1.Einleitung..............................................................................................................................................................1 2.Der Mythos...........................................................................................................................................................1 3.Pyramus und Thisbe im Mittelalter ..................................................................................................................2 Schlussbemerkung ..................................................................................................................................................5 Literaturangaben......................................................................................................................................................6 Verzeichnis der Abbildungen................................................................................................................................7
1.Einleitung
In meiner Hausarbeit gebe ich anhand von drei Beispielen einen Überblick darüber, inwieweit sich der ovidsche Stoff von Pyramus und Thisbe im Mittelalter verändert hat und ausgelegt wurde.
Zuvor beginne ich aber mit einer kurzen Zusammenfassung des Mythos nach Ovid.
2.Der Mythos
Pyramus und Thisbe lebten Tür an Tür, liebten sich und wollten heiraten. Die Eltern waren dagegen, doch ein Spalt in der Wand machte es möglich, dass sie miteinander reden konnten und eines Abends ihre Flucht planten. Um Mitternacht wollten sie sich treffen an Ninus Grab, unter dem Schatten eines Maulbeerbaumes, der dicht neben einer Quelle wuchs. Kaum ward es Nacht, schlich Thisbe zu der verabredeten Stelle und wartete unter dem besagten Baum, der weiße und reine Früchte trug. Überrascht wurde sie jedoch von einer Löwin, die mit blutigem Maul von ihrem Raubzug kam. Thisbe versteckte sich aus Angst in einer Höhle, vergaß jedoch ihren Mantel. Pyramus erschien und musste zusehen, wie die Löwin einen blutverschmierten Mantel im Maul hatte. In dem Glauben seine Liebste wäre gefressen, nahm er sein Schwert und brachte sich um. Das Blut spritzte zu den reinen Maulbeeren und färbte sie rot. Thisbe kam unwissend wieder zurück und erblickte die roten Früchte des Baumes und darunter ihren, nun toten, Pyramus. Von Schmerz und Trauer geplagt nahm Thisbe sein Schwert um ihm zufolgen. Wieder färbten sich die Maulbeeren, nun noch dunkler. Die Götter hatten Mitleid mit diesem Paar und ließen von nun an die Früchte des Baumes für immer dunkel. 1
1 Ovid, 2001, Seite 104 - 109
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3.Pyramus und Thisbe im Mittelalter
Das christliche Mittelalter versuchte die Werke des unchristlichen Autors Ovid so umzuschreiben, dass er zu einem Boten von, z. Bsp. moralischen Lehren (Ovidius Ethicus) wurde 2 . Mit dieser nun moralischen Betonung in seinen Metamorphosen, konnte die so genannte „sittlich, verdorbene Bibel der Antike“ mit ruhigem Gewissen auch im Mittelalter gelesen werden. So wurde auch die Erzählung von Pyramus und Thisbe als ein Beispiel für „moralisch fehlerhaftes Verhalten“ 3 angesehen.
Licentius, ein Schüler des Kirchenvaters Augustinus, hatte vor, ein Gedicht über diese Erzählung zu schreiben. Augustinus befürchtete jedoch, das der philosophische Gedanke bei seiner Dichtung zu kurz kommen könnte und griff in das Vorhaben seines Schützlings ein. In diesem Gedicht wurde nun das Liebespaar zum Opfer der Wollust und schändliche n Begierde degradiert, was in einer Katastrophe endete. Angepriesen sollte hier die wahre christliche Philosophie werden, wo allein die reine und unverdorbene Liebe zur Glückseligkeit führen kann. 4 Auch in dem moralischsatirischen Lehrgedicht Das Narrenschiff des Sebastian Brant von 1494 wird der Mythos in Verbindung mit einem Appell an Verliebte mit dem Zitat: „ Der ist ein Narr, der boulen will“ 5 behandelt.
Diese Moral findet sich in einer Federzeichnung, aus dem Jahr 1525, von Urs Graf wieder. (siehe Abb.1)
Das Bild zeigt die Todesszene, bei der Pyramus nicht mehr lebt und Thisbe gerade dabei ist, Selbstmord zu begehen. Diese tragische Szene wurde umgesetzt in eine Satire. Eine nackte Thisbe stolpert von rechts regelrecht in die Szene, mit einem leidenschaftlich nach hinten gebogenem Oberkörper, direkt in den Dolch. Pyramus liegt, in reicher Landknechtstracht, zwar eigentlich tot vor ihr am Boden, doch in seinem Gesicht ist ein breites Lachen zu sehen. Man könnte glauben, er betrachtet wollüstig Thisbe und freut sich über den Anblick seiner nackten Liebsten. Im Hintergrund sitzt auf dem Brunnen ein Narr, der die Szene beobachtet. Er ist ein Sinnbild für die Dummheit dieser Tat. Aus seinen Ohren und dem Mund fließt Wasser und in den Händen hält er Becher aus denen Wasser ausgegossen wird. Das
2 vgl. Rand, 1972, Seite 26
3 zitiert nach Mühlenfels, 1972, Seite26
4 vgl. Leo Pollmann, 1972, Seite. 28
5 zitiert nach: Brant, Sebastian, 1972, Seite 44
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Ausgießen von Wasser erinnert an die törichten Jungfrauen, die nicht mehr genug Öl hatten und zu spät zu ihrem Bräutigam kamen. 6
Der sprudelnde Brunnen ist eine Anlehnung an Ovids bildhafter Beschreibung, wie das Blut beim Tode des Pyramus spritzte. Auf dem Brunnenrand liegt ein Löffel an Ketten. Der Löffel ist oft ein Attribut des Narren und der Ausdruck seiner Begierde, die durch das Wassers übermäßig sein muß, aber auf Grund der Kette nicht ausgelebt werden kann. Bei Ovid färben sich die Früchte des Maulbeerbaums schwarz, aber bei Graf wird der schon abgestorbene Baum, rechts, durch das Blut von Pyramus neu belebt. 7
Am Himmel ist eine dicke Wolke zu sehen, die womöglich die Tragik der Szene noch unterstreichen soll. Das Bild von Urs Graf ist ein Beispiel für die Macht der Liebe und ihre schicksalhaften Auswirkungen bei unüberlegtem Handeln. Eine weitere Umformung der Erzählung findet man z.Bsp. bei mittellateinischen Pyramus und Thisbe - Dichtungen von Matthaeus und Tedericus. Dort ist das Paar von einer Liebeskrankheit befallen, woran die „Macht der Venus“ Schuld ist. Sie werden nicht moralisch verurteilt sondern vielmehr zu Marionetten der Venus. Amor wird hier von Venus ausgeschickt, um Thisbe zu überreden sich in das Unheil zu stürzen und nicht nach dem Verstand zu gehen 8 . Laut Ovid ist aber Amor ein eigenständiger Liebesgott, der keine Befehle ausführt. Schließlich hat er auch seiner Mutter Venus Kummer gebracht mit seinen Liebespfeilen, wenn man an die Liaison mit Mars denkt. 9 Ein anderes Beispiel ist die Liebe von Apollo zu Daphne, die durch Amors Rache nicht erwidert wurde. 10
In einer altfranz. Verserzählung des 12.Jh., von einem anonymen Dichter, bestimmt aber nicht nur Amor das Schicksal der Liebenden, sondern auch Nature. Sie bestimmte das Aussehen und verlieh dem Paar die besondere Schönheit. Amor wird hier die Aufgabe zuteil über Leben und Tod zu bestimmen. 11 Aber Amor als Schicksalsgott? Ist diese Aufgabe nicht eigentlich den drei Parcen oder der Fortuna zugeschrieben?
6 vgl. Matthäus 25,1 - 13
7 vgl. Müller, 2001, Seite 231f
8 vgl. Mühlenfels, 1972, Seite 66 - 68
9 vgl. Ovid, Viertes Buch, 2001, Seite 109f
10 vgl. Ovid, erstes Buch, 2001, Seite 26 - 30
11 vgl. Mühlenfels, 1972, seite 68 - 69
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Arbeit zitieren:
Nanni Harbordt, 2003, Pyramus und Thisbe im Mittelalter, München, GRIN Verlag GmbH
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