I Inhaltsverzeichnis
I Inhaltsverzeichnis I
II Abbildungsverzeichnis III
III Tabellenverzeichnis IV
IV Abkürzungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung 2
1.2 Aufbau und Methodik 2
1.3 Definition von Ökologischem Landbau 3
2. Darstellung der Rahmenbedingungen 5
2.1 Naturräumliche Rahmenbedingungen der Landwirtschaft in Niedersachsen 6
2.2 Die Entwicklung des Ökologischen Landbaus 9
2.3 Gesetzliche Ausgangslage 11
2.3.1 EU-Politik 12
2.3.2 Förderung durch den Bund 14
2.3.3 Förderpolitik des Landes Niedersachsen 15
2.4 Organisationsstruktur der Akteure 16
3. Vermarktung von Öko-Produkten 18
3.1 Wandel der Konsumenteneinstellung 18
3.2 Motive und Kaufbarrieren für den Erwerb von Öko-Lebensmitteln 20
3.3 Entwicklung der Preisbereitschaft und der Nachfrage 22
3.4 Entwicklung des Angebotes und der Preise 24
3.5 Vertriebskonzepte 27
4. Negative externe Effekte der konventionellen Landwirtschaft 30
4.1 Umweltbelastungen 31
4.1.1 Auswirkungen auf den Boden 31
4.1.2 Schadstoffemissionen in der Luft 34
I
4.1.3 Einfluss auf die Wasserqualität 35
4.1.4 Zerstörung der Biodiversität 36
4.2 Auswirkungen auf die Gesellschaft 38
4.3 Monetäre Bewertung der externen Kosten 39
4.4 Verbesserungspotential durch den ökologischen Landbau 42
5. Hypothesen zur Entwicklung des Ökologischen Landbaus 43
6. Empirische Untersuchung der Umstellungsmotive und der Auswirkungen der
Umstellung 45
6.1 Aufbau und Vorgehensweise der Untersuchung 46
6.2 Auswahl der Betriebe und Datengrundlage 47
6.3 Konzeption des Fragebogens und Durchführung der Befragung 48
6.4 Auswertung der Ergebnisse 50
6.4.1 Betriebsstruktur der befragten Betriebe 51
6.4.2 Motivation der Betriebsleiter 53
6.4.3 Vertriebsstruktur 54
6.4.4 Wertung der Subventionspolitik 56
6.4.5 Erfahrungen bei der Umstellung 58
6.4.6 Ökonomische Auswirkungen 61
6.5 Überprüfung der Hypothesen und Ergebnisse der Erhebung 64
7. Trendprognose und Zukunftsaussichten 67
7.1 Relevante Variablen 67
7.2 Trendprognose 69
7.3 Konsequenzen für die Akteure 72
8. Fazit 73
9. Literaturverzeichnis 75
10. Anhang 85
II
II Abbildungsverzeichnis
Abb 1: Bodenwertzahlen in Niedersachsen 7
Abb 2: Betriebsgrößen in Niedersachen 1999 in ha 9
Abb 3: Entwicklung der ökologisch wirtschaftenden Betriebe in Niedersachsen 10
Abb 4: Entwicklung der ökologisch bewirtschafteten Flächen in Niedersachsen 11
Abb 5: EU-Label 13
Abb 6: Die Preisbereitschaft bei ökologischen Lebensmitteln 23
Abb 7: Distributionswege für Öko-Lebensmittel 27
Abb 8: Umstellungszeitpunkt 52
Abb 9: Selbsteinschätzung der Landwirte 54
Abb 10: Anteil des Ab-Hof-Verkaufes 55
Abb 12: Änderung der Ertragssituation 61
Abb 13: Änderung der Arbeitskräfte 63
Abb 14: Einflussvariablen einer Umstellung 69
Abb 15: Schematische Darstellung der Entwicklungstendenz 72
III
III Tabellenverzeichnis
Tab 1: Prämienhöhe für den ökologischen Landbau in der BRD 14
Tab 2: Prämien in Niedersachsen 16
Tab 3: Verbände der ökologischen Landwirtschaft in Deutschland 17
Tab 4: Gründe für den Kauf von Öko-Lebensmitteln 21
Tab 5: Entwicklung der durchschnittlichen Verkaufserlöse für Produkte aus
ökologischem Anbau 26
Tab 6: Grenzwerte für Schwermetalle in Düngemitteln 33
Tab 7: Zuordnung der Fragen 49
Tab 8: Durchschnittliche Größenstruktur nach Betriebsformen 51
Tab 9: Arbeitskräfte nach Betriebsformen 52
Tab 10: Preisaufschlag von Öko-Produkten gegenüber konventionellen Produkten 55
Tab 11: Einschätzung der Subventionen 57
Tab 12: Einschätzung der Subventionsentwicklung 58
Tab 13: Erfahrungen in der Umstellung 59
Tab 14: Beurteilung der Beratungsqualität 59
Tab 15: Erfahrungen hinsichtlich der Umstellungsgeschwindigkeit 60
Tab 16: Veränderung der Flächenausstattung 62
Tab 17: Änderung der Maschinenausstattung 63
Tab 18: Motive zur Umstellung 66
IV
IV. Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung AbfKlärV Abfall und Klär Verordnung BioAbfV Bioabfall Verordnung BMVEL Bundesministerium für Verbraucherschutz und Landwirtschaft BRD Bundesrepublik Deutschland bzw. beziehungsweise ca. circa d.h. das heißt DM Deutsche Mark dt Doppeltonne € Euro EG Europäische Gemeinschaft EU Europäische Union EWG Europäische Wirtschaftsgemeinschaft e.V. eingetragener Verein etc. et cetera EU-ÖkolandbauVO EU-Ökolandbau Verordnung GAP Gemeinsame Agrarpolitik GAK Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes ha Hektar i.d.R. in der Regel IFOAM International Federation of Organic Agriculture Movements kt Kilotonne LEH Lebensmitteleinzelhandel LPG Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft o.g. oben genannten o.V. ohne Verfasser p.a. per anno S. Seite s.o. siehe oben
V
Tab. Tabelle
u.a. unter anderem
usw. und so weiter
versch. verschiedene
vgl. vergleiche
VO Verordnung
z.B. zum Beispiel
zit. zitiert
z.T. zum Teil
VI
1. Einleitung
Die zunehmende Diskussion über die Nachhaltigkeit unseres Handelns hat auch die Landwirtschaft erfasst und zu der Forderung einer umweltgerechten und nachhaltigen Nutzung in der Landwirtschaft geführt. Gesundheit, Verbraucherschutz und die Sicherung der Lebensmittelqualität rücken zudem immer mehr in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.
Die Agrarproduktion hat sich in den letzten Jahrzehnten durch die Ausrichtung der Agrarpolitik und den technischen Fortschritt stark verändert. Daraus folgte eine Intensivierung und Spezialisierung der Landwirtschaft mit einer hohen Produktivität, aber auch mit negativen Folgen für die Umwelt durch erhöhten Nährstoffeintrag und Pflanzenschutzmittel. Hier scheint die Umstellung der landwirtschaftlichen Betriebe auf einen ökologischen Landbau eine praktikable Alternative zu der konventionellen Landbewirtschaftung zu sein und eine nachhaltige Nutzung der agrarischen Produktionsbasis zu ermöglichen. Denn moderne Landwirtschaft bedeutet nicht nur die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, sondern in zunehmendem Maße eine nachhaltige Bewirtschaftung und der schonende Umgang mit den natürlichen Ressourcen.
Der ökologische Landbau sorgt mit seinen Produkten für die sichere und gesunde Ernährung der Bevölkerung und wirkt ausgleichend auf das Gefüge von Flora und Fauna. Die Aufgaben der modernen Landwirtschaft sind vielfältiger Natur und reichen von der Versorgungsfunktion mit Lebensmitteln über die Rohstoffbeschaffung bis zur Kultivierung des Naturraumes und dessen Fortbestand. Wichtig für eine dauerhafte Bewirtschaftung in einer nachhaltigen und ökologischen Landwirtschaft ist aber in erster Linie der wirtschaftliche Erfolg der Landwirte, welche als gewinnorientierte Unternehmen agieren. Denn auch bei ökologischen Zielen muss ökonomisch gehandelt werden, um eine höchstmögliche Effizienz des angestrebten Zieles und somit eine Schonung der Ressourcen zu erreichen.
Das primäre Ziel muss die Integration von Landbewirtschaftung und Umweltgestaltung sein, um so die Produktion und die ökologischen Aspekte zu berücksichtigen. Die
1
Kombination wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Aufgaben bringt für den
Landwirt die Verantwortung für die Gestaltung und Pflege des Bodens. 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Umstellung auf den ökologischen Landbau in Niedersachsen zu untersuchen. Befragungen der ökologisch wirtschaftenden Betriebe in Niedersachsen dienen durch Bestimmung der Umstellungsmotivation und der finanziellen Auswirkungen zur Abschätzung des Potentials für die Entwicklung des ökologischen Landbaus und dessen ökonomischen Folgen. Die Motivation zur Umstellung auf ökologischen Landbau hängt im Wesentlichen von den zukünftigen Erwartungen hinsichtlich des betriebswirtschaftlichen Erfolges der Landwirte ab. Daher ist die subjektive Einstellung der Betriebsleiter eine wichtige Determinante für eine Umstellungsüberlegung. Es sollen die verschiedenen Anreize zur Umstellung analysiert und in ihrer Priorität festgelegt werden. Des Weiteren sollen die externen Effekte einer ökologischen Landwirtschaft monetarisiert und dadurch die Subventionen und deren Entwicklung erklärt werden.
Ziel ist es, i n einem Gesamtmodell die zukünftige Entwicklungstendenzen des ökologischen Landbaus und dessen ökonomischen Auswirkungen für die Zukunft zu projizieren.
1.2 Aufbau und Methodik
Zunächst wird der Untersuchungsgegenstand dieser Diplomarbeit näher abgegrenzt durch die Definition und Diskussion der hier verwendeten Begrifflichkeit des ökologischen Landbaus und die geographische Einordnung des Untersuchungsgebietes. In Kapitel 2 werden zuerst die Rahmenbedingungen näher dargestellt. Dazu gehören neben den naturräumlichen Gegebenheiten in Niedersachsen auch der gegenwärtige Stand des ökologischen Landbaus und dessen historische Entwicklung. Durch die staatlichen Förderungen werden sowohl ein gesetzlicher Rahmen als auch ein finanzieller Anreiz geschaffen. Die Organisationsstruktur und die jeweiligen
1 vgl. Priebe (1990) S.133
2
Beratungsleistungen der verschiedenen Anbauverbände sind Ausgangspunkt für die meisten Umstellungsgedanken und daher zu den Rahmenbedingungen zu zählen. Die Zukunftsaussichten anhand der Marktentwicklung für ökologische Produkte werden in Kapitel 3 beleuchtet. Dabei soll der Preis für Öko-Produkte und dessen Verlauf anhand der Nachfrage und des Angebotes als wichtige Determinante für den wirtschaftlichen Erfolg der Landwirte untersucht werden.
In Kapitel 4 werden die externen Auswirkungen der Landwirtschaft erläutert und durch deren Quantifizierung und Monetarisierung ein Erklärungsansatz für die Gewährung von Subventionen geschaffen. D adurch soll ein Vergleich der Auswirkungen von konventioneller und ökologischer Landwirtschaft ermöglicht und die resultierenden Folgekosten zugeordnet werden.
Die aus den vorangegangenen Kapiteln gewonnenen Erkenntnisse werden in Kapitel 5 in Hypothesen zur Umstellung zusammengefasst, welche dann im Hauptteil in Kapitel 6 verifiziert b zw. falsifiziert werden sollen. Dies geschieht durch eine empirische Erhebung unter 420 ökologisch wirtschaftenden Betrieben der Anbauvereinigung Bioland e.V. in Niedersachsen.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung und der vorangehenden Kapitel werden in Kapitel
7 zu einem Erklärungsmodell zusammengefasst. Darauf aufbauend soll die Bildung
eines Zukunftsszenarios die weitere Entwicklung des ökologischen Landbaus in Niedersachsen beleuchten.
1.3 Definition von Ökologischem Landbau
Der Begriff Ökologie stammt von dem griechischen Wort oikos, „das Haus“, ab und
bezeichnet die Wissenschaft der Wechselbeziehungen der Organismen untereinander. 2
Eng mit der Ökologie verbunden ist die Ökonomie, da die wirtschaftliche Entwicklung zu einer Konfrontation mit der Natur geführt hat. Durch die Naturzerstörung bei der Produktion wächst der Grenznutzen der Umwelt und damit steigen auch die
Grenzkosten der Produktion an. 3
„Als Landwirtschaft bezeichnet man die geplante und gelenkte Nutzung der biologischen Erzeugungsfähigkeit von Pflanzen und Tierbeständen zum Zwecke der
2 vgl. Leser (1997) S. 577
3 vgl. Binswanger (1991) S.42
3
Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen.“ 4 Landwirtschaft ist dabei neben Gartenbau, Weinbau, Forst- und Holzwirtschaft und der Fischerei ein Teil
der Agrarwirtschaft, welche zu dem primären Sektor zählt. 5 Diese Arbeit bezieht sich nur auf die Landwirtschaft im engeren Sinne, das heißt, ohne die Forstwirtschaft und die Fischerei.
Der Hauptgedanke des ökologischen Landbaus ist das Wirtschaften im Einklang mit der Natur. Dabei soll der Stoffkreislauf innerhalb des Betriebes weitgehend geschlossen sein. Der landwirtschaftliche Betrieb wird als geschlossene Einheit aufgefasst, der aus den Produktionsfaktoren Boden, Arbeitskraft, Pflanzen und Tiere besteht. Besonderer Wert wird auf die Erhaltung und den Schutz der beteiligten Faktoren gelegt, insbesondere im Hinblick auf den Bodenschutz, den Gewässerschutz, den Artenschutz
und den Tierschutz. 6 Eine nachhaltige ökologische Landwirtschaft setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, so dass eine Gesamtbetrachtung aller Auswirkungen erfolgen muss. Teile hiervon sind ethische Gesichtspunkte im Hinblick auf den Tierschutz, die Erhaltung der biologischen Vielfalt in unserer Natur, und die Schonung der vorhandenen Ressourcen unter Berücksichtigung der ökonomischen
Bedingungen und der Verantwortung für eine ausreichende Nahrungsproduktion. 7 „Eine nachhaltige Landwirtschaft ist ökologisch tragfähig, ökonomisch existenzfähig, sozial
verantwortlich, ressourcenschonend und dient als Basis für zukünftige Generationen.“ 8 Der ökologische Landbau unterscheidet sich in vielfacher Hinsicht von anderen landwirtschaftlichen Verfahren, da dem Boden die Nährstoffe überwiegend durch Aufbringen landwirtschaftlicher Abfälle wieder zugeführt werden. Der ökologische Landbau nutzt die natürlichen Systeme der Schädlings- und Seuchenbekämpfung und vermeidet den Einsatz von synthetischen Pestiziden, Herbiziden und chemischen Düngemitteln.
Diese Arbeit erfolgt auf Grundlage der Eingrenzung der ökologisch wirtschaftenden Betriebe nach der Definition der EU-Verordnung Nr. 2092, welche die Grundlage für Fördermaßnahmen ist. Dort ist u.a. die Düngung, Lagerung, Verarbeitung und die Schädlingsbekämpfung genau geregelt. Das sind Punkte, welche auf den Grundsätzen der AGÖL (Arbeitsgemeinschaft für ökologischen Landbau) aufbauen, deren Hauptziel
4 zit. Haber / Salzwedel (1992) S.1
5 vgl. Leser (1997) S.20
6 vgl. o.V.: Ökologischer Landbau in Deutschland
7 vgl. Christen (1996) S.26
8 zit. Allen et al. (1991); Zit. in: Christen (1996) S.27
4
das Wirtschaften in geschlossenen Kreisläufen ist. Dies manifestiert sich in den
folgenden Zielen: 9
• Weitgehend geschlossener Betriebskreislauf
• Erhaltung und Steigerung der Bodenfruchtbarkeit
• Nutzung der natürlichen Regelmechanismen
• Weitgehende Schonung natürlicher Ressourcen
• Energieeffiziente Produktion
• Flächengebundene Tierproduktion
• Berücksichtigung ethischer Gesichtspunkte in der Tierhaltung
• Erzeugung hochwertiger und gesunder Lebensmittel bei bewusstem Verzicht auf
Höchsterträge.
Im weiteren Verlauf werden mit ökologischem Landbau alle Betriebe bezeichnet, welche die o.g. Richtlinien beachten und die Mindestanforderung zur Förderung des ökologischen Landbaus erfüllen. Ausgenommen von dieser Untersuchung sind Betriebe, welche zwar nach den o.g. Richtlinien gefördert werden, aber nur den Charakter eines Nebenerwerbes aufweisen. Die entsprechenden Kriterien für die Förderung werden in Kapitel 2 eingehender erläutert.
2. Darstellung der Rahmenbedingungen
Der moderne Landwirt muss zur erfolgreichen und gewinnbringenden Produktion die ihm gebotenen Möglichkeiten ausschöpfen. Daher ist er gezwungen, seine Produktion nach den naturräumlichen Voraussetzungen, der Marktnachfrage, den gesetzlichen Bestimmungen sowie den finanziellen Anreizen durch Subventionen zu gestalten. Dabei muss er wirtschaftlich und gewinnorientiert handeln und mit kostendeckenden Verfahren ein ausreichendes Einkommen erzielen.
Den Referenzwert hierfür liefern die Einkommen aus der industriellen Produktion und des Dienstleistungssektors. Da die ökologischen Funktionen nicht oder nur in
9 vgl. Beste (2000) S.30
5
begrenztem Umfang berücksichtigt werden, müssen die Landwirte meist die
Produktivität zu Lasten des ökologischen Zustandes erhöhen. 10
2.1 Naturräumliche Rahmenbedingungen der Landwirtschaft in
Niedersachsen
Das Bundesland Niedersachsen ist mit einer Gesamtfläche von 47.616 km 2 das zweitgrößte und mit 7,956 Millionen Einwohnern das viertbevölkerungsreichste Land
der Bundesrepublik Deutschland (2001). 11 Landwirtschaftlich genutzt werden davon
29.249 km 2 , welche durch 3,6% der Erwerbstätigen bewirtschaftet werden. 12
Niedersachsen lässt sich in vier naturräumlichen Regionen einteilen, die ein sehr unterschiedliches Nutzenpotential für die Landwirtschaft aufweisen. Durch ihre Bodenbeschaffenheit unterscheiden sich die Gebiete des Küstenlandes, der Geestgürtel, die Bergvorlandzone und die Weser-Ems-Region. In der nachfolgend abgebildeten Grafik werden die unterschiedlichen Bodenqualitäten anhand der Bodenwertzahlen dargestellt. Die in einer Skala von 0 bis 100 ausgedrückten Werte beschreiben das Potential für die landwirtschaftliche Nutzung, wobei 100 für einen sehr guten Boden steht.
10 vgl. Haber / Salzwedel (1992) S.2
11 vgl. o.V.: Niedersachsen – Ein Land stellt sich vor
12 vgl. o.V.: Geografische Daten des Landes Niedersachsen
6
Abb. 1: Bodenwertzahlen in Niedersachsen
Quelle: o.V.: Bodenwertzahlen in Niedersachen 1999
Im Norden liegt das Küstenland mit seinen Watten und Marschen; die junge Marsch am Deichrand ist durch ein hohes Nährstoffangebot gekennzeichnet und eignet sich sehr gut für den Ackerbau, wohingegen die küstenfernere alte M arsch vorwiegend von Grünland dominiert wird. Als Ausnahme der vorwiegenden Nutzungsform der Marschen ist das Alte Land an der Elbe zu sehen, welches durch intensiven Obstanbau
geprägt ist. 13 Insgesamt sind in diesem „nassem“ Gebiet überwiegend kleinere Betreibe mit Milchviehhaltung beheimatet. 14
Daran anschließend verläuft in einem breiten Gürtel die Geest, welche ca. 75% der Gesamtfläche bedeckt. Dieses landwirtschaftlich weniger günstige G ebiet ist charakterisiert durch Grünlandniederungen, Ackerflächen und Wälder. Dabei nimmt der
Grünland-Anteil von Norden nach Süden zu Gunsten der Waldflächen ab. 15
13 vgl. Thiem (1993) S.14
14 vgl. Keckl (2001) o.S.
15 vgl. Thiem (1993) S.16
7
Weiter südlich schließen sich die Bergvorlandzone und das Hügelland mit ihren für den Ackerbau prädestinierten Lößböden an. Dieser Boden ist ein guter Wasserspeicher und verfügt über einen hohen Anteil an Mineralien. Er ist daher ein idealer Ackerboden, auf
dem anspruchsvolle Feldfrüchte mit höchstem Ertrag angebaut werden können. 16 In
diesem traditionell von Großbetrieben dominierten Gebiet der Heide und im Umland von Braunschweig sind insbesondere Marktfruchtbetriebe beheimatet, welche die fruchtbaren Böden in der Ostheide und südlich des Mittellandkanals zum Anbau von
Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben und Raps nutzen. 17
In der Weser-Ems-Region betreiben die Veredelungsbetriebe überwiegend die Mast von Schweinen und Geflügel. Die Veredelungsregion Weser-Ems ist heute die wichtigste Agrarregion Niedersachsens. Hier wird ca. 40% der landwirtschaftlichen
Bruttowertschöpfung Niedersachsens erzielt. 18 Nach Süden hin wird Niedersachsen
durch den waldreichen Harz mit seiner ausgeprägten Forstwirtschaft begrenzt. Insgesamt lässt sich eine Dreiteilung der landwirtschaftlichen Nutzung feststellen, welche von den Futterbaubetrieben dominiert wird. Dabei ist ein Nord-Süd-Gefälle mit der als Milchregion ausgeprägten Küstenregion, der südwestlich daran anschließenden Veredelungsregion mit ihren Mastzuchtbetrieben und den südlichen
Marktfruchtbetrieben zu erkennen. 19 Diese verschiedenen Betriebstypen spiegeln sich
auch in den Betriebsgrößen wieder, die in den durch den Marktfruchtbau gekennzeichneten Betrieben mit am höchsten sind und zu den Milchregionen im Norden abnehmen. Die folgende Grafik zeigt eine Steigerung der Betriebsgrößen von Westen nach Osten hin.
16 vgl. Thiem (1993) S.21
17 vgl. Keckl (2001) o.S.
18 vgl. Keckl (2001) o.S.
19 vgl. Arnold (1993) S.100
8
Abb. 2: Betriebsgrößen in Niedersachen 1999 in ha
Quelle: o.V.: Betriebsgößen in Niedersachsen
2.2 Die Entwicklung des Ökologischen Landbaus
Der moderne ökologische Landbau als Antwort auf die Industrialisierung der Landwirtschaft wurde bereits 1924 von Rudolf Steiner durch einen Vortrag über biologisch-dynamische Wirtschaftsweise begründet. Dessen anthroposophisches Naturhaushaltkonzept umfasste neben der stofflich-physikalischen Ebene aber auch eine „übersinnliche“ Ebene. Darauf aufbauend entstand die erste Verwertungs- und
Vermarktungsgesellschaft Demeter. 20 Allerdings war diese Betriebsform bis in die 80er
Jahre vor allem durch die Reaktion idealistischer Bauern geprägt, welche durch die Rückbesinnung auf die alten Werte dem Druck der Industrie zu entkommen versuchten und eine Marktnische besetzten.
20 vgl. o.V.: Was ist biologisch-dynamisch?
9
In Deutschland wurde der ökologische Landbau seit 1989 auf Grundlage des EG- Extensivierungsprogramms (Verordnung (EWG) Nr. 4115/88) über Flächenprämien gefördert. Dadurch kam es zu einem deutlichen Anstieg der ökologisch wirtschaftenden Betriebe mit einer starken Angebotsausweitung in einem noch sehr kleinen Marktsegment.
Ab 1994 war die EG-Verordnung 2078/92 zur Förderung umweltgerechter und den natürlichen Lebensraum schützenden landwirtschaftlichen Produktionsverfahren die
Grundlage für ein abgeändertes Förderverfahren. 21
Ende 2002 wurden in der BRD bereits 696.978 Hektar von 15.626 Betrieben ökologisch bewirtschaftet. Der Anteil an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche betrug damit 4,1%, bewirtschaftet von 3,6% der Gesamtbetriebe. Dies entspricht einem Wachstum
von ca. 10% gegenüber 2001. 22 In Niedersachsen gab es Ende 2002 bereits 991
Betriebe, die eine Gesamtfläche von 51.989 Hektar bearbeiteten. Auf der nachfolgenden Grafik ist die Entwicklung der Betriebszahlen und der bewirtschafteten Fläche dargestellt. Erst ab dem Jahr 2000 ist wieder ein deutlicher Wachstumsschub zu verzeichnen.
Abb. 3: Entwicklung der ökologisch wirtschaftenden Betriebe in Niedersachsen
Quelle: Eigene Darstellung nach o.V.: Entwicklung der ökologisch wirtschaftenden Betriebe in
Niedersachsen
21 vgl. o.V.: Förderung des ökologischen Landbaus
22 vgl. o.V.: Konsolidiertes Wachstum des ökologischen Landbaus
10
Die durchschnittlich bewirtschaftete Fläche entwickelte sich analog zur Anzahl der Betriebe, nur im Jahr 1997 gab es eine deutliche Ausweitung der Fläche bei nahezu konstanter Betriebszahl, wodurch sich die Flächenausstattung je Betrieb von ca. 35 ha im Jahr auf ca. 52 ha im Jahr 2002 gesteigert hat.
Abb. 4: Entwicklung der ökologisch bewirtschafteten Flächen in Niedersachsen
Quelle: Eigene Darstellung nach o.V.: Entwicklung der ökologisch bewirtschafteten Flächen in
Niedersachsen
Der Gewinn der ökologisch wirtschaftenden Betriebe lag dabei zuletzt unter dem der konventionellen Betriebe; diese verzeichneten in Niedersachsen im Jahr 2001/2002 einen durchschnittlichen Gewinn von 38.986 €. Das bedeutet einen Rückgang um 4,15% gegenüber dem Vorjahr, liegt aber noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt
von 33.593 €. 23 Der Gewinn der ökologischen Betriebe betrug im Jahr 2001/2002 im
Bundesdurchschnitt nur 33.422 €, Vergleichszahlen für den Raum Niedersachsen waren
nicht verfügbar. 24
2.3 Gesetzliche Ausgangslage
Grundlage für den Landbau sind neben den naturräumlichen Rahmenbedingungen und den Anforderungen des Marktes auch oder gerade die gesetzlichen Bestimmungen zur
23 vgl. BMVEL (2003b) S.29
24 vgl. BMVEL (2003b) S.129
11
Produktion und insbesondere die finanziellen Anreize durch Subventionen d es Gesetzgeber. Da für den ökologischen Landbau striktere Vorgaben hinsichtlich der eingesetzten Produktionsfaktoren und der Verfahrensweise existieren als bei der konventionellen Landwirtschaft, werden zum Ausgleich und zur Förderung finanzielle Vergünstigungen gewährt.
Der Aufbau der Strukturhilfen ist dabei dreigeteilt; die EU-Agrarpolitik stellt mit ihrer Richtlinienkompetenz für die Agrarstrukturpolitik den Rahmen und die Mindestanforderungen, welche von der BRD weiter ausformuliert und definiert werden; die Bundesländer haben die Möglichkeit, vorgegebene Fördersätze den entsprechenden Gegebenheiten und landespolitischen Zielen anzupassen.
2.3.1 EU-Politik
Die gemeinsame Agrarpolitik der Mitgliedsländer (GAP) hat die nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft und der Umwelt zum Ziel. Dementsprechend wird der ökologische Landbau als nachhaltige Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse besonders gefördert. Aber neben der Bedrohung durch die intensive Landwirtschaft besteht das Problem der wirtschaftlich nicht mehr interessanten extensiv genutzten Flächen. Deren Nutzungsaufgabe ist für den Naturschutz ähnlich problematisch zu
sehen. 25 Denn die nicht gepflegten Flächen dienen nicht automatisch als Biotop. Im
Rahmen der Agenda 2000 wurde dies ein zentraler Bestandteil der Agrarpolitik mit der Folge, dass die Umweltstandards deutlich erhöht und die Fördermaßnahmen verbessert wurden. Grundlage der EU-Förderpolitik ist die EG-Verordnung 2092/91 zur "Förderung umweltgerechter und den natürlichen Lebensraum schützende landwirtschaftliche Produktionsverfahren" aus dem Jahr 1992. In dieser wird definiert, wie landwirtschaftliche Erzeugnisse erzeugt werden müssen, damit sie als Öko- Produkte gekennzeichnet werden dürfen. Die EU-Verordnung basiert auf den Basisrichtlinien der IFOAM (International Federation of Organic Agriculture Movements), der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen,
in welcher ca. 740 Verbände international organisiert sind. 26
25 vgl. Europäische Gemeinschaft (2002) S. 9
26 vgl. o.V.: Ökologischer Landbau in Deutschland
12
Quote paper:
Sascha Wasser, 2004, Ökologischer Landbau in Niedersachsen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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DOI
Bestimmungsfaktoren für die Entwicklung des ökologischen Landbaus in I...
Diploma Thesis, 127 Pages
Herausforderungen seniorengerechter Kommunalpolitik unter Gesichtspunk...
Am Beispiel von Nürnberg und L...
Scholary Paper (Seminar), 37 Pages
Sascha Wasser has published the text Ökologischer Landbau in Niedersachsen
Sascha Wasser has uploaded a new text
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Der Ökolandbau in Recht und Pr...
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