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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. 1
1. Einleitung. 2
2. Das siebte Opfer und die Nachfolge Christi als Idee
der Bürger von Calais. 2
2.1 Das siebte Opfer : Eustaches Suizid. 2
2.2 Die Christus-Parallelisierung. 6
3. Zusammenfassung/Bewertung. 8
Literaturverzeichnis 10
2
1. Einleitung
Die Bürger von Calais 1 , ein expressionistisches Bühnenstück, wurde 1912/1913 von Georg Kaiser geschrieben. Den Stoff für sein Werk entlehnte Kaiser in großen Zügen aus der Chronik des französischen Historikers Jean Froissart, der als Zeitgenosse den Opfergang jener sechs Bürger schilderte, die 1347 freiwillig für das Wohl ihrer Stadt bereit waren, dem englischen König ihr Leben zu opfern, jedoch dann auf Wunsch der schwangeren Königin von England begnadigt wurden.
Kaiser hat in seinem historischen Drama zwei wesentliche Veränderungen vorgenommen, wobei die erste zugleich die Voraussetzung für die Handlungsentwicklung in seinem Drama ergibt: Er vergrößerte die Zahl der freiwilligen Geiseln von sechs auf sieben und verzichtete am Schluß bei der Herbeiführung der Begnadigung auf die Erwähnung der Fürsprache der englischen Königin.
Jenes ‚siebte Opfer‘ bildet den Kernpunkt dieser Arbeit und an Hand einer textnahen Analyse des Stückes sowie Heranziehung von verschiedenen Forschungsmeinungen wird u.a. unter gegensätzlichen Ansatzpunktenvitalistisch-säkularen und religiösen - seine Stellung diskutiert.
2. Das ‚siebte Opfer‘ und die Nachfolge Christi als Idee
der Bürger von Calais
2.1 Das siebte Opfer: Eustaches Suizid
Im ersten Akt der Bürger von Calais erfährt die Bürgerschaft, daß der englische König die Stadt und den Hafen schonen will, wenn „sechs der gewählten Bürger aus dem Tor aufbrechen - barhäuptig und unbeschuht - mit dem Kittel des armen Sünders bekleidet und den 2 Strick im Nacken“
und die Schlüssel der Stadt überreichen. Die Bürger stehen nun vor der großen Entscheidung sich entweder der sinnlosen Verteidigung hinzugeben, was die
1
KAISER, Georg.:Die Bürger von Calais . Bamberg 1996.
2
Ebd., S. 12.
3
Zerstörung von Hafen und Stadt zur Folge hätte und dem Sinn des Hauptmannes Duguesclin entspräche oder auf das Ultimatum des Königs einzugehen. Mit heroischer Todesverachtung fordert jener Hauptmann zur Verteidigung und Selbstzerstörung auf und appelliert an den Stolz der Einwohner, sich einem glorreichen Untergang zu stellen, damit der König von England ohne Beute davonkommt. In dieser Situation tritt Eustache de Saint-Pierre als Gegner der militärischen Aktion auf und verneint den sinnlosen sowie gewaltsamen Widerstand. Sein Appell gilt dem Schutz und der Bewahrung der Stadt und des Hafens um des Werkes willen, das sie gebaut haben: „Ihr müßt es schützen - mit allen Sinnen - mit allen Taten. Wer seid ihr - am Rande eurer Taten? Mit euren Seufzern verklungen - mit 3 eurer Erschaffung verworfen - vor eurem Werk armselige Büßer!“ Das ‚Werk‘ ist das zentrale Argument Eustaches, welches von den Bürgern eine gemeinsame vollbrachte Leistung darstellt und dessen Bewahrung über alles gestellt ja sogar als Idol erhöht wird. Er schreitet zur Tat und t ritt den Weg als Opfer an, was aus dem Blickwinkel der Bürger eine befreiende Wirkung erfährt, da durch Eustaches Entschluß zum Opfergang die Zerstörung des Hafens sowie das sinnlose aufs Spiel setzen aller Leben unmöglich gemacht wird. Die dramatische Spannung im Stück wird durch die gleichzeitige Entscheidung zum Opfer des Bruderpaares de Wissant am Ende des ersten Aktes, als schon fünf Bürger sich zum Opfergang bereitstellten, ausgelöst. Anstatt sechs sind nun sieben Opfer bereit, was allgemeine Verwirrung auslöst und die nächste Entscheidung provoziert, wer von den sieben ausscheiden darf. Der siebte hat den anderen sechs neue Hoffnung gegeben, so daß der Entschluß zum Opfer im zweiten Akt auf einer neuen Ebene vertieft wird. Durch eine Auslosung mit Kugeln, die Eustache absichtlich ohne Entscheidung ausgehen läßt, prüft er erneut die Standhaftigkeit der Opferbereiten. Die Funktion der Losziehung erscheint wie ein von Eustache inszeniertes didaktisches Lehrstück 4 mit dem Ziel „ ihren Entschluß völlig rein zu 5 . Die machen und sie vor dem Vollzug der Tat neue Menschen werden zu lassen“ Entscheidung vom Morgen soll durch ein Ausscheiden am Abend nicht entwertet
4 DURZAK, Manfred.: Das expressionistische Drama I. Carl Sternheim - Georg Kaiser. München 1978. S. 148. 5 Ebd., S. 149.
Arbeit zitieren:
M. A. Firdaous Fatfouta-Hanka, 2002, Das 'siebte Opfer' und die Nachfolge Christi als Idee der "Bürger von Calais", München, GRIN Verlag GmbH
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