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0.Einleitung
Kaiser Traian (98 - 117) war der erste Adoptivkaiser und der erste Spanier auf dem Kaiserthron. Es wurden in der römischen Geschichte bereits vorher vereinzelt Thronerben adoptiert, der Begriff Adoptivkaisertum umfasst jedoch die Kaiser vom Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. bis zum Ende des 2. Jahrhunderts n.Chr. und ist in der Forschung in seiner Bedeutung für die römische Geschichte umstritten.
Antrieb zu dieser Verfahrensweise gab die Überlegung, dass der natürliche Erbe nicht unbedingt der Beste ist. Auf eine Legitimation der Thronfolge wollte man trotzdem nicht verzichten, sodass der Princeps den tüchtigsten seiner Mitarbeiter aussuchte und ihn adoptierte. Diese Methode brachte dem römischen Reich eine Blütezeit, die größte Ausdehnung und eine Reihe seiner größten Herrscherpersönlichkeiten (Traian, Hadrian, Antonius Pius und Mark Aurel). In diesem Verfahren wird "die konsequenteste Durchführung der Prinzipatsidee" gesehen. (1) Fraglich ist jedoch, ob darin tatsächlich ein eigenes freiheitlicheres Nachfolgeprinzip gesehen werden kann, da es nur beim Fehlen eines leiblichen Sohnes angewendet wurde und somit auch nur ein Teil des dynastischen Erbfolgeprinzips war. (2) Tatsächlich diente das Adoptivkaisertum nur zur Sicherung der Macht und wurde zu einem "Ideologem der "Adoption des Besten" überhöht" (3) Andererseits deutet sich hier bereits eine spätere Entwicklung der Herrschaft im römischen Reich an. Traian wurde von Nerva v.a. deswegen adoptiert, weil er als Statthalter von Germanien eines der am nächstenliegenden und schlagkräftigsten Heere befehligte, über vielfältige Verbindungen und großes Ansehen verfügte und die Herrschaft Nervas konsolidieren sollte, welche zu dem Zeitpunkt nicht gesichert war.(4)
(1) Kunkel, 60
(2) vgl. Bleicken 116
(3) Beck, 287, vgl. auch Plinius d. J. , Pan. 1,4-5, in dem die Adoption Traians durch Nerva zu einem göttlichen Willensakt erhoben wird und damit scheinbar jeder menschlichen Kritik entzogen wird. (4) vgl. Christ, Kaiserzeit, 288
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Dies ist ihm auch gelungen. "Das letzte Resultat der Adoptionsideologie war nichts geringeres als die endgültige Ausschaltung des Senates aus der Nachfolgeregelung. Ihm blieb künftig lediglich eine rein akklamatorische Funktion." (1) Sicher muß man Traians Wirken und seine Kriege immer vor diesem Hintergrund seiner Adoption und seiner militärischen Laufbahn sehen.
Um die sehr positive Rolle, die Traian trotzdem in der antiken Überlieferung bis in die heutige Zeit spielt, zu verstehen, darf man nicht vergessen, dass er meistens im Vergleich zu Kaiser Domitian gesehen wird, der besonders in der Antike einen sehr schlechten Leumund hatte. Auf Traian ruhten die Hoffnungen des Senats sowie des römischen Volkes auf eine Besserung der innenpolitischen sowie der außenpolitischen Verhältnisse. In der neueren Forschung wird zu Recht daraufhin gewiesen, dass die schlechte Meinung, die von Domitian teilweise bis heute besteht, nicht berechtigt war. "Deren Bild war in der antiken Überlieferung zuerst nach der Ermordung Domitians einer bewußten Verzerrung anheim gefallen und erstarrte dann zu jener durch die senatorische Tradition bestimmten Negativfolie für den Optimus Princeps Trajan." (1) Auf vielen innenpolitischen und außenpolitischen Gebieten hat Kaiser Traian, die von Domitian begonnenen Reformen und Maßnahmen lediglich weitergeführt.
Trotzdem Traian durchaus umfangreiche Reformen durchgeführt hat, waren es v.a. die Dakerkriege, die so sehr zu seinem Ruhm beigetragen haben. (2) Fraglich ist, was für die Zeitgenossen im Vordergrund gestanden hat. Cassius Dio berichtet, daß Traian genausoviel Geld für Kriege wie für Werke des Friedens aufbrachte und lobt die dringend benötigten Erneuerungsarbeiten an Straßen, Häfen und öffentlichen Bauwerken. (3) Er gibt durchaus zu, dass Traian ein Freund des Krieges war, jedoch nur um sein eigenes Volk zu erhöhen. Ebenso hebt er hervor, dass das strenge Regiment Traians über die Soldaten für die Zeit nach den Unruhen der Legionen sehr wichtig war. (4)
(1) Christ, 288
(2) vgl. Propyläen, 363 (3) vgl. Cassius Dio LXVIII, 7, 1 (4) vgl. ebd., 7, 5
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Im Zusammenhang mit den Partherkriegen gibt Cassius Dio jedoch auch noch einen anderen, persönlichen Beweggrund Traians an: "... in Wirklichkeit trieb ihn freilich Verlangen nach Ruhm." (1)
Dieses Verlangen nach Ruhm, dass Traian zu einem Feldzug trieb, der das Römische Reich an den Rand seiner Organisationsfähigkeit brachte und einen Höhepunkt in der römischen Expansionspolitik darstellte, kann man aus heutiger Sicht sicher zwiespältig betrachten. Da dieser Feldzug jedoch nicht Thema dieser Arbeit ist, bleibt die Frage nach den Beweggründen Traians für die Dakerkriege, deren Berühmtheit und den Folgen für Dakien und seine Bevölkerung. Außerdem stellt sich die Frage, ob Traian Grundzüge der Politik seines Vorgängers übernommen hat oder hier eigene Beweggründe eine Rolle gespielt haben. Man könnte die moderne Fragestellung nach der Notwendigkeit dieser Kriege hinzufügen.
1. Quellenlage
Die literarische Quellenlage für die Zeit der Regierung Traians sowie für die Zeit der Dakerkriege ist sehr schlecht. Es gibt keine zusammenfassende überlieferte Quelle. Die Kommentare des Krieges von Traian selber, wohl nach dem Vorbild Cäsars, sind lediglich in ihrer Existenz belegt. (2) Ebenso verloren ist die Beschreibung der Kriege durch den Leibarzt und Freund des Kaisers T. Statilius Kriton mit dem Titel Getiká und die Dakiké des Appian. (3)
In der Historia Augusta, die erst mit der Zeit Hadrians beginnt, sind wenige Hinweise auf Traian enthalten. Ebenso im 68. Buch der Römischen Geschichte des Cassius Dio. (4).
(1) Cassius Dio LXVIII, 17, 1
(2) Prisc. VI 13, p. 205
(3) eine grundlegende Zusammenstellung und Würdigung der literarischen Überlieferung zu Traian und seiner Regierung gibt Paribeni I 5 - 44 (4) vgl. zu Cassius Dio, F. Millar 1964
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Die Quellenfrage bei Cassius Dio, der von sich behauptet, er habe seine Vorgänger umfassend herangezogen (1), ist noch nicht befriedigend gelöst; dies gilt besonders für die Behandlung der traianischen Regierungszeit (2). Doch hat er mit Sicherheit mehr Quellenmaterial als nur die offizielle Darstellung der Dakerkriege, wie sie in den Kommentaren Traians vorlag, für seine Arbeit herangezogen. Cassius Dio ist in Hinblick auf die Dakerkriege durch den byzantinischen Mönch Johannes Xiphilinos von Trapezunt (etwa 2. Hälfte des 11. Jhd. n. Chr.) überliefert. Die Angaben für die Kämpfe 101-102 n. Chr. sind hierbei für eine Rekonstruktion der Feldzüge wesentlich ausführlicher als die für den zweiten Krieg 105 - 106 n. Chr., die sich in etwa auf die Schilderung des Baues der Donaubrücke , die Longinus-Affäre, den Mordanschlag auf den Kaiser und die Auffindung des Schatzes des Dakerkönigs beschränken. Es fehlt aber beispielsweise eine der Bedeutung des Geschehens angemessene Erwähnung der harten Kämpfe und Belagerungen zur Eroberung des dakischen Hauptortes Sarmizegetusa 106 n. Chr. Die Darstellung bietet nur eine grobe chronologische Reihenfolge und kann nur mit den Reliefs der Traianssäule und im Zusammenhang mit den Ausgrabungen in Rumänien gedeutet werden.
Dabei werden der Traianssäule unterschiedliche Wertigkeiten beigemessen. Während Strobel auf die Bedeutung der Trajanssäule als Korektiv zu den literarischen Quellen verweist (3), wird im Ausstellungskatalog der Schwerpunkt anders gelegt: "Die Versuche jedoch, auf der Säule die Orte der verschiedenen Kämpfe zu identifizieren und in den Skulpturen alle von den literarischen Quellen angegebenen Einzelheiten wiederzufinden, sind fehlgeschlagen. Die Beweiskraft der Reliefs auf der Säule ist sehr relativ, denn sie stellen Kunstwerke dar, und dazu noch höfische mit offiziellem Charakter. Es muß zugegeben werden, daß die Reliefs den realen Ablauf der einzelnen, militärischen Handlungen in der Zeit wiedergeben, aber auch das nur als Aufeinanderfolge, nicht als eine Strenge oder gar vollständige Aufzählung von Tatsachen." (4) Trotzdem sind Übereinstimmungen ein Indiz für die Historizität des Bildprogramms der Säule und umgekehrt.
(1) Cassius Dio, LIII 19, 6
(2) vgl. F. Millar a.a.O., 34-38 (3) vgl. Strobel, Traian, 21
(4) Ausstellungkatalog, 33, Strobel weist a. a. O. ebenfalls auf die Tendenziösität und den ideologisch- propagandistischen Charakter der Säule hin, Trajan,27
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Aus dieser unterschiedlichen Bewertung des nichtliterarischen Quellenmaterials und des Reliefs der Trajanssäule ergeben sich die Hauptgegensätze in der Interpretation der Dakerkriege in der modernen Forschung. Weitere literarische Quellen für die Kaiserzeit Trajans und die Dakerkriege bietet der Briefwechsel von Plinius dem Jüngeren aus Bithynien mit Trajan und der Panegyrikus, eine Lobrede, gehalten 100 n. Chr. und veröffentlicht 101 n. Chr. Diese ist die erste vollständig erhaltene Rede seit Ciceros Philippica. Erhalten ist diese Rede durch die wesentlich später zusammengestellten XII Panegyriki Latini, deren Herausgeber die Pliniusrede an die Spitze gestellt hat. Ebenfalls nicht erhalten sind die Schriften des Redners Dio Chrysostomus, eines hervorragenden Kenners der Zustände in Dakien und die Kriegsberichte des Ammianus Marcellinus. Bei Tacitus sind nur sparsame Äußerungen über den Kaiser enthalten. Mit der Trajanssäule sind bereits die nichtliterarischen Quellen angeschnitten. Weiterhin gehören dazu das "Große traianische Fries, der Trajansbogen von Benevent, das Tropaeum Traiani von Adamklissi als architektonische Quellen und die neueren Ausgrabungen in Rumänien. Während es auf der Trajanssäule eine ausführliche Darstellung der Dakerkriege gibt, steht auf dem Bogen von Benevent das zivile Leben des Kaisers im Vordergrund, mit Darstellungen des Hafenbaus, Ansiedlung von Veteranen, Städtegründungen und Alimentationen. (1) Nach Strobel nehmen die Dakerkriege einen wichtigen Platz ein, jedoch historisch-dokumentarisch wäre nur das Friesband des Bogens zu verwerten, das den Triumph des Jahres 107 n. Chr. darstellt. (2)
"Die erhaltenen Partien und die Fragmente des Frieses geben, von der Unsicherheit der Zuordnung ganz abgesehen, keine eindeutigen Hinweise auf konkrete Ereignisse der Kämpfe der Jahre 101 - 106 n. Chr." (3)
(1) ausführlich bei Lorenz
(2) vgl. Strobel, Traian, 34 (3) ebd., 33
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2. Die römische Außenpolitik
Die Feldzüge in Germanien müssen im Zusammenhang mit der ebenfalls 12 v. u. Z. beginnenden Unterwerfung Pannoniens und Illyriens durch Tiberius gesehen werden, d.h. des Raumes um die mittlere Donau, der in der Zukunft als das Bindeglied zwischen westlicher und östlicher Reichshälfte zum Schwerpunkt römischer politischer und militärischer Aktionen wurde. Domitians Feldzug gegen die Chatten hatte die Begründung der zwei linksrheinischen Germaniae zur Folge und die Verminderung des Heeres, sodass die Legion I Adiutrix von Mainz an die Donau verlegt werden konnte.
Es gab mehre Möglichkeiten des römischen Einflusses auf andere Länder und die Gewinnung von Klientelstaaten, wie z.B. die Inthronisierung von Vasallenkönigen, Umsiedlungsaktionen, die Gewinnung von Foederaten, die Gewährung von Subsidien und Spezialistenhilfe sowie der Ausbau des Gesandtschaftswesens. Eine Sonderstellung unter den Donauprovinzen nimmt Dakien als planmäßig kolonisiertes und ausgebeutetes Land ein.
Die Grenzprovinzen bieten ein ideales Feld für die Erforschung der Außenpolitik, weil sie als Schauplatz der Außenpolitik, Standort des Heeres und als die äußersten Randgebiete notwendigerweise die zuletzt eroberten Länder waren. Für die Römer existierte diese Unterscheidung in Grenz -und Binnenprovinzen nicht. Es gab lediglich eine Unterscheidung administrativer Art in kaiserliche und senatorische Provinzen. Seit Augusteiischer Zeit waren die drei Flüsse Rhein, Donau und Euphrat die Grenzen des römischen Reiches im Norden und Osten. Es wurden immer wieder Eroberungen jenseits des Euphrats gemacht, diese konnten jedoch nie lange gehalten werden. Es war eine Art Sicherheitsgürtel zwischen dem Reich der Parther und dem Römischen Reich, der abwechselnd beherrscht wurde.
"Die klassische Expansion der Republik hat zumeist mit höheren politischen Formationen: mit Monarchien und mit Städten zu tun gehabt. Als Objekte der Eroberung galten Gemeinden und Staaten, deren Grenzen bereits gegeben waren. Die Grenze als geopolitisches Problem ist erst in Europa aktuell geworden, als Rom sich hier zumeist unstabilen politischen Gebilden, Stämmen und vorübergehenden Bündnissen gegenüberfand." (1) (1) Mócsy, 27
Arbeit zitieren:
Daniela Hendel, 2001, Kaiser Traian und die Dakerkriege, München, GRIN Verlag GmbH
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