Aktive Arbeitsmarktpolitik in Brandenburg 1
Inhalt
0. Einleitung 2
1. Die aktuelle Arbeitsmarktsituation 3
2. Aktive Arbeitsmarktpolitik in Deutschland 4
2.1. Finanzierung, Aufgaben und Akteursgeflecht von ABS-Gesellschaften 4
3. Die arbeitsmarktpolitischen Akteure und ihre Strategien 7
3.1. Die Akteure des Bundes 7
3.2. Die Akteure des Landes Brandenburg und ihre jeweiligen Strategien 8
3.2.1. Strategie der Landesregierung 8
3.2.2. Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand & Technologie 9
3.2.3. Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen 10
4. Das Fallbeispiel eines Policy-Netzwerkes in der Arbeitsmarktpolitik:
Brandenburg an der Havel 11
4.1. Das leitende Politikmodell 12
4.2. Absicht und Wirkung exogener Steuerungsversuche 12
5. Fazit 14
Literaturverzeichnis
Aktive Arbeitsmarktpolitik in Brandenburg 2
0. Einleitung
Die ungebrochen hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland hat in den letzten Jahren die Arbeitsmarkt- und Beschäftig ungspolitik in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses und politischer Programmatik gerückt. Ein Teil des arbeitsmarktpolitischen Engagements umfasst dabei den Bereich der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Selbstverständlich ist diese für sich allein genommen kaum ausreichend, tiefgreifende Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt zu bewirkenhier sind hauptsächlich die Tarif -, Arbeits-, Wirtschafts- und Finanzpolitik gefragt. In dieser
Arbeit geht
es
in der Hauptsache um die
aktive
Arbeitsmarktpolitik. „Die ‚passive’ Arbeitsmarktpolitik regelt die kompensatorischen Leistungen für Einkommensausfälle infolge von Arbeitslosigkeit. Die ‚aktive’ Arbeitsmarktpolitik die - nach sozialen Gruppen, Regionen, Betrieben oder Industrien differenzierten Maßnahmen zur Beeinflussung der Beziehungen zwischen dem Angebot und der Nachfrage auf und zwischen über- und innerbetrieblichen Arbeitsmärkten. Arbeitsmarktpolitik im weiteren Sinn - ist darauf ausgerichtet, das Arbeitskräfteangebot und die Arbeitskraftnachfrage sowie die Beziehungen zwischen beiden Größen gesamtwirtschaftlich zu steuern, also ohne gezielte Differenzierung z.B. nach Betrieb, Industriezweig oder Region.“
1
Die aktiven Maßnahmen nehmen in diesem Bereich eine zentrale Stellung im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit ein. Richtig eingesetzt, können sie andere beschäftigungspolitische Instrumente fla nkieren, Humankapital erhalten und ausbauen, Randgruppen integrieren und die berufliche Mobilität fördern - ein wichtiger Schritt vor allem beim Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit (die im Blickfeld dieser Arbeit, nämlich dem Land Brandenburg, überdurchschnittlich hoch ist). Und so wird auch seitens der OECD und der EU gefordert, von der „Verwaltung der Arbeitslosigkeit“ im Rahmen passiver Unterstützung (Arbeitslosenhilfe, Arbe itslosengeld) abzugehen und stattdessen die aktiven Maßnahmen auszubauen und „Arbeit statt Arbeitslosigkeit zu fina nzieren“.
Im Grunde soll es daher in dieser Arbeit um die Frage gehen, ob die Mittel der aktiven Arbeitsmarktpolitik in Brandenburg jeweils entlang einer gewissen zentralen Programmatik gesteuert und effektiv eingesetzt wurden, oder ob der Mitteleinsatz eher unkoordiniert und daher vermutlich auch ergebnislos war.
1 Arbeitsmarktpolitik, unter http://www.net-lexikon.de/Arbeitsmarktpolitik.html
Aktive Arbeitsmarktpolitik in Brandenburg 3
In der Bundesrepublik ist vornehmlich die Bundesanstalt für Arbeit (BA) (neuerdings Bundesagentur für Arbeit) mit der Durchführung aktiver Maßnahmen betraut. Zunehmend - und nicht zuletzt aufgrund ihrer Zuständigkeit für den Einsatz eines Großteils der ESF-Fördermittel -
haben aber auch die Bundesländer eigene Aktivitäten entwickelt. Und um eine solche
r
Aktivitäten soll es in dieser Arbeit gehen. 1. Die aktuelle Arbeitsmarktsituation
Die Ursachen für die momentane Krise am Arbeitsmarkt sind vielfältig. Vieles spricht alle rdings dafür, dass sich die Probleme heute in vielerlei Hinsicht anders darstellen als in früheren Arbeitsmarktkrisen in der Bundesrepublik. Zunehmend wird deutlich, dass sich der Abwärtstrend auf dem Arbeitsmarkt auch nach der Erholung des Marktes und der Überwindung der Konjunkturkrise fortsetzt, und das bei sinkenden Erwerbsquoten. Theorien der langen We llen können einen Teil dieser Problematik beschreiben und Ursachen erklären
2
. Legt man diese Thesen einer Analyse der derzeitigen Arbeitsmarktkrise zugrunde, so ist die hohe Arbeitslosigkeit vor allem auf fundamentale Strukturschwächen zurückzuführen. Brandenburg hat bei der Erschließung neuer Wirtschaftsbereiche (Informationstechnologie, Ge ntechnologie, diverse Dienstleistungsbereiche) lange nicht die Aktivitäten entwickelt, die zur Kompensation der auftretenden Arbeits losigkeit infolge von Produktivitätszuwächsen und des Niedergangs ganzer Industriezweige auch im Zuge der Wiedervereinigung notwendig gewesen wären. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist daher heute vornehmlich eine mittel - und langfristig angele gte tarif-, wirtschafts-, geld- und strukturpolitische Aufgabe.
3
Dennoch stellt die aktive Arbeits-
rade weil kurzfristig keine tief greifenden Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt erwartet werden können. So gewinnen ihre Instrumente Bedeutung, da sie den Arbeitsmarkt entlasten und der Dequalifizierung der Arbeitslosen entgegenwirken können. Gleichzeitig sind sie geeignet, den Strukturwandel zu flankieren, indem sie das Humankapital an den Wandel anpassen 4 .
2
Vgl. Rothschild, Kurt W. (1994): Theorien der Arbeitslosigkeit, 2.Auflage, München/Wien, S. 124f
3 Vgl. Flassbeck, Heiner (1997): Wirtschaftspolitik im Zeichen von Globalisierung und Arbeitslosigkeit,
Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 1997, S. 82
4 Vgl. Walwei, Ulrich (1996): Aktive Arbeitsmarktpolitik in den OECD-Ländern - Entwicklungstendenzen
und Effekte, in: MittAB, Jg.29, Nr.3, 349-362
Aktive Arbeitsmarktpolitik in Brandenburg 4
2. Aktive Arbeitsmarktpolitik in Deutschland
Die Debatte um eine stärkere Verknüpfung von aktiver Arbeitsmarktpolitik und regionalisierter Strukturpolitik wird schon seit vielen Jahren geführt, erhielt aber durch die deutsche Einheit und der damit einher gehenden Kumulation der Probleme in Ostdeutschland erneuten Auftrieb. Einerseits waren und sind enorme infrastrukturelle Defizite und Altlasten zu bewältigen, andererseits eine sprunghaft ansteigende und sich bis heute haltende Arbeitslosigkeit. Die zentrale These dieser Debatte ist, „dass sich die beschäftigungspolitischen Ziele der Arbeitsmarktpolitik wie der regionalen Strukturpolitik um so erfolgreicher realisieren lassen, je besser diese Politikbereiche miteinander verzahnt sind“
5
. Leitbegriffe und Postulate für die
Beteiligten
oder zu
beteiligenden Akteure sind dabei nach wie vor „Konsens“ und „Bündelung“.
Zur Umsetzung einer stärkeren Verknüpfung von Arbeitsmarkt- und Strukturpolitik nehmen in Ostdeutschland sowohl der § 249h AFG als auch die Arbeitsförderungs-, Beschäftigungs- und Strukturentwicklungsgesellschaften (ABS-Gesellschaften) eine wichtige Rolle ein. Dabei sind die entstandenen ABS-Gesellschaften als neue Akteure explizit auf die Bearbeitung von Querschnittsaufgaben ausgerichtet, sollen sie doch an der Schnittstelle von Arbeitsmarkt-, Struktur-und Regionalpolitik wirken, um durch diese dezentrale Koordination und Verzahnung verschiedener Politikbereiche Synergieeffekte zu erzielen.
2.1. Finanzierung, Aufg aben und Akteursgeflecht von ABS-Gesellschaften Eine entscheidende Erfolgsbedingung für ABS-Gesellschaften ist ihre Herkunft bzw. das Akteursgeflecht, über das sie verfügen bzw. nicht verfügen. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen betrieblichen Ausgründungen und kommunalen ABS-Gesellschaften im Hinblick auf die Finanzierung, das Aufgabenspektrum und das Akteursgeflecht. ABS-Gesellschaften, die aus Unternehmen unter Treuhandverwaltung hervorgingen, verfügten zumeist über ein definiertes Aufgabenspektrum sowie ein stabiles Finanzierungsmanagement:
a) Die Aufgaben der ABS-Gesellschaften beschränkten sich in der Regel auf die Sanierung der ehemaligen Werksflächen; die inhaltliche Koordination erfolgte im Wesentlichen durch die Treuhandanstalt, bzw. im engen Zusammenspiel von Treuhandanstalt, ABS-Gesellschaft und Arbeitsamt.
5 Heinze/Voelzkow (1996): Koordinationsstrukturen zwischen Arbeitsmarkt- und regionaler Strukturpolit ik in
den neuen Bundesländern. Exemplarische Fallstudien am Beispiel regionaler Entwicklungskonzepte, Bo-
Arbeit zitieren:
Patrick Ehlers, 2004, Aktive Arbeitsmarktpolitik in Brandenburg, München, GRIN Verlag GmbH
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