Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Grundsätze der antiautoritären Erziehung in Summerhill 2
2. Sexualpädagogik in Summerhill 3
2.1 Einstellung zur Sexualität 4
2.2 Onanie 5
2.3 Sexuelle Aufklärung 6
2.4 Schwangerschaft und Abtreibung 6
2.5 Homosexualität 7
2.6 Nacktheit 8
Schlussteil 8
Literaturverzeichnis
Anlagen
Kurzbiographie von A.S. Neill
Übersicht zu den Phasen der psychosexuellen Entwicklung nach S. Freud
II
Einleitung
Das Thema „Sexualität“ ist aus unserer heutigen Medienwelt nicht mehr wegzudenken. Im Zeitalter von Aids wird offen über Sexualität gesprochen und aufgeklärt. Doch wer denkt, dass diese „Vergesellschaftung von Sexualität“ (Sielert 1993, S .21) den Erwerb einer befriedigenden sexuellen Identität erleichtert, der irrt sich. Es existieren immer noch Zwänge und Tabus, die sich im Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte, nur verlagert haben und somit schwieriger zu bekämpfen sind. (vgl. Sielert 1993, S. 21) Schon vor rund 83 Jahren setzte sich Alexander Sutherland Neill für eine freie Erziehung ohne sexuelle Tabus ein.
1921 wagte er ein „Experiment“ antiautoritärer Erziehung, indem er „Summerhill“ gründete. Sein Ziel war es „ die Schule kindgeeignet zu machen- nicht die Kinder schulgeeignet“(Neill 1969, S. 22)
Seine Schüler sollten in Freiheit aufwachsen und die Möglichkeit haben, sie selbst zu sein. Aus diesem Grund verzichtete er „ auf alle Disziplinarmaßnahmen, auf Lenkung, suggestive Beeinflussung, auf jede ethische und religiöse Unterweisung.“ (Neill 1969, S.22) Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Schüler von Summerhill machen können was sie wollen. Die persönliche Freiheit des Einzelnen geht nur soweit, wie sie andere Mitmenschen nicht beeinträchtigt. Immerhin gibt es in Summerhill ca. 200 Regeln an die sich die Schüler halten müssen.
Summerhill war aufgrund seiner freien Erziehung schon oft Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen, in denen es vor allem um die drei „S“- „Sex, Swearing and Smoking“ (dt.: Sex, Schimpfwörter und Rauchen) ging. (vgl.: Appleton 2000, S.1)
In Summerhill ist Sexualität kein isolierter Bereich, sondern gehört zur Anerkennung der Ganzheitlichkeit des Menschen. Dieser freie Umgang mit der Sexualität an sich und im Besonderen mit der kindlichen Sexualität, führte in der Vergangenheit zu vielen Missverständnissen. So schrieb ein Sozialkritiker „…ich könnte eines meiner Kinder ebenso gut in einem Bordell anmelden, wie in Summerill“ (Appleton 2000, S.1) Um mich dieser Dis kussion anzuschließen und diese Missverständnisse aufzuklären, möchte ich mich in der vorliegenden Studienarbeit mit der Sexualpädagogik 1 in Summerhill, die auf den Einstellungen von A.S. Neill basiert, kritisch auseinandersetzen. Hierzu gehe ich auf A.S.Neills Einstellung zur Sexualität, vor allem der kindlichen Sexualität in Anlehnung an die psychosexuelle Entwicklung nach S.Freud ein. Danach lege ich dar, wie
1 Sexualpädagogik ist ein Teilbereich der Erziehung. „ Anthropologische und sozialwissenschaftliche
Erkenntnisse, vor allem aus der Psychoanalyse, stützen die Forderung nach einer unbefangenen Bejahung der
Sexualität …Das gemeinsame aller modernen pädagogischen Bestrebungen ist eine emanzipatorische gegenüber
einer traditionell-repressiven Sexualerziehung, erreichbar durch Enttabuisierung der Sexualität und des
Sexualverhaltens und Vermittlung von Kenntnissen ihrer Entwicklungsformen und Einsicht in ihre soziale
Bedingtheit.“ (Häcker; Stapf 2004, S.859)
1
in Summerhill mit Onanie und Aufklärung umgegangen wird und wie Neill zu den Themen Schwangerschaft, Abtreibung, Homosexualität und Nacktheit steht. Doch bevor ich dazu komme möchte ich kurz auf die Grundsätze der antiautoritären Erziehung in Summerhill eingehen.
1. Grundsätze der antiautoritären Erziehung 2 in Summerhill
Neills pädagogische Arbeit basiert auf dem Glauben an das Gute im Kind. Das Kind wird mit allen Voraussetzungen geboren „das Leben zu lieben und am Leben interessiert zu sein.“ (Neill 1969, S.14) Es ist frei von Schuldgefühlen und Erbsünden.
Das Ziel von A.S. Neill ist es seine Sc hüler glücklich zu machen, indem sie ihre Individualität ausleben können, und nicht sie an die bestehende Gesellschaft anzupassen. „Glücklichsein heißt, auf das Leben nicht nur mit dem Verstand, sondern mit der ganzen Persönlichkeit zu reagieren.“ (Neill 1969, S.14) Und Neill behauptet: „Summerhill hat wahrscheinlich die glücklichsten Schüler der Welt“ (Neill 1969, S.26) Hieraus lässt sich erkennen, dass intellektuelle Bildung in Summerhill nicht an erster Stelle steht. Sie soll vielmehr mit der Entwicklung der Emotionalität und der natürlichen Selbstentfaltung des Kindes einhergehen. Lernen bedeutet in Summerhill Entdecken, Experimentieren und Spielen ohne Reglementierung, Anleitung oder Drill. (vgl. Ludwig 1997, S.17) Neill ist der Meinung, dass sich ein Kind ohne den Einfluss von Erwachsenen, entsprechend seinen Möglichkeiten entwickelt. ( vgl. Neill 1969, S.22/23) Hierbei ist der negativste Einflussfaktor auf die freie Entfaltung die erzwungene Disziplin, die seiner Ansicht nach zu Angst, Neurosen und Feindseligkeit führt. Deshalb lehnt Neill jegliche Form von einengenden Disziplinarmaßnahmen ab (siehe Einleitung) und erhebt die Freiheit zum größten menschlichen Gut. Hierbei ist Freiheit aber nicht gleichbedeutend mit Zügellosigkeit. „Jedes Individuum hat die Freiheit, das zu tun, was es will, solange es die Freiheit der anderen nicht beeinträchtigt.“ (Neill 1969, S.158) Neills Freiheitsgedanke zieht sich durch sein ganzes pädagogisches Konzept und findet seinen Ausdruck vor allem in der freiwilligen Teilnahme am Unterricht. Das Kind soll seine eigenen Interessen leben und selbst lernen, Angelegenheiten nach ihren Prioritäten einzuschätzen. (vgl. Neill 1969, S.123) Das erzieherische Verhältnis in Summerhill ist partnerschaftlich und nicht autoritär. Die Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern basieren auf gegenseitiger Achtung, ohne Zwang oder Druck auf den anderen auszuüben. Dies erfordert Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit im Umgang miteinander und Anerkennung als gleichberechtigte Partner. Dieser
2 Antiautoritäre Erziehung ist eine nichtrepressive, zwangsfreie Erziehungsmethode die in den Zwanziger Jahren
durch A.S. Neill und W. Reich begründet und Ende der Sechsziger Jahre wieder aufgriffen wurde.
2
Arbeit zitieren:
Doreen Hunger, 2004, Sexualpädagogik in Summerhill, München, GRIN Verlag GmbH
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