Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 2
II. Integration und ihre Vorraussetzungen. 3
1. Integration, Assimilation und Multikulturelle Gesellschaft. 4
2. Leistungen zur Integration. 6
2.1 Leistungen des Einwanderers 6
2.2 Leistungen der Aufnahmegesellschaft 7
III. Einwanderung und Ausländerpolitik in Deutschland. 8
1 Einwanderung in die BRD seit 1945. 8
1.1 Phase der Vertriebenen und DDR-Flüchtlinge. 8
1.2 Phase der Anwerbung von Gastarbeitern. 9
1.3 Phase des Anwerbestops und Familiennachzugs 9
1.4 Phase der Flüchtlingsmigration und Ostöffnung. 10
2. Gastarbeiter-/Ausländerpolitik der Bundesregierung seit 1945. 10
2.1 Deutschland, Einwanderungsland ohne Einwanderungspolitik? 10
2.2 Phase der Anwerbe- und Rotationspolitik. 11
2.3 Phase der Konsolidierung. 12
2.4 Phase der restriktiven Ausländerpolitik 12
2.5 Neue Ausländerpolitik? 13
IV. Ausländerpolitik und Integration 14
1. Integration der Zuwanderergruppen durch die Ausländerpolitik 15
2. Defizite der Ausländerpolitik in Bezug auf Integration 16
2.1 Öffentliche Darstellung der Zuwanderung. 16
2.2 Gleichstellung der nichtdeutschen Bevölkerung. 17
2.3 Einbürgerung und doppelte Staatsbürgerschaft 18
V. Fazit. 19
VI. Verwendete Literatur 22
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I. Einleitung
„Die sehr dicht besiedelte Bundesrepublik ist kein Einwanderungsland“ (zit. nach Bischoff/Teubner 1991: 96).
Deutschland ist seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland, doch wurde diese Tatsache lange Zeit von der politischen Führung in obiger Form (hier von Bundesinnenminister Zimmermann, 1984) und ähnlich geleugnet, sowie in der Politik gegenüber der nichtdeutschen Bevölkerung wenig berücksichtigt. In dieser Arbeit soll untersucht werden, inwieweit die von der Bundesregierung seit den 1960er Jahren betriebene Gastarbeiter/Ausländerpolitik den Ansprüchen und Bedürfnissen eines Einwanderungslandes und der in ihm lebenden ausländischen Bevölkerung gerecht wurde und wird. Vor allem soll betrachtet werden, ob die Ausländergesetzgebung eine erfolgreiche Integration der ausländischen Bevölkerung ermöglichte oder ob sie eine solche nicht eher hemmte, schon allein weil die diesbezügliche Politik von vornherein von der permanenten Leugnung des unumkehrbar stattgefundenen Einwanderungsprozesses nach Deutschland überschattet wurde (denn ohne Einwanderung wäre ja auch keine Integration von Nöten). Um dieser Fragestellung nachzugehen soll zuerst der in dieser Arbeit verwendete Integrationsbegriff definiert und mit anderen in diesem Zusammenhang ebenfalls verwendeten Begriffen der Assimilation und multikulturellen Gesellschaft verglichen werden. Inwieweit beschreiben diese Begriffe gleiche oder unterschiedliche Sachverhalte? Weiterhin geklärt werden muss, warum die Integration der ausländischer Bevölkerung i n die Aufnahmegesellschaft eigentlich so wichtig ist. Nicht zuletzt sollen auch die Leistungen betrachtet werden, die für eine erfolgreiche Integration der ausländischen Bevölkerung sowohl von dieser als auch vom Aufnahmeland erbracht werden müssen. Dies soll später helfen, die Ausländergesetzgebung und Ausländerpolitik auf ihre Integrationsfähigkeit zu überprüfen und zu entscheiden, ob in Deutschland die Grundlagen für eine erfolgreiche Integration nichtdeutscher Bevölkerung bestehen.
Nach den Überlegungen zum Begriff der Integration soll sich dann dem Begriff des Einwanderungslandes zugewandt werden. Die Tatsache Deutschland, ein Einwanderungsland soll anhand der Geschichte der Immigration nach 1945 in die BRD (die Immigration in die ehemalige DDR soll hier außer Acht gelassen werden) und der in den verschiedenen Phasen der Einwanderung betriebenen Gastarbeiter-/Ausländerpolitik (und des Scheiterns der
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oftmaligen Bemühungen und Maßnahmen zur Umkehrung des Einwanderungsprozesses) aufgezeigt werden.
Abschließend müssen die Defizite der bundesdeutschen Ausländerpolitik in Bezug auf einen integrationsförderlichen Umgang mit der hier lebenden nichtdeutschen Bevölkerung aufgezeigt, jedoch im gleichen Zug Lösungsansätze und eventuelle Verbesserungen in den letzten Jahren betrachtet werden. Hat sich, vor allem mit dem Regierungswechsel 1998 im Zuge dessen auch ein Wandel in der Ausländerpolitik angekündigt wurde, bis heute eine positive Tendenz abzeichnen können? Und wo besteht in der Zukunft noch Handlungsbedarf zur Verbesserung der Integration und der Lage der nichtdeutschen Bevölkerung in Deutschland? Eine Bearbeitung und Versuch der Beantwortung dieser Fragen soll nun in dieser Hausarbeit folgen.
II. Integration und ihre Vorraussetzungen
Zum hier verwendeten Integrationsbegriff bedarf es Klärung, denn in der Soziologie wird der Begriff in vielfältiger Weise benutzt. So können zum Beispiel Menschen, Gesellschaften, Systeme, unter anderem sozial, strukturell oder funktional integriert sein. Somit soll in diesem Kapitel zuallererst betrachtet werden, was der Begriff Integration im Kontext der Migrationsforschung und dieser Arbeit bedeutet und was eine erfolgreiche Integration auszeichnen sollte. Dabei spielen Begriffe wie politische, soziale und kulturelle Integration, aber auch Assimilation und Multikulturalität eine Rolle. Letztere spiegeln in Debatten um Einwanderung und Integration verschieden Erwartungen und Standpunkte gegenüber den künftigen Rollen, Positionen, Rechten und Pflichten der eingewanderten Personen im Aufnahmeland (aber auch ihrer dort geborenen Kinder) wider. Der Integrationsbegriff, wie er im Rahmen von Migration und Einwanderung benutzt wird, hat viele Facetten und oft werden mit dem gleichen Begriff völlig verschiedene Anforderungen und Erwartungen verbunden und gestellt. Teilweise wird jedoch dabei auf Seiten der aufnehmenden Gesellschaft vergessen, dass auch sie ihren Beitrag zu einer erfolgreichen Integration leisten muss, und es wird oft zu wenig gewürdigt, dass die Bewältigung der an die Einwanderer gestellten Anforderungen zur Integration in die Aufnahmegesellschaft teils große psychische Anstrengungen von ihnen verlangt.
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1. Integration, Assimilation und Multikulturelle Gesellschaft
Es ist schwierig eine einheitliche Definition für den Begriff Integration im Rahmen der Migrationsforschung und Einwanderungsdebatten zu finden. Vor allem in den politischen Diskussionen wird er noch sehr vielseitig verwendet. Anscheinend wird mit ihm jedoch immer ein Prozess der Eingliederung der Einwanderer in die aufnehmende Gesellschaft beschrieben, welcher ein möglichst konfliktfreies Zusammenleben in der Gesellschaft ermöglichen soll. Ob und bis zu welchem Grad diese Eingliederung jedoch rechtlich, ökonomisch, sozial und/oder kulturell erfolgen soll, ob der Prozess selbst als Integration zu bezeichnen ist, Integration das Ergebnis dieses Prozesses ist oder es nur eine Integration „auf Zeit“ sein soll und in wieweit und in welchen Bereichen Gleichstellung damit verbunden ist, wird unterschiedlich begriffen. Hier unterscheiden sich die Auffassungen zu Inhalt, Vorraussetzungen und Ablauf von Integration.
Zumeist beinhaltet der vor allem im Bereich der Politik verwendete Begriff Aspekte eines anderen Begriffes zur Eingliederung, dem der Assimilation: „Zunächst wurde die „soziale Integration“ der Ausländer intentionell (also nicht verbal durch offizielle Erklärungen der staatlichen Instanzen) als ihre weitgehende Anpassung an den wie auch immer ausgewiesenen Verhaltensstandard der deutschen Bevölkerung, also faktisch ihre Assimilation, verstanden.“ (Ibrahim 1997: 119) „Die „Integrationspolitik“ (…) der Bundesrepublik (…) begreift Integration weitgehend als einseitige Anpassung der Zuwanderer an die gesellschaftlichen Verhältnisse, an die Lebensformen und die Kultur des Aufnahmelandes“ (Schoger 1994: 93) Aber auch in der sich mit Migration und Integration befassenden Forschung scheint Assimilation das Grundverständnis von Integration zu prägen: „Die Integrationsforschung sieht den Integrationsprozess traditionell als Assimilationsprozess des Migranten an. Zwar wird in dieser Forschungsrichtung nicht mehr von einer vollständigen Assimilation ausgegangen, dennoch werden Faktoren untersucht, die den Anpassungsprozess von Migranten beeinflussen.“ (Seifert 2000: 59) Assimilation ist also ein Anpassungsprozess und wird meist besonders auf die kulturelle Anpassung bezogen. Von den Zugewanderten und ihren Nachkommen wird erwartet, dass sie nicht nur die Sprache und rechtliche Regelungen, sondern auch kulturelle Werte und Normen erlernen und verinnerlichen, also sozusagen in der Aufnahmegesellschaft aufgehen bzw. von ihr assimiliert werden.
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Der Begriff und damit verbundene Konzepte sind somit jedoch sehr einseitig und es ist fraglich, ob sie eine erfolgreiche Integration in einem modernen Einwanderungsland wie der BRD ermöglichen können. Denn nur von den Zugewanderten wird erwartet sich anzugleichen und einzuordnen. Beiträge der Aufnahmegesellschaft und ein gegenseitiges Aufeinanderzugehen, Aspekte der Toleranz verschiedener Kulturen und des gegenseitigen Lernens kommen hier meist zu kurz. Zudem bleibt auch die Frage „…an welcher der zahlreichen Subkulturen […] man sich als Einwanderer ausrichten…“ soll (Elwert 2001: 257). Zygmunt Bauman spricht von Assimilation als das Entgehen der durch den Staat stigmatisierten, fremden (also der den Einwanderern eigenen) Lebensart, durch die Akzeptanz der nicht stigmatisierten Lebensart (also der der Aufnahmegesellschaft). Diese Stigmatisierung solle der Sicherung der sozialen Hierarchie und dem Machterhalt des Staates dienen und „unterstellte die Überlegenheit einer Lebensform und die Unterlegenheit einer anderen […] Sie [die Regierung; Anm. d. Verfassers] verstärkte effektiv die Ungleichheit, indem sie die Diskriminierung der unteren Ebene der Machstruktur an deren eigene Schwächen und Unzulänglichkeiten, eben deren ‚Andersartigkeit’, band.“ (Bauman 1990: 23) Die Defizite und negativen Empfindungen, welche mit dem Konzept der Assimilation verbunden waren, wurden in den 1980er Jahre erkannt und das neue Konzept der multikulturellen Gesellschaft kam in öffentlichen Diskussionen in der BRD auf (vgl. Ibrahim 1997: 122). Der Inhalt dieses Konzeptes wurde von Geißler wie folgt zusammengefasst: „… die Bereitschaft, mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen zusammenzuleben, ihre Eigenarten zu respektieren, ohne sie germanisieren oder assimilieren zu wollen. Das heißt auf der einen Seite, ihnen, wenn sie wollen, ihre kulturelle Identität zu lassen, aber gleichzeitig von ihnen zu verlangen, dass sie die universellen Menschenrechte und die Grundwerte der Republik, z.B. die Gleichberechtigung der Frau und die Glaubens- und Gewissensfreiheit, achten und zweitens die deutsche Sprache beherrschen oder beherrschen lernen.“ (Zit. nach Ibrahim 1997: 125). Lobenswert am Konzept der Multikulturellen Gesellschaft ist, dass es die gegenseitig notwendigen Beiträge zur Integration hervorhebt und nicht mehr eine Assimilierung der Zugewanderten in die Aufnahmegesellschaft fordert. Den Zuwanderern und ihrer kulturellen Identität wird somit auch auf schätzender Weise begegnet. Kritisiert an diesem Modell wird jedoch die Überhöhung des Kulturellen und der kulturellen Differenzen zwischen den „ethnischen“ Gruppen untereinander und der
Aufnahmegesellschaft. Dies kann la ut Ibrahim dazu führen, dass zwischen den Gruppen Konfliktpotentiale konstruiert bzw. hochstilisiert und die einzelnen Gruppen zu undifferenziert in Bezug auf unterschiedliche, sozialstrukturelle Lagen und Interessen ihrer
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Arbeit zitieren:
Daniela Bode, 2003, Integrationshemmende Ausländerpolitik?, München, GRIN Verlag GmbH
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