt aus einer im Landes- und Größenvergleich unterdurchschnittlichen Ausstattung deutscher Mittelständler mit Eigenkapital. Als erstes sichtbares Zeichen der nahenden Veränderungen wird die zunehmende Zurückhaltung vieler Banken bei der Kreditvergabe an Mittelständler interpretiert, die für die betroffenen Unternehmen mit höheren Kreditzinsen oder einer Verweigerung von Krediten verbunden ist.
Im Zuge dieser Diskussion rückt das sog. Mezzanine Capital als Finanzie- rungsalternative zunehmend ins Blickfeld mittelständischer Unternehmen. In zahlreichen praxisorientierten Veröffentlichungen wird das bisher hauptsäch- lich im Rahmen strukturierter Finanzierungen bzw. von Unternehmen mit Ka- pitalmarktzugang eingesetzte Mezzanine Capital als eine Finanzierungsform dargestellt, welche die Vorteile von Eigen- und Fremdkapital in sich vereint. 2 Mezzanine ermöglicht danach Mittelständlern einen Ausweg aus ihrem Finan- zierungsdilemma, da im Ratingprozess als wirtschaftliche Eigenkapital gewer- tet wird, ohne mit den Nachteilen externen Eigenkapitals in Form hoher Rendi- teforderungen und der Gewährung von Stimmrechten verbunden zu sein.
Ziel dieser Arbeit ist es, über diese praktischen Argumente hinausgehende theoretische Erklärungsansätze für eine Vorteilhaftigkeit von Mezzanine Capi- tal gegenüber reinem Eigen- und/oder Fremdkapital darzulegen und die Mög- lichkeiten und Grenzen dieser Ansätze zu analysieren. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Mezzanine Capital für deutsche mittelständische Unternehmen einen Beitrag zum Erreichen ihrer finanzwirtschaftlichen Ziele leisten kann, der den einer Finanzierung mit reinem Eigen- und/oder Fremdkapital übersteigt.
1
Vgl. hier und nachf. etwa Marschall (2002a); Reich (2003), S. B 4.
2 Vgl. hier und nachf. etwa Dörscher/Hinz (2003), S. 606-610; Finsterer/Gulder (2001), S. 10-13; Jakob (2002), S. 16; Tanski (2002), S. 502-504; Volk (2003), S. 1224-1226.
2
Im zweiten Kapitel werden daher zunächst mittelständische Unternehmen begrifflich eingegrenzt und ihre qualitativen Besonderheiten erläutert. Ferner werden die Ursachen der Struktur ihrer derzeitigen finanziellen Rahmenbedin- gungen, insbesondere ihrer Möglichkeiten der Fremdfinanzierung, analysiert. Dabei wird nicht nur auf die Implikationen von Basel II, sondern auch auf die aktuelle Situation deutscher Banken als Einflussfaktor auf den Zugang mittel- ständischer Unternehmen zu Fremdkapital eingegangen. Um die Abbildung von Finanzierungsbeziehungen mittelständischer Unternehmen im Rahmen der später zu diskutierenden theoretischen Ansätze möglichst exakt beurteilen zu können, wird mithilfe der zuvor gewonnenen Erkenntnisse ein finanzielles Zielsystem traditioneller mittelständischer Unternehmen entwickelt. Darauf folgt eine Eingrenzung des Begriffs Mezzanine Capital sowie eine Beschrei- bung der deutschen Mittelständlern zugänglichen mezzaninen Finanzierungs- instrumente.
Die im zweiten Kapitel gewonnenen Einsichten führen in den Kapiteln drei bis fünf zu einer Konzentration der theoretischen Analyse auf Probleme asymmetrischer Informationsverteilung. In Kapitel drei wird zunächst ver- deutlicht, dass das Bestehen asymmetrisch verteilter Information die Höhe des Unternehmenswertes beeinflusst. Anschließend werden konkrete, bei der Unternehmensfinanzierung auftretende, Probleme asymmetrischer Information sowie erste Ansätze zu ihrer Beseitigung dargestellt. Die in Kapitel vier erläu- terten agencytheoretischen und informationsökonomischen Ansätze zeigen, welchen Beitrag Mezzanine-Finanzierungen zur Bewältigung von Problemen asymmetrischer Informationsverteilung leisten können. Zugleich wird analysiert, ob und inwiefern Mezzanine Capital bei der Finanzierung von mittelständischen Unternehmen einer reinem Eigen- und/oder Fremdkapital überlegen sein kann. In einem letzten Schritt werden die Prämissen der vor- gestellten Modelle beleuchtet und kritisch hinterfragt, um ihre Möglichkeiten und Grenzen bei der Analyse von Finanzierungsbeziehungen mittelständischer Unternehmen in Deutschland aufzuzeigen.
Die Arbeit schließt in einer Zusammenfassung der gewonnenen Ergebnisse sowie in gedanklichen Anstößen für die zukünftige Bedeutung von Mezzanine Capital in Finanzierungstheorie und -praxis.
3
2 Finanzierung mittelständischer Unternehmen
2.1 Abgrenzung und Identität mittelständischer Unternehmen
Mittelständische bzw. kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland zeichnen sich durch eine außerordentlich große Heterogenität aus. Dement- sprechend existiert für beide, hier synonym verwendete, Begriffe keine eindeu- tige Definition. 3 Grundsätzlich lassen sich KMU durch quantitative sowie qua- litative Kriterien von großen Unternehmen abgrenzen. Als übliche quantitati- ve Abgrenzung hat sich in Deutschland die Auslegung des Instituts für Mit- telstandsforschung durchgesetzt. Diese definiert aufgrund des Mangels an Da- tenmaterial der amtlichen Statistik 4 die Größe eines Unternehmens lediglich in Abhängigkeit von der Anzahl der Beschäftigten und seinem Jahresumsatz:
Tabelle 1: Mittelstandsdefinition in Deutschland
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an IfM (2003).
Zieht man qualitative Aspekte zur Beschreibung von KMU in Deutschland heran, so lassen sich zunächst folgende nennen: 5
• Selbstständigkeit, d.h. weitgehende Konzernunabhängigkeit
• Einheit von Mehrheitseigentum und Leitung beim Unternehmer
• Geringer Delegationsgrad: Aufgabenkonzentration beim Unternehmer
• Hohe Identifikation der Anspruchsgruppen mit dem Unternehmen
• Geringe Diversifikation und Konzentration auf wenige Kompetenzen
• Bedeutung von Sprunginvestitionen für das Investitionsverhalten Darüber hinaus kann unter Berücksichtigung der Lebenszyklusphasen 6 von KMU eine weitere Segmentierung in traditionelle und innovative KMU vor- genommen werden. Die einer mittleren bis späten Lebenszyklusphase zuzu- ordnenden traditionellen KMU unterscheiden sich von innovativen KMU im Wesentlichen durch eine enge Verbindung zur Unternehmerfamilie. Daraus resultiert häufig eine ausgeprägte Innenorientierung und Verschlossenheit sowie eine geringe Risikoneigung, die mit den Wettbewerbsverhältnissen in traditionellen Branchen und deren relativ festen Strukturen korrespondiert. 7
3
Vertiefend zu den Begriffsdefinitionen vgl. Krämer (2003), S. 8-11; Pfohl (1997), S. 3.
4
Vgl. Günterberg/Wolter (2002), S. 2.
5 Vgl. nachf. Fröhlich/Pichler/Pleitner (1996), S. 12; Zimmermann/Wortmann (2001), S. 157. 6 Vertiefend vgl. Neff (2003), S.108; Sidler (1997), S. 8.
7 Vgl. Zimmermann/Wortmann (2001), S. 157-158.
4
2.2 Finanzwirtschaftliche Lage mittelständischer
Unternehmen als Ergebnis des deutschen Finanzsystems Die finanzwirtschaftliche Lage deutscher KMU ist sowohl im Vergleich zu in anderen Ländern ansässigen KMU als auch zu großen deutschen Unternehmen durch eine geringe Eigenkapitalausstattung geprägt. 8 Innerhalb von KMU korreliert die Unternehmensgröße ebenfalls positiv mit der Höhe der Eigenka- pitalquote (EKQ). 9 Wie verschiedene aktuelle Studien bestätigen, ist diese Eigenkapitalschwäche von vielen KMU als das Hauptproblem auf finanzieller Ebene identifiziert worden. 10 So konnte sich binnen des letzten Jahres nach einer Erhebung von Creditreform die EKQ der betrachteten KMU leicht verbessern. Jedoch verfügten immer noch 63% der KMU über eine EKQ von unter 20%, 36% davon sogar von unter 10%. 11 Vielfach werden die Gründe der mäßigen Eigenkapitaldecke in der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Fremdka- pitalzinsen, der steuerlichen Benachteiligung thesaurierter Gewinne bis Ende 2000, dem deutschen Insolvenzrecht und der Begünstigung eines niedrigen Eigenkapitalausweises nach HGB gesehen. 12
Als einzige Erklärung greifen diese Argumente jedoch zu kurz. Vielmehr tru- gen die in Deutschland historisch günstigen Fremdkapitalkonditionen und die spezifisch deutsche Ausprägung des „Relationship Banking“, das Hausbank- prinzip, zu dieser Entwicklung bei. Traditionelle KMU konnten sich in lang- fristigen Kreditbeziehungen mit ihrer Hausbank, die über einen Informations- vorsprung gegenüber anderen potenziellen Kreditgebern (Outside Banks 13 ) ver- fügt, günstig mit Fremdkapital versorgen. 14 Diese stabile und verlässliche Möglichkeit der Kreditversorgung wurde in der Vergangenheit von einem flächendeckenden Universalbankensystem getragen, das durch regionale Marktmacht von Sparkassen und Genossenschaftsbanken geprägt war. 15 Einhergehend mit der beschriebenen Fokussierung auf die Kreditfinanzierung weist das deutsche Finanzsystem eine – vor allem im Vergleich zu angelsächsi- schen Systemen – geringe Kapitalmarktorientierung auf. Da zudem bei der
8
Vgl. Lichtblau/Utzig (2002), S. 329; o.V. (2003a), S. 21.
9 Lediglich Mikrounternehmen bilden hier eine Ausnahme. Vgl. Wossidlo (1997), S. 327. 10 Vgl. DIHK (2002), S. 2-3; KfW (2003), S. 47-51; o.V. (2000), S. 31.
11 Vgl. Creditreform (2003), S. 18-19.
12 Vgl. Kolbeck/Wimmer (2002), S.12; o.V. (2003b), S. 59. Grundlegend und vertiefend zum Eigenkapital vgl. Böttcher (1997).
13 Vgl. zum grundlegend Fischer (1990). Zum Begriff: Sharpe (1990), S.1069-1087. 14 Vgl. Elsas (2001), S. 269. Vertiefend zur empirischen Relevanz des Hausbankprinzips vgl. Elsas/Krahnen (1998), S. 1183-1316; Lehmann/Neuberger (2001), S. 339-359.
15 Vertiefend zur Rolle der Marktmacht beim „Relationship Banking“ vgl. Petersen/Rajan (1995), S.407-443.
5
Emission von Wertpapieren ein großer Anteil der Transaktionskosten aus Per- spektive der Emittenten als fix anzusehen ist, haben Kapitalmarktinstrumente für traditionelle KMU nur eine geringe Bedeutung. 16 Darüber hinaus ist eine hohe Erbschaftsteuerbelastung ein Hinderungsgrund für ein Going Public börsenfähiger Mittelständler. 17 Für Anleger an institutionalisierten Märkten bieten KMU im Vergleich zu großen Unternehmen ein schlechteres Chancen- Risiko Verhältnis bei geringerer Sekundärmarktliquidität und finden weniger Beachtung durch die „Financial Community“. 18 Ein solcher „Size Effect“ führt für KMU zu höheren geforderten Renditen und somit höheren Kosten der Eigenkapitalbeschaffung am Kapitalmarkt. Im internationalen Vergleich ist das deutsche Finanzsystem für KMU daher traditionell stärker durch staatliche Förderung in Form von Krediten und Garantien geprägt. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass KMU in der Vergangenheit aufgrund verschiedener Anreize dazu neigten, teures Eigenkapital durch günstiges Fremdkapital zu substituieren und einen höheren Verschuldungsgrad aufzubauen.
2.3 Mittelstandsfinanzierung im Wandel
2.3.1 Zukünftige Bankenregulierung durch Basel II
Die neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarungen (Basel II) werden voraussicht- lich ab Ende 2006 das aus dem Jahre 1988 stammende Regelwerk Basel I er- setzen. Zwar sind die Beschlüsse des im Jahre 1974 gegründeten Baseler Aus- schusses für Bankenaufsicht für seine Mitgliedstaaten nicht bindend. Er setzt jedoch internationale Standards, die bspw. in der EU über eine Richtlinie zeit- nah in nationales Recht umgewandelt werden sollen. 19 Die Struktur der Ban- kenaufsicht wird mit Basel II durch das sog. Drei-Säulen-Prinzip neu konzi- piert. 20 Die erste Säule regelt als wichtigstes Element die Mindesteigenkapital- anforderungen und wird durch die zweite Säule, die Bankenaufsichtsrechtliche Prüfung der Kapitaladäquanz, überwacht. Die dritte Säule zielt schließlich auf eine Stärkung der Marktdisziplin ab und beinhaltet im Wesentlichen Vorschrif- ten zur Erhöhung der Transparenz des Risikoprofils der Banken. Basel II be- zieht im Rahmen der ersten Säule neben marktlichen und operationellen Risi- ken erstmals individuelle Kreditrisiken als Grundlage für die Berechnung der Eigenkapitalhinterlegung ein. 21 Ziel dieser Neuregelung ist es, Banken einen
16
Vgl. Gerke/Bank (1999), S. 17-18; Kaufmann (1997), S. 142; Schmidt (1998), S. 293.
17
Vgl. Gerke/Bank (1999), S. 17; Langemann (2002), S. 70-71.
18 Vgl. Zimmermann/Wortmann (2001), S. 160-161.
19 Vgl. Boos/Schulte-Mattler (2001): S. 346; Paul/Stein (2002), S. 30.
20 Vgl. hier und nachf. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003), S. 1-181.
21 Vgl. Wilkens/Entrop/Völker (2001), S. 187.
6
Anreiz zur zeitgemäßen Risikoerfassung zu geben und somit eine risikoadä- quate Verzinsung von Krediten zu gewährleisten, um Mischkalkulationen und damit das Problem einer ungewollten Auswahl schlechter Kreditnehmer zu vermeiden. 22 Insgesamt soll eine Stabilisierung des internationalen Bankensys- tems erreicht werden. 23 Mussten nach Basel I Kredite an Nichtbanken noch un- abhängig von der Bonität der Schuldner von der Kredit gebenden Bank in Höhe von 8% mit Eigenkapital hinterlegt werden, so haben Banken nach den neuen Regelungen die Verpflichtung, die Ausfallwahrscheinlichkeit von Kredi- ten an einem externen (Standardansatz) oder bankinternen Rating (IRB- Ansatz) festzumachen. Im Ergebnis wird für Kredite an bonitätsstarke Unter- nehmen eine geringere (ab 0,4%) und für bonitätsschwache Unternehmen eine höhere Eigenkapitalhinterlegung (bis 32,5%) erforderlich. 24 Vielfach wurde in dieser Konditionenspreizung für KMU ein Nachteil gesehen, 25 da neben Bran- chendaten vor allem quantitative Kriterien aus der Jahresabschlussanalyse (mit der Höhe des wirtschaftlichen Eigenkapitals als einflussreiche Größe) sowie weiche Faktoren wie Managementqualität in ein Rating einfließen. Weiterhin zählen Faktoren aus den Bereichen Marktposition, Strategie und Datenqualität zu den qualitativen Kriterien, in denen KMU tendenziell schlechtere Bewer- tungen als große Unternehmen erhalten. 26 Auch hinsichtlich ihrer finanziellen Flexibilität und möglicher Sicherheiten haben sie häufig Nachteile.
Im Rahmen der letzten beiden Konsultationsrunden haben sich jedoch ent- scheidende Verbesserungen für KMU ergeben. 27 Die Risikostrukturkurve wurde, vor allem für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 50 Mio. Euro, deutlich abgeflacht. Ferner wurde die Liste der anerkannten Sicher- heiten verlängert. Langfristkreditzuschläge werden lediglich im fortgeschritte- nen IRB-Ansatz als nationales Wahlrecht einfließen. Die BaFin hat bereits angekündigt, vom Wahlrecht der Freistellung von Krediten an Unternehmen mit Jahresumsatz und Bilanzsumme unter 500 Mio. Euro Gebrauch zu machen. Am bedeutsamsten für KMU sind die Modifikationen bezüglich des Retail- Portfolios. 28 Mit Abschluss der zweiten Konsultationsrunde werden nicht nur
22
Vgl. Taistra/Tiskens/Schmidtchen (2001), S. 514.
23 Vgl. Meister (2003), S. 421. Dagegen kritisch zur Prozyklität von Basel II: BdB (2003). 24 Auf die Aufteilung des IRB-Ansatzes in Basisansatz und fortgeschrittenen Ansatz wird hier nicht eingegangen. Vertiefend vgl. Grunert et al. (2002a), S. 1045-1064; Schwaiger/Lawrenz (2002), S. 147-152; sowie zum aktuellen Stand: Schulte-Mattler/Tysiak (2002), S. 838-841. 25 Vgl. Grunert et al. (2002b), S. 17; Heismann (2002); Marschall (2002b).
26 Vgl. Weinrich/Jacobs (2003), S. 119. Vertiefend vgl. Gleißner/Füser (2002), S. 82-113. 27 Vgl. nachf. Knischewski (2003), S. 91-94; Schulte-Mattler (2003), S. 386-389.
28 Vgl. Liebig (2003), S. 60-65.
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Marcus Bröcker, 2004, Mittelstandsfinanzierung mit Mezzanine Capital - Eine theoretische Analyse vor dem Hintergrund von Basel II, Munich, GRIN Publishing GmbH
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